Der neue Kindle ist da

Der neue Kindle eReader (Foto: Amazon.de)

Ich wurde gefragt, ob ich glaube, dass sich das brandneue Kindle-Modell lohne, das gerade erschienen ist. Sehen wir es uns mal näher an!

Im Unterschied zum Vorgänger kostet diese Version nur noch 99 Euro. Allerdings: Der Vorgänger, jetzt Kindle Keyboard getauft, kostet mit Erscheinen seines Nachfolgers 20 Euro weniger, nämlich 119 Euro.

Das neue Modell ist 30% leichter und 18% kleiner bei identischer Displaygröße. Dafür hält der Akku nur noch einen Monat, statt zwei Monate, der Speicherplatz wurde von 4GB auf 2GB reduziert, er kann keine Hörbücher mehr abspielen und er hat keine Tastatur mehr. Der größte Vorteil für die deutsche Kundschaft dürfte sein, dass die Menüführung nun deutsch ist statt englisch.

Lohnt sich also der neue Kindle? Es hängt alles davon ab, wie viel euch deutsche Menüs, reduzierte Größe und geringeres Gewicht wert sind. Seid ihr bereit, dafür auf die Hälfte des Speichers, die Audio-Funktion und die Tastatur zu verzichten?

Nun, ich bin es mit Sicherheit nicht – allerdings spreche ich sehr gut Englisch und mir fallen die englischen Menüs daher gar nicht auf; das mag für viele ganz anders sein. Es hängt also davon ab, ob man als Deutsch-Sprachler bereit ist, sich näher mit der Bedienungsanleitung zu befassen, bis man alle Funktionen intuitiv beherrscht, oder nicht.

Ich meine, dies sollte kein zu großes Hindernis sein. Die geringere Größe hat nicht nur Vorteile (passt vielleicht besser in Handtaschen), sondern auch Nachteile: Beim Vorgänger sind die Knöpfe zum Umschalten der Seiten auf der Oberfläche angebracht, beim neuen Modell an den Seiten. Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber ich bin mir fast sicher, dass dies unbequemer ist als beim Klassiker. Bei diesem kann man seinen Daumen bequem auf die Oberfläche legen und damit umschalten – bei der neuen Version muss man die Daumen immer wieder verschieben. Auf Dauer könnte das durchaus nerven.

Der geringere Speicher ist aufgrund des Wegfalls der Audio-Funktion (Audio-Dateien nehmen viel mehr Speicher weg als Buchdateien) kein sonderliches Problem – es passen noch immer 1400 Bücher darauf und wer, außer mir vielleicht, wird jemals so viel lesen?

Schließlich ist die Eingabe von Notizen ohne Tastatur – und ohne Touchpad! – so unpraktikabel, dass man es gleich bleiben lassen kann. Zugegeben werden die meisten Leser keine Notizen schreiben, aber für mich wäre das ein Albtraum. Außerdem: Auch die Eingabe in die Suche im Kindle-Shop ist nun erschwert. Das dürfte mehr Leser betreffen.

Diese neue Version hat außerdem kein 3G, aber das halte ich für irrelevant. Wer muss denn schon überall auf den Kindle-Shop zugreifen können? Nur die wenigen Nutzer, die ständig unterwegs sind.

Fazit

Die Nachteile des neuen Modells überwiegen die Vorteile. Ich empfehle weiterhin den Vorgänger (siehe meine Rezension) – jetzt erst recht, weil er 20 Euro günstiger geworden ist.

Grundsätzlich finde ich den Kindle als Viel-Leser und Viel-Schreiber großartig. E-Ink ist unendlich viel angenehmer für die Augen als LCD-Displays, die sich in Tablets, Handys, Computerbildschirmen und co. finden. Ich empfinde das Lesen mit eReader sogar als noch angenehmer als das Lesen von gedruckten Büchern, weil die Probleme mit den zuschlagenden Seiten, Flecken, Unterbringung, Aufstellen, Lesezeichen, Platz und Übersichtlichkeit der Notizen und so weiter entfallen.

Die Schriftgröße, etc. kann man sich einfach selber aussuchen und der Bildschirm (ich empfehle übrigens eine Schutzfolie dafür und eine Hülle mit Ständer für das Gerät) lässt sich abwischen. Geht das Ding kaputt, bleiben die gekauften Bücher auf dem PC registriert und man kann die Gewährleistung nutzen oder sich einen neuen kaufen.

Obendrein sind die Bücher, jedenfalls die englischsprachigen Bücher, die mich überwiegend interessieren, in der Kindle-Version günstiger als die gedruckten Fassungen. Dank der Buchpreisbindung ist das in Deutschland nicht unbedingt so, aber der Markt stellt sich darauf ein: Nämlich, indem praktisch identische Editionen mit leicht anderem Namen für den Kindle herausgebracht werden, die viel weniger kosten.

Für Autoren ist der Kindle jedenfalls ein Gottesgeschenk und alle meine kommenden Bücher und sogar einige Artikel werde ich für das Gerät veröffentlichen. Wie schon gesagt, lassen sich die eBooks auch auf PC, Handy, Tablet und co. lesen, aber ein eReader ist einfach angenehmer.

Ich war selbst als Germanistik- und Anglistikstudent lange auf der Seite der gedruckten Bücher. Aber ich habe mich überzeugen lassen. Die nächste wirklich sinnvolle Neuerung wird ein E-Ink-Display (oder etwas ähnliches) in Farbe sein. Dann braucht endgültig niemand mehr gedruckte Bücher. Und ich muss niemandem mehr erklären, warum Druckfassungen meiner eigenen Werke unmöglich gewinnbringend zu finanzieren sind ohne größeren Verlag – jedenfalls, ohne dass ich mich gleich zu den Griechen gesellen und Bankrott anmelden müsste, würde ich es doch tun.

Ich empfehle also den Klassiker und wenn Sie schon einmal dabei sind mein aktuelles Buch:

Kindle Keyboard WiFi (119 Euro)

Ist der Wald endlich tot? (2,99 Euro)

2 Kommentare zu “Der neue Kindle ist da

  1. anti3anti sagt:

    Danke für die ausgezeichnete Info! Vielleicht kaufe ich mir auch das Buch!!

  2. Da bin ich ja beruhigt! Habe mir vor 2 Monaten den Kindle zugelegt, weil, wie Sie bereits erwähnten, englische Bücher günstig und zahlreich zu erwerben sind (man schaue sich nur das Angebot des Ludwig von Mises Institute an). Der deutsche Store ist in dieser hinsichtlich doch etwas enttäuschend. Ohne das Keyboard wird die Nutzung als Webbrowser wohl erheblich erschwert, und auf das augenschonende Surfen auf Newsseiten möchte ich nicht verzichten.

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