Der Papst spricht

Ich werde ja von Tat zu Tag toleranter, also habe ich mir die Rede des Papstes im Bundestag brav angeschaut…

Das war schon eine großartige Inszenierung. Als PR-Experte lässt der Papst die Konkurrenz weit hinter sich. Er wirkte wie ein alter, weiser Mann, der das Gute schlechthin verkörpert und seine Schafe auf den rechten Weg führt. Sämtliche anwesenden Parlamentarier schwiegen auch tatsächlich und lauschten andächtig. Alle applaudierten am Ende. Ja, endlich halten sie mal die Klappe!

Die Kritiker bemerkten, dass ein Kirchenoberhaupt aufgrund der Trennung von Kirche und Staat eigentlich nicht im Parlament sprechen sollte. Da ich allerdings glaube, dass man Politiker in ihrer Anzahl verlustfrei um drei Viertel reduzieren könnte, weil sich der Staat um seine Grundaufgaben Recht und Sicherheit kümmern sollte und um nichts sonst, reißt es ein Deplatzierter mehr auch nicht mehr heraus. In der Tat wäre es vielleicht besser, man würde ein paar Entertainer in den Bundestag einladen. Dann bekämen die Leute wenigstens etwas für ihr Geld.

Und zur Verteidigung des Papstes: Ich fand seine Rede zwar einschläfernd, aber viel interessanter als alles andere, was im Bundestag sonst gesagt wird.

Inhaltlich ging es darum, dass das katholische Christentum für die Menschenrechte verantwortlich sei. Ohne Gott gäbe es keine objektive Grundlage der Moral. Das hätte mal jemand uns Objektivisten mitteilen sollen, da wir bekanntlich ohne Gott an Menschenrechte und an eine objektive Ethik „glauben“. Es heißt „Naturrecht“ und zwar darum, weil es aus der menschlichen Natur abgeleitet ist. Und nicht aus Gott.

Zwischendurch lobt er die Grünen und spricht sich für Ökologie aus. Bald lässt er sich lange Haare wachsen.

Insgesamt würde sich Benedikt XVI. erheblich weniger widersprechen, wenn er Gott und die Bibel einfach aus seinen Ausführungen entfernen würde. Das ist es in der Tat, was ich mir bislang bei allen Gottesdiensten gewünscht habe. Es ist ja nicht ausnahmslos schlecht, was gesagt wird, aber geht das nicht ohne diese unnötigen und verwirrenden Zwischenbemerkungen über irgendwelche Götter, Engel und Propheten?

Da fällt mir ein: Ich habe ja Sendepause und sollte eigentlich keine Beiträge schreiben… Nun, ihr wisst, wie das ist: Das Fleisch ist willig, doch der Geist ist schwach.

Falls euch der Papst jetzt ein schlechtes Gewissen gemacht habt – Gott teilte mir jüngst mit, dass er die Sünden von jedem vergeben wird, der mein neues Buch kauft. Hey, bei der Konkurrenz hat es auch funktioniert…

13 Kommentare zu “Der Papst spricht

  1. Robby sagt:


    Grüße!

  2. dentix07 sagt:

    Vielleicht solltest Du die Rede nocheinmal l e s e n!
    Er hat die Grünen nicht gelobt, sondern die Aufbruchsstimmung und -bereitschaft einer ökologischen Denkweise, die die Natur als erhaltenswerten Wert ansieht und so behandelt! (Das sind nicht notwendigerweise die Grünen als Partei, oder?)
    Und, er hat dem Begriff der „Natur“-Ökologie, die Ökologie des Menschen gegenüber gestellt!
    Im Grunde eine eindringliche Warnung, bei aller Richtigkeit des Erhalts der Natur, das Lebens- und Existenzrecht des Menschen nicht zu vergessen, eine Warnung zur Balance, zum Gleichgewicht, vor „Öko-Diktatur“, die Kröten, (angeblich) seltene Tiere etc. ÜBER die gleichermaßen (!) berechtigten Interessen des Menschen stellt, also ein Umkehrung der vorherigen (berechtigt kritisierten) Denkweise hervorruft!

