Atomausstieg: Ende der Vernunft?

Aktuell bin ich noch im Begriff, mir Meinungen zu bilden über Klimawandel und Atomausstieg.

Das Zwischenergebnis zum Thema Klimawandel lautet, dass er real ist und dass wir uns an die kommenden Veränderungen anpassen müssen. Eine Verringerung von CO2 wäre wünschenswert, allerdings kommen hier Fragen der internationalen Politik ins Spiel.

Das Problem besteht nämlich darin, dass es große, bevölkerrungsreiche Länder auf der Erde gibt, die sich überhaupt nicht um den Klimawandel scheren, was sie auch nicht zu ändern gedenken (z.B. China, Indien, Russland, USA). Wenn wir nun ökonomische Einbußen in Kauf nehmen, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte das Ergebnis schlicht darin bestehen, dass autokratische Systeme (natürlich zähle ich die USA nicht und Indien nur bedingt dazu) mächtiger werden als die freie Welt. Andererseits hätten gerade Atomkraftwerke eine ökonomische Option abgegeben, wie man CO2 reduzieren könnte.

Was nun Atomenergie angeht, neige ich zur Befürwortung dieser Energiequelle. Ich habe überhaupt keine Furcht vor Kernschmelzen, nuklearer Verseuchung und dergleichen, weil dies extrem unwahrscheinlich ist, wenn man nicht gerade sein Atomkraftwerk neben das Epizentrum von starken Erdbeben baut und ein paar Tsunamis als Sahnehaube dazugibt. Und selbst in Fukushima, unter derart extremen Bedingungen, ist nur sehr wenig Radioaktivität ausgetreten.

Warum der Atomausstieg ein Fehler sein könnte, erklärt zum Beispiel der Physiker Professor Konrad Kleinknecht in einem Beitrag für die Bundeszentrale für Politische Bildung. Die wichtigsten Fakten aus dieser Quelle und aus anderen Quellen gibt es im folgenden Beitrag:

Zusammengefasst sind dies die Thesen von Konrad Kleinknecht:

Der überstürzte Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie hat schwerwiegende Folgen: Deutschland wird massiv Strom aus den Kernreaktoren der Nachbarländer Frankreich, Tschechien und der Schweiz importieren und viele Kohle- und Gaskraftwerke bauen müssen. Die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) werden ansteigen, und die Klimaziele der Regierung können nicht erreicht werden. Der Anstieg der Strompreise durch die Einspeisung der erneuerbaren Energien und den Zwang zum Kauf von CO2-Zertifikaten wird Deutschland als Standort für die energieintensiven Industriezweige benachteiligen und viele Arbeitsplätze gefährden.

Es ist kein wirklicher Atomausstieg, wenn wir nach wie vor Atomstrom nutzen, nur aus dem benachbarten Ausland. Wenn ausländische Atomkraftwerke kaputtgehen und radioaktive Materialien austreten, so betrifft uns dies fast oder vollständig ebenso, als würde das in unserem eigenen Land geschehen. Die Winde tragen die Radioaktivität zu den Germanen über die Grenze. Und die Gallier werden sich kein Vorbild nehmen an den Barbaren.

Dazu kommt der höhere Ausstoß von Klimagasen aufgrund der nötigen Konstruktion neuer Kohlekraftwerke. Klimawandel ist realer als die Bedrohung durch deutsche Atomkraftwerke, mit denen es noch nie Probleme gab. Dabei ergibt es aus ökonomischer Sicht nicht einmal Sinn, auf die energieeffiziente Atomkraft zu verzichten.

In Deutschland gibt es keine Tsunamis und nur sehr kleine Beben. Terroristen könnten nicht nur ein Passagierflugzeug in ein Atomkraftwerk steuern, sie könnten ebensogut eine Atombombe auf eine Großstadt werfen. Wir können gleich den ganzen Laden dicht machen, wenn wir uns vor Terroristen fürchten. Oder wir bleiben bei angemessenen Sicherheitsmaßnahmen. Zu diesen gehören Flughafenkontrollen, nicht aber die Abschaltung unserer Energiequellen.

