Kontrolliert Ken Jebsen die Finanzmärkte?

Ich denke schon. Quelle: Intuitives Wissen. Ist einfacher zu haben als Offenbarungen. Bei Offenbarungen muss man jemandem zuhören, während intuitives Wissens spontan verfügbar ist. Auch heilige Schriften wollen erst einmal gelesen werden, das muss man vermeiden.

So viel zu der Quellenrecherche des nun hinausbeförderten RBB-Moderators Ken Jebsen, der sich durch seine Kommentare bei seinen Zuhörern – nein, bei den Lesern der Achse des Guten, wo Henryk Broder auf die Sache hinweis – unbeliebt gemacht hat.

(Update!)

Update: Ich wurde davon in Kenntnis gesetzt, dass man Ken Jebsens Kommentar über PR und Juden wie folgt verstehen könne:

Jebsen spricht von Edward Bernays, ein Neffe Freuds. Dieser gilt als Begründer der Public Relations. Joseph Goebbels nutzte dessen Studien dann zu Propagandazwecken, um gegen Juden zu hetzen. Was Jebsen wohl sagen wollte ist, dass Joseph Goebbels sich der Propaganda Methoden Bernays bediente, um den Boden für den Holocaust vorzubereiten.

Das ändert zwar nichts an Ken Jebsens verschwörungstheoretischen Auslassungen zu anderen Themen, aber fair ist fair.

Bei solchen Fällen muss ich immer erst an eine Mitschülerin denken, die ich vor ein paar Jahren kannte. Die redete die ganze Zeit und in einer unglaublichen Geschwindigkeit, gegen die selbst Jebsens Überschall-Geplatter nicht ankommt. Wenn jemand alles sagt, was anderen nur spontan im Gehirn herumgeistert, dann muss er zwangsläufig irgendwann Unsinn sagen, wahrscheinlich sogar häufig, vielleicht nur Unsinn, denn wer immerzu redet, der hat weder Zeit, sich zu informieren, noch, darüber nachzudenken, was er sagen will, bevor er es tut.

Ich hätte also Ken Jebsen, der so schnell so viel redet, auf jeden Fall ebenso die Chance gegeben, sich zu informieren und seine schnell hingeschriebenen Aussagen zurückzuziehen. Hat er aber nicht gemacht. Das war dem RBB egal, aber weil Ken Jebsen sein „Verhalten insgesamt“ angeblich nicht geregelt bekommt, ist er nun doch vor die Tür gesetzt worden. Ich stelle mir vor, es gibt Jebsens gewünschtes Verhalten als platonische Idee. Was er im Radio sagt oder in Mails schreibt, ist unwichtig, aber Jebsens Verhalten insgesamt „als Ding an sich“ (wie Kant es ausgedrückt hätte), das passt nicht. Verstehen Sie nicht? Verstehe ich auch nicht.

Leider kommt hinzu, dass Ken Jebsen über zehn Jahre hinweg praktisch nur Unsinn geredet hat. Er sprach über die „Terrorlüge“ des 11. September, über die „Islamhetze“ (=Islamkritik jedweder Art), die Anerkennung des palästinensischen Staates (super!) und die faszinierenden Tätigkeiten des Iran.

Das alles hat zehn Jahre lang niemanden sonderlich gestört, ein weiterer deutscher Michael Moore reißt es auch nicht mehr heraus.

Auf ihn verzichten ist sogar ein Ding der Unmöglichkeit. Finden viele Leser und Zuhörer. Auf Welt Online schreibt der Guy-Fawkes-Masken-Typ (Symbol der Occupy-Bewegung, an den Film V wie Vendetta angelehnt) „Omarius“:

 , „allerdings mussten wir feststellen, dass zahlreiche seiner Beiträge nicht den journalistischen Standards des RBB entsprachen… genau das ist es er sagte zuviel wahres das past einnigen nicht und die nazi keule kommt da immer gut… so schaltet das system alel kritischn stimmen nach und nach ab.. fragt mich wie lange „neues aus der anstalt“ und Volker Pispers nochauftreten dürfen…

Neues aus der Anstalt und Volker Pispers. Die sagen, was andere schon gar nicht mehr sagen wollen, weil sie es nicht einmal mehr hören können: Kapitalismus ist Ausbeutung, Banker sind böse, Merkel will nur gewählt werden, Politiker sind Betrüger, niemand denkt an die Armen, fette Ami-Cowboys und so weiter. Das übliche, extrem mutige Was-das-Volk-„denkt“-Gerede. Leider denkt das Volk nicht viel, wie eine neue Untersuchung aufzeigt, laut der den meisten Deutschen die Freiheit völlig schnuppe ist und sie allen anderen ihre abweichende Meinung am liebsten verbieten würden. Sozialismus statt Freiheit.

