Ja, das ist Humanismus!

Damit sollte die Frage beantwortet sein, „ob das noch Humanismus ist“, was ich schreibe. Kein Wunder, dass ich diese Frage gelegentlich zu hören bekomme, wo ich doch so verdächtig wenig Zeit damit verbringe, über den Status des Menschen als Nachfolger des Neandertalers, als nackten Affen und als unbedeutende Lebensform auf einem Staubkorn im Weltall zu philosophieren.

Doch, mit Verlaub: Auch jene, die das Glück des Menschen in den Vordergrund ihrer Philosophie stellen, können Humanisten sein!

Im Folgenden werde ich näher darauf eingehen, wozu der Humanismus dienen sollte. 

Update: Dem romantischen Realismus und dem Art Déco widme ich lieber einen eigenen Beitrag, die Bilder würden hier zu sehr untergehen.

nocquae zitiert im Freigeisterhaus Bertolt Brechts Leben des Galilei gegen meine Kritik an der Veraffung des Menschen seitens des Great Ape Project, der Giordano Bruno Stiftung und insbesondere seitens der Third Culture (Reduktion der Wissenschaften auf die Naturwissenschaften) und des daraus abgeleiteten Neuen Humanismus (radikaler als der Evolutionäre Humanismus):

Ich höre, dieser Herr Galilei versetzt den Menschen aus dem Mittelpunkt des Weltalls irgendwohin an den Rand. Er ist folglich deutlich ein Feind des Menschengeschlechts. Als solcher muß er behandelt werden. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung, das weiß jedes Kind. Gottes höchstes und geliebtestes Geschöpf. Wie könnte er es, ein solches Wunderwerk, auf ein kleines, abseitiges und immerfort weglaufendes Gestirnlein setzen?

Menschen, die nicht mit mir übereinstimmen, sollten durchaus nicht als „Feinde des Menschengeschlechts“ behandelt werden und es ist mir in diesem Kontext egal, wo sich der Mensch im Universum befindet. Vielmehr geht es mir darum, wie der Mensch bewertet wird!

Als „Anhänger“ der Philosophie Ayn Rands bin ich weiterhin Atheist und ein überzeugter Verteidiger des wissenschaftlichen Fortschritts. Die Wissenschaft sollte allerdings dem Menschen dienen und nicht seiner Abwertung.

Update: „Anhänger“ steht absichtlich in Anführungszeichen. Selbstverständlich lasse ich mich eines Besseren belehren, insofern meine Diskussionspartner argumentativ dazu in der Lage sind. Philosophie ist eben Philosophie, kein Glaubensbekenntnis.

Um Missverständnissen entgegenzuwirken, meine Positionen zu diesem Thema:

a) Der Mensch ist ein Produkt der Evolution und genetisch eng verwandt mit Menschenaffen.

> Der Mensch ist vornehmlich aufgrund der Eigenschaften seines Geistes trotzdem weiter entfernt von Affen als Affen von Steinen.

b) Der Mensch ist nicht Gottes liebste Schöpfung, die im Zentrum des für ihn geschaffenen Universums wohnt.

> Der Mensch ist als einzige Quelle von Sinn und als einziges rationales Lebewesen im uns bekannten Universum trotzdem etwas ganz Besonderes.

c) Es gibt keine vom Körper getrennte Seele.

> Das Gehirn ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung des menschlichen Geistes. Wir können die Rätsel der Bewusstseinsphilosophie aktuell nicht lösen.

Irgendwann mutiert er wohl noch

Lord Snow schreibt dagegen in der Diskussion:

Irgendwann mutiert er wohl noch zu einem Religiösen.

Was soll das mit Nihilismus zu tun haben, wenn man Fakten benennt, wie „Der Mensch ist ein Affe auf einem Staubkorn im Weltall.“?

[…] Dieses oder ähnliches Gelaber bringen sonst nur Religiöse.

Der Humanismus ist bereits so verworren, dass jeder, der den Menschen ins Zentrum dieser Philosophie (nicht des Sonnensystems) rückt, bezichtigt wird, „religiös“ zu werden.

Recht erstaunlich fand ich insofern die Diskussion im Freigeisterhaus über diesen Beitrag, in dem wild herumspekuliert wurde, wen oder was ich im Artikel „Das radikalste religionskritische Projekt überhaupt“ kritisierte. Der Moderator Kramer meinte sogar, ich hätte meine Beurteilung der Mensch-Affe-Staubkorn-Philosophie (= der Mensch als bedeutungsloser Haufen Schrott) Harald Stücker „in den Mund gelegt“ – und das, obwohl der Diskussionseröffner Athmatrix richtig erkannt und beschrieben hatte, worum es geht! Überhaupt ist die Diskussion recht amüsant, da hier alte Tratschweiber über den Dorfabweichler ablästern und dies für freidenkerisch halten. Kann ja nicht sein, dass jemand seine Meinung ändert! Und so etwas unter Freidenkern!

„Reiche mir bitte noch ein Stück Torte, Gusinde! Ach, wie ich schon sagte, in den guten alten Zeiten waren die Freidenker noch alle so wie wir, also normal, da hat keiner hier irgendetwas gefaselt über den menschlichen Geist und solchen schamanistischen Firlefanz!“ Gusinde reichte ihrer Freundin ein Stück Torte. „Du sagst es, Emilia“, sprach sie. „Dieser Feuerbringer, also was der tut, das geht ja gar nicht, ging noch nie! Und der wird immer verrückter!“ Die alten Damen kicherten. Gusinde setzte ihr Monokel auf und starrte auf meinen Blog. „Was tut er denn nun wieder? Schreibt, dass wir gar keine Affen wären! Kannst du dir das vorstellen, Emilia?“ Die alten Damen kicherten erneut.

