Wähler zu blöd für Liberalismus

Ich weiß gar nicht, was alle so auf dem Frankfurter FDP-Kreisvorsitzenden Dirk Pfeil herumhacken. Er sagte gegenüber der Frankfurter Neue Presse, das schlechte Wahlergebnis der FDP in Berlin sei auf die mangelnde Bildung der Wähler zurückzuführen  – und natürlich hat er damit Recht.

Pro Deutschland hat 17 000 Erststimmen mehr als die FDP und ihr Programm besteht fast nur aus populistischem Unsinn. Sie wollen den „Turbo-Kapitalismus stoppen“ und „das preußische Erbe stärken“. Mit Anti-Islam haben sie eine Menge Wähler gefangen. Würden sie eine Pflicht-Pickelhaube für alle fordern, hätten die Berliner das für ebenso unterstützenswert befunden.

Die NPD hat nur 7000 Erststimmen weniger als die FDP. Bei der nächsten Wahl könnten sich die Berliner eher für Nationalsozialismus als für die individuelle Freiheit entscheiden.

Linke und Grüne kommen zusammen auf 31% der Erststimmen und 29.3% der Zweitstimmen. Endlich mehr Bürokratie und Bäume und Leute, die wissen, was gut für uns ist! Die Piratenpartei bekam 5.9% der Erststimmen und 8.9% der Zweitstimmen. Ihr Programm lautet „Künstler sollten kein Geld mehr verdienen dürfen mit ihrer Arbeit, weil Raubkopien viel billiger und bequemer wären für die Konsumenten“ oder so. Die Berliner werden bald einen Ork aus World of Warcraft zum Bürgermeister wählen.

Sogar die PARTEI vom Satiremagazin Titanic, die die Mauer wieder aufbauen will, hat fast 1% der Zweitstimmen abgestaubt. Obwohl, das passt zu den 11,7% der Zweitstimmen für die LINKE.

Die Auffassung, dass die Leute zu dumm wären für den Liberalismus, hat eine lange Tradition in der liberalen Theorie. Der Grund liegt darin, dass die meisten Menschen immer Vorteile für sich selber anderen gegenüber mit Gewalt durchsetzen wollen, wenn sie die Macht dazu erringen können. Unternehmer sind meist nicht besser, sonst gäbe es keinen Protektionismus und keine Subventionen.

Der Liberalismus sieht gleiche, faire Bedingungen für alle vor. Die Erhebung von Steuern und Eingriffe in den Markt sind fast immer Ausbeutung, nämlich die Ausbeutung anderer Gruppen durch die Interessensgruppe, die zufällig gerade gewählt wurde. Doch die Ausbeuter kehren diesen Zusammenhang um und bezeichnen die Freiheit als Ausbeutung.

In Die Wurzeln des Antikapitalismus hat Ludwig von Mises vor gut 60 Jahren geschrieben, warum die meisten Leute den Liberalismus ablehnen.

In den Anfängen der sozialistischen Bewegung und der Bemühungen, die interventionistische Politik der vorkapitalistischen Zeiten wieder zu beleben, waren der Sozialismus wie auch der Interventionismus in den Augen der mit der Volkswirtschaftstheorie vertrauten Menschen vollkommen diskreditiert. Die Ideen der Revolutionäre und der Reformatoren sind jedoch von der überwältigenden Mehrheit der unwissenden Menschen, deren Haupttriebkraft die stärksten menschlichen Leidenschaften – Neid und Haß – waren, gebilligt worden.

Neid und Hass, die Ursachen des Anti-Kapitalismus und des Anti-Liberalismus.

Es gibt zwei große ideengeschichtliche Traditionen und der Liberalismus gehört nicht dazu, stellt Ayn Rand fest:

Jahrhundertelang wurde der Kampf um die Moral zwischen jenen ausgefochten, die behaupteten, dass dein Leben Gott gehöre und jenen, die behaupteten, es gehöre deinen Nachbarn – zwischen jenen, die predigten, das Gute wäre die Selbstaufopferung zum Nutzen von Gespenstern im Himmel und jenen, die predigten, das Gute wäre die Selbstaufopferung für die Inkompetenten auf der Erde. Und niemals kam jemand und sagte, dein Leben gehört dir selbst und das Gute besteht darin, es zu leben. (Atlas Shrugged)

Die meisten Menschen sehen kein Problem darin, anderen Menschen ihr Geld abzunehmen und es für Projekte auszugeben, die sie selbst toll finden. Es geht immer nur darum, ob „wir“ als eine Art von Volksgemeinschaft den Transrapid, Atomkraftwerke, S21 und so weiter unterstützenswert finden oder nicht. Das Individuum spielt keine Rolle.

Das Primitive, der Stamm, steckt in den Köpfen der meisten Menschen. Der Stamm, die Glaubensgemeinschaft, der Staat bestimmt das Schicksal des Einzelnen, sodass er selbst keine Entscheidungen treffen muss. So war es seit Jahrtausenden. Das Individuum wurde erst von Reformation und Aufklärung in den Mittelpunkt gestellt und unseren gesamten Wohlstand verdanken wir dem befreiten Individualismus. Jetzt geht er wieder vor die Hunde und Kollektivisten, ob rot, grün oder braun angestrichen, übernehmen überall das Ruder.

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22 Kommentare zu “Wähler zu blöd für Liberalismus

  1. webbaer sagt:

    Natürlich benötigt es mehr Intelligenz den explizit nichtbürokratistischen und nichtpopulistischen Liberalismus gut zu finden als bspw. den maßnahmenorientierten Sozialismus oder Ökologismus; nur der Verkauf der Nachricht „Liberalismus gu-ut“ erfolgt rein verkaufstechnisch am besten nicht so, also durch Mängelauflistung beim Abnehmer, sondern durch Aufklärung.

  2. Stormking sagt:

    Sorry, aber ich halte Deine Analyse für Unsinn. Die FDP wird doch nicht deshalb nicht gewählt, weil sie (angeblich) liberal ist, sondern weil sie

    a) durch und durch korrupt erscheint
    b) trotz Rekordwahlergebnisses in der aktuellen Koalition wirklich überhaupt nichts gebacken gekriegt hat.

    Auch das überzeugenste Parteiprogramm aller Zeiten nützt einem nichts, wenn der Wähler einen für völlig inkompetent und/oder verlogen hält.

    Ciao, Stormking

    • derautor sagt:

      Das erklärt allerdings nicht, warum die Leute stattdessen die Grünen jetzt so massiv wählen. Auch die Linkspartei gewinnt ordentlich an Fahrt, nicht zu vergessen die populistischen Anti-Islam-Parteien. Ich würde doch als Liberaler, der von der FDP enttäuscht ist, nicht Parteien wählen, von denen ich nicht nur enttäuscht bin, sondern mit denen ich gar nichts gemein habe.

      • webbaer sagt:

        Die Liberalen wählen halt gar nicht, denn der doitsche Parteiliberalismus scheint hierzu oft die bitterere Variante.Als Liberaler hätte man es mal bei der „Freiheit“ versuchen können, aber hier waren wohl einige unsicher – oder eben blöd.
        BTW: Auch die PIRATEN haben liberale Ansätze.

  3. Stormking sagt:

    Deshalb wähle ich die Piraten, aber das ist dem Herrn ja auch nicht recht 😉

    • webbaer sagt:

      Die PIRATEN haben schon in ihrer Webkompetenz, also einem Bereich, der anderen Parteien fremd ist (es gibt hier gar grausige Politikeraussagen gerade bürgerlicher Parteien, also auch auzs der FDP), aber eben sehr wichtig, einen echten USP. – Wer hat das schon heutzutage?

