Philosophie der Moderne: Attila und der Schamane

Im einleitenden Essay ihres Buches For the New Intellectual bietet Ayn Rand einen kritischen Überblick über die Philosophie der Moderne. Sie argumentiert, dass nach Renaissance und Frühaufklärung das Faustrecht und der Mystizismus in die Philosophie zurückgekehrt seien. Es folgt eine objektivistische Ideengeschichte…

Geschichte der modernen Philosophie

Ayn Rand unterscheidet zwei philosophische Archetypen:

Attila: Der Mensch, der auf Grundlage der nackten Gewalt handelt, dessen Handeln nur den Augenblick erwägt, der sich nur für die physische Realität direkt vor seinen Augen interessiert, der nur die Muskeln eines Menschen respektiert, der eine Faust, eine Keule oder eine Waffe als einzige Antwort auf jedes Problem ansieht.

Der Schamane: Der Mensch, der sich vor der physischen Realität fürchtet, der sich vor der Notwendigkeit praktischen Handelns fürchtet und der sich in seine Emotionen, seine Visionen von einem mystischen Reich flüchtