Friedenspreis der Finsternis

In diesem Gastbeitrag vergleicht Dr. Nathan Warszawski den Aachener Friedenspreis mit dem „Gaddafi-Preis für Menschenrechte“. Den gibt es übrigens wirklich. Ja, es gibt so etwas Abscheuliches wie den Aachener Friedenspreis. Der Gaddafi-Menschenrechtspreis wurde bereits verliehen an Nelson Mandela, Fidel Castro, Hugo Chavéz und Recep Tayyip Erdoğan.

Die Leute vom Aachener Friedenspreis sind aktuell beleidigt, dass ihre Ausstellung „Die NAKBA: Flucht und Vertreibung der Palästinenser“ in Düsseldorf abgesagt wurde. Diese Ausstellung vertritt eine ganz eigene Sicht, worum es beim Nahostkonflikt gehe. Die offizielle Ablehnungsbegründung der Stadt (auf der offiziellen Website nicht mehr auffindbar) lautete damals unter anderem: „Inhaltlich lastet die Ausstellung die Alleinverantwortung für die Vertreibung der Palästinenser den Israelis an. Die palästinensischen Araber als verantwortlich und aktiv Handelnde in diesem Konflikt kommen in der Präsentation nicht vor.“

Doch verzaget nicht, denn wer die Ausstellung sehen will, hat oder hatte dafür an über 70 Orten in Deutschland, wo der Höllenschlund extra aus diesem Anlass geöffnet wurde, die Möglichkeit dazu. So schreiben die Aachener Friedensapostel:

Inzwischen war die Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ in weiteren Städten zu sehen: im Haus der Evangelischen Kirche in Aachen, in der Buchoase in Kassel, in der „Kulturschmiede“ Halberstadt und zurzeit in der Volkshochschule in Heidelberg. Insgesamt wurde die Ausstellung seit April 2008 in mehr als 70 verschiedenen Orten in Deutschland gezeigt. Wir freuen uns aber besonders, dass die Nakba-Ausstellung in diesem Jahr doch noch in Düsseldorf zu sehen sein wird: vom 18.11. – 16.12 in der Bunkerkirche in Düsseldorf-Heerdt.

Auch in Düsseldorf wird endlich wieder eine Ausstellung gegen Juden gegen das schreckliche Leid der palästinensischen Terroristen der palästinensischen Kinder und Mütter zu sehen sein.

70 Zentralen der Finsternis gibt es also in Deutschland. No-Go-Areas für anständige Bürger. Darunter Kirchen, Kulturzentren, Buchläden – der Teufel hat viele Gesichter und er ist mitten unter uns. Hoffentlich veranstalten sie die Ausstellung des Bösen nicht auch noch in meinem Lieblingscafé, sonst kann ich bald nirgendwo mehr hingehen. Obwohl, zum Glück gibts beim McDonald’s keine Ausstellungen.

Doch nun zu Dr. Warszawski…

Heute nehme ich den Untergang Gaddafis zum Anlass, um die Unterschiede zwischen dem Internationalen Gaddafi-Preis für Menschenrechte und den Aachener Friedenspreis herauszuarbeiten.

DER Aachener Friedenspreis will zur Verständigung der Völker und der Menschen beitragen, den Frieden fördern, bestehende Feindbilder abbauen und gegenseitiges Vertrauen aufbauen.

Der Aachener Friedenspreis wendet sich gegen jede Form von Militarismus, Rassismus, Nationalismus, Faschismus, Ausländerfeindlichkeit sowie gegen Ausgrenzung von Minderheiten.

Der Aachener Friedenspreis versteht sich als Teil der Friedensbewegung.

Dieser Zweck wird verwirklicht durch die alljährliche Verleihung des Aachener Friedenspreises an Frauen, Männer oder Gruppen, die sich „von unten her“ für Frieden einsetzen.

Der Internationale Gaddafi-Preis für Menschenrechte wird an Leute vergeben, die sich dem friedlichen Kampf für die Freiheit von Menschen und Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet hätten und gegen rassistische Diskriminierung kämpften.

Die Texte sind austauschbar. Der arabische Text ist der weniger blumige.

Sowohl der Aachener Friedenspreis, als auch der Internationale Gaddafi-Preis für Menschenrechte werden von Nicht-Regierungs-Organisationen, den NGOs, verliehen. Der letztere erst seit kurzem.

Sowohl unter den Preisträgern des Aachener Friedenspreises, als auch des Internationalen Gaddafi-Preises für Menschenrechte finden sich überdurchschnittliche viele Kritiker des Staates Israels und der Juden. Juden, die den Aachener Friedenspreis angenommen haben, fallen ohne Ausnahme in diese Gruppe. Der Gaddafi-Preis für Menschenrechte wird erst gar nicht an Juden verliehen.

Die Preisträger des Aachener Friedenspreises, als auch die des Internationalen Gaddafi-Preises für Menschenrechte sind international. Der Aachener Friedenspreis wird unbekannten Personen verliehen, der Gaddafi-Preis zeichnet meist bekannte Personen aus.

DER Aachener Friedenspreis versteht sich als Gegengewicht zum Europäischen Karlspreis, der Internationale Gaddafi-Preis für Menschenrechte als Anti-Nobelpreis.

DER Internationale Gaddafi-Preis für Menschenrechte wurde zuletzt dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan verliehen. Mit dem Aachener Friedenspreis wurde noch nie ein Türke ausgezeichnet.

DER Aachener Friedenspreis setzt sich seit dem Sturz Gaddafi nicht mehr für Gaddafi ein, Gaddafi hat sich niemals für Aachen eingesetzt.

DER Aachener Friedenspreis wehrt sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus, der Internationale Gaddafi-Preis für Menschenrechte wehrt sich nicht.

DER Stadtrat von Aachen ist freiwilliges Mitglied des Aachener Friedenspreises. In Libyen sind freiwillige Mitgliedschaften unbekannt.

DER Aachener Friedenspreis kritisiert das westliche Verteidigungsbündnis. Gaddafi war ebenfalls kein Freund der NATO.

DER Internationale Gaddafi-Preis für Menschenrechte stellte 2010 die Preisverleihung ein.