      Ansonsten gibt es leider doch viel Dummes zu lesen von den PIRATEN, aber es ist eben – wie auch die Freiheit – eine neue junge Partei. Das Potential ist jedenfalls da. Den Koenig vermisse ich ein wenig dort.

  4. folgsam sagt:

    Je liberaler (am besten auf der objektivistischen Scheiene) desto Intelligenter, richtig?

    • derautor sagt:

      Tendenziell schon. Die Alternative lautet schließlich, dass ich selber aus keinen guten Gründen dort gelandet bin und würde ich das glauben, wäre ich nicht dort gelandet. Wer glaubt eigentlich nicht, dass die eigene Ausrichtung besser ist als die anderen und es schlauer ist, sie zu teilen? Wenn jemand dies nicht glaubt, warum ist er dann seiner eigenen Meinung?

  5. Martin sagt:

    Das das Wahlvolk zu dumm für den Liberalismus sei,mag ja sein. Nur hat die FDP halt nicht auf einen Schlag ihre deutlich 5% gehende Wählerbasis dadurch verloren, das die plötzlich verblödet ist. Sondern dadurch, das sie eben grade den Liberalismus, der ihr Alleinstellungsmerkmal sein sollte, absolut nicht repräsentiert. Die Liberalen, die eigentlich die „Nischenklientel“ der FDP wären, wählen sie nicht, weil sie im Versuch populärer zu werden, genauso rotgrünifiziert ist, wie der ganze Rest. Die wählen auch nicht die Grünen, sondern entweder nicht mehr, die freien Wähler oder ähnliches.
    Kurz: Es gibt hierzulande eine „Dauerkrise“ des Liberalismus, die Krise der FDP hat aber damit absolut nichts zu tun.

    • derautor sagt:

      Martin, schön, dass du noch da bist!

      Teilweise stimmt das schon, aber das genügt halt nicht als Erklärung. Warum zum Beispiel gibt es nur eine liberale Partei, die auch zuvor noch nie eine Volkspartei gewesen ist? Warum wählen auf einmal so viele Leute Linkspartei und Grüne? Das kann ja nicht alles die Schuld der FDP sein.

      • Martin sagt:

        Danke, ich war nie weg 🙂

        Zumindest die Frage, warum auf einmal so viele Leute die „Linken“, SPD oder Grüne wählen, ist eigentlich leicht zu beantworten. Grade in Zeiten von realen (Finanz) oder eingebildeten (Klima/Fukushima) Krisen, wählen die Leute halt die, die ihnen die Sicherheit und die Heimeligkeit des Kollektivs versprechen.Und ein paar Schuldige liefern (Banken/Atomindustrie/Gentechnik,blabla).

  6. Aren sagt:

    Die Wähler bekommen die Regierung, die sie verdienen….

    Aber ernsthaft: Der Verlust an Freiheit wird als solcher nicht mehr wahrgenommen. Ich rege mich über unser Gemeindekäseblatt auf. Als Ergebnis der Gemeinderatssitzung wird dann regelmäßig veröffentlicht, dass Fritz Müller ein Carport auf seinem Grundstück errichten darf. Wenn ich mir ein paar Stecken für 400€ im Baumarkt kaufe, entscheidet ein Gremium darüber, ob ich auf MEINEM Grundstück irgendetwas damit machen darf.

    Wofür brauchen wir ein Ladenschlussgesetz? Ein Bundestag beschäftigt sich damit, ob ein Krämer seine Bude aufmacht oder geschlossen hält?

    Auf der ganzen Welt kann man Aspirin im Lebensmittelgeschäft kaufen – nur in Deutschland muss man dafür in die Apotheke.

