Kleine Korrektur

In einem meiner gelegentlichen Ungemütlichkeits-Anfälle habe ich im letzten Beitrag über Abtreibung folgendes geschrieben:

Die beste Mutter ist jene, die ihre Kinder nur aus Spaß an der Freude abtreibt, am besten alle paar Monate eines. Das sind die Top-Feministen, sie bekommen das Mutterkreuz von diesem fatalistischen Todeskult, der wahr und wahrhaftig behauptet, dass Mütter keine Gefühle hätten und alles andere nur religiöse Propaganda wäre. Ich traue Frauen ja bekanntlich vieles zu, aber das halte ich für einen Mythos.

Die Pro-Choice-Frau, über deren Kommentar ich mich hier aufregte, versichterte nun, dass ich mich durchaus irrte mit meiner Aussage, dass Frauen etwas für ihr ungeborenes Kind empfinden würden. Sie stellte fest, keinerlei Problem mit ihrer Abtreibung gehabt zu haben, die sie durchführen ließ, weil die Verhütung mal nicht geklappt hat.

Ich gebe zu: Ich verstehe das nicht. Wahrscheinlich wegen meiner patriarchal-sexistisch-konservativen Grundhaltung. Mir hat es schon leid getan, als meine Urzeitkrebse gestorben sind, weil ich sie offenbar nicht richtig gefüttert habe. Ich träume noch immer von dem Marienkäfer, den ich als Kind in einem Wutanfall tot getreten habe. Und nun erfahre ich, dass es manchen Frauen komplett gleichgültig ist, ob ein Mensch, der in ihnen heranwächst, lebt oder tot ist.

Ich sage ja nicht, dass man in jedem Fall ein gewaltiges Problem damit haben müsste – erst recht nicht, dass Abtreibung bestraft werden sollte. Aber wenigstens so ein kleines bisschen Unwohlsein? Vielleicht bin ich auch zu empfindlich.

In der Tat hat es gewiss viel damit zu tun, welche Ideen man mit dem Kind, das in einem heranwächst, verbindet. Wenn Feministen sagen, es ist eine Kaulquappe, dann ist es für sie wohl nur eine Kaulquappe. Ist im Prinzip auch kein Problem, so lange diese Personen niemals Mütter werden. Falls sie doch Mütter werden und der Nachwuchs fragt irgendwann mal, wie es für die Mama war, als er noch in ihrem Bauch gewesen ist, dann kann die Antwort nur besonders humanistisch ausfallen:

„Mama, du, wie war es denn, als ich in deinem Bauch war?“

„Du warst für mich wie ein Parasit, Liebling. Ich empfand keinerlei Gefühle für dich. Du warst ein Fremdkörper, wie eine Kaulquappe, die man ebenso hätte vernichten können. Im Prinzip bist du nur am Leben, weil ich keine Lust mehr hatte aufs dauernde Rumficken, vielleicht war ich auch einfach nur zu faul, dich vernichten zu lassen.“

Das wäre doch schön, solche Mütter braucht die Welt. Man vergleiche einmal diese humanistische Haltung mit dem bibelfundamentalistischen Irrsinn, den Sarah Palin von sich gab, als sie sich entschloss, ihren Sohn Trig trotz dessen Down-Syndroms auf die Welt zu bringen:

Trig ist schön und wird heute schon von uns angebetet. Wie wussten aufgrund des Tests, dass er besondere Herausforderungen zu bestehen haben würde, aber wir fühlen uns privilegiert, dass Gott uns dieses Geschenk machen und uns erlauben würde, die unaussprechliche Freude über Trigs Eintritt in unser Leben auszudrücken. Wir glauben, dass jedes Baby zu einem guten Zweck von Gott erschaffen wird und das Potenzial hat, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wir sind wahrhaftig gesegnet.

Wenn Sie die Wahl hätten: Möchten Sie lieber das Kind der Feministin sein, oder das Kind von Sarah Palin? Ich jedenfalls muss keine halbe Sekunde überlegen, dass ich lieber mit Palin auf die Hirschjagd gehen und mir Ken Hams Schöpfungsmuseum ansehen würde, als mir von der Feministin anzuhören, dass ich für sie nur ein Parasit war und ohnehin nur Teil des unterdrückerischen Patriarchats bin.

Ich habe Abtreibung immer befürwortet, weil ich glaubte, dass unnötiges Leid so vermieden werden kann. Es will ja schließlich niemand ein ungewolltes Kind sein, oder, Gott behüte, das Kind einer Feministin. Aber vielleicht spielt die Kultur und die Assoziationen, die man mit einem ungeborenen Kind hat, doch eine größere Rolle für die gesellschaftliche Gesundheit, als ich dachte. Will ich lieber in einer Kultur leben, die Kinder für Fremdkörper hält, die man nach Belieben entfernen kann, weil man nicht weiß, welcher der zweitausend Sexualpartner der letzten Woche der Vater ist und weil es sowieso nur ein Versehen war – oder doch lieber in der „Wir glauben, dass jedes Baby zu einem guten Zweck von Gott erschaffen wird und das Potenzial hat, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen“-Kultur?

Wie auch immer, auf jeden Fall bin ich jetzt erstmal eine Runde erschüttert, angewidert und wütend. Wenn ich wieder runterkomme, werde ich das Thema noch einmal neu durchdenken.

Oh, und was ist die kleine Korrektur? Auch Frauen ist alles zuzutrauen.