Gehirn und Bewusstsein nur zwei Aspekte?

Im Anschluss an meine Übersetzung des Artikels Unentdeckt von Philosoph und Neurowissenschaftler Raymond Tallis haben sich Materialisten zu Wort gemeldet, denen die im Artikel genannten Argumente nicht ausgereicht haben oder die sogar meinten, es wären keine angeboten wurden. Sie haben ihrerseits typische Einwände angeführt.

In seinem Buch Aping Mankind. Neuromania, Darwinitis and the Misrepresenation of Humanity geht Tallis auf all diese Einwände genau ein. Mehr als ein paar kleine Einblicke in die Argumentation kann ich nicht anbieten – eigentlich ist keine Seite des 361-Seiten-Buches verzichtbar. Vielleicht wird es mir aber gelingen, manche ein bisschen zu verunsichern und sie zum Weiterforschen zu bewegen.

Es geht um die Frage, ob das Bewusstsein auf Gehirnprozesse reduzierbar ist.

Korrelation ist nicht Kausation

Es gibt Zusammenhänge (Korrelationen) zwischen einer neuronalen Aktivität und einem Erlebnis.

Wenn neuronale Aktivität und Erlebnis jedoch identisch wären, dann müssten sie auch so erscheinen. Das Erlebnis der Farbe Gelb und die neuronale Aktivität im relevanten Teil des visuellen Kortex sehen sich überhaupt nicht ähnlich, egal wie man sie darstellt. Es ist nichts gelb an Nervenimpulsen und nichts Nervenimpuls-artiges an der subjektiven Erfahrung der Farbe Gelb.

Es wird oft darauf hingewiesen, dass auch nichts rot sei an der Darstellung eines roten Dreiecks auf einem Computerbildschirm und doch ist die Darstellung das Ergebnis rein physikalischer Prozesse. Dabei wird allerdings übersehen, dass ja in der Tat nichts rot ist an einem roten Dreieck auf einem Computerbildschirm, es sei den, ein bewusster Beobachter sieht auf den Bildschirm und empfindet die Darstellung als die Farbe Rot!

Die Doppelaspekt-Theorie

Laut der Doppelaspekt-Theorie sind die mit dem Sehen der Farbe Gelb verbundenen neuronalen Prozesse und die subjektive Empfindung der Farbe Gelb zwei Perspektiven der selben Sache, zwei Seiten der selben Medaille. Im Prinzip gibt es nur das, was wir im Gehirn beobachten können, aber es hat eine neuronale Seite und die Seite der subjektiven Erfahrung.

Das erste Problem mit dieser Auffassung hängt damit zusammen, was wir unter „Perspektiven“ verstehen. Wir können uns aus zwei Perspektiven ein Haus ansehen, wenn wir es einmal von vorne und einmal von hinten betrachten. Es ist dasselbe Haus, aber von zwei verschiedenen Perspektiven betrachtet. Betrachten wir nun aber die subjektive Empfindung der Farbe Gelb von vorne und dann von hinten, von einer Seite und dann von der anderen, dann sieht sie niemals so aus wie neuronale Vorgänge. Dito, wenn wir neuronale Vorgänge aus verschiedenen Perspektiven betrachten, dann sehen sie niemals so aus wie subjektive Erfahrungen.

Zweitens hat ein Haus nicht als solches verschiedene Perspektiven (oder irgendwelche). Perspektiven sind abhängig von einem Beobachter. Bevor wir einen Beobachter haben, müssen wir erst einmal erklären, wo der herkommt, ob der bewusste Beobachter identisch ist mit neuronaler Aktivität oder nicht. Neuronale Aktivität hat nicht als solche Perspektiven, scheint also nicht identisch zu sein mit einem bewussten Beobachter, der Perspektiven erkennen kann.

John Searle bietet eine verführerische Analogie an: H2O-Moleküle sind Wasser, obwohl sie anders aussehen als Wasser. H2O-Moleküle sind weder glänzend noch flüssig. Wasser sei für H2O-Moleküle das, was bewusste Erfahrung für neuronale Aktivität sei.