Da stellt man sich die Frage, ob irgendwer in diesem Forum eigentlich irgendein Interview mit Michael Schmidt-Salomon (wer möchte, kann sich übrigens unsere aktuelle Facebook-Diskussion zum Beitrag durchlesen, wo sich der Philosoph zu Wort meldet und wir uns mal wieder völlig einig sind) – dem öffentlich sichtbarsten säkularen Humanisten – in irgendeinem Medium irgendwann schon einmal gelesen oder gesehen hat, denn natürlich sind die angesprochenen Ideen zunächst jene, die er ständig wiederholt! Daher auch Harald Stückers eindeutiger Verweis auf die „gbs“!

Hervorhebungen von mir:

Zum Beispiel hier:

Keine Macht den Doofen!“ wäre allerdings ein noch viel wichtiger Slogan, wenn wir „aufrechtgehenden Affen“ unsere ökologische Nische auf diesem Staubkorn im Weltall erhalten möchten

Oder in seinem Vortrag zum Great-Ape-Project-Event in Frankfurt:

„Trotz Picasso und iPad sind wir immer noch nackte Trockennasenaffen„, beziehungsweise „Leben inmitten von Leben, das leben will“, so Schmidt-Salomon.

Mindestens ebenso wichtig wäre es, „positive Alternativen für ein friedliches und lustvolles Leben auf diesem Staubkorn im Weltall zu finden.“

Oder in einem anderen Vortrag in Frankfurt, Zusammenfassung von Jochen Beck:

Unsere Erde als ein kleines Staubkorn am Rande der Milchstraßengalaxie, die 100 bis 200 Milliarden Sterne umfasst, die – wahrscheinlich noch vor dem Übergang der Sonne in das Stadium des Roten Riesen – mit der fünfmal größeren Andromeda-Galaxie kollidieren wird, als die Wohnstatt einer „Krone der Schöpfung“ zu betrachten, sei ebenso absurd wie von einem „intelligenten Design” zu sprechen, wenn die gesamte gegenwärtige Ausprägung des höheren irdischen Lebens seine Existenz dem Einschlag eines zehn Kilometer großen Meteoriten vor 65 Millionen Jahren und dem Überleben beutelrattenartiger Ursäuger verdankt.

Oder in seinem Buch Jenseits von Gut und Böse:

Wir sollten uns dringend von der Hybris befreien, etwas ganz besonderes zu sein oder gar im Mittelpunkt des kosmischen Weltgeschehens zu stehen.

Was soll man angesichts dieses Faktums nun davon halten, wenn eine affenartige Lebensform, die sich zufällig auf diesem Staubpartikel entwickelt hat, eine Spezies, die es vor schlappen zwei Milliarden Jahren längst noch nicht gab und die es in zwei Milliarden Jahren wohl längst nicht mehr geben wird, Geschichten erfindet, die davon handeln, dass das gesamte Universum letztlich nur für sie geschaffen wurde?

Oder auf seiner Butterkeks-Tournee:

Das Buch sollte für alle geeignet sein, die sich hin und wieder den Luxus erlauben, über den Sinn und Unsinn des Lebens auf diesem Staubkorn im Weltall nachzudenken.

Der erste Satz unter der Kategorie Evolutionärer Humanismus, Leitbild der Giordano Bruno Stiftung auf deren offizieller Website lautet:

Wir sind nicht die Krone der Schöpfung, sondern die Neandertaler von morgen

1. Michael Schmidt-Salomon weist praktisch überall darauf hin, dass der Mensch nur ein Affe auf einem Staubkorn im Weltall sei, der irgendwann ausstirbt („Neandertaler von morgen“). Man muss also davon ausgehen, dass dieser Aspekt seiner Philosophie ihm besonders viel bedeutet. Ich habe im angesprochenen Beitrag gefragt, warum dieser Umstand so wichtig sein sollte und habe darauf noch keine Antwort erhalten. Lediglich wurde von Kommentatoren darauf hingewiesen, dass es eine Tatsache sei. Es ist ebenso eine Tatsache, dass Wasser bei Null Grad gefriert und trotzdem erwähnt Schmidt-Salomon dies nicht in jedem Interview.

Niemand sagt: „Es wird Zeit, dass wir endlich einsehen, dass Wasser bei Null Grad gefriert. Die neuen Erkenntnisse der Naturwissenschaften führen zu einem neuen Menschenbild, laut dem Wasser bei Null Grad gefriert.“ Nein, die Rede ist von einem Menschen als aussterbenden Affen auf einem Staubkorn im Universum!

Das sind nicht einfach Tatsachen, sondern Wertungen von Tatsachen und von angeblichen Tatsachen – warum etwa sollten wir aussterben? Der Homo erectus ist auch nicht augestorben, im Gegensatz zum Neandertaler, sondern hat sich weiterentwickelt! Ob das Universum eine Bedeutung hat, entscheidet der einzige, der Bedeutung erzeugt, nämlich der Mensch. Wenn der Mensch sagt, das Universum habe für ihn eine Bedeutung, liegt wenig Sinn darin, dies zu bestreiten. Dem Universum ist das ohnehin schnuppe. Und ob wir ein Affe sind, hängt von der Definition ab. Wir sind biologisch betrachtet Pan sapiens, aber beim Menschen spielt der Geist, die Vernunft, Ideen ebenso eine Rolle!

2. Meine philosophische „Wende“ ist nicht dadurch begründet, dass ich mich vor Fakten fürchten würde, oder, wie Michael Schmidt-Salomon meint, weil die neue Philosophie besser zu meiner neuen Politik passe. In der Tat sollten allerdings alle Bestandteile eines Weltbildes zueinander passen. Der Objektivismus ist ein philosophisches System und der Liberalismus dessen politischer Bestandteil.