    Und die SPD kann es sich leisten, offen damit zu werben, dass demnächst Einkommen über 100.000€ höher besteuert werden. Ein paar Jahre später dann Einkommen über 80.000€ und so weiter…

    Andere übernehmen das Denken und Freiheit ist, zweimal im Jahr nach Mallorca fliegen zu können. Niemand registriert mehr, dass wir tot verwaltet werden, das Beamte Entscheidungen für uns treffen und wir uns nach Strich und Faden verarschen lassen.

    Aber Freiheit bedeutet ja auch, dass man für sich und andere Verantwortung übernehmen muss… das ist völlig unbequem. Jedes neue Gesetz ist ein Verlust an Freiheit, solange nicht gleichzeitig ein anderes Gesetz dafür kassiert wird. Jede Steuererhöhung ist ein Verlust an Freiheit, weil dann andere entscheiden, was mit unserem Geld gemacht wird.

    Ich glaube nicht, dass die FDP das vermitteln kann oder will. Bislang machen sie ja da immer kräftig mit.

  7. Wolfgang T. sagt:

    Die FDP ist keine Liberale Partei.

    Sie ist für Wettbewerb und Kontrolle bei den HartzV empfängern. Aber wo ist der freie Wettbewerb bei den Apothekern, Notaren, hohen Beamten …

  8. Warum zum Beispiel gibt es nur eine liberale Partei, die auch zuvor noch nie eine Volkspartei gewesen ist?

    Beiden Halbsätzen würde ich widersprechen.

    Erstens gibt es momentan nicht eine liberale Partei in Deutschland, sondern keine.

    Zweitens war die FDP zwar nie „Volkspartei“, dafür ist sie aber die Regierungspartei in Deutschland. So oft und lange an der Macht wie die FDP war in Deutschland keine andere Partei, das sollte man auch mal erwähnen.

    Ansonsten schließe ich mich den anderen Kommentatoren an: Die liberalen Wähler gehen einfach nicht mehr wählen. Was sollen sie auch anderes machen? Die FDP muss für ihren falschen Kurs in den Abgrund geprügelt werden, das ist doch ganz klar. Man braucht keine sechste

    Aus dem Wahlergebnis zu schließen, der Wähler sei zu dumm, führt nicht weiter. Die FDP hat das schon selber zu verantworten. Natürlich in einem Umfeld in dem die deutschen Medien antiliberal schreiben wie Ende der 20s und Anfang der 30s und mit einer Population, die zu 80% sowieso nie liberal oder libertär wählen würde, aber so ist das nun einmal, damit muss man leben. Wählerbashing hat noch nie etwas gebracht. Die Liberalen können ja nicht einfach das Volk austauschen.

    Aber liberal oder am besten rechtsliberal könnte die FDP sein. Dazu müsste sie nur die inkompetenten Westerwelle, Rösler und Lindner absägen und dafür Leute wie Schäffler ranlassen, dann wären auch wieder mehr Wähler drin. Es müsste natürlich glaubwürdig sein und nicht so ein volksverdummender Zick-Zack-Kurs wie von Rösler.

    Die FDP könnte Merkel dieses Mal wirklich unter Druck setzen, denn Merkel hat keine andere Partei als Koalitionspartner mehr. Leider kleben aber auch bei der FDP zu viele an der Macht, haben Angst um ihre Pöstchen und wollen deshalb kein Risiko eingehen. Das ist nur noch traurig.

    Die Politik der FDP gibt es schon fünf Mal im Bundestag. Jetzt auch noch die Piraten als sechste Partei in Berlin. Die FDP ist nur noch eine Kopie, schlichtweg überflüssig, schädlich, alternativlos dämlich. Und jetzt auch noch den Wähler allgemein als ungebildet hinstellen. Das ist schon überdreist.

    • derautor sagt:

      Ja, dass sie die Leute darüber aufregen, ist klar und dass es strategisch unklug ist, insbesondere von der FDP, aber auch generell von Politikern, ist auch klar. Man sollte als Politiker sicher nicht sagen, dass die Wähler blöd sind und ich wollte auch nicht darauf hinaus, dass jene blöd wären, die nicht die FDP wählen, sondern dass es so eine beunruhigende Staatsgläubigkeit (bei gleichzeitigen Politikermisstrauen) in Deutschland gibt, die dem Anschein nach weiter zunimmt.