  3. webbaer sagt:

    (…) da wir bekanntlich ohne Gott an Menschenrechte und an eine objektive Ethik „glauben“. Es heißt „Naturrecht“ und zwar darum, weil es aus der menschlichen Natur abgeleitet ist. (…)

    Gott ist auch aus der menschlichen Natur abgeleitet.

    Naturrecht ist übrigens Quark oder Eso. [1] – Ich selbst ziehe mir die Papst-Rede nicht rein, denn er wird zurecht sagen, dass das Christentum die Europäische Aufklärung hat möglich werden lassen, zumindest nicht unterbunden hat. Anderswo wäre diese unterbunden worden, und zwar se-ehr zuverlässig. Und er wird sagen, dass das Christentum den Glaubensentscheid voraussetzt und darum wissenschaftsfähig ist und er wird sagen, dass das Christentum generell wissenschaftsfreundlich ist.

    Sollte er’s diesmal nicht gesagt haben, wird er es jedenfalls bald wieder sagen.

    [1] Wer’s nicht glaubt, soll es mal aus der Natur ableiten. – Hier scheint linksreaktionäres Gedanbkengut gehostet.

    • derautor sagt:

      Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Naturrechte sind die Basis der Menschenrechte sind die Basis des Liberalismus. Naturrechte begründen sich aus der Tatsache, dass Menschen einen freien Willen haben und moralische Entscheidungen treffen können (im Unterschied zu Steinen oder Tieren). Seit John Locke werden sie so begründet. Was hat das mit „linksreaktionärem Gedankengut“ zu tun? Und warum sollte der Papst mit linksreaktionärem Gedankengut übereinstimmen?

  4. webbaer sagt:

    Das Recht ist evolutionär entstanden, wie auch die Systeme der Aufklärung; aus liberal-aufklärerischer Sicht könnte man ganz agnostisch [1] auf die Idee kommen, dass sich die sog. Memschenrechte der einfachen Ermittlung entziehen.

    So wie sich eigentlich fast alles dem Erkenntnissubjekt entzieht. Die Systeme der Aufklärung sind zwar für unsereins intuitiv, aber wir wären nicht in der Lage sie zu entwickeln. Jedenfalls nicht alleine.

    Rechtlich ist dieser so genannte positivistische Ansatz OK.

    „Linksreaktionär“ ist die Sache insofern als dass Kommissionen kluger Menschen die sog. Menschenrechte ermitteln könnten. – Sie sind aber Definitionssache und stehen fortwährend in der öffentlichen Erörterung.

    MFG + Weiterhin viel Erfolg!
    Wb

    [1] eines der Kernkonzepte * der Aufklärung, man weiß zumindest was man nicht weiß und wo die Schwarmintelligenz (wie in modernen „westlichen“ Systemen gesteuert) ran muss
    * betrifft auch die moderne Wissenschaftlichkeit und die Erkenntnis allgemein

    • derautor sagt:

      Das Recht gehört zur menschlichen Sphäre, zum Gebiet der Ideen. Rechte sind durch bewusste Überlegung und Begründung konstruierte Konzepte, im Fall der Menschenrechte basierend auf Beobachtungen über die menschliche Natur.

      Gewiss ist es so, dass Menschen bewusst Rechte aus der Natur ableiten – Rechte leiten sich nicht selber aus der Natur ab und das ist auch kein mechanistischer Prozess. Ich sehe nicht, wie sich Rechte unbewusst und automatisch evolutionär entwickeln könnten.

      Natürlich bringt es uns nichts, wenn wir Naturrechte haben, ohne dass sie anerkannt würden.

      So würde ich das sehen.

  5. Trazom sagt:

    @dentix07
    „Und, er hat dem Begriff der „Natur“-Ökologie, die Ökologie des Menschen gegenüber gestellt!
    Im Grunde eine eindringliche Warnung, bei aller Richtigkeit des Erhalts der Natur, das Lebens- und Existenzrecht des Menschen nicht zu vergessen.“

    Naja, als sich Ratzinger 2008 für einen „ganzheitlichen Umweltschutz“ aussprach, meinte er, dass zwar die Regenwälder unseres Einsatzes bedürfen, aber auch die „Ökologie des Menschen“ vor der „Selbstemanzipation des Menschen von der Schöpfung und vom Schöpfer“ bewahrt werden müsse. Danach kritiserte er den Begriff „Gender“. Es geht ihm also nicht nur um das Existenzrecht des Menschen als über dem von Kröten stehend sondern um die Gleichsetzung des katholischen Menschenbildes mit dem „natürlichen“ und dem Schutz dieses „natürlichen“ Menschenbildes vor allem, was auf Emanzipation hinausläuft. Jeder, der sein biologisches Geschlecht nicht als einen Panzer versteht, der ihn in die katholischen Geschlechterrollen zwingt, ist für den Papst also eine Art Umweltzerstörer.

  6. webbaer sagt:

    Nur mal zur Hilfe ein Gedankenexperiment: Konstruiere für jedes Menschenrecht eine Situation, in der die Anwendung dieses die soziale Gesamtheit schwer schädigen würde.

    Zynisch formuliert sind die jetzigen Menschenrechte Schönwetterrechte, die -wenn bspw. Bärtige oder Zombies verstärkt hochkommen- anzupassen sind.

  7. webbaer sagt:

    Übrigens heißt das zudem, und das wird ja auch allgemein beobachtet, dass „Multikulti“, nicht gemeint hier ethnische Zuwanderung, sondern kulturell dezent formuliert andersartige, zu zunehmender Bürgerüberwachung und zur Verhausschweinung derselben führen muss. – Was ein wenig vom Thema weggeht, aber der Rückbau der Bürgerrechte, in gewisser Weise auch der Umbau der Menschenrechte, ist zu beobachten.

  8. Trazom sagt:

    @webbaer

    Gut, dann ist natürlich die Frage, wann der „sozialen Gesamtheit“ überhaupt ein „Schaden“ entsteht und was genau Sie vor den „Bärtigen“ beschützen wollen – die Menschenrechte ja offensichtlich nicht. Womit auch die „Bärtigen“ schon ein wenig von ihrem Schrecken verlieren.

    Fraglich ist außerdem, ob ein Individuum nun wirklich zu allem bereit seien muss, um „die soziale Gesamtheit“ zu schützen. Stellen Sie sich vor, ein Terrorist entführt das kleine Töchterchen eines israelischen Politikers und droht damit, dass er eine schmutzige Bombe zünden würde, wenn Sie dieses Töchterchen nicht fernsehgerecht foltern und töten. Sie würden das Töchterchen dann womöglich foltern, ich nicht.

    • derautor sagt:

      Wir sollten etwas vorsichtiger sein mit Vermutungen darüber, wer wen foltern würde und wer nicht.

      Ich würde auf jeden Fall die Tochter nicht foltern und überhaupt die Menschenrechte von niemandem verletzen, der nicht seinerseits Menschenrechte verletzt.

  9. webbaer sagt:

    Es ist jedenfalls nicht so, dass es nichts mehr zu schützen gäbe, wenn herbe Maßnahmen ergriffen werden – Tyrannenmord, Waterboarding, Daschnereien – und in der Tat geht es nicht um hypothetische Überlegungen, wer wann was machen würde, sondern um ein Gedankenexperiment, das Anpassungen i.p. Menschenrechte zumindest nahelegt.

    War aber nur ein kleines Detail, Naturrechtskritk, Onkel Webbaer versteht die Natur nicht so gut wie andere…

    MFG + GN8
    Wb

  10. klafuenf sagt:

    Heisst das nicht Watschikan und der Vorstandsvorsitzende, also der Übergebene ist der Woyatollah?

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