Ich habe traditionellerweise kein Problem damit, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Ich war schließlich ein physikalistischer Reduktionist, was die zweitradikalste Variante des Materialismus darstellt (nach dem eliminativen Materialismus). Und meine Kritiker waren diejenigen, denen das zu weit ging.

Meiner damaligen Auffassung zufolge war alles auf Physik reduzierbar und alles, was geschieht, war seit dem Urknall festgelegt. Der Mensch war demnach lediglich eine komplexe Maschine, die zufällig entstanden war und die sich nicht grundsätzlich von Steinen unterschied (von wegen Affe!), da auch er von Naturgesetzen determiniert war.

Nach wie vor halte ich die Erklärungsversuche der weniger radikalen Naturalisten für Phänomene wie Qualia und Intentionalität nicht für konsistent. Logisch konsistent ist es – und mit einiger Wahrscheinlichkeit falsch -, wenn Daniel Dennett einfach leugnet, dass Qualia (subjektive Erfahrungen) überhaupt existieren würden! Schließlich wären wir nur ein Stück Materie, eine Kollektion elektrochemischer Prozesse „in jenem blumenkohlartigen Organ“. Entweder man leugnet wichtige Phänomene des menschlichen Daseins wie den freien Willen und die Persönlichkeit – oder man erkennt die Willensfreiheit an und dass das Gehirn zwar die notwendige, aber nicht die hinreichende Bedingung für den menschlichen Geist ist. So sehe ich das jedenfalls.

3. Der Naturalismus/Materialismus ist nicht identisch mit den Naturwissenschaften, sondern er ist eine metaphysische Interpretation naturwissenschaftler Erkenntnisse. Lobenswerterweise versucht er, alles so weit wie möglich zu reduzieren, aber leider reduziert er real existierende Phänomene einfach weg, anstatt sie zu erklären.

Staubkornismus?

Von größtem Interesse für den Menschen ist nicht seine geografische Lage oder seine Entstehung vor 200 000 Jahren, sondern sein individuelles Leben, das er möglichst sinnerfüllt und glücklich führen möchte!

Der Humanismus sollte eine praktische, lebenstaugliche Philosophie sein, die dem Menschen dient. Ich sehe nicht den Dienst am Menschen in der beständigen Wiederholung, wie unwichtig und vergänglich wir sein sollen – was kein Fakt ist, sondern eine subjektive Interpretation der Fakten! Der Mensch ist die einzige Quelle von Sinn in einem sinnleeren Universum – so kann man das auch interpretieren!

„Das Universum“ ist den meisten Menschen berechtigterweise völlig schnuppe und Affen sind ihnen ebenso relativ egal. Unser eigenes Leben zählt für uns am meisten, so wie für jede andere Lebensform ihr eigenes Leben im Vordergrund steht. Doch was für jede andere Lebensform selbstverständlich ist, dafür muss sich der Mensch schämen! Dabei ist es nicht nur natürlich, sondern auch ethisch durchaus zu rechtfertigen, dass der Mensch sein eigenes Glück und das seiner Familie und das seiner ausgesuchten Freunde anstrebt und nicht so sehr das Glück von Kaulquappen!

Man sehe sich nur an, wohin die vielbeschworene „Alternative“, der Altruismus – die Ethik der Selbstaufopferung und der Aufopferung anderer – historisch geführt hat. Kommunismus und Nationalsozialismus erwarteten beide von ihren Anhängern die Aufopferung von ihnen selbst und von anderen für ein höheres Ideal oder für „die Gemeinschaft“. Die moderne Zivilisation beruht hingegen auf der Idee – eine Idee der Aufklärung -, dass der Mensch sein eigenes, individuelles Glück anstreben sollte. Leben, Freiheit und das Streben nach Glück sind die in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung notierten Initialgedanken der Moderne.

Natürlich sieht Michael Schmidt-Salomon dies nicht vollkommen anders und einer seiner Aphorismen lautet, wir müssten falsche Ideen sterben lassen, bevor Menschen für falsche Ideen sterben müssen. Von der Tatsachenfeststellung, dass der Mensch ein Produkt der natürlichen Evolution ist, gelangt man allerdings nur über falsche Ideen zu der Haltung, er sei darum lediglich ein nackter Affe irgendwo in einem riesigen, uns klein machenden Universum, obendrein einer, der zum Aussterben verdammt sei.

Philosophie im Dienst des Menschen

Nun müssten sich säkulare Humanisten laut Definition vornehmlich überlegen, unter welchen Bedingungen der Mensch ein glückliches Leben führen kann. Man könnte argumentieren, dass dies in einer freien Gesellschaft am besten möglich ist, weil der Mensch sein Glück darin selbst finden und hierfür die Produkte seines Geistes und seiner Hände für eine angemessene Gegenleistung frei eintauschen kann. Leben, Freiheit und Privateigentum sind Menschenrechte, weil der Mensch sie zum Leben benötigt.

Was tut ein Sozialdemokrat, der auf einer einsamen Insel strandet? Auf jeden Fall wird er nicht warten können, bis jemand die Jagdbeute und die gesammelte Früchte von anderen auf ihn selbst umverteilt. Entweder er jagt und sammelt oder er geht unter. Er könnte sich kein Haus von anderen errichten lassen, er müsste sein eigenes bauen. Er müsste von seiner eigenen Hände Arbeit und von der Tätigkeit seines Geistes leben. Das ist die Natur der Dinge. Und darum hat noch nie ein System funktioniert, das die Bedingungen der menschlichen Existenz leugnete.

Der Mensch ist das einzig rationale Tier und mit Hilfe seines Verstandes überlebt er, im Gegensatz zu anderen Tieren, die mit Hilfe ihrer Instinkte überleben. Er kann sich alternativ nur gegen das Leben und dessen Bedingungen entscheiden und für den Tod.