Allerdings erfordern sowohl H2O-Moleküle einen Beobachter, wie auch Wasser einen Beobachter erfordert, damit feststellbar ist, ob sie identisch sind oder nicht. Einmal beobachten wir Wasser mit dem bloßen Auge, ein anderes Mal mit Mikroskopen und theoretischen Modellen. Die beiden Perspektiven von Wasser sind also zwei Erscheinungen, zwei Arten, sie zu erleben, und dies trifft nicht zu auf neuronale Aktivität als elektrochemische Aktivität und als subjektive Erfahrungen. Es ist nicht der Fall, dass beispielsweise, wenn wir ein Gehirn mit dem bloßen Auge betrachten, es wie subjektive Erfahrung aussehen würde und wenn wir es mit einem Mikroskop betrachten, wie elektrochemische Aktivität.

Identität oder Kausalität?

Searle behauptet außerdem, die H2O-Moleküle würden die Erscheinung des Wassers, wie wir es aus dem alltäglichen Leben kennen, erzeugen. Nun können die Moleküle aber nicht zugleich dasselbe sein wie die Erscheinung von Wasser und die Ursache der Erscheinung von Wasser. Entweder, es ist dasselbe, oder das eine ist die Ursache und das andere ist die Folge.

Mehr davon

In folgenden Beiträgen gibt es mehr. Bis dahin empfehle ich einen Blick auf die Wikipedia-Einträge zu Qualia und Intentionalität. Wenn sich jemand näher mit dem Thema befassen möchte und die englische Sprache beherrscht, empfehle ich Aping Mankind von Raymond Tallis.

9 Kommentare zu „Gehirn und Bewusstsein nur zwei Aspekte?

  1. Im Anschluss an meine Übersetzung des Artikels Unentdeckt von Philosoph und Neurowissenschaftler Raymond Tallis haben sich Materialisten zu Wort gemeldet, denen die im Artikel genannten Argumente nicht ausgereicht haben oder die sogar meinten, es wären keine angeboten wurden. Sie haben ihrerseits typische Einwände angeführt.

    … die Du nicht widerlegen konntest. Bester Einwand Deinerseits: „Es reicht mir nicht.“

    Erst schreibst Du

    Es geht um die Frage, ob das Bewusstsein auf Gehirnprozesse reduzierbar ist.

    und dann

    Wenn neuronale Aktivität und Erlebnis jedoch identisch wären, dann müssten sie auch so erscheinen.

    Frage: Glaubst Du, dass die Woerter „reduzierbar“ und „identisch“ die selbe Bedeutung haben? Du bringst ja schon wieder verschiedene Abstraktionsebenen durcheinander. Um das mal vollstaendig klar zu machen, werde ich das letzte Zitat nochmals aufschreiben:

    Wenn Bewegung von Atomen und Temperatur jedoch identisch waeren, dann muessten sie auch so erscheinen.

    … und das ist offensichtlicher Unfug. Kein Materialist, der bei Verstande ist, setzt neuronale Aktivitaet einfach mit Bewusstsein gleich. Des wegen frage ich nochmal: Gibt es irgendeine Erkenntnis, die der Hypothese „Bewusstsein = Epiphaenomen bestimmer neuronaler Prozesse“ widersprechen wuerde?

    1. Es geht hier um die Doppelaspekt-Theorie, welche durchaus von mehreren Philosophen (z.B. Searle) vertreten wird. Ich möchte schon mehrere materialistische Erklärungsmodelle durchgehen und mehrere Themen aufgreifen. Das war jetzt das erste. Deine gesamte Denkweise mit verschiedenen Abstraktionsebenen ist, wie schon gesagt, nur eine von vielen möglichen Erklärungen, die von Materialisten angeboten werden.

  2. Sorry, das ist alles ein philosophisch konstruiertes Problem. Bzw. eher ein Problem wie Sprache benutzt wird und zusammenhängende Dinge einzeln oder eben zusammenhängend betrachtet werden.

    Ich bin der Meinung um das ordentlich diskutieren zu können muss man sich erstmal auf Definitionen der Worte einig werden und was diese implizieren und was sie definitiv nicht aussagen.
    Ich bin der Meinung etwaige Probleme lösen sich dann aufgrund von schlichter bisheriger Falschnutzung von Worten einfach von selbst auf.

    Mein Kritikpunkt war wiefolgt eher praktischer Natur, d.h. ich wollte einen Mehrwert an Erklärungsmächtigkeit mit der Einführung neuer Begriffe in Erfahrung bringen (unter anderem auch den der Intentionalität). gibt es mehr Erklärungen oder nicht?