Nun hat eine Ethikkommission entschieden, dass innerhalb von zehn Jahren alle Atomkraftwerke abgeschalten und die Energie anders aufgebracht werden soll – ohne zu spezifizieren, wie dies möglich wäre. Alle realistischen Prognosen ergeben, dass erneuerbare Energiequellen bis 2020 25-35% unserer Energie abdecken können. Woher die übrigen 70% herkommen sollen, ist unklar.

Unter anderem sind zum Atomersatz Windkraftanlagen geplant. Dabei liefern die geplanten 160 Windparks so viel Energie wie acht Kohlekraftwerke – und dies zum Preis von 40 Kohlekraftwerken. Solarenergie ist noch viel unökonomischer. Solarzellen müssen ganze 3-5 Jahre im Betrieb sein, um den Energieaufwand für ihre Herstellung auszugleichen. Und sie liefern nur zweieinhalb Stunden am Tag volle Leistung, Windräder vier Stunden an Land und zehn Stunden auf hoher See. Atomkraftwerke sind immer aktiv.

Das Gas für die geplanten bayerischen Gaskraftwerke stammt ausschließlich aus Russland. Insgesamt stammt die Hälfte des deutschen Flüssiggases aus Russland. Neben der islamischen Welt und China haben wir ein Interesse daran, unabhängiger, nicht abhängiger zu werden vom autoritären Russland.

Kohle, Gas und Erdöl sind die Hauptverursacher des anthropogenen Treibhauseffektes. Deutschland wird nun sehr viel stärker als zuvor den Planeten anheizen. Und Deutschland ist heute bereits das EU-Land, das am meisten CO2 produziert. Deutschland reiht sich somit in die Liste der Länder ein, die sich nicht zu einer Reduzierung von Klimagasen (Kyoto-Protokoll) verpflichtet haben: China, USA, Russland, Indien, Japan und Kanada. Dank dem Atomausstieg.

Der Strompreis wird ebenso weiter steigen – und er ist jetzt schon in Deutschland 70% höher als in Frankreich.

Was ist mit der Endlagerung?

Wenn man sich die offiziellen Voraussetzungen für die Endlagerung seitens der Bundesregierung ansieht, halten sich meine Sorgen diesbezüglich in engen Grenzen:

Für eine Million Jahre muss gezeigt werden, dass allenfalls sehr geringe Schadstoffmengen aus dem Endlager freigesetzt werden können. Hierzu muss die Integrität des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs nachgewiesen und das vom Endlager ausgehende Risiko bewertet und dargestellt werden.

Die Sicherheit des Endlagers muss von der Planung bis zum Verschluss des Endlagers einem kontinuierlichen Optimierungsprozess mit periodischen Sicherheitsüberprüfungen unterworfen werden.

Es muss ein Mehrbarrierensystem realisiert werden, das den im kerntechnischen Bereich üblichen Prinzipien der Redundanz (doppelte Sicherheitssysteme) und Diversität (unabhängige Wirkmechanismen) folgt.

Es muss ein Kontroll- und Beweissicherungsprogramm auch nach Stilllegung des Endlagers durchgeführt werden.

Während der Betriebszeit des Endlagers muss die Rückholbarkeit der radioaktiven Abfälle möglich sein. Im Notfall müssen die Behälter auch 500 Jahre nach Verschluss des Endlagers geborgen werden können.

Konkrete Standortauswahl- und Erkundungskriterien werden nicht festgelegt.

Man werfe außerdem einen Blick auf die POLLUX-Behälter für die Endlagerung. Keine Ahnung, wie man die überhaupt kaputtbekommen sollte, selbst, wenn man es darauf anlegen würde. Wahrscheinlich müsste man erst einmal eine Atombombe darauf werfen – und dann ist es auch egal.

Siehe außerdem, was Patrick Moore, Mitbegründer von Greenpeace, zu sagen hat:

Zunächst einmal ist es irreführend Kernbrennstoffe als Müll zu bezeichnen. Derzeit werden sie bereits sicher gelagert in starken Containern. Der Beleg dafür ist, dass niemand darunter leidet. Der sogenannte Atommüll ist eines unserer wichtigsten Energieressourcen der Zukunft. In Frankreich werden Brennstoffe bereits wiederverwertet. Es ist schlicht gelogen, zu behaupten, man wisse nicht wohin damit. Die Japaner haben gerade für 30 Milliarden Dollar eine Anlage errichtet, die benutzte Brennstäbe wieder aufbereitet. Eines Tages werden wir mit neuen Methoden das komplette Uran für die Atomkraft nutzen können, heute sind es gerade einmal ein Prozent. Wir müssen auf Recycling setzen.

 Literatur

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=feuerbringer-21&o=3&p=8&l=as1&asins=B004X2I6ZM&ref=tf_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=feuerbringer-21&o=3&p=8&l=as1&asins=3570550370&ref=tf_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=feuerbringer-21&o=3&p=8&l=as1&asins=3937989633&ref=tf_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

Merchandising

Zufällig habe ich sogar ein passendes Shirt zum Beitrag im Angebot:

Held des Atoms (Klick zum T-Shirt im Shop)

 Zum Gegen-den-Strom-Schwimmen geeignet.

18 Kommentare zu „Atomausstieg: Ende der Vernunft?

  1. Sie sind wahrscheinlich einer der ganz wenigen Menschen ohne feste Meinung zum Klimawandel; und ich bin schon sehr gespannt, wie zu welchem Schluß sie kommen werden.
    Ihre letzte Auseinandersetzung mit dem Thema fand ich aber ein wenig unbefriedigend. Sceptical Science ist gewiß ein überdurchschnittlich seriöser Blog, in Bezug auf den Anstieg des Meeresspiegels, der sich angeblich beschleunigt,kommt etwa die Nasa zu ganz anderen Schlüssen (http://www.jpl.nasa.gov/news/news.cfm?release=2011-262), und die Nasa ist ja nicht gerade für ihre „klimaskeptische“ Haltung bekannt.

    Aber das Hauptproblem der Klimawissenschaft ist meines Erachtens viel grundlegender, sodaß ich ernsthaft bezweifle, wieweit man hier überhaupt von „Wissenschaft“ sprechen darf:

    (1) Die veröffentlichten Daten sind oft keine Rohdaten, sondern bearbeitete Meßwerte. Selbst die Rohdaten wurden vielfach nicht unter stanardisierten Bedingungen aufgezeichnet.

    (2) Das an sich wäre noch nicht so schlimm, aber historische Daten haben die Eigenheit, daß nicht jeder Interessierte einfach die Messungen widerholen kann, um sie zu bestätigen.

    (3) Die Prognosen ergeben sich kaum je in unmittelbar offensichticher Weise aus den Meßwerten, sondern auch Modellrechnungen. Ich habe ein wenig Erfahrung mit Modellen für geochemische Stoffflüsse, und kann zumindest hier ganz klar sagen, daß man wissen muß, was am Schluß herauskommt, um das Modell korrekt adjustieren zu können. Es ist also gut geeignet, um Prozesse mit bekanntem Ausgang zu veranschaulichen, aber kaum für Prognosen.

    (4) Auch dies wäre nicht schlimm, doch sind die Modelle so kompliziert und erfordern Zugang zu (seltenen) Hochleistungsrechnern, sodaß sie ebensowenig nachprüfbar sind, wie die Meßdaten selbst.