Dies tun die Männer der Gewalt, die nichts produzieren, sondern die den Produzenten die Werke ihres Geistes und ihrer Hände stehlen. Ihre Philosophie ist auf Dauer nicht lebensfähig, denn irgendwann ist nichts mehr da zum Stehlen. Irgendwer muss das produzieren, was die Menschen nutzen, oder sie gehen unter. Und das tun die Menschen nur, wenn sie die Früchte ihrer eigenen Arbeit genießen können. Fair ist das Leben dann, wenn jeder, der dazu fähig ist, in einen freien Austausch mit anderen zu seinem eigenen Wohl treten kann.

Anstatt Klarheit zu schaffen über das, was der Mensch zum Leben braucht und wie er es erreichen kann, werden wir unentwegt über die „Kränkungen“ des Menschen belehrt, als wäre der Mensch unentwegt krank. Der Mensch lässt sich aber nicht über Krankheiten definieren, sondern er will leben und somit glücklich sein. Der Humanismus hat als Philosophie zu erklären, wie man dieses Ziel für alle Menschen erreichen könnte.

Ergänzung: Aufgrund der Missverständnisse in dieser Angelegenheit hier noch einmal meine Kollektion von neuen Artikeln, welche die Willensfreiheit verteidigen:

Und der Wille ist doch frei

Willensfreiheit und Verantwortung

Gehirn und Geist nur zwei Aspekte?

Onkel Sam über das Bewusstsein

Raymond Tallis: Unentdeckt (Übersetzung)

Literatur

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19 Kommentare zu „Ja, das ist Humanismus!

  1. Natürlich ist der Mensch sich selbst das Wichtigste. Und der Mensch ist ein Primat auf einem kleinen Planeten einer mittelprächtigen Sonne in einem durchschnittlichen Universum.
    Das erstere ist banal, sofern man nicht eine fromme Gehirnwäsche bekommen hat. Das letztere ist eine Erkenntnis, die uns dazu bringt, uns eben nicht mehr so neurotisch überzubewerten, sie holt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Das braucht uns sicher nicht dazu zu bringen, uns nicht mehr wichtig zu nehmen: Außer uns kümmert sich ja schließlich niemand um unser Wohl, das müssen wir selber tun. Damit wir das jeder für sich gut machen kann, brauchen wir die Freiheit, das auch tun zu können, und das ist schon alles an Freiheit, was wir brauchen – der metaphysische Krampf, ob wir auch wollen können, was wir wollen – das sind Beulen an den Grenzen der Sprache, oder einfach Quark: Wir stehen in einem Wirkzusammenhang und unsere Entscheidungen kann man Sekundenbruchteile vor unserer bewussten Entscheidung schon physikalisch im Gehirn sehen. Was ist daran schlimm?

    Wo liegt hier irgendein Widerspruch? Ich sehe keinen.

    Selbst wenn wir determiniert sind durch die Naturgesetze, was macht das aus? Strafen ist immer noch sinnvoll, und jemanden verantwortlich machen, ist immer noch sinnvoll. Jemanden überreden wollen, oder überzeugen wollen ist immer noch sinnvoll. Nur dass solcher Sinn eine späte evolutionäre Erscheinung ist, in der Komplexität unseres Gehirnes liegt, und aus den Naturgesetzen emergiert ist. Na und? Was macht uns daran kleiner, als wir sind?

    Wenn wir die Realitäten anerkennen, wie sie sind, dann können wir in der Tradition fortfahren, die Natur zu unserem Nutzen einzusetzen. Wenn wir uns Illusionen machen, werden wir mehr Misserfolge haben. Solange wir das anerkennen, können wir uns so wichtig nehmen wie wir wollen ohne irgendeine Gefahr zu laufen.

    Allerdings die Staubkorn-Idee taugt immer wieder, um fromme Leute in Harnisch zu bringen – und das macht erstens Spaß und ist zweitens ein Hoffnungsschimmer, dass die gescheiteren Frommen vielleicht mitbekommen, dass fürs die Heilsgeschichte die Bühne einfach zu groß ist.

    1. Wozu ist dieses „nicht neurotisch überbewerten“ bitte gut? Warum soll das Predigen der christlichen Demut eine zentrale Rolle spielen im säkularen Humanismus? Für die Griechen und Römer setzte eine demütige Haltung ein Dasein als Sklave voraus. Und seit wann sind Wertungen Tatsachen? Und warum sollten wir uns nicht wichtig nehmen? Wenn nur wir selbst uns um unser Wohl kümmern können und niemand sonst da ist, sollten wir uns selbst dann nicht umso wichtiger nehmen?

      Nach Meister Eckhart ist die Demut Grundvoraussetzung christlichen Lebens:
      „Denn vollkommene Demut geht auf das Vernichten seiner selbst und stellt sich selber unter alle Kreaturen.“
      „Das sicherste Fundament, auf dem diese Vollkommenheit sich zu erheben vermag, das ist die Demut; denn wessen Natur hier in der tiefsten Niedrigkeit kriecht, dessen Geist fliegt auf zur höchsten Höhe der Gottheit.“
      http://de.wikipedia.org/wiki/Demut

      Das hat jedenfalls nichts zu tun mit meinem Menschenbild. Ich krieche nicht und ich verachte Kriecher.

      „Wir stehen in einem Wirkzusammenhang und unsere Entscheidungen kann man Sekundenbruchteile vor unserer bewussten Entscheidung schon physikalisch im Gehirn sehen.“

      In einem sehr beschränkten Laborexperiment, wo die Propganden ihre Entscheidung bereits getroffen hatten, am Experiment teilzunehmen.