    „Das Erlebnis der Farbe Gelb und die neuronale Aktivität im relevanten Teil des visuellen Kortex sehen sich überhaupt nicht ähnlich, egal wie man sie darstellt.“

    Wie soll es denn sonst aussehen? Gelb?
    Bewusstsein ist eben Matsche und keine geisterhafte leuchtende Kugel die je nach Farbbetrachtung selbst die Beleuchtung umwechselt oder eine Silhoutte die wie ein Gespenst über dem Kopf herum schwebt oder dimensional in ein Versteck verschachtelt ist.
    Gerade Teile dieser Matsche hat überhaupt auch die Komplexität inne ein anderes Wort für „Erleben von Gelb“ zu sein.
    Ansonsten bitte ich um konkrete Alternativen.

    Oder wird sich nur darüber aufgeregt das eben Gelb nicht Gelb im Gehirn aussieht?
    Das ist meiner Meinung nach so unsinnig wie die Frage „Warum ist der Himmel blau und nicht grün?“ oder „Warum bringt Gift mich um, wenn doch Gift ohne meinen Körper keinen Tod zur Folge hat?“ 😀

    In Wikipedia steht:
    „Materialistische Theorien gehen davon aus, dass auch mentale Zustände nichts anderes als physische Zustände sind. Nun haben allerdings mentale Zustände die Eigenschaft der Intentionalität und es scheint unklar zu sein, wie ein physischer Zustand ebendiese Eigenschaft haben kann. Ein Beispiel: Der Gedanke, dass Herodot ein Historiker war, ist intentional, da er sich auf Herodot und den Sachverhalt, dass Herodot ein Historiker war, bezieht. Der Gedanke ist zudem wahr, da Herodot tatsächlich ein Historiker war.“

    Ich bin nicht der Meinung dass das was hier als „Gedanke“ versimplifiziert wird wirklich ein einziger Gedanke ist. Man ist es eher „gewohnt“ zu denken man habe einzelne zusammenhängende Gedanken. Das liegt aber eher daran, dass man es seit seiner Kindheit einfach gewohnt ist das Erleben im eigenen Kopfe als etwas Zusammenhängendes zu betrachten.
    Es ist eher so, dass man ein stätiges Gefühl von „Vertrautheit“ besitzt, welches aber keineswegs zusammenhängend ist und sein muss.

    Ferner steht:

    „Nun wird in materialistischen Theorien versucht, Gedanken etwa auf ein bestimmtes neuronales Geschehen zurückzuführen. Wenn nun aber der Gedanke mit einem Vorgang im Gehirn identisch sein soll, so muss eben dieser Vorgang auch intentional sein. Kritiker des Materialismus argumentieren dagegen, dass genau dies sehr unplausibel sei.[12] Kein Vorgang im Gehirn scheint sich auf Herodot zu beziehen. Auch scheint es problematisch, ein neuronales Geschehen wahr oder falsch zu nennen, wie sollte die Übertragung von Nervensignalen wahr sein können?“

    Ich glaube hier wird etwas von Seiten der Intentionalisten gehörig missverstanden. Bzw. es wird von völlig alltagspsychologischen Prämissen aus gegangen.

    1.) Beispiel:
    Denke ich an meine Mutter so denke ich nicht gleichzeitig an ihren Namen. (Auch wenn ich das tun könnte). Versetzt euch mal in diese Situationen und analysiert mal wirklich das „Erleben“ selbst.
    Wenn ich z.Bsp. einem Freund namens „Tom“ auf einem Bahnsteig begegne, denke ich auch nicht „Das ist nun der Tom auf dem Bahnsteig“. Ich erlebe schlicht die Begegnung mit Tom (ohne zwangsläufig an seinen Namen zu denken) auf dem Bahnsteig (ohne mir ein wirkliches gedanklich abstrahiertes Bild von „Tom auf dem Bahnsteig“ zu machen).
    Es ist eher interessant den Unterschied zwischen dem Erlebnis und der Vorstellung zu dem Erlebnis, welches selbst auch eine Form des Erlebnisses darstellt, heraus zu arbeiten.
    2.) Beispiel:
    Dürfte Gedankenlesen dann funktionieren?
    Offensichtlich tut es das aber schon ganz gut. Wenn es nicht „repräsentiert“ ist, wie soll es denn dann möglich sein?
    http://www.heise.de/tp/artikel/35/35552/1.html

    1. Naja, Reconstructing visual experiences from brain activity evoked by natural movies. würde ich aber nicht ‚Gedankenlesen‘ nennen wollen. Der Heise-Titel ist insofern irreführend, selbst wenn Gedankenlesen da in Anführungszeichen steht. Und der Untertitel ist leider auch irreführend, denn so wie ich das verstehe, wird rekonstruiert, welche Filmszenen eine Person gerade sieht und mitnichten, welche Filmszenen eine Person gesehen hat.

