Der demografische Winter

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=jxUD8E-qbyI[/tube]

Ich empfehle diese amerikanische Dokumentation über den Bevölkerungsrückgang, der die gesamte entwickelte Welt betrifft. Sie stammt zwar von einer christlichen Organisation, aber sie gibt den Stand der demografischen Forschung nüchtern und akkurat wider. Auch die Lösungsvorschläge – das schwedische Modell (sehr hohe staatliche Förderung von Familien) oder eine Art modernes Patriarchat – werden tatsächlich in der Forschung diskutiert.

In der Tat spricht, wie im Video gesagt wird, nicht so viel für das schwedische Modell, wie man meinen könnte, denn bei extrem hohen Kosten, was schwer dauerhaft zu finanzieren ist, kann zwar in Schweden die Kinderzahl im Vergleich zum übrigen Europa ein höheres Niveau erreichen, allerdings sind es immer noch nicht genügend Kinder. Mit der Rückkehr zum Patriarchat stimme ich ebenso nicht überein, weil diese Idee die Menschenrechte von Frauen (Leben, Freiheit, Eigentum) gefährdet, insofern man das Patriarchat staatlich, also unabhängig vom Willen der Betroffenen, durchsetzt.

Die guten Worte, welche die Forscher für die Ehe finden, sind derweil empirisch sehr gut abgesichert. In der Tat erscheint die moderne Vertragsehe empfehlenswert, wenn man ein glückliches Leben führen möchte. Verheiratete Paare sind statistisch betrachtet glücklicher, haben ein höheres Einkommen und sogar besseren Sex als Singles mit wechselnden Partnern. Man sollte ergänzen, dass hierzu aber auch das „Ideal der Ehe“, eine romantische, optimistische Einstellung gegenüber der Ehe gehört. Wer Ehe für Unsinn hält, dem wird es nicht helfen, zu heiraten, nur weil die Statistiken gut aussehen.

Allerdings gibt es noch eine dritte Alternative zum schwedischen Modell und zur staatlichen Förderung der traditionellen Familie, nämlich der klassische Liberalismus. Zumindest einen Teil der demografischen Probleme könnte man lösen, wenn man dafür sorgt, dass sich die Ehe finanziell wieder lohnt. Wer zusätzlich einen religiösen Glauben (tendenziell assoziiert mit hoher Kinderzahl, vielleicht wegen einer optimistischen Zukunftssicht) teilen möchte, wird natürlich nicht davon abgehalten. Auch säkulare Ideen, welche die Bedeutung von Kindern für das eigene Leben würdigen, sind denkbar, wenn auch nicht unbedingt weit verbreitet im heutigen Westen.

Ebenso wären Einwanderer aus kinderreichen Drittweltländern kein großes Problem mehr, denn ohne Sozialsysteme lassen sich keine Sozialsysteme ausbeuten. Die von Marxisten nur erträumte Weltgemeinschaft gibt es eben nicht umsonst, sondern nur, wenn überall dieselben liberalen Bedingungen herrschen würden. Dann wäre es aus ökonomischer und politischer Sicht egal, wo man lebt. Man könnte sich die bevorzugte Kultur aussuchen, ohne einen Schaden verursachen zu können. Das ist zwar auch sehr theoretisch, aber zumindest kann man rational und konsistent dafür argumentieren – im Gegensatz zu linksutopischen Ideen -, wie etwa der Ökonomon Ludwig Mises in seinem Buch Liberalismus.

Die angesprochenen Probleme mit der Altersversorgung bei sinkender Geburtenzahl könnte man ebenso lösen, indem man den Staat aus der Altersversorgung graduell herausnimmt. Jeder müsste sich privat versichern und seine Rente selber finanzieren oder man schließt einen Generationenvertrag mit seinen eigenen Kindern ab und nicht mit irgendwelchen Fremden, die eigentlich keinen Grund haben, einem die Rente zu bezahlen (schließlich können sie sich nicht mehr darauf verlassen, dass die nächsten Generationen ihre eigene Rente bezahlen werden).

Soweit dieses Thema und die verschiedenen Lösungsvorschläge. Wenn jemand eine weitere Idee hat, möge er sie im Kommentarbereich zur Diskussion stellen.

14 Kommentare zu „Der demografische Winter

  1. „Allerdings gibt es noch eine dritte Alternative zum schwedischen Modell und zur staatlichen Förderung der traditionellen Familie, nämlich der klassische Liberalismus. Zumindest einen Teil der demografischen Probleme könnte man lösen, wenn man dafür sorgt, dass sich die Ehe finanziell wieder lohnt.“

    Was stellst du dir darunter vor? Wie kann man dafür sorgen, dass sich die Ehe finanizell lohnt, ohne unzuverteilen, sprich illiberal zu handeln?

    1. Das wäre nicht weiter schwer. Eine Flat Tax zum Beispiel würde dafür sorgen, dass Ehepartner ihre Zeit und Arbeitskraft so aufteilen können, wie es für sie optimal ist. In unserem progressiven Steuersystem erleidet eine Familie große Einbußen, wenn nur ein Partner arbeitet, dafür aber (brutto) doppelt so viel verdient.
      Ebenso hat man im heutigen System nur die Möglichkeit, alle Bedingungen einer Ehe im „Gesamtpaket“ zu kaufen. Man kann zum Beispiel als verheiratetes Paar der Pflicht zum gemeinsamen Wohnsitz nicht entgehen, oder bei der Hochzeit auf sexuelle Treue verzichten, oder die Bedingungen für den Scheidungsfall frei aushandeln (zumindest in Ö). Gut möglich, dass das so manchen abschreckt.

    2. Weil Verheiratete mehr verdienen als Unverheiratete. Sie können sich gegenseitig unterstützen. Und unter dem Liberalismus könnte das sehr zu empfehlen sein, sonst verdient man vielleicht nicht genug.

      1. „Weil Verheiratete mehr verdienen als Unverheiratete. Sie können sich gegenseitig unterstützen.“

        Ehe heißt aber noch nicht viele Kinder!?

  2. „Jeder müsste sich privat versichern und seine Rente selber finanzieren oder man schließt einen Generationenvertrag mit seinen eigenen Kindern ab und nicht mit irgendwelchen Fremden, die eigentlich keinen Grund haben, einem die Rente zu bezahlen.“

    Sorry das ist hier aber nicht umsetzbar, denn der hiesige „Generationvertrag“ ist bereits seit anno dazumal am Laufen, ihn auszusetzen würde die bisher erarbeitete Altersvorsorge von Millionen Arbeitnehmern (gesetzlicher Rentenzwang) schlagartig entwerten.
    Das wäre solch ein Zündstoff der schneller Extremisten an die Macht brächte als eine urplötzliche Kriegserklärung mehrerer dutzend Staaten.

    1. AM hat extra von „graduell herausnimmt“ geschrieben. Meinem Verständnis nach würden bestehende Ansprüche nicht angetastet – Vertragstreue ist einer der wichtigsten Werte einer zivilisierten Gesellschaft und m.E. noch wichtiger als ein ausgeglichener Haushalt. Aber es spräche nichts dagegen, die gesetzlichen Beiträge und Leistungen schrittweise zu reduzieren. Außerdem könnte man hier tatsächlich liberalisieren, indem man es den Leuten ab einem Stichtag freistellt, ob sie weiter Pensionsbeiträge an die staatlichen Kassen zahlen wollen, oder weniger, oder gar keine. Wenn man dann das gesetzliche Pensionsalter erreicht, bekommt man jenen Anteil der ursprünglich vorgesehenen Pension ausgezahlt, der dem geleisteten Anteil an den ursprünglich vorgesehenen Einzahlungen entspricht. Dann würden sich sicher viele von den staatlichen Kassen abwenden, deren Rendite ja immer unattraktiver wird, aber niemand könnte sagen, es wäre ihm etwas weggenommen worden.

      1. “ …, aber niemand könnte sagen, es wäre ihm etwas weggenommen worden.“ Natürlich würde der Oma, die 20 Jahre Kinder erzogen hat und dann nur in einen dürftigen Job wieder einsteigen konnte, damit etwas weggenommen. Soziale Mindestabsicherung muss jedenfalls sein. Sonst wäre der soziale Friede – ganz zurecht – gefährdet. Das muss nicht zu einem bequemen Auskommen reichen, aber zu einem erträglichen.
        Wenn man das von einem Stichtag an änderte, wäre dagegen nichts zu sagen – vorausgesetzt, dass die Mindestbedürfnisse für jeden abgesichert wären.
        Was allerdings wünschenswert wäre, das ist ein Anreiz für Reiche (die im statistischen Mittel auch ein wenig smarter sein dürften), Kinder zu bekommen, und ein Dämpfer für Arme, noch weitere zu bekommen und auf Basis von Transferleistungen dann zu unterhalten. Eine einfache Idee, wenn auch sicher nicht die Silver Bullet: Kein Kindergeld mehr, sondern satte steuerliche Freibeträge (8-10 kEuro pro Kind und Jahr) für leibliche Kinder. – Das würde den Israelis gegen die Orthodoxen und ihre Kinderflut helfen, da die ja mehrheitlich auf Transferleistungen zurückgreifen und davon nichts hätten. Und ähnlich ist es ja hier auch mit entsprechenden Bevölkerungsgruppen, die sich auf Transfer verlassen. Das Er“kind“ern des Lebensunterhaltes wäre damit nicht mehr möglich. Allerdings wäre zu befürchten, dass die Plan- und Verantwortungslosigkeit, die es in dieser Bevölkerungsgruppe sicher überproportional gibt, zu nicht viel weniger, aber noch unglücklicheren und hoffnungsloseren Kindern führen würde.

        Andererseits würden davon gerade die Besserverdienenden dann profitieren, wenn sie wieder mehr Kinder bekämen. Das funktioniert natürlich am besten, wenn die generelle Einkommens- und Kapitalertragssteuer NICHT gesenkt wird, und die Besserverdienenden sonst eben doch Transfer leisten müssen. Wenn diese Maßnahme nicht kostenneutral zu machen ist, müssten die Kinderlosen das eben mittragen.

        Just an idea – keine Ahnung, ob da nicht Seiteneffekte das ganze zunichte machen? Könnte ja sein, dass dann mehr Frauen mit bester Ausbildung längere Zeit ausscheiden und den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften noch verschärfen. Solche und andere Seiteneffekte sind ja selten in ihrer Gänze überschaubar.

        1. „Eine einfache Idee, wenn auch sicher nicht die Silver Bullet: Kein Kindergeld mehr, sondern satte steuerliche Freibeträge (8-10 kEuro pro Kind und Jahr) für leibliche Kinder.“

          Das ist doch Umverteilung, nur anders herum! Meine Frage am Anfang lautete ja, wie man dafür sorgen, dass sich die Ehe und Kinder finanizell lohnen, ohne unzuverteilen, sprich illiberal zu handeln!

          Würdest du sagen, dass das nicht geht?

  3. Also, ich muss sagen, dass ich dem ganzen schwer folgen kann, denn ich halte das finanzielle Argument fuer wenig stichhaltig.

    1.) sagst du ja selber:

    „Wer Ehe für Unsinn hält, dem wird es nicht helfen, zu heiraten, nur weil die Statistiken gut aussehen“

    Wer also nicht von einer Ehe und Kindern ueberzeugt ist der wird auch keine Ehe eingehen und schon gar keine Kinder bekommen.

    und 2.)

    waren Eltern in Deutschland wohl kaum je finanziell besser ausgestattet als heute. man muss sich ja fragen wie zwei Nachkriegsgenerationen ueberhaupt Kinder grossziehen konnten wo vater Staat ihnen doch nicht ansatzweise so eine umfassende Unterstuetzung zuteil werden liess.

    Ich halte es fuer richtig und der Artikel zeigt das ja auch richtig, dass die emotionale Bindung an die Ehe wieder staerker in den Fokus rueckt. Um es zugespitzt zu sagen: Das die Menschen die Ehe wieder als etwas wuenschenswertes und richtiges empfinden. Vor allem als Institution die die Basis fuer eine gesunde Gesellschaft bildet.

    1. Die Idee ist nicht eine Erhöhung der staatlichen Förderung, sondern das Gegenteil. Die Menschen würden finanziell von einer Ehe stärker abhängig sein, anstatt die staatliche Förderung als zusätzlichen Anreiz zu sehen, da Ehepartner mehr verdienen als andere und sich gegenseitig unterstützen. Wer vom Staat nichts bekommt, profitiert stärker von einem Partner an seiner Seite.

  4. Angesichts der wachsenden Überbevölkerung auf der Erde halte ich den hier postulierten „demografischen Winter“ weltweit gesehen für abstrus.

    1. Es ist eigentlich weder richtig, dass die Bevölkerung wächst, noch, dass sie abnimmt. Richtig ist:

      1. Die Kinderzahl nimmt tendenziell mit der ökonomischen Entwicklung und mit der Säkularisierung ab. In Europa befindet sie sich fast überall unter der Bestandserhaltung oder in deren Nähe. Wenn sich die Drittweltländer ökonomisch entwickeln und säkularisieren, wird auch dort wohl die Kinderzahl abnehmen (und das tun sie und das geschieht aktuell auch).

      2. Religiöse Fundamentalisten haben tendenziell viel mehr Kinder als alle anderen.

      Das ist durchaus empirisch gesichert, siehe z.B. meine älteren Artikel:
      http://www.darwin-jahr.de/evo-magazin/werden-fanatiker-zivilisation-einnehmen?page=0,0
      http://www.darwin-jahr.de/evo-magazin/warum-haben-glaeubige-mehr-kinder

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