      „Selbst wenn wir determiniert sind durch die Naturgesetze, was macht das aus?“

      Wie kann jemand bloß eine solche Frage stellen? Was macht es aus, dass meine Entscheidungen nicht meine eigenen sind und schon seit dem Urknall feststehen? Ziemlich viel, würde ich meinen!

      „Wenn wir die Realitäten anerkennen, wie sie sind“

      Das sind nicht die Realitäten, das sind die Interpretationen von materialistischen Philosophen, die seit Jahrtausenden genau dasselbe sagen und es immer wieder als neueste Forschung ausgeben.

      „Allerdings die Staubkorn-Idee taugt immer wieder, um fromme Leute in Harnisch zu bringen“

      Das ist es dann wohl wert, den Humanismus aufzugeben.

      1. Schöne Sachen bekomme ich in den Mund gelegt. So geht man fair miteinander um. In meinem Kommentar kommt weder das Wort Demut vor, noch die Sache. Es geht um Bescheidenheit. Das hat nichts mit Kriecherei zu tun. „Neurotisch“ nannte ich diese Selbstüberschätzung (und ich meinte die Selbstüberschätzung als Krone der Schöpfung) weil sie eben gerade christlich, und damit krank ist. Das kratzt mein Selbstbewusstsein und auch meine Motivation, gut leben zu wollen nicht an. Und ich wüsste auch nicht vor wem ich buckeln sollte. Wir sind schon die interessantesten Wesen in diesem Universum. Aber ich bin gegen Egoismus: Ein Egoist ist ein Mensch, der sich selber wichtiger nimmt als mich.

        Wir merken nichts davon, dass unser Gehirn schon die Entscheidung getroffen hat, wenn sie in unserer Bordsoftware „Bewusstsein 1.0“ ankommt; im übrigen hat erst diese Bordsoftware evolutionär ein neues Feature implementiert: Sinn. Unser Leben wird von dieser materialistischen Sicht nicht wirklich beeinträchtigt, oder wo liegt das Problem? Ist das Problem nicht rein emotional? – Steht damit schon alles fest, seit dem Urknall? Allein die Quantenmechanik spricht dagegen. Aber wir können offenkundig nicht ganz unabhängig und ein aristotelischer erster Beweger sein, das würden wir bei anderen Menschen sehen und es für eine Form von Wahn halten (Peter Bieri spielt das durch am Beispiel eines frisch Umgezogenen, der gleich wieder seine Wohnung kündigt, ohne irgendeinen Grund zu haben). Ich finde nicht, dass diese Art von Determinierung meine Motivation, ein gutes Leben zu führen und im Einklang mit meinen Mitmenschen zu sein, auch nur im mindesten beeinträchtigt. Auch diese Sicht auf sich selber gehört zur Bordsoftware, weiteres Feature: Ich.

        Fromme in Harnisch zu bringen macht bestenfalls Spaß. Opfern würde ich dafür nichts Wesentliches – dafür sind die mir nicht wichtig genug.

        Aber offenbar schaffe ich es ja, auch Unfromme in Harnisch zu bringen. Bin gespannt auf die nächsten Missverständnisse und Unterstellungen (siehe Demut).

        1. Warum beziehst du das auf dich? Du interpretierst die Staubkorn-Idee auf eine Weise und ich auf eine andere Weise. Ich lege dir überhaupt nichts in den Mund.

          „weil sie eben gerade christlich, und damit krank ist“

          Großartig.

          „Aber ich bin gegen Egoismus: Ein Egoist ist ein Mensch, der sich selber wichtiger nimmt als mich.“

          Ein Egoist ist demnach jeder außer dir. Es gehört schon einiges dazu, von anderen Menschen zu erwarten, dass sie dich wichtiger nehmen sollen als sich selbst!

          „Bin gespannt auf die nächsten Missverständnisse und Unterstellungen (siehe Demut).“

          Du drückst dich sehr konfus aus. Ich unterstelle dir nicht absichtlich irgendetwas.

          1. Konfus? Mag sein – ich werde über diese Zurechtweisung nachdenken.
            Die Definition eines Egoisten ist nicht von mir, sondern von Ambrose Bierce’s „Devil’s Dictionary“ – die fand ich einfach nett, da konnte ich in dem Zusammenhang nicht vorbei gehen, auch wenn es nicht ganz genau gepasst hat.
            Wenn die Staubkorn-Idee auch Dir einleuchtet, habe ich doch gar kein Problem mit einer anderen Bewertung: Ich nehme mich auch wichtig (-> Def. des Egoisten), aber ich finde es wichtig, zu sehen, dass diese Welt auf uns sicher nicht gewartet hat. Wir sind evolutionär angepasst und haben unsere Chance – dass wir die wichtig nehmen ist klar und richtig. Ein superschlauer ET von Alpha-Centauri würde uns aber auch als Tiere sehen, nicht so besonders, genauso weit verbreitet wie Moos oder Mücken, aber nicht wesentlich schlauer.
            Und doch dürfen wir uns wichtig nehmen – sofern wir uns der perspektivischen Verzerrung so weit bewusst bleiben, dass wir bei „Krone der Schöpfung“ sicher nicht an uns denken, und den Salbaderer, der das absondert, spontan für einen Wahnsinnskandidaten halten. Also, wir sind wohl nicht so weit auseinander. Und ich suhle mich auch nicht jede STunde in meiner Geringfügigkeit – ganz im Gegenteil.
            Ich denke, dabei kann man es belassen. 😉

  2. „Der Moderator Kramer meinte sogar, ich hätte meine Beurteilung der Mensch-Affe-Staubkorn-Philosophie Harald Stücker “in den Mund gelegt” – und das, obwohl der Diskussionseröffner Athmatrix richtig erkannt und beschrieben hatte, worum es geht!“
    Diese Darstellung ist falsch. Kramers Aussage bezieht sich eindeutig auf die Formulierung vom Menschen als einem bedeutungslosen Haufen Schrott.

