Glory Hallelujah

Ja, das NOFX-Konzert am letzten Donnerstag hat mich zu einem Häufchen Elend reduziert. Im Anschluss bin ich ein paar Minuten lang orientierungslos durch die Gegend getaumelt, weil der Lärm effektiver das Gleichgewichtssystem beeinträchtigt hat als der Alkohol – kann natürlich auch beides gewesen sein.

Aber sie haben ein großartiges, neues Anti-Gott-Lied gespielt, was alles Leid aufgewogen hat.

Erst, als ich am nächsten Tag wieder etwas gespürt habe, ist mir aufgefallen, dass ich so ziemlich überall mit blauen Flecken gesegnet wurde. Es ist erstaunlich, wie stark man man geschlagen und getreten werden kann, ohne es zu bemerken. Kann sein, dass ich mir eine Rippe gebrochen habe; mal abwarten. Und es klingt irgendwie so, als wäre eine Metallplatte in mein linkes Ohr eingebaut worden.

Von meinen Füßen habe ich offenbar eine schöne Menge Haut abgeschabt beim Versuch, beim Pogo nicht umgeworfen zu werden. Aber halb so wild, schließlich kann ich sowieso erstmal nicht laufen, weil ich überall extremen Muskelkater habe. Irgendwer hat mir heftig in den Magen geschlagen, aber das reißt es auch nicht mehr heraus. Wenn ich Schmerz spüren möchte, muss ich mich schließlich nur irgendwo berühren und das erfüllt den Zweck.

Die Vorband No Use For A Name hat mich bereits dazu motiviert, mich dem anfänglich kleinen Pogo-Kreis anzuschließen. Danach war ich ziemlich lädiert – allerdings war die Front kein strategisch günstiger Standpunkt, um den fast die ganze Halle erfassenden Pogo auszuweichen, den NOFX auslöste und das auch noch mit ihrem lyrisch dämlichen Song über das Verbrennen der US-Verfassung.

Interessanterweise bringt es für Punk-Zwecke überhaupt nichts, seinen Körper durch Kraftsport zu stählen (was ich seit ein paar Monaten tue). Mehr Muskeln bedeutet: Mehr blaue Flecken. Und man kann sich komischerweise nicht besser auf den Beinen halten, als vorher, auch wenn man zehnmal so stark ist.

NOFX suckt insgesamt noch immer live. Immerhin durfte ich Fat Mike im BH bestaunen und wer würde das nicht sehen wollen? Und er hat gesagt, dass er die Germans in Zukunft lieber „Germs“ nennen wird. Das ist doch auch mal nett und wie oft habe ich mir dasselbe gedacht?

Einen guten Grund gab es am Ende doch, mich selbst zerstört zu haben. NOFX hat ein Cover von einem Song von Frank Turner gespielt – jedenfalls einen Teil davon, weil der auf diversen Drogen seiende Fat Mike nach der Hälfte die Lyrics vergessen hat. Der Titel heißt „Glory Hallelujah“ und ist der beste NOFX-Song überhaupt, noch besser als „Seperation of Church and Skate“, der ihrer Ansicht nach der beste ist.

Glory Hallelujah ist die überhaupt großartigste Erfindung der Menschheit. Es ist quasi eine Parodie von christlichen Kirchenliedern zur Preisung des Herrn, nur dass darin die Nichtexistenz Gottes gepriesen wird. Beim Refrain, eine wunderbar schnelle und laute Welle an Lärm und Emotion, habe ich erfahren, was ein religiöses Gefühl ist. Oder ein antireligiöses, in meinem Fall. Hier sind die Lyrics:

Brothers and sisters, have you heard the news?

The storm has lifted and there’s nothing to lose,

So swap your confirmation for your dancing shoes,

Because there never was no God.

Step out of the darkness and onto the streets,

Forget about the fast, let’s have a carnival feast,

Raise up your lowered head to hear the liberation beat,

Because there never was no God.

.

There is no God,

So clap your hands together,

There is no God,

No heaven and no hell.

There is no God,

We’re all in this together,

There is no God,

So ring that victory bell.

.

No cowering in the dark before these overbearing priests,

Not waiting until we die until we restitute the meek,

No blaming all our failings on imaginary beasts,

Because there never was no God.

No fighting over land your distant fathers told you of,

Not spilling blood for those who have never spread a drop of blood,

No finger pointing justified by fairies up above,

Because there never was no God.

.

And I know you’re scared of dieing man and I am too,

But just pretending it’s not happening isn’t gonna see us through,

So just accept that there’s an end game and we haven’t got much time,

And then in the here and now we can try and do things right.

Forget about the crazy things that people have believed,

And think of wondrous things that normal people have achieved,

‚Cos I’ve known beauty in the stillness of cathedrals in the day,

I sang Glory Hallelujah! Won’t you wash my sins away?

But now I’m singing my refrain and this is what I say,

I say there never was no God.

.

There is no God,

So clap your hands together,

There is no God,

No heaven and no hell.

There is no God,

We’re all in this together,

There is no God,

So ring that victory bell.

.

Und das müsst ihr euch vorstellen mit einer riesigen Halle gefüllt mit Atheisten, die alle laut singen: THERE IS NO GOD! NO HEAVEN AND NO HELL!

Das ist die Art von Gottesdienst, die wir bräuchten, um den Atheismus massentauglich zu machen. Viel besser und emotionaler als die trendigsten Evangelikalen-Gottesdienste.

Es gibt kein YouTube-Video von dem Lied, das die Atmosphäre richtig einfängt, aber hier ist das beste (ist allerdings weniger schnell und heftig als die Würzburger Fassung):

Hier das Original: