Marx‘ Manifest: 150 Jahre des Bösen (1)

"Leben... Freiheit... und das Streben nach Steuereinnahmen" (coxandforkum.com)
"Leben... Freiheit... und das Streben nach Steuereinnahmen" (coxandforkum.com)

Eigentlich sind es schon 163 Jahre, seit Karl Marx‘ Kommunistisches Manifest erschienen ist, aber zum 150-jährigen Geburtstag des Manifests hat der amerikanische Intellektuelle David Horowitz eine der überzeugendsten Kritiken am Manifest veröffentlicht.

Zunächst meine psychologische Interpretation:

Der Marxismus ist nicht einfach ein willkürlich arrangiertes Ideenbündel, sondern – ähnlich wie der radikale Islam – ein möglicher Ausdruck einer bestimmten psychischen Verfassung.

Der Glaube, unsere Schicksale wären durch unsere soziale Herkunft vorherbestimmt, ist der Glaube, dass ein Individuum keine freien Entscheidungen treffen kann, dass ein Individuum nichts tun kann, um sein Leben zu verändern. Dieser Fatalismus, diese Schicksalsergebenheit, führt zum Nihilismus, zur Ablehnung von allem, was existiert. Sie führt zu einer Sehnsucht nach einer ständischen Gesellschaftsordnung, wo die Unabänderlichkeit des gesellschaftlichen Standes als Normalität galt und Würde verlieh, anstatt die eigene Antriebslosigkeit zu verurteilen. Sie führt letzten Endes zur Verehrung des Gegenteils der Existenz des Menschen als Menschen, als produktives Lebewesen, zur Verehrung des Todes.

War Karl Marx am Ende ein Nihilist, der den Tod verehrte, aber der das tödliche Gift in einem wohlschmeckenden Cocktail verrührte, den Intellektuelle heute noch immer gerne trinken?

Intellektuelle sorgen für die ewige Wiederkehr des Marxismus in Form von ethischem Relativismus, von radikalem Tier-, Klima- und Umweltschutz, in Form von Frauenquoten, Wohlfahrtsstaat, Appeasement gegenüber Tyrannen, Solidarität mit Terroristen. All dies sind Formen des Hasses; Hass auf die Natur der Dinge im Allgemeinen und auf die Natur des Menschen im Besonderen. Die bürgerliche Gesellschaft muss gerade darum zerstört werden, weil sie das Beste im Menschen hervorbringt und wer den Menschen hasst, der hasst nichts so sehr wie das, was ihn als Menschen besonders herausstellt.

Bilden Sie sich selbst ein Urteil. Es folgt meine Übersetzung eines ersten Auszugs aus David Horowitz: Marx‘ Manifest: 150 Jahre des Bösen:

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Die Botschaft des Manifests lautet: Bürgerkrieg. Diese Hypothese ist tatsächlich die Essenz und die Summe des Manifests, das kein Ruf zu einer Idee ist, sondern, und das sollte niemals vergessen werden, ein Ruf zu den Waffen. Die verblüffende (und moralisch verwerfliche) These des Manifests lautet, dass demokratische Gesellschaften sich nicht wirklich grundsätzlich von den aristokratischen und versklavenden Gesellschaften unterscheiden, die Revolutionen erforderten, um sie zu stürzen. Trotz des oberflächlichen Anscheins, trotz der Tatsache, dass die Demokratie im Gegensatz zu allen vorhergehenden Gesellschaften das Volk zum „Souverän“ macht, wird der Kapitalismus von Marx „demaskiert“ als eine „unterdrückerische“ und tyrannische Gesellschaft wie alle anderen und sie erfordert darum außergesetzliche und gewaltsame Mittel, um ihre Opfer aus ihrem Joch zu befreien. Das ist der Grund, warum jene, die durch das Manifest inspiriert wurden, den liberalen Gesellschaften des Westens den Krieg erklärt haben und warum sie so viel Blut vergossen und so viel Leid verbreitet haben in unserer Zeit.

Die Bedeutung des ersten Satzes des Manifests lautet demnach wie folgt: Alle (nicht-sozialistischen) Gesellschaften sind in Klassen aufgeteilt, die „unterdrückt“ werden und in jene, die sie unterdrücken. Der Kapitalismus ist nicht anders, obwohl seine Revolutionen demokratische politische Strukturen errichtet haben mögen, welche dazu dienen, die „Unterdrückten“ zu befreien. Denn die bloße Idee einer Demokratie in einer Gesellschaft, wo Privateigentum existiert, ist laut dem Manifest eine Illusion: „Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuß, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet.“ Mit anderen Worten: Demokratische Wahlen sind ein Schwindel. Bürgerkrieg ist die politische Antwort auf die Probleme der Menschheit: „Proletarier aller Länder vereinigt Euch!“, „[Ihr] haben nichts in ihr zu verlieren als [eure] Ketten.“ Die Lösung für alle grundlegenden gesellschaftlichen Probleme von Krieg über Armut bis zu ökonomischen Ungleichheiten liegt in einem Konflikt, der die Gesellschaft auseinanderreißen und eine neue revolutionäre Welt aus ihren Ruinen erschaffen wird. Das ist die beständige und giftige Botschaft des Manifests und der Grund, warum seine Anhänger eine solche Spur von toten Menschen in ihrem Weg zurückgelassen haben, während sie sich daran machten, eine progressive Zukunft zu erschaffen.

