Jurassic Park: The Game (Review)

T-Rex jagt Helicopter (Telltale: Jurassic Park: The Game)

Fast zwanzig Jahre nach Erscheinen des Films ist ein neues offizielles Spiel zum ersten Jurassic Park erschienen. Als alter Fan der Filmvorlage musste ich es gleich haben, denn der Macher Telltale Games ist auch für die neueste Auflage von Monkey Island (Tales of Monkey Island) verantwortlich, die ich für gut gelungen halte.

Die Spielmechanik ist an jene vom PS3-Titel Heavy Rain angelehnt. Seit dem millionenschweren Dreamcast-Klassiker Shenmue tauchen in verschiedenen Spielen sogenannte „Quick Time Events“ auf, in denen man rechtzeitig die Knöpfe auf dem Joypad drücken muss, die auf dem Bildschirm eingeblendet werden. Die Figuren steuert man dabei nicht oder nur eingeschränkt selbst. Aus diesen kurzen Szenen sind inzwischen ganze Spiele geworden, welche auf das Knöpfchendrück-Prinzip setzen. Dies betrifft vor allem filmisch inzenierte Spiele, bei denen sich der Spieler sozusagen durch verschiedene Filmszenen „drücken“ kann.

Manche Spieletester können nicht viel anfangen mit diesem Prinzip und verpassen zugehörigen Titeln deftige Abwertungen, weil sie keine „echten Spiele“ wären. Mir ist es derweil ziemlich egal, ob ein Titel ein „echtes Spiel“ ist oder ob ich großen Spaß daran habe, obwohl er kein „echtes Spiel“ ist.

Jurassic Park: The Game macht jedenfalls recht viel aus der Quick-Time-Spielmechanik. Man wird nicht nur durch Actionszenen gehetzt, sondern auch Adventure-Einlagen müssen via Betätigung der eingeblendeten Knöpfe gelöst werden, was halb so simpel ist, wie es klingt. Man muss sich nämlich durch verschiedene Szenen und Charaktere schalten und mit allen etwas Bestimmtes tun, um die Rätsel zu lösen. Gut, die Aufgaben sind nicht schwierig, aber wer von Jurassic Park schwierige Rätsel haben möchte, der ist einfach im falschen Film.

Die Story ist ein wenig aufgesetzt, aber sehr mitreißend realisiert. Im Mittelpunkt steht die Rasiercremedose mit den Dinoembryos, die Dennis Nedry im Film gestohlen hat. Um diese schlagen sich mehrere Charaktere, die aus verschiedenen Gründen auf der Insel anzutreffen sind.

Die üblichen Verdächtigen sind mit von der Partie: Eine Art Söldnerin, die Dinoembryos stehlen möchte und die auf der Insel aufgewachsen ist, ein Tierarzt und seine Tochter, Soldaten und eine verrückte Wissenschaftlerin. Was will man mehr? JP war schon immer eine Art „sehr teueres B-Movie“ und entweder, man steht darauf, oder eben nicht. Mir hat die Story sehr gut gefallen, es gibt nette Twists, man kann tiefer einsteigen oder oberflächlich durchhetzen und es bleibt stets sehr spannend. Ein Problem besteht lediglich darin, dass man den Handlungsverlauf nur bedingt beeinflussen kann. Die Szenenfolge ist stets gleich, nur einige Entscheidungen – nicht wirklich viele, bis auf das Ende – kann man individuell treffen.

Besonders gut hat mir gefallen, dass im Gegensatz zum Öko-Streifen Jurassic Park: Vergessene Welt diesmal eine radikale Tierschützerin und Ex-Hippy zu den Bösewichtern gehört und dass die Beschwerden der Söldnerin über „Was Hammond meinem Volk angetan hat“ mit der Errichtung des Parks auf ihrer Heimatinsel als heuchlerisches Gerede rüberkommt. Schließlich ist sie selbst nur hinter Geld her und dies auch mit kriminellen Mitteln.

Die Spielmechanik ist in den Actionszenen eine einzige Adrenalinpumpe. Wenn man einen Knopf zu spät drückt, wird die Tochter von einem T-Rex gefressen. Der Terror wird hervorragend umgesetzt.

Weniger gelungen ist die Grafik, die sich insgesamt auf dem Level von Spielen der ersten XBox-Generation befindet, nur – teilweise – in höherer Auflösung. Bei den Tapetenbäumen hat es bei mir echt aufgehört. Allerdings: Die Dinosaurier sind sehr gut umgesetzt und sehen genauso aus wie im Film und ihre Animationen gehen auch in Ordnung. Das Spiel scheint nur Stereo-Sound zu haben und der ist nicht sehr gut abgemischt (manchmal kann man einige Figuren kaum verstehen). Musik und Geräusche sind aus der Filmvorlage entnommen oder an dieser orientiert.

Als Fan ist mir das alles nicht so wichtig und letztlich zählt nur eines: Vermittelt das Spiel das Gefühl, man würde sich im Jurassic Park durch eine spannende Geschichte schlagen? Vermittelt es die Atmosphäre, wie sie aus dem Film und aus daran angelehnten Spielen wie Dino Crisis 2 bekannt ist? Und hier lautet meine Antwort: Ja! Das Ding ist eindeutig Jurassic Park und fühlt sich auch so an. Zudem gibt es nun Unterwassersaurier und eine Achterbahn zu besuchen, das hat schon lange gefehlt.

Meine Fan-Wertung ist 9/10 und die objektive Wertung ist näher an 7/10. Denn selbst für Nicht-Fans mit Schlechte-Grafik-Allergie bleibt immer noch ein mitreißendes und atmosphärisch gelungenes Spiel, auch wenn es weniger gelungen ist in der technischen Umsetzung als der neueste Ableger von Monkey Island.

Tipps für JP-Fans

Jurassic Park: The Game gibt es über Steam:

http://store.steampowered.com/app/201830/

Offizielle Website: http://www.telltalegames.com/jurassicpark

Bald soll das Spiel auch für Konsolen zum Download erscheinen.

Die Filme sind neu auf Blu-Ray erhältlich:

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Mit diesem gelungenen Strategietitel kann man selbst einen Dinopark bauen:

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Dino Crisis 2 von den Resident-Evil-Machern ist uralt, aber vermittelt einwandfreie Jurassic-Park-Atmosphäre:

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