      Ähnlich könnte man ein Messgerät ans Trommelfell anbringen und so den gehörten Schall rekonstruieren, Bzw. ein Messgerät, dass die neuronalen Aktivitäten bei Audio-Signalen rekonstruiert. Was zwar beeindruckend ist, aber eben noch lange kein „Gedankenlesen“.

      Gleiches könnte man auch mit einer Webcam machen und entweder direkt die Signale in der Zuleitung zum Computer messen oder auch die CPU-Aktivitäten. Und wenn Letzteres: diese Messergebnisse sind dann a) wahrscheinlich nicht auf eine andere CPU anwendbar, sondern müssen neu auf diese justiert werden und b) besonders viel Information über die CPU bekommt man damit auch nicht.

      Ich bin zwar gespannt auf die weitere Forschung in dieser Richtung und finde die Idee mit den Youtube-Videos ziemlich clever, aber man sollte das dennoch so sehen, wie es bisher ist: lediglich eine Rekonstruktion einkommender Signale. Ob man später mit der Methode tatsächlich Gedanken lesen kann, (z.B. Träume) und ob das auf unterschiedlichste Gehirne anwendbar ist, ist bisher ungewiss.

  3. „Wenn neuronale Aktivität und Erlebnis jedoch identisch wären, dann müssten sie auch so erscheinen. Das Erlebnis der Farbe Gelb und die neuronale Aktivität im relevanten Teil des visuellen Kortex sehen sich überhaupt nicht ähnlich, egal wie man sie darstellt. Es ist nichts gelb an Nervenimpulsen und nichts Nervenimpuls-artiges an der subjektiven Erfahrung der Farbe Gelb. […]“

    Dass wir die Dinge nicht so sehen, wie sie tatsächlich sind (z.B. „gelb“ statt auf eine bestimmte Art und Weise reflektiertes Licht), ist doch gerade das Ergebnis neuronaler Aktivitäten; das, was am Ende rauskommt. Den Prozess selbst können wir mangels Sinnesorganen und Nervenschaltungen für Nervenschaltungen gar nicht wahrnehmen.

    Subjektives Empfinden/Wahrnehmen ist eine legitime Folgerung aus dem Materialismus und keine Widerlegung.

    1. „Subjektives Empfinden/Wahrnehmen ist eine legitime Folgerung aus dem Materialismus und keine Widerlegung.“

      Das sehe exakt auch so. Die Existenz einer subjektiven (und vielleicht nie objektivierbaren) Innensicht ist kein gültiges Argument gegen die materialistische/naturalistische Sichtweise. Warum muss man aus evtl. nie zugänglichen Dingen immer gleich anit-naturalistisches Kapital schlagen? Das sind aussichtslose idealistische/religiöse/esoterische Rückzugsgefechte. Schade, dass derautor sich darauf einläßt.

      1. Das ist lediglich Ihre Interpretation. Gibt es etwas, was Sie davon überzeugen könnte, dass die bewusste Erfahrung nicht auf Gehirnprozesse reduzierbar ist? Bislang haben Sie jedenfalls nur wiederholt, was sie ohnehin schon denken und Sie haben Andersdenkenden geheime, böse Absichten unterstellt („idealistisch/religiöse/esoterische Rückzugsgefechte“).

        Ich sage, ich weiß es nicht und ich sage, dass jeder, der meint, den Zusammenhang zwischen Bewusstsein und Gehirn zu verstehen, sein Wissen überschätzt. Das ist der Stand der Dinge in der Bewusstseinsphilosophie. Materialismus geht über unser Wissen hinaus und ist lediglich eine metaphysische Spekulation, die mich eben nicht völlig zufriedenstellen kann (obgleich in der Tat der Materialismus die uns bekannte natürliche Welt gut erklärt, darum war ich ja Materialist). Von den bisher vorgeschlagenen Alternativen halte ich ebenso nichts. Ich kann damit leben, etwas einfach nicht zu wissen. Ich bin in diesem Bereich einfach ein Agnostiker, ein Skeptiker. Das hat mit irrationalen Auffassungen nichts zu tun.

