Und Götz Aly hat doch recht

Darüber hinaus neigt Aly hier wie in einer früheren Darstellung dazu, eine Abneigung gegenüber den Risiken des freien Marktes und eine Vorliebe für den schützenden Sozialstaat in einen Kontext zu Antisemitismus und Nationalsozialismus zu bringen. Eine solche Sicht ist zumindest in dieser Pauschalität nicht haltbar.

So lautet ein Teil des Fazits vom Politologen Armin Pfahl-Traughber über das neue Buch des Historikers Götz Aly, Warum die Deutschen? Warum die Juden?. Ich möchte darauf in aller Pauschalität antworten: Doch, ist sie schon.

Es gibt keinen rationalen Grund für die Abneigung gegenüber „den Risiken“ des freien Marktes, um nicht zu sagen, gegenüber dem freien Markt, um nicht zu sagen, gegenüber der Freiheit. Man mag sehr wohl konkrete Entscheidungen kritisieren, zum Beispiel, ein wunderschönes Gebäude aus der Rennaissance abzureißen und es durch ein Shopping-Centre zu ersetzen, was in England des öfteren vorgekommen ist. Aber das Problem mit solchen Fällen ist nicht die Marktwirtschaft als solche, sondern Barbaren in der Stadtverwaltung.

Ich zitiere als Beleg das Ergebnis einer Studie (eigentlich eine Meta-Studie) des Juristen James Lindgren von der Northwestern University, USA, namens: What Drives Views on Government Redistribution and Anti-Capitalism: Envy or a Desire for Social Dominance?

„Diejenigen, die Kapitalismus und freiere Märkte unterstützen und sich gegen größere Einkommensumverteilung aussprechen, sind tendenziell höher gebildet, haben höhere Familieneinkommen, sind weniger traditionell rassistisch und weniger intolerant gegenüber unpopulären Gruppen. In den General Social Surveys von 2002 und 2004 waren jene, die Einkommensumverteilung ablehnten, außerdem tendenziell die großzügigeren Spender für wohltätige Organisationen und sie haben mit höherer Wahrscheinlichkeit andere altruistische Verhaltensweisen gezeigt.“

Ferner korrelieren die folgenden Einstellungen positiv miteinander:

1. Klassische Messungen des Autoritarismus wie die Forderung, sich an die Gesetze zu halten, selbst wenn sie falsch sind, und der Glaube, dass es zwei Arten von Menschen gibt, die Starken und die Schwachen.

2. Unterstützung von Einkommensumverteilung

3. Anti-Kapitalismus

4. Traditioneller Rassismus

Die Einkommensumverteiler aus der Erhebung von 1996 beschrieben sich als trauriger, einsamer und wütender.

„Daten von 16 repräsentativen nationalen Studien der allgemeinen Öffentlichkeit sind konsistent mit der Mises-These, dass Anti-Kapitalismus durch Neid, Eifersucht oder Missgunst ausgelöst wird und inkonsistent mit der vorherrschenden akademischen Literatur über Konservatismus und soziale Dominanz.“

Natürlich ist diese Erkenntnis nicht neu. Ökonomen wie Ludwig van Mises und F.A. Hayek haben schon vor Jahrzehnten auf die Verbindung des Sozialstaats und des Totalitarismus hingewiesen. Ökonomen wie Milton Friedman und Philosophen wie Ayn Rand haben die Erkenntnis frisch gehalten. Sie werden auch immer wieder angeführt, aber offenbar nie gelesen. In der Regel heißt es nur so etwas wie: „Ja, aber Friedman war keine Wissenschaft, sondern ein Ideologe, und Keynes war der Wissenschaftler und Rand war eine egoistische Zicke“. Ein Aufruf für noch ein paar Jahre Sklaverei.

Notiz über die Fortschrittsfeindlichkeit der Deutschen

Es ist mal wieder typisch, dass Götz Alys Buch nicht für den Kindle erscheint, während das für amerikanische Bücher selbstverständlich ist. Schon wieder könnte ich mich stundenlang aufregen über die Deutschen.

Ja, Bücher sind voll super und gehören zur Grundausstattung des Bildungsbürgers, worauf er sich dann etwas einbilden kann, auch wenn die meisten Bücher, die er liest, eher Wissen substrahieren, als addieren. Aber Bücher auf dem Kindle sind auch Bücher! Meiner Erfahrung nach liest man auf dem Ding viel lieber, viel öfter, viel mehr. Was dazu führen kann, dass man am Ende sogar gute von schlechten Büchern unterscheiden lernt.

Elektronische Bücher sind essenziell dasselbe wie gedruckte Bücher. Ein Mensch, der gedruckte Bücher liest, ist kein bisschen schlauer als ein Mensch, der elektronische Bücher liest, und das einzige, worauf er sich etwas einbilden kann, ist dass er unnötigerweise mehr Geld ausgibt und seine Schränke mit Büchern füllt. Aber vielleicht geht es ja in Wahrheit darum: Schränke zu füllen anstelle des Geistes.

Was nicht heißen soll, dass gedruckte Bücher in bestimmten Fällen keine Daseinsberechtigung mehr hätten, schließlich sind Fußnoten und Bilder auf der aktuellen Kindle-Version noch ein Problem. Aber das ist offensichtlich nicht der Grund, warum die Deutschen ein größeres Problem haben mit eBooks als die Amerikaner – die inzwischen mehr eBooks kaufen als gedruckte.