    1. Ich sehe nicht, warum dies falsch sein sollte? Meine Beurteilung der Mensch-Affe-Staubkorn-Philosophie ist eben genau jene, dass der Mensch demnach ein bedeutungsloser Haufen Schrott wäre. Ist jetzt ergänzt:

      „meine Beurteilung der Mensch-Affe-Staubkorn-Philosophie (= der Mensch als bedeutungsloser Haufen Schrott)“

      1. Nun ist diese Interpretation weder besonders zwingend, noch ist diese Formulierung in „Das radikalste religionskritische Projekt überhaupt“ sofort als eigene Interpretation erkennbar, so dass bei dem Leser zelig (niemand, der durch besondere Einfalt glänzt) durchaus der Eindruck entstand, es sei Stückers Formulierung.

        Das wurde dann von Kramer mit „Das hat Stücker aber nicht geschrieben, das hat AM ihn in den Mund gelegt. “ durchaus richtig korrigiert.

  3. 2 Anmerkungen:

    1.) Du solltest anstelle dich mit Verweisen auf „Diese und jene Position bringt nur Unglück und Kränkung“ lieber mit dem Transhumanismus beschäftigen und dafür werben.
    „Trans-Humanismus“ ist eine wesentlich bessere „Heimat“ (wenn man eine braucht).

    2.) Ist es dem Individualisten als „Ideologieheimatlosen Vagabunden“ bewusst, dass sie eigentlich keinen „externen Sinngeber“, besonders nicht in Form von einer Ideologie, sei mit oder ohne transzendale Elemente, benötigt, sondern schlicht und ergreifend das tut was er selbst tagtäglich für am Sinnvollsten erachtet.

    1. 1. Ich verweise auf den Objektivismus und nörgle eben nicht nur herum.

      2. Warum externer Sinngeber? Ich sage, dass wir Menschen unsere eigenen Sinngeber sind. Der Mensch ist kein Tier, er braucht mehr als tagtägliche Reize. Es sei denn, er will sich selbst zum Tier reduzieren und das zugehörige Elend leben. David Hume meinte ja, er erkennt keine Persönlichkeit, wenn er sich bewusst macht, was er gerade erlebt. Und Atheisten halten ihn tendenziell für einen großartigen Philosophen. Viel Spaß damit.

      1. 1.) Ich habe nur gesehen, dass du in Extremen schreibst.
        2.) Das was du schreibst ist entweder eine Art „Brauch der Einzelne bzw. die Gesellschaft ein sinnstiftendes Extrem/Ziel?“ – „Wenn ja – Dann lasst es uns ausformulieren und als Agenda vermarkten!“
        oder alternativ:
        „Was macht den Menschen (verallgemeinert) glücklich?“
        Nun darauf kann man sagen die Zahl „42“ macht sicherlich DEN Menschen glücklich wie sie auch das Universum und den ganzen Rest mit Glücklich-sein erfüllt.
        Den Menschen namens Max Mustermann und den Menschen namens Maria Mustermann allerdings nicht.

        1. Mit „Extrem“ meinst du vermutlich „Maxim“, was wiederum etwas anderes ist als der Lebenssinn.

          Trägt es zur Entwicklung eines individuellen Lebenssinns bei, wenn man von einem Menschenbild ausgeht, das den Menschen auf einen aussterbenden Affen reduziert? Nein, weil der Mensch zum Leben seine Vernunft benötigt, kein Affe ist.

          1. Ich meinte damit primär keinen „Leitspruch“, sondern dass die Begründung extrem (extremistisch) ausfällt.
            Schwarz-Weiß Entweder-Oder. 😉

            Ich denke nur sofern man es als Wertung betrachtet bzw. als Wertung begreift, aber eigentlich ist es nur eine Beschreibung.
            Falls man es als Wertung aufnimmt muss man ferner sich mit dem „Menschsein-Konstrukt“ identifizieren und/oder auch nicht Masochist sein den gerade eine solche Zuschreibung besonders frohlocken lässt. (unter der Wertungsprämisse)

            Bisher lag die Betonung aber meist deswegen auf der Staubkorn Metaphorik, weil die ganzen ID-Bewegungen und sogar die schwammigen theistischen Begründungen immer darauf hinaus laufen, dass es einen Heilsplan oder einen Gottesplan gäbe, in denen „der Mensch“ zentral ist, obgleich, wenn man sich mal die Weltgeschichte anschaut, dies nicht der Fall ist.
            Die Menschen setzen sich nur zentral wenn sie sich selbst „zentralisieren“.
            (Dank der Fähigkeit geistig gesunder Menschen sich selbst zu zentralisieren.)
            Wenn du nur das Aussagen wolltest ist mir die Kritik allerdings völlig unverständlich.
            Denn dann ging sie an der Diskussion von exterenen Sinnstiftungsprojektionen wie eben göttlichen Heilsplänen völlig vorbei.

            Man hat nur den Eindruck, dass du die Projektionsflächenarbeitsweise adaptieren willst. Da lautet meine Empfehlung weiterhin dich dann mit dem Transhumanismus zu beschäftigen und den Leuten neue Erfahrungsmöglichkeiten zu bieten, ein längeres Leben whatever. Damit auch für jede Zielgruppe was bei ist. Marktforschung und Marketing.

          2. Nein, danke, ich mache Philosophie, keine Marktforschung und Marketing – sicher nicht, um die Qualität von Ideen zu prüfen. Der Transhumanismus, insofern Menschen, die sich dafür interessieren, aus freiem Entschluss an dieser Forschung teilhaben, stört mich nicht, steht aber auch nicht im Mittelpunkt meines Interesses.