    (5) Es bleibt also nur übrig, auf die Korrektheit und Objektivität der beteiligten Wissenschaftler zu vertrauen. Das allein wäre in der Wissenschaft
    schon eine Zumutung, dazu kommt aber, daß man diese Eigenschaften bei Klimaforschern nur bedingt voraussetzen kann:

    (6) Die meisten (auf beiden Seiten) betreiben ihre Tätigkeit mit fast missionarischem Eifer. Steve Pinker hat in „The Blank Slate“ eindrucksvoll beschrieben, wie vollendet die Fähigkeit desl Menschen zur Selbsttäuschung ist, vor allem für die gute Sache.

    (7) Die Klimaforschung ist innerhalb weniger Jahre von einer wenig beachteten Position irgendwo zwischen Geologie und Meteorologie ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt, entsprechende Aufstockung von Personal und Ausstattung inklusive. Ich bin mit dem naturwissenschaftlichen Betrieb im allgemeinen zu gut vertraut, um noch zu glauben, daß dies nicht korrumpierend wirken würde.

    Wir haben also kaum nachprüfbare Daten, die mit kaum nachprüfbaren Methoden interpretiert werden von Menschen, deren Überparteilichkeit definitiv nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Und das erhebt den Anspruch, Wissenschaft zu sein?

  2. Das Problem, das ich mit der Atomenergie habe, ist:
    Sie ist potentiell gefährlich, und diejenigen, die sich um das Betreiben, die Entwicklung und die Finanzierung der Anlagen kümmern, sind eine korrupte Lobbygruppe. Dass man den Brüdern nicht trauen darf, sieht man spätestens seid der Asse. Dort wurden soviele Gutachten, Expertenmeinungen und Vorsichtsmaßnahmen eingefordert, und doch hat „irgendwie“ „irgendjemand“ den ganzen Scheiß dort einfach ohne Sinn und Verstand runtergekippt; die Fässer sind nicht dokumentiert, nicht geordnet und tw. beschädigt. MENSCHEN traue ich am ehesten zu, aufgrund unglücklicher Umstände eine Havarie auszulösen bzw. aufgrund von Fehlentscheideungen eine kritische Situation nicht zu entschärfen. Dazu braucht es eben keiner Naturkatastrophe. Am unberechenbarsten ist der Mensch.
    Dennoch wäre eine Abkehr von der Atomenergie innerhalb von 10-15 Jahren wohl eine besonnenere und vernünftige, weil planbarere Lösung gewesen.

    1. Dass das Verbuddeln von Energieträgern der Zukunft keine Lösung ist, geht ja aus dem Artikel hervor. Woher Sie aber die Erkenntnis der korrupten Lobbygruppe hernehmen, kann ich jetzt nicht so richtig nachvollziehen. Korruption geht doch immer dahin, wo es einfach zu beschaffendes Geld gibt, dass später irgendwo unauffindbar verschwindet, also wohl eher nicht in ein sog. Endlager für Atommüll (Millionen von Jahren, wer’s glaubt).
      Die Idee ist nicht von mir, aber ich, als fortschrittsgläuber Ingenieur würde mich gerne korumpieren lassen, von der Atom-, Öl- oder Gaslobby. Angebote kommen eher spärlich, genauso wie die von den Zionisten, obwohl ich mich manchmal recht allein fühle in Diskussionen, gemobbt heisst das ja wohl auf neudeutsch.
      Lobbyismus und schwarze Kassen würde ich jetzt mehr da vermuten, wo nicht so genau nachgesehen wird, sprich NGO’s, Greenpeace etc. Aber vielleicht wird mein Kommentar ja doch noch gelesen und ich darf meine Seele verkaufen an das böse Atom und wie gesagt, ich glaube sogar dran 😉