  4. @Nanomyte

    Ich bin der Meinung etwaige Probleme lösen sich dann aufgrund von schlichter bisheriger Falschnutzung von Worten einfach von selbst auf.

    Das könnte von Wittgenstein sein. Ich stimme zu. Viele Probleme der Philosophie gerade im Bereich Materie Geist sind aus meiner Sicht nur Scheinprobleme. Eine unpräzise Sprache, unklare Definitionen oder gar falsche Annahmen über biologische bzw. physikalische Vorgänge, die man in Wirklichkeit schon ganz gut versteht.

  5. Es geht um die Frage, ob das Bewusstsein auf Gehirnprozesse reduzierbar ist.
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    Dazu eine grundsätzlich Frage, mit welchen Körperteilen außer dem Gehirn denkt der Menschen noch, wo überall findet das menschliche Bewusstsein statt.? Erleidet es etwa Schaden, wenn man sich die Zähne putzt, die Nägel oder die Haare schneidet, letzeres ein großer Frevel gegen den Willen Gottes laut vieler Theologen.

    Wir kommen an 2 physischen Gegenheiten nicht vorbei, der Homo-Sapiens-Sapiens als auch die Tiere denken ausschließlich mit dem Gehirn. Eine Seele als fiktives Konstrukt der Philosophen, Theologen und Religioten gibt es nicht – sie ist untrennbarer Teil des Unterbewußtseins. Dabei ist sie nicht örtlich in einem bestimmten Sektor des Gehirns etwa als „Organ“ lokalisierbar, sie verteilt sich nach MRT-Scans auf alle Funktionen und Bereiche. Wir Menschen sind unentrinnbar Sklaven der „Suppe“ von grauen Zellen in unserem Kopf.

    Moderne Tomographien erlauben neuronale Prozesse zu studieren, mit Mustererkennung gelingt es erste Gedankeninhalte zu deuten. Unser Gehirn ist manipulierbar, was demjenigen als abwegig erscheint. Einen freien Willen als bewusste Entscheidung gibt es nicht, jede Entscheidung basiert auf im Unterbewusstsein ablaufenden Prozessen bis zu 8 Sekunden vorher nach uns unbekannten Kriterien. Unbekannte Kriterien entziehen moralisierenden Begriffen wie Schuld, Sühne, Sünde und Buße jeglichen Sinn. Erinnerungen sind für uns immer real geschehen und nie willkürlich fabriziert.

    Neurale Korrelate richtiger und falscher Erinnerungen werden in Gehirn unterschiedlich verarbeitet und sind so durch ein MRT zu entlarven. Ist die mit Vertrautheit und Emotionen korrelierte frontoparietale Region oberhalb der Stirn aktiviert, geht es um fabrizierte Erinnerungen und intern erfundene Fakten. Sind die mit realen Vorgängen korrelierten medialen Temporallappen (MTL) seitlich der Schläfen aktiviert, geht es um externe Erlebnisse und Reize der Nerven die von außen kommen.

    Bei eher komplexen Gedächtnisleistungen werden beide Gehirnbereiche aktiv, Selbstbetrug, frei fabrizierte Erinnerungen und externe Fakten werden zur scheinbaren Realität vermischt. Erinnerungen sind dabei niemals statisch, sie werden je nach Situation immer wieder aufgebessert. Die Erinnerung an ein Ereignis ist somit kein Beweis dafür, dass dies jemals real war. Es ist heute bereits möglich per Gehirntomographie zu unterscheiden, ob jemand in seinem Leben eine Person vorher gesehen hat oder nicht. Man kann ebenso erkennen, ob Vorsätze später gehalten werden sollen oder demjenigen nur als Entschuldigung dienen.

    Religion als psychotischer Wahn hämmert mit Emotionen irreale Fakten in die Köpfe. Predigten beeindrucken wenn sie mit Gefühlen und Emotionen arbeiten, abstrakte Sermone über Logik und Wissen sind wirkungslos. Falsche „Erinnerungen“ unterdrücken die Fähigkeit die Realität zu erkennen und sich so langsam von der Gehirnwäsche zu befreien. Bewusstseinskontrolle wirkt durch Abhängigkeit in erzwungener Konformität, sie unterdrückt Selbstständigkeit, Individualität im Denken und Handeln nach eigenen Wertekriterien.

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