Nietzsche und die Nazis

Moderne Kunst. Ein Nachwort

Vorweg eine gute Nachricht: Ich habe schon mehrmals den philosophischen Essay Why Art Became Ugly von Stephen Hicks verlinkt – den gibt es auch in einer deutschen Übersetzung:

http://www.stephenhicks.org/wp-content/uploads/2009/04/whyartbecameugly-german.pdf

In diesem Essay begründet Hicks aus objektivistischer Sicht seine insgesamt ablehnende Haltung gegenüber der modernen, postmodernen, zeitgenössischen Kunst. Er geht dabei auch auf die Philosophie und Kunsttheorie dahinter ein.

Wie zu erwarten, hat mir jemand in einer Diskussion über moderne Kunst vorgehalten, ich würde diese für „entartet“ erachten – obwohl ich das niemals irgendwo geschrieben habe (im Gegenteil habe ich mich von diesem Begriff distanziert. Ich denke, der Großteil – nicht alles – der modernen Kunst ist keine Kunst. Aber nicht „entartet“, von irgendeiner willkürlichen, reinen Art abweichend, die eine Partei vorgibt – meine Vorstellung von Kunst ist viel weiter gefasst und philosophisch begründet). Und – wer hätte jemals mit diesem Vorwurf rechnen können – ich würde sie verbieten wollen. Dies alles als Reaktion auf meinen Artikel GEGEN die Bücher-„Recycling“-Aktion eines modernen Künstlers, die viele Kommentatoren mit der Bücherverbrennung der Nazis verglichen. Und dies trotz der für jeden Wikipedia-Befähigten offensichtlichen Tatsache, dass meine Philosophie dezidiert liberal ist, ich also die Zensur abweichender Ideen entschieden ablehne.

Zwar erkenne ich die Problematik an, in Deutschland angesichts „unserer Geschichte“ die moderne Kunst entschieden zu kritisieren und doch sollte es eigentlich jedem klar sein, dass nicht jeder Kritiker von Urinalen in Kunstmuseen, von Fettstühlen und Weiberschlammcatchen auf der Bühne ein Nazi ist. Der jüdische, pro-israelische Satiriker Ephraim Kishon hat schließlich diesem Thema zwei satirische Bände gewidmet (Picasso war kein Scharlatan, Picassos süße Rache), die noch viel schärfer gegen moderne Kunst wüten, als ich es getan habe.

Das Problem geht aber darüber hinaus. Wieder einmal geht es um die Anfeindung von einfach jedem, der eine klare Meinung vertritt. Wir leben in der Zeit der Skeptiker, Agnostiker, der liberalen Sozialdemokraten und grünen Konservativen. Jedwede klare, logisch durchdachte Position wird mit religiösem Fundamentalismus gleichgesetzt, als wäre eine systematische Philosophie auf Grundlage der Vernunt dasselbe wie der Glaube an Offenbarung. Als hätten kritische Denker ebensowenig oder weniger Recht, eine eindeutige Position zu vertreten als jene, die wiedergeben, was in vermeintlich heiligen Büchern steht. Nicht mit mir. Ich könnte Unrecht haben, aber bis dies jemand eindeutig aufzeigt oder es mir selbst auffällt, werde ich selbstverständlich nicht meine Position willkürlich verändern, nur weil sich viele Menschen weigern, klare Positionierungen zu tolerieren. Meine Meinung ist mein Recht und freie Rede ist mein Heiligtum.

Die objektivistische Kunsttheorie sagt mir zu, weil sie die Definition von Kunst einerseits nicht zu sehr einschränkt – mehrere Kunstepochen sind eingeschlossen – aber zugleich auch nicht alles, was irgendwer auf einen Tisch schmiert, als Kunst anerkennt. Ich werde in einem weiteren Artikel genauer auf diese Theorie eingehen.

Nietzsche und die Nazis

Doch nun zu einem Vortrag von Professor Stephen Hicks, dem objektivistischen Kritiker moderner Kunst. Als Philosoph befasste er sich unter anderem mit der Frage, wie der Nationalsozialismus in Deutschland entstehen konnte und inwiefern Friedrich Nietzsche dessen Vorreiter gewesen ist. In diesem empfehlenswerten Vortrag sollte auch klar werden, dass der individualistische, anti-kollektivistische, anti-rassistische Objektivismus das absolute Gegenteil der nationalsozialistischen Philosophie darstellt – es wäre schwer, sich auch nur theoretisch eine größeren Gegensatz auszudenken:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=pkq3Hn0x14I[/tube]

[tube] http://www.youtube.com/watch?v=EdzmLdKNAik%5B/tube%5D