      1. Also sind sie der Meinung, dass in der Asse aufgrund von Verantwortung und Redlichkeit hunderte Fässer, die gar nicht gezählt sind, einfach abgekippt wurden? Und das bei den Gutachten alles mit rechten Dingen zuging? Nun säuft die Asse ab, also habe ich Recht damit, dass entweder 1. schlampig geforscht oder gearbeitet wurde oder 2. in einem sehr sensiblen Bereich an geeigneter Stelle nicht so genau hingesehen wurde. Faktor Mensch halt. Und Faktor Zeit. Wer bezahlt das Rückholen der Fässer? Die Atomwirtschaft bzw. die Energiekonzerne, die vorher Milliarden damit verdient haben? Sie beteiligen sich, wenn überhaupt, nur marginal. Denn sie berufen sich auf Gesetze und Entscheidungen, die Politiker vor zig-Jahren in in ihrem Interesse trafen. Was andere Organisationen betrifft, da mag es durchaus auch Ähnliches geben. Aber die Sauerei, die dabei entstehen könnte, ist erheblich geringer. Das hat nichts mit „bösem Atom“ zu tun. Es liegt in der Natur der Sache. Dass ich Ihnen das als Ingenieur sagen muss, erklärt vielleicht warum Sie noch keine lukrativen Angebote bekommen haben.

          1. Vielen Dank für Ihre Antwort, die ich aufgrund des vorherrschenden Meinungskonseses (ich will jetzt nicht Terror schreiben) auch gut verstehe. Ich will auch nicht versuchen ein paar Dutzend Links zu schicken, es gibt bei Novo-Argumente eine gute Sammlung zur Atomkraft und auch zum Problem der Asse.
            Denke mal, ein Braunkohlentagebau verschwindet nicht so einfach und dass ein Kohlekraftwerk mehr Radioaktivität freisetzt als ein Atomkraftwerk ist vielleicht nicht so bekannt, aber das Freisetzen / Ausnutzen atomarer Bindungen, sprich Verbrennung macht das nun mal, um den Preis riesiger Ascheberge als Draufgabe.
            Meine Kollegen, die in der Energiewirtschaft arbeiten würde ich als äußerst kompetent einschätzen, aber nicht resistent gegen Korruption, da haben Sie recht, wo würden sonst die ganzen nutzlosen Propeller in der Landschaft herkommen. Ich schreibe „nutzlos“, weil zu deren Betreiben die gleiche Menge konventioneller Kraftwerkskapazität bereitgestellt bzw. bei Gas in Bereitschaft gehalten werden muss. Wie Tucholsky schon geschrieben hat „Es nützt nichts keinen Plan zu haben, man muss ihn auch nicht umsetzen können“ oder so ähnlich ;-).
            Ich schreibe jetzt mal, nicht ärgern, informieren und meine das nicht böse. Sie haben sicher einen anstrengenden Arbeitstag, der Ihnen trotzden erlaubt Philosophieblogs zu lesen :-D. Vaclav Klaus hat auf 100 Seiten das Problem gut zusammengefasst.

      2. Hallo nochmal,

        es mag Sie vielleicht überraschen, aber ich halte mich diesbezüglich naturwissenschaftlich für sehr informiert. Ich verfolge diese Diskussionen seit Tchernobyl, und die Gegenargumente sind mir durchaus bekannt. Ich komme aber trotzdem (und trotz Meinungsterrors) knapp zu dem Ergebnis, dass wir uns von der Atomenergie verabschieden müssen. Es ist einfach eine Risikoabwägung, eine ökonomische und ökologische Abwägung. Auch halte ich wenig bis gar nichts von der Klimahysterie. Dass auch im Bergbau radioaktive Isotope freigesetzt werden (und nicht durch Verbrennung entstehen, wie Sie schreiben), man auf Interkontinentalflügen eine recht hohe kosmische Strahlendosis abbekommt und man auch nicht zu oft geröntgt werden sollte, ist mir klar. Ich bin auch immer noch der Meinung, dass der Atomausstieg überhastet ist und, in der Tat, planlos verläuft.
        Dennoch: Es ist eine gefährliche Technologie, die mehrfach nicht beherrscht wurde und dieses sehr geringe Risiko ist mir immer noch zu hoch. Und die Endlagerfrage ist noch ein ganz anderes Thema.
        Dabei denke ich mehr an meine Familie und meine Kinder. Wenn es um reine Risikoabwägung für mich ginge, sollte ich erst mal mit dem Rauchen (und anderen Hobby´s) aufhören, das Risiko dürfte um etliche Zehnerpotenzen höher liegen, aber das ist mein Risiko 😉

