Der Gott der Linken

Wenn du falsch bist, will ich es nicht wissen (Charlie Brown, The Great Pumpkin)

Eigentlich wollte ich erstmal keine Musik-Beiträge mehr schreiben, aber dann bin ich zufällig auf etwas Interessantes gestoßen. Nämlich auf die Auseinandersetzungen zwischen der Punkband Guttermouth und dem linken Punk-Mainstream. Faszinierende Parallelen tun sich auf.

Zugegeben ist Guttermouth als Liveband nicht gerade wohlgesittet. 18 Monate lang bekamen sie Einreiseverbot nach Kanada, weil sich der Sänger nackt auf die Bühne gestellt hat. Guttermouth streiten sich regelmäßig mit ihrem Publikum, mit anderen Bands und mit allen anderen. Einmal wurden sie verklagt, weil sie einen Aufstand angezettelt haben sollen.

Wie das in der Praxis aussieht, könnt ihr euch zum Beispiel in diesem Video ansehen, wo der Sänger erstmal eine Runde einen amerikanischen Ureinwohner als „Wilden“ beleidigt und dann das Konzert nach einem Song abbricht, weil ihn das Publikum langweilt. Danach lässt er die anderen Bandmitglieder die Bühne verlassen und macht den Rest der Zeit einen auf Alleinunterhalter.

Auf diesem Konzert streitet er sich mit zwei „fucking whores“ im Publikum und fällt dann von der Bühne:

Der interessante Teil ist die Warped-Tour-Kontroverse von 2004. Bei dieser Tour hat Guttermouth mal wieder andere Punkbands beleidigt und zum Beispiel Yellowcard und My Chemical Romance vorgeworfen, sie würden sich eher um Popularität und trendy T-Shirts als um gute Musik bemühen (was natürlich auch stimmt; das ist schon lange kein Punk mehr, was die beiden Bands machen).

Schwerwiegender war die Entscheidung von Guttermouth, Pro-Bush-Shirts zu verkaufen und Banner aufzuhängen, laut denen sie George W. Bush unterstützen. Das war ihr sarkastischer Protest gegen das ihrer Meinung nach uninformierte Polit-Getue der anderen Punkbands. Schließlich wurde Guttermouth „gebeten“, die Tour zu verlassen und wie das abgelaufen ist, ist recht aufschlussreich.

Sänger Mark Adkins geht in einer Erklärung auf den Vorfall ein und begründet, warum sie die Tour letztlich verlassen haben: Einige der anderen Bands haben sich gegen Guttermouth ausgesprochen und ihnen Gewalt angedroht wegen ihrer politischen Haltung. Das haben sie aber nicht der Band selbst gesagt, sondern den Veranstaltern, die sie außerdem aufforderten, Guttermouth rauszuwerfen.

Diese „Punkbands, oder wie immer man sie heute nennt, hatten nicht die Eier, mich selbst oder andere Bandmitglieder mit den Vorwürfen zu konfrontieren. Sie sind zu Papa gelaufen und haben einigen von den Oberen gesagt, dass Guttermouth sich über sie lustig mache, während sie spielten.“

Adkins gab zu, die Bands beleidigt zu haben, aber er betonte, dass er sie in ihrer Anwesenheit direkt adressierte. Stattdessen zu den Veranstaltern zu laufen wäre so, als hätten die Links-Punks erst um Erlaubnis gebeten, ob sie George W. Bush kritisieren dürften oder nicht.

Ihre ironische Unterstützung von Bush habe sogar dazu geführt, dass Produzenten und Veranstalter eine Reihe von mündlichen Verträgen mit Guttermouth gebrochen haben sollen.

Sogar anarchistische Punkbands müssen sich schon verstecken vor den Hohepriestern des linken Gutmenschentums. Die faszinierenden Parallelen bestehen zu der Vorgehensweise von linken Sektierern gegen Abweichler in säkular-humanistischen Gefilden. Zum Beispiel fordern Leser den Chefredakteur von Free Inquiry immer wieder auf, Nat Hentoff, der konservative Positionen vertritt, und den Objektivisten Tibor Machan aus der Redaktion zu werfen. Dito haben die fanatischen Kultisten ihr bestes getan, um mich aus der Giordano Bruno Stiftung und aus der Redaktion von wissenrockt.de hinauszubefördern, ohne es jemals zu wagen, mich persönlich zu konfrontieren. Zuletzt hat es Felix Thiessen von den Jungen Atheisten erwischt, welcher der Partei Die Freiheit beigetreten ist, die offenbar ebenfalls voller Verrückter steckt, siehe seinen Bericht.

Immerhin: Richard Dawkins hat Christopher Hitchens nun den Richard Dawkins Award verliehen, obwohl er den Irak-Krieg unterstützte, ja, einer der wichtigsten Unterstützer war. In Deutschland ganz unvorstellbar, dass Hitchens einen humanistischen Preis bekommen würde.

Jene, die sich um eine bessere Welt mit weniger Andersdenkenden sorgen, erinnern mich unwillkürlich an die Anhänger der puritanischen Sekte, die in dem Film Silent Hill kleine Mädchen verbrennt:

Organisierte Kriegsgegner. Unterstützen die Vereinten Nationen. Gegen Atomkraft. (Sony Pictures, Silent Hill)

Organisierte Kriegsgegner. Unterstützen Europa und die Vereinten Nationen. Gegen Atomkraft. Abweichler willkommen. (Sony Pictures, Silent Hill)

Das Muster wiederholt sich also überall, wo die Utopisten zu viel Einfluss bekommen. Ich will ja nicht wissen, wie es in der SPD, bei den Grünen und in der Linkspartei zugehen muss, wenn jene mit aufklärerischem Anspruch schon so am Rad drehen. Wahrscheinlich fressen sie Abweichler dort bei lebendigem Leib auf oder werfen sie in einen Vulkan, um sie ihrem Bessere-Welt-Gott zu opfern.

Campfire Girl #62

Guttermouth hat ein sarkastisches Liebeslied geschrieben, das gut zum Thema passt, hier sind die Lyrics:

She’s got the healing powers of medicinal marijuana

And she feeds herself the same ole crap she feeds to her iguana

And she won’t go to the bar

God forbid that she drive a car

And of course she will protest the war

And even though she’s an idiot

[Chorus:]

I get excited when I see her

You better pass me the saltpeter

Like a sailor on shore leave

Like a recent parolee

I want to date her but first bathe her

She always eating echinacea

On her feet are birkenstocks

I guess my head is filled with rocks

Most of her friends are never happy

That is unless they’re bitchin‘

She looks down upon my comrades like they’re carcinogen

She doesn’t know what she’s fighting for

Like a modern day conquistador

And of course she will protest the war

And even though she’s an idiot

2 Kommentare zu “Der Gott der Linken

  1. ohja, aber es wird Opfer geben . (H)

  2. Martin sagt:

    Gutternmouth durfte ich vor langer Zeit mal in Frankfurt live sehen, ein echtes Erlebnis 🙂

    Die Gesinnungs-Gestapo gabs auch in der Punkszene aber auch schon immer…

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