      Als die SPD aus Sicht der linken Sozialdemokraten einen falschen Kurs eingeschlagen hat unter Schröder, wurde gleich die WASG gegründet und SPDler sind zu der PDS/Linkspartei übergewandert. Wenn die FDP ihre Wähler nicht mehr überzeugt, dann geschieht aber nicht dasselbe. Stattdessen geben Liberale einfach auf, wie es aussieht. Und dabei ist die Einsicht schon lange Teil der liberalen Theorie, dass liberale Parteien, sobald sie an die Macht kommen, bis zu einem gewissen Grad dasselbe Spielchen spielen werden wie alle anderen: Sich selbst Macht und Vorteile sichern. Das ist die menschliche Natur, aber kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen.

      • Das stimmt die deutschen Linken gründen immer neue Parteien. Es gab ja eine erste große Koalition in den 60ern, zack schon machen die Linken eine APO auf. Dann regiert die SPD in den 70ern und 80ern, zack blühen die Grünen auf. Kaum regieren SPD und Grüne, zack blüht die SED wieder auf. So ist das bei den deutschen Linken offenbar immer. Das folgt auch einer inneren Logik: Linke wollen nicht regieren. Linke fühlen sich in der Opposition am besten. Da können sie größere Versprechungen machen und groß tönen wie es „besser“ geht. Die SPD war während ihrer nun schon knapp 150 Jahre dauernden Existenz maximal 25 Jahre an der Macht. Das sagt doch schon alles. Ich glaube das ist kein Vorbild für die Rechten.

        Bei uns in Amerika hat sich der Neoliberalismus anders durchgesetzt: Menschen wie Hayek, Buckley, Rand, Greenspan und Reagan haben unermüdlich für die rechtsliberale Sache geworben. Eine neue Partei haben sie nicht gegründet. Das ist bei unserem Wahlrecht auch ziemlich aussichtslos. Sie haben stattdessen die GOP und ihre Anhänger überzeugt.

        Insofern hast du ganz Recht: Die Flinte darf man nicht ins Korn werfen. Auf das Werben und auf das gute Argumentieren kommt es an. Ideen verändern die Welt. Zum Guten und zum Schlechten. Das wusste schon Keynes.

    • webbaer sagt:

      Dazu müsste sie nur die inkompetenten Westerwelle, Rösler und Lindner absägen und dafür Leute wie Schäffler ranlassen, dann wären auch wieder mehr Wähler drin.

      Aber die Jobs der Erstgenannten wären weg. – Was interessiert es mich, wenn die FDP bei Umfragen deutlich über 10% stehen könnte, wenn dann Mein Job weg wäre? Dann doch lieber die nächste Bundestagswahl richtig verkacken – und dann vielleicht in die Wirtschaft; irgendwie zu einem Wirtschaftsverband, der die EURO-Rettung unter Aufgabe des doitschen Wohlstands geil findet. Oder zu nem dementsprechenden Institut.

      Man sieht auf einen Blick: Die FDP ist weitgehend frei von Ehrenleuten.

  9. Kritiker sagt:

    „Die Auffassung, dass die Leute zu dumm wären für den Liberalismus, hat eine lange Tradition in der liberalen Theorie.“

    Diese Auffassung, das solltest du hinzufügen, hat auch eine lange Tradition in der Theorie mancher Linker, wahrscheinlich auch der der Konservativen, aber da kenne ich mich nicht so aus.