        1. Ich sehe das Problem eher darin, das der Ausstieg aus der Atomenergie real eben keine Risikominderung ist, im Gegenteil.
          Generell tauschen wir das recht gut beherrschbare Risiko mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit von Schäden durch radioaktive Strahlung aus eigenen AKWs gegen unkalkulierbare Risiken anderer (ökonomischer, ökologischer und politischer) Art mit wohl höherer Eintrittswahrscheinlichkeit.
          Und unter Umständen ist durch unseren Verzicht, dem niemand auch nur ansatzweise zu folgen scheint, die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Störfalls in angrenzenden Ländern mit Auswirkungen auch auf uns eher gestiegen.

          M.E. tauschen wir mit dem Ausstieg „gefühlte Sicherheit“ gegen reale Gefahr ein, ein sehr irrationales Tauschgeschäft.

          1. Das ist dasselbe Argument wie jenes, welche Passivrauchen für noch gefährlicher erachtet als normales Rauchen. Dabei wird übersehen, dass jeder normale Raucher gleichzeitig normal UND passiv raucht, er also doppelt gefährdet ist. In diesem Fall also rauchen wir passiv. Warum werden denn die ausländischen AKW´s nun noch gefährlicher? Sie sind vielleicht nicht so sicher wie die deutschen, und manche stehen nahe an der Grenze, aber jedes AKW weniger in unserer Nähe ist ein Stück mehr Sicherheit (vorausgesetzt, sie werden verantwortungsvoll zurückgebaut, denn die Meiler strahlen ja noch lange weiter). Auch wäre im Falle eines Gau´s zu unterscheiden zwischen direkter Kontamination und Fallout. Und da machen ein paar hundert Kilometer schon einen gewaltigen Unterschied. Und Atomenergie ist teuer, nicht billig. Aber darum geht es ja gar nicht. Es geht um Sicherheit und wie wir uns unser Leben vorstellen und die Zukunft unserer Kinder. Ich hoffe sehr, dass Deutschland irgendwann autark ist, was Energie betrifft, denn alle nicht-regenerativen Energieformen werden über kurz oder lang teurer.

  3. Ich bin gespannt, wie sich die Meinungsbildung zu diesem Thema hier entwickelt. Ich befinde mich zur Zeit in einem ähnlichen Prozess. Als ehemaliger Grüner habe ich zum Klimawandel weiterhin eine sehr ausgeprägte Meinung. Und ich nehme die wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema ernst. Allerdings bin ich zunehmend ideologiekritisch geworden und beobachte das politische Treiben um die „Klimarettung“ aus liberaler Sicht doch mit einiger Sorge. Überheben wir uns nicht mit dem Ziel, den Klimawandel aufzuhalten? Ist es nicht vernünftiger sich anzupassen?

    1. Ist es nicht vernünftiger sich anzupassen?

      Sischer, zumal die CO2-basierte Erwörmungsprognostik auch Kritiker hat. Oder kennt jemand eine einzige Langzeitprognose bezogen auf hoch komplexe Systeme, die Bestand hatte?

      BTW, Ökosozialisten wollen sich so anpassen, sogar Schavan hat das Pamphlet begrüsst:

      Klicke, um auf wbgu_jg2011_ZfE.pdf zuzugreifen

      LG
      Wb

  4. Zum Preisvergleich Wind-Kohle: Über 60% der Stromkosten von Kohle sind Treibstoffkosten. Ich weiss jetzt nicht ob das bei deiner Rechnung schon enthalten ist, fals nicht währe der Strom aus wind nicht einmal mehr doppelt so teuer anstelle von 5x. Und dass ohne CO2 Abgabe oder CCS.
    Die Meinung dass es unklug ist aus Atomenergie auszusteigen wenn die Alternativen Kohle oder Gas sind teile ich ungachtet allfälliger Rechenfehler.