Eigentlich ist es nicht die Aufgabe von Journalisten, das zu schreiben oder zu sagen, was „das Volk“ denkt, sondern die Wahrheit zu recherchieren und die Bürger zu informieren. Ob sie beliebt ist, oder nicht. Nach anfänglichem Nörgeln wissen die Leute Qualität zu schätzen. Jedenfalls bilde ich mir das ein.

Hier einige Meinungen aus dem KenFM-Fanclub, die Broder gesammelt hat:

=Wenn Juden über Fernsehsender und über den Rest der Medienwelt in

Deutschland herrschen, und bestimmen wer gefeuert wird und wer bleiben darf

(Ken Jebsen), dann läuft hier gewaltig etwas schief.

Die Juden herrschen über die Medienwelt in Deutschland, was man insbesondere daran erkennt, wie einseitig immer gegen die Palästinenser gehetzt wird (Pun intended)…

Das ist wirklich traurig, denn genau deswegen wurden Sie vor 60 Jahren in

diesem Land ja auch so gehasst!

Broder wurde vor 60 Jahren in Deutschland schon gehasst? Stimmt.

Ich bin vielleicht mit meinen 20 Jahren noch sehr jung, aber ich kann nun

ohne Zweifel sagen, dass Hitler Recht hatte!

Ich bin mit meinen 20 Jahren noch sehr jung, aber ich kann nun ohne Zweifel sagen, dass die Juden den Käse erfunden haben! Trotz meines jungen, zarten Alters ist diese Eingebung mir sozusagen eingegeben worden, als ich Broder im Fernsehen geschaut und Käsechips gegessen habe. Da ist eine eindeutige Verbindung! Einerseits Juden. Andererseits Käse. Macht die Augen auf!

Ich bin mit meinen 20 Jahren noch sehr jung, aber ich kann nun ohne Zweifel sagen, dass… ja, im Grunde lässt sich das gar nicht mehr steigern oder parodieren. Das ist bereits der Wahnsinn in Dosen.

Nicht mit dem Holocaust, dieses unmenschliche und widerwärtige Verbrechen,

aber mit seiner Meinung zum Weltjudentum…

Hitler hätte damals man besser alle Juden ausweisen lassen sollen und gut

is. Dann hätten doch Amerika oder Frankreich oder was weiß ich wer sie

aufnehmen können (genug Geld hatten die Juden ja in Deutschland sowieso

schon genug angehäuft…), aber wir Deutschen wären endlich wieder frei

gewesen, ohne den Marionettenspieler im Hintergrund…

Eigentlich wollte nicht einmal jemand die jüdischen Flüchtlinge aufnehmen, was ja auch einer der Gründe für die Gründung des Staates Israel gewesen ist.

Der Marionettenspieler im Hintergrund! Der zieht alle Fäden! Ich tippe auf Ken Jebsen.

Hier mein Gegengift in einer praktischen Tasse (klick):

3 Kommentare zu „Kontrolliert Ken Jebsen die Finanzmärkte?

  1. Man mag Jebsen zugute halten, dass er (möglicherweise) „nur“ sagen wollte, dass sich die NS-Propaganda zur Vorbereitung auf den Holocaust methodisch an den Erkenntnissen der „public relations“ Forschung (Bernays, E. L. (1923). Crystallizing public opinion.) orientiert habe, wie Bernays angeblich selbst anekdotenhaft in seinen Memoiren (Bernays, E. L. (1965). Biography of an idea: memoirs of public relations counsel.) mutmaßte, wenn man einem unverifizierten Wikipedia-Zitat Glauben schenkt:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Edward_Bernays#Recognition_and_criticism

    Als Journalist sollte man aber auch in vermeintlich belanglosen E-Mails ein gewisses Niveau wahren und sich orthographisch und stilistisch einigermaßen sauber artikulieren können, ohne dass inhaltliche Missverständnisse vorprogrammiert sind.

    Insofern halte ich den Rauswurf – sofern meine oben genannte Hypothese zutrifft – zwar für etwas übertrieben, Mitleid für Jebsen will sich bei mir aber trotzdem nicht so recht einstellen.

  2. Erschreckend finde ich diese Kombination aus Antiamerikanismus, Antikapitalismus und Antizionismus die sich bei Jebsen und seinen Fans immer wieder findet.

    Ich glaube letztlich kann es nicht genug betont werden dass diese drei Anti-Ideologien sowohl offizielle Staatsdoktrin des dritten Reiches als auch der DDR waren.

    Wenn man sich Argumentationen von der extremen Rechten (z. B. NPD) als auch von der Linken wie auch von Islamisten anschaut dann findet man oft erstaunliche Übereinstimmungen.

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