    Einen Liberalen wie K. Popper oder B. Russell lege wahrscheinlich nichts ferner als der Vorwurf, nicht liberale seien per se dumm, schon wegen ihres eigenen Werdegangs. Und in Ansätzen wie der Neuen Politischen Ökonomie wird es sogar ganz plausibel, dass manche Leute eben anders wählen, da sie andere Präferenzen haben.
    Das sollte grade für einen Liberalen daher keine Rolle spielen, nicht nur, weil sich diese Bewegung „Toleranz“ auf die Fahnen geschrieben hat, sondern auch, weil sie selbst mit dem „Sozialliberalismus“ über einen eher „linken“ Flügel verfügt (wenn auch leider einen vergleichsweise wenig beachteten).

    • webbaer sagt:

      Es gilt als Hauptgrund für die weitgehend linke Besetzung des öffentlich relevanten Intellektuellentums, dass diese zu „schlau“ dafür sind rahmenbedingungssetzende eher langfristig wirkende staatliche Maßgaben zu akzeptieren, WEIL man ja auch aktiv handeln könnte staatlicherseits. Diese Beobachtung ließe sich auf das Journalistentum und natürlich auch auf die Wählerschaft extrapolieren; der Liberale wäre aus dieser Perspektive „dumm-schlau-dumm“, die explizit Nicht-Liberalen „schlau-dumm“ und der politisch keine Rolle spielende Rest „dumm“.

      Das Wissen um die nicht direkte Bearbeitbarkeit hoch komplexer Systeme, das dbzgl. agnostisch gewollte Dumm-Sein macht die Sache schwierig…

  10. Nanomyte sagt:

    „Das Primitive, der Stamm, steckt in den Köpfen der meisten Menschen. Der Stamm, die Glaubensgemeinschaft, der Staat bestimmt das Schicksal des Einzelnen, sodass er selbst keine Entscheidungen treffen muss.“

    Das Eigenwohl, das Familienwohl muss hier noch ergänzt werden mit einer kleinen Sache die dem hier veröffentlichten Artikel völlig abgeht.

    Die Unmöglichkeit einer Volksvertretungsdemokratie bzw. einer Demokratie generell ab einer bestimmten Anzahl an Personen und dementsprechend Gruppen.

    Sie sollten sich ein klein wenig mit den Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb einer Partei auseinandersetzen. Von der kommunalen Ebene auf die Länderebene und dann auf die Bundesebene. Nicht ohne Grund gibt es „freie Wähler“-Gemeinden auch nur auf niederen Ebenen.

    Dabei gelangen vorwiegend nur die innerhalb der Kadern nach oben, nicht weil sie effizient und „realpolitisch“ wären, das ist höchstens noch in den 90ern bei den Grünen der Fall gewesen, sondern diejenigen, die bei den Geschäftsessen von Großindustriesponsoren oder hinter verschlossenen Türen als Jünger bestimmter „Bonzen“ positiv auffallen die Interessen der Lobbyisten und kleinen Grüppchen durch zu setzen.

    Die Flügelkämpfe in den Volksparteien sind legendär, die SPD-Herrscher gegen die Laizisten zum Beispiel hätte auch ein paar die Augen öffnen können etc.

    Demokratie ist eher im kommunalen Maßstab möglich, nicht aber in einem Maßstab auf Länder oder Bundesländerebene, das führt unweigerlich zur Herrschaft von priveligierten Gruppen schon allein wegen dem hierachischen Aufbau.
    Und eine Umerziehung zum „Es ist das Beste für alle“ des Menschen verwässert für den Einzelnen die Gewinnspanne genauso wie es auch an sozialistische Bestrebungen erinnert, den „besseren Menschen“ zu erziehen.

  11. Hermann sagt:

    Democracy is essentially the will of the majority. Hence, in a democracy, the quality of leaders is the measure of a region’s quality of voters. The subversion of democratic principles can only be with the concurrence of the majority

    Gefunden hier:
    http://harmanjit.blogspot.com/2011/06/democracy-and-dissent.html

    Schalom
    Hermann

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