    Zahlen von Wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kohlekraftwerk#Kosten_f.C3.BCr_Kohlekraftwerksneubauten

  5. Richtig. Bitte bei Atomkraft bleiben, solange es keine besseren Alternativen gibt. Kann man heute leider keinem mehr sagen, die sind ja alle so überzeugt, dass Windräder toll sind. Aber auch nur solange, bis so ein Windpark bzw. Kohlekraftwerk in ihrer Nähe ist. So hat man es dann ja auch nicht gemeint. Die Grünen gehen mir immer mehr auf die Nerven mit ihren Weltfremden Ideen. Jetzt springt auch noch die CDU auf den Zug auf.

    Argumente gegen Aromkraft hat aber irgendwie keiner. Das Lächerlichste ist das Schlagwort „Fukushima“. Autsch. Man weiß im Prinzip nur eins: Atomkraft ist irgendwie doof, mag ich nicht.

    Ich frage mich, was wohl in 35-40 Jahren passiert, wenn das Erdöl alle ist – und auch noch die Autos mit Strom laufen sollen (Biotreibstoff ist definitiv keine Lösung). Na? JA! Atomkraft!

    1. Ich frage mich, was wohl in 35-40 Jahren passiert, wenn das Erdöl alle ist (…)

      Manche haben noch in der Schule gelernt, dass um 1990 das Erdöl und ein, zwei Jahrzehnte später das Erdgas „alle“ sein wird.

      Es ist ein Irrtum zu glauben, dass der noch weitgehend unzivilisierte Mensch es schaffen wird die (wirtschaftlich greibaren) fossilen Ressourcen innerhalb weniger Jahrzehnte abzubauen, d.h. -Gute Nachricht!- es ist noch genug da.

      Ist halt eine dieser ökologistischen Legenden, dass die Ressourcen bald „alle“ sind, wird in den Bildungssystmenen so gelernt, damit Angst unter den Bürgern herrscht, damit besser regiert und reglementiert werden kann…

      LG
      Wb

      1. Danke für deine intelligente Antwort, die sicherlich gut fundiert ist. „Es ist NOCH genug da.“ Bestreite ich das?
        Meine Aussage richtet sich einfach nach aktuellen wissenschaftlichen Schätzungen. Und du sagst halt, es gibt noch ganz lange Öl. Ist doch scheißegal ob 40, 60 oder 70 Jahre. Die Fossilen Brennstoffe sind irgendwann verbraucht. So.
        Und was soll der Quatsch mit dem ängstlich machen der Bürger? Wieso sollten sich Bürger besser beherrschen lassen, wenn das Öl in 40 Jahren zuneige ginge? Die meisten leben denn doch gar nicht mehr. Vielmehr ÜBERSCHÄTZEN (gerade Ölkonzerne, aber auch Politiker, z.B. Chavéz in Venezuela!) tendenziell die Ölbestände. Nämlich um gerade Angst zu vermeiden und Investoren anzulocken.

        Überprüf mal deine Fakten.

        1. Und was soll der Quatsch mit dem ängstlich machen der Bürger? Wieso sollten sich Bürger besser beherrschen lassen, wenn das Öl in 40 Jahren zuneige ginge?

          Das ist aber die Hauptidee hinter dem herrschenden Ökologismus: Die Lenkbarkeit der Bürger zu erhalten. Oder haben Sie eine andere Erklärung für Merkels ständige Richtungswechsel nacj Links?

          Bachten Sie auch Nachrichten von neuen sehr großen Ressourcenfunden und Prognosen, die von einer Verfügbarkeit dieser für die nächsten 200 Jahre ausgehen.

          MFG
          Wb (der normalerweise von Kommentatorenbewertungen absieht, aber Szientismus gepaart mit Unfreundlichkeit lassen hier zumindest die Kommentatorenbestnote 1 unmöglich erscheinen)

Kommentare sind geschlossen.