            Ich sehe, dass die Neigung vorhanden ist, meine Kritik theologisch auszulegen, auch wenn dies nicht meine Intention ist und ebenso nicht aus dem Text hervorgeht.

            Kreationisten befürchten, dass sich der Mensch wie ein Affe verhalten könnte, wenn man ihm erzählt, dass er einer ist. Biologisten bestreiten das in der Regel, aber ich sehe nicht, warum. Wenn der Mensch tatsächlich ein Affe ist, dann verhält er sich laut Definition wie ein Affe. Daran gibt es nichts zu bestreiten. Ameisen verhalten sich wie Ameisen, Pandas wie Pandas und Affen wie Affen.

            Kreationisten schließen aus ihrer Furcht vor den gesellschaftlichen Konsequenzen des „Darwinismus“, der Mensch dürfe kein Affe sein und am besten auch nicht von einem abstammen (was er natürlich tut). Biologisten sind auf die evolutionäre Herkunft des Menschen fokussiert und darauf, ihn in ihr biologisches Periodensystem einzuordnen, das auf genetischen Verwandtschaften aufbaut. Daraus würde logisch folgen, dass der Mensch „pan sapiens“ ist und nicht „homo sapiens“. Auch minimale genetische Unterschiede können jedoch gewaltige Konsequenzen haben.

            Ich würde einwenden, dass sich die Kreationisten klarmachen sollten, dass Fakten nun einmal Fakten sind und lediglich über die Interpretationen und Wertungen kann man sich streiten. Und Biologisten sollten sich Gedanken machen über die gesellschaftlichen Konsequenzen ihrer Ideen. Ich werde in folgenden Beiträgen aufzeigen, dass die Reduktion des Menschen auf einen Affen viele Autoren dazu motiviert hat, nihilistische Perspektiven zu predigen und diese Ideen sickern zu normalen Menschen durch.

  4. Achja noch zur Qualia:
    „Entweder man leugnet wichtige Phänomene des menschlichen Daseins wie den freien Willen und die Persönlichkeit“

    Die bisherigen Diskussionen zu dem Thema waren bisher nur: Dass Gehirn nicht so „aussehe“ wie „Geist“ bzw. Bewusstseinsinhalte. Das tut es aber doch. Die Außenansicht ist nur schlicht ungewohnt.

    1. Der Geist ist also dasselbe wie das Gehirn, nur aus einer anderen Perspektive betrachtet, ähnlich wie ein Haus, das man von vorne oder von hinten betrachten kann, das aber stets ein Haus bleibt?

      1. Usere bewusste Wahrnehmung sieht kein bisschen so aus wie die graue Masse in unserem Schädel.

      2. Verschiedene Perspektiven erfordern einen bewussten Beobachter, den du nicht voraussetzen kannst, wenn du ihn erklären willst.

      1. „DEN Geist“ gibt es nicht.
        Es gibt mindestens ein dutzend Bewusstseinszustände/Hirnmodi die alle völlig unterschiedliche Qualitäten, Hintergründe und Funktionsweisen erfüllen bzw. deswegen selktiert wurden und so erhalten blieben/bleiben konnten.
        Die Bandbreite reicht von Aufmerksamkeit über erhöhte Konzentration zu Dösigkeit, REM-Schlaf, Ganzheitsgefühlen und natürlich die bekannten Beeinflussung durch Drogen zu Trunkenheit und/oder Rauschzuständen usw.
        Du beziehst dich im Höchstfall auf das Gefühl eine Person bzw. ein >>Ich<< zu sein und im ganz Speziellen für "Handlungen" einen direkten Bezug zu "fühlen".

        Das ist ähnlich wie wenn man wütend wird, wenn man speziefische Bilder sieht oder sich eben auch Situationen oder Handlungen nur vorstellt. "Man wird einfach wütend".
        "Wut – Hass und Zorn" stellen allerdings andere, wesentlich ältere Arreale dar.

        1. Doch, sonst könnte man beispielsweise auch nicht das "Geschmackserlebnis einer Erdbeere" beenden, wenn man die aktiven Geschmacksarreale abschaltet oder "aktivieren" wenn man sie stimuliert.

        Man benutzt nur nicht den Satz "Arreal X nun aktiviert" in gewöhnlichen Konversationen. (Das täten höchstens die Coneheads aus dem gleichnahmigen wenig erfolgreichen Film aus den 80ern.)
        Einzig weil dies ungewohnt ist.

        Ein Beispiel übrigens für gute Selbstaktivierung ohne das man im eigenen Hirn/Bewusstsein mit irgendwelchen Gerätschaften rumstochern muss sind luzide Träume bzw. das Triggern selbiger bei denen die Traumaktivität, bzw. die Thetawellenaktivität von den Frontalhirnbereichen als Input der Sinnesorgane missinterpretiert wird.
        Dadurch kann man nichtnur seine Träume bewusst lenken sondern seine eigene Wirklichkeit ala "Matrix" generieren inkl. zum Beispiel Geschmackserlebnissen.

        2. Du hängst dich an einem erforderlichen Regress Ich-Es-Ich-Es-Ich usw. auf.
        Dieser ist aber NICHT nötig bzw. bildet auch garnicht die Fakten ab.

        Das Selbstbewusstsein ist den "beschreibenden Arrealen" ohnehin nachgeordnet als Emotion. (nicht zu Verwechseln mit den Arrealen, die den Musterabgleich der Kategorien darstellen und stätig zuerst unbewusst "Einspruch" erheben können).

        Es wird erst nachdem ein Bild gemacht wurde und Muster die unter die Kategorie "Handlungen" fallen bzw. als solche erkannt wurden selbige einer möglichen Person/Gruppe usw. zugeordnet und danach auch erst werden die Arreale aktiv die das "Selbstgefühl" bzw. "Emotionen des Selbstbezuges" darstellen.
        (Diese sind übrigens nicht identisch mit der wo die "Entscheidung" letztlich getroffen wird. Wie sowohl das Libet-Experiment so schön zeigte, aber auch Experimente mit Personen die an Corpus-callosum-Agenesie litten demonstrierten).