Beinahe jede wichtige analytische These des Manifests, inklusive seines Eröffnungsplädoyers, ist schlicht und einfach falsch. Die Geschichte ist nicht die Geschichte des Klassenkampfs, wie Marx sie definiert, das heißt als Kampf des ökonomischen Unterdrückers und der Unterdrückten. Nicht einmal das historische Ereignis, das die Grundlage für Marx‘ theoretisches Modell liefert, die französische Revolution, lässt sich auf diese Art erklären. Historiker wie Simon Schama und Francis Furet haben jenseits allen vernünftigen Zweifels etabliert, dass der Kapitalismus bereits unter der Monarchie erblühte und es war der Adel und nicht das Bürgertum, welcher das Ancien Régime umstülpte. Wenn wir uns das zwanzigste Jahrhundert ansehen, dessen Kurs vornehmlich durch die Kräfte des Nationalismus und Rassismus bestimmt wurde, die Marx für vollkommen vernachlässigbar hielt, so wird die hoffnungslose Unzulänglichkeit seiner Theorien unmöglich zu ignorieren, außer für jene, welche durch blinden Glauben geblendet sind.

Laut Marx besitzt die bürgerliche Epoche ein besonderes Merkmal: „Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große einander direkt gegenüberstehende Klassen – Bourgeoisie und Proletariat.“ Aber natürlich hat sie das nicht. Was einen der Gründe darstellt, warum der Marxismus als Programm in allen industrialisierten Ländern gescheitert ist.

Tatsächlich spiegelt ein großer Teil der marxistischen Kritik des Kapitalismus nichts so sehr wieder, wie eine romantische Sehnsucht nach einer feudalen Vergangenheit, in welcher der soziale Status vorherbestimmt und unabänderlich war und wo er jedes Individuum mit einem Schicksal und einer Würde ausstattete:

Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Thätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.

Natürlich hat sie auch das nicht wirklich getan. Vielmehr hat sie Arzt, Juristen, Wissenschaftler und Poeten selbst zu Unternehmern gemacht. In den offenen Gesellschaften, die von kapitalistischen Unternehmern erschaffen wurden, können sie sich als unabhängige Unternehmer aufstellen; sie können sich zusammenschließen; und sie können die soziale und ökonomische Leiter zu Höhen hinaufklettern, von denen sie nicht einmal zu träumen wagten, als ihr Status „ehrwürdig“ gewesen sein mag, aber wo er auch festgelegt war durch die unabänderlichen Verhältnisse einer authentischen „Klassengesellschaft“, was die bürgerliche Gesellschaft nicht ist. Die Komplexität und Fluidität der Klassenstruktur in kapitalistischen Gesellschaften hat die Kernprinzipien der marxistischen Religion ad absurdum geführt.

Der Marx der falschen Vision der gesellschaftlichen Zukunft, welche das Manifest beschreibt, war ein Intellektueller ersten Ranges und ein genialer Autor, und seine Beschreibungen der progressiven ökonomischen Expansion von Marktwirtschaften unter der Führerschaft der „Bourgoisie“ sind unvergesslich und stellen den Großteil der Grundlage von Behauptungen dar, das Manifest wäre eine akkurate und „vorausschauende“ Arbeit. Marx rühmte die kapitalistische Klasse bekanntlich für ihre konstante „Revolutionierung der Produktionskräfte“, folgernd: „Die Bourgeoisie hat in ihrer kaum hunderjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere Produktionskräfte geschaffen, als alle vergangenen Generationen zusammen.“

Dieser Satz beherbergt sowohl die verführerische Kraft von Marx‘ Schriften, als auch die hinterhältige Verbreitung seiner Theorie. Die Beschreibung scheint den Kapitalismus zu loben; sie verweist auf den riesigen Wert, den alle Mitglieder der Gesellschaft aus seiner Ermutigung einer unternehmerischen Klasse beziehen, mehr gesellschaftlichen Reichtum zu erzeugen, als ihn die Welt jemals kannte. Sie scheint kaum ein Argument zu liefern für den dauerhaften Krieg, den Marx gegen das Bürgertum im Namen des menschlichen Fortschritts befürworten wird. Aber selbst in dem zitierten Satz erkennt man, wie die Theorie gestaltet wurde, um das Lob aufzuheben. Marx identifiziert die schöpferischen Unternehmer als „Herrscher“ in einem Sinne, der darauf abzielt, sie von der Realität ihrer Errungenschaften zu trennen und von der Tatsache, dass sie sich die Macht verdient haben, die sie ansammeln, um so gesellschaftliches Ressentiment und Hass gegen sie anzufachen. Die Theorie postuliert ferner, dass die Produktivkräfte, welche diese Unternehmer erschufen, ihnen „entwachsen“ sind und es nötig machen, ihre „Herrschaft“ zu zerstören.

Quelle: 

Marx’s Manifesto: 150 Years of Evil

von David Horowitz

FrontPageMagazine.com | 26. Mai 1998

(Teil 2 folgt in ein paar Tagen.)