Libyen: Moderates Handabhacken

Ich hatte recht, ich hatte recht! Haha!

Soweit die schlechte Nachricht.

Die Rebellen wollen Libyen zu einem „moderaten“ Schariastaat machen.

http://www.welt.de/politik/ausland/article13601235/Rebellen-wollen-die-Scharia-in-Libyen-einfuehren.html

Der Libyen-Einsatz war ein überflüssiger Krieg. Und Linke waren dafür. Nur die Kriege, die unvermeidbar und wohlbegründet waren, wie die Irak- und Afghanistaneinsätze, die wurden von Linken bekämpft. Ist ein Krieg derweil hoch riskant und irrelevant für das nationale Interesse, wie im Balkan, dann kann man auf die linke Unterstützung zählen! Hauptsache „internationale Solidarität“. Selbstverteidigung ist Imperialismus!

Jetzt kommen die Islamisten-Rebellen in Libyen an die Macht und jene, welche den arabischen Frühling für eine moderne, demokratische Bewegung hielten, sehen wie Naivlinge aus. In Ägypten haben unsere Demokraten bereits die israelische Botschaft gestürmt.

Praktisch jeder ist der Meinung, Deutschland habe sich unmöglich gemacht mit seiner Verweigerungshaltung in Punkto Libyen. Eben nicht! Deutschland hat sich unmöglich gemacht mit seiner Verweigerungshaltung im Falle des Irak-Einsatzes und mit der geringfügigen Beteiligung am Afghanistan-Einsatz!

Ich bin bei dieser Auseinandersetzung, obwohl ursprünglich neokonservativ, inzwischen auf der Seite der Mainstream-Konservativen rund um Horowitz gelandet, weil er einfach die besseren Argumente hat. Was Kristol und co. schreiben klingt fast genauso illusorisch wie die linke Haltung zum Libyen-Einsatz

http://feuerbringer.com/2011/03/30/us-konservative-streiten-uber-libyen

Meine Unterstützung des Einsatzes in Libyen habe ich von Anfang an von bestimmten Bedingungen abhängig gemacht und diese Bedingungen sind allesamt nicht erfüllt.

http://feuerbringer.com/2011/03/28/fur-den-truppenabzug

Die Gründe für den Irak-Krieg waren erheblich besser und umfangreicher als die Gründe für den Libyen-Krieg.

http://feuerbringer.com/2011/03/26/libyen-und-irak-linke-doppelmoral

Welche unmittelbare Bedrohung stellt Libyen für die USA dar? Inwiefern dient es unseren Interessen, die Rebellen an die Macht zu bringen?

Obama erwähnte nicht einmal die Möglichkeit, dass unsere libysche Intervention dem nationalen Interesse dienen könnte.

http://feuerbringer.com/2011/04/02/das-us-militar-die-heilsarmee-der-linken/

5 Kommentare zu „Libyen: Moderates Handabhacken

  1. Hier wurde in der Tat mit großer Naivität (oder ideologischer Verblendung?) vorgegangen. Man hätte von Anfang an fragen müssen: Wollen wirklich alle „Freiheitskämpfer“ Demokratie und Menschenrechte? Oder könnten nachher doch wie im Iran die Islamofaschisten siegen und Scharia-Gottesstaaten errichten, die zu noch mehr innenpolitischer Repression und außenpolitischer Agression führen als die Diktaturen zuvor?
    Unter diesem Vorbehalt hätten gezielt moderate Gruppen unterstützt und radikalen Gruppen die Unterstützung verweigert werden sollen.

  2. Ein paar Thesen:
    1. Scharia-Libyen wird weniger Menschenrechtsverletzungen zu verantworten haben als Gadaffi-Libyen. (Mehr wird auch schwer.)
    2. Scharia-Libyen wird außenpolitisch verläßlicher und dem Westen wohlwollender gesinnt sein als Gadaffi.
    3. Das Ansehen des Westens in der arabischen Welt ist durch den Einsatz der Nato gegen Gadaffi immens gestiegen.
    4. Libyen hat bessere wirtschaftliche und damit auch gesellschaftliche Aussichten als etwa Ägypten oder andere Länder.

    1. Sollte eigentlich offensichtlich sein. Saudi-Arabien etwa kommt in seinen diversen schariabegründeten Menschenrechtsverletzungen bestimmt nicht an die Gadaffi- Opfer heran.
    Zu 2.: Libyen verdankt der Nato den Sieg. Das sollte doch einen gewissen Eindruck machen bei all denen, die sonst gerne alles Böse dem Westen zuschreiben.
    3, Nun, dito. Das Gefühl, vom Westen gehasst, angegriffen und ausgebeutet zu werden, ist in der Arabischen Welt weit verbreitet. Viele sehen sich vielleicht als verkannt oder als Islamisten verleumdet. (Inwieweit das erstere eine Mischung aus Neid und Sündenbocksuche ist, sei dahingestellt.) Wenn der Westen aus Furcht vor Islamisten Gadaffi gewähren lassen hätte, hätten sich viele wohl bestätigt gefühkt.
    4. Libyen ist reich an Öl und hat dabei eine relativ geringe Bevölkerung. Ohne Gadaffi besteht eine gute Chance auf einen wirtschaftlichen Aufschwung, von dem die Jugend profitieren kann. Es ist doch unwahrscheinlich, dass sie diese Möglichkeit durch tumben Extremismus zerstören. Dagegen wird etwa Ägypten sicher unter seiner großen Bevölkerung und der weit verbreiteten Armut leiden.

    Nicht zuletzt: Was passiert denn im schlimmsten Fall, wenn Libyen zu einem kleinen Iran wird? Nun, dann gibt es wohl einen weiteren Feind des Westens – aber Libyen ist am Ende ein kleines Land mit nur einem Zehntel der Bevölkerung des Iran und dazu besten Erinnerungen, was die Nato-Luftwaffe auf flacher Wüste alles anrichten kann.

    Ich denke, alles in allem war der Libyen-Einsatz sowohl ein Gebot der Stunde durch das nahende Massaker in Bengasi als auch eine symbolpolitische Chance, die der Westen genutzt hat.

    Achja: Ich beantrage die Umbenennung von Libyen in Lybien. Jedes einzelne mal verschrieben…!

  3. oh. träume ich jetzt oder sind Kommentare wirklich zugelassen??

    aber wie ich schon mal an anderer Stelle kommentierte: eija, sowas könnte natürlich passieren. aber mal im Ernst, läßt sich die Welt denn so einfach in gut und böse unterscheiden??

  4. Da fällt mir ein, dass ich mich ja beim Wulff im Schafspelz als Scharfrichter-Azubi bewerben wollte. Wenn die Sch’riah des Iss’lahm in Deitschland eingeführt werden soll, muss ja irgendeiner die Schädel spalten.

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