        Durch genau jene Hierachie kommen auch erst die psychologischen Krankheitsbilder zustande für alles was vorher als Handlung "erkannt" wurde Verantwortung zu tragen bzw. verantwortlich zu sein, obgleich der jeweilige Organismus unter objektiven Gesichtspunkten damit nichts am Hut hat (Formen von Wahn und Depressionen sind da zu nennen).
        Da springen schlicht die falschen Arreale an durch mannigfaltige Gründe, ähnlich wie bei Menschen die an Verfolgungswahn leiden – die Arreale welche das "Gefühl der ständigen Beobachtung" repräsentieren permanent aktiv sind und medikamentös deaktiviert werden müssen. (Meistens ist es sogar so, dass die permanente Aktivität nicht durch zu viel Übertragungstransmitter, sondern durch zu wenig Abbauhormone eben jener regulären Transmitter hervor gerufen werden). Bei Shizoidität ist dies z.Bsp. häufig der Fall.

        Aus dem Input wird, anhand der Erfahrung, Muster die unter die Kategorie "Handlung/Intention" fallen (welche zuvor durch das Leben trainiert wurden eben solche zu kategorisieren) heraus gefischt und einem abstrakten Agenten – "Person X" zugeordnet, zu dessen Erkennung – Oh Wunder, ebenfalls Konditionierung durch das Leben nötig war.

  5. „Michael Schmidt-Salomon weist praktisch überall darauf hin, dass der Mensch nur ein Affe auf einem Staubkorn im Weltall sei, der irgendwann ausstirbt („Neandertaler von morgen“). Man muss also davon ausgehen, dass dieser Aspekt seiner Philosophie ihm besonders viel bedeutet.“

    Ich vermute es geht MSS nur darum, die Unhaltbarkeit religiöser Dogmen, die eine Sonderstellung des Menschen und der Erde postulieren, aufzuzeigen. Ansonsten halte ich diese Message auch ein bisschen zu negativ und wenig aufbauend. Die ständige Wiederholung ist wohl dem Umstand geschuldet, dass die meisten Menschen sich nur an Kernaussagen erinnern, wenn diese häufiger wiederholt werden.

    „Der Humanismus sollte eine praktische, lebenstaugliche Philosophie sein, die dem Menschen dient. Ich sehe nicht den Dienst am Menschen in der beständigen Wiederholung, wie unwichtig und vergänglich wir sein sollen – was kein Fakt ist, sondern eine subjektive Interpretation der Fakten!“

    Memento mori
    Memento te hominem esse
    Respice post te, hominem te esse memento

    „‚Das Universum‘ ist den meisten Menschen berechtigterweise völlig schnuppe und Affen sind ihnen ebenso relativ egal. Unser eigenes Leben zählt für uns am meisten, …“

    Ist dass nicht etwas egoistisch, den anderen fühlenden Lebewesen auf der Erde gegenüber?

    „Was tut ein Sozialdemokrat, … Auf jeden Fall wird er nicht warten können, bis jemand die Jagdbeute und die gesammelte Früchte von anderen auf ihn selbst umverteilt. Entweder er jagt und sammelt oder er geht unter. … Dies tun die Männer der Gewalt, die nichts produzieren, sondern die den Produzenten die Werke ihres Geistes und ihrer Hände stehlen. Ihre Philosophie ist auf Dauer nicht lebensfähig, denn irgendwann ist nichts mehr da zum Stehlen.“

    Wenn man dass so liest könnte man annehmen, Du hast eine sehr naive Vorstellung von der heutigen Wirtschaft. Dir ist doch bewusst, das es eine Realwirtschaft und die Finanzwirtschaft gibt? Letztere mach weit höhere Gewinne und dominiert die Realwirtschaft.

    Menschen, die wirklich physisch arbeiten, befinden sich in der Regel auf der untersten Ebene der Lohnpyramide. Dazu gibt es auch immer mehr akademisches Proletariat. Selbst Ärzte in Krankenhäusern, die reihenweise Nachtschichten schieben, verdienen vergleichsweise bescheiden.

    Die, die im derzeitigen System wirklich profitieren sind Menschen, die ihr Geld für sich arbeiten lassen oder erben. Solche Leute dominieren die Weltwirtschaft. Diese hätten auf einer einsamen Insel eher ein Problem als der „Sozialdemokrat“. Leistung lohnt sich nicht (mehr). Wer (wie die Linken) primär die höheren Einkommen der abhängig Beschäftigenten schröpfen will („Besserverdienende“), und sonnst für gleichwerte Steuern auf Kapitalerträge oder einer Transaktionssteuer nur Lippenbekenntnisse abgibt, wird an dieser Situation nichts ändern. Hier stimmst Du mir eventuell zu?

    1. Das akademische Proletariat hat allerdings viel damit zu tun, dass der Staat weitgehend den Leuten das Studium bezahlt. Müsste man es selbst finanzieren, würde man stärker darauf achten, was man studiert. Ich hätte auch in diesem Fall Germanistik und Anglistik studiert, weil meine Talente eindeutig in diese Richtung weisen. Allerdings hätte ich dann viel weniger Konkurrenz, weil viele diese Fächer studieren, die sich gar nicht dafür interessieren. Dann würde jeder eher dort unterkommen, wo er seinen Talenten und Interessen nach hingehört. Und das Akademikerangebot würde eher mit der Nachfrage übereinstimmen.

      Über Finanz- und Realwirtschaft muss ich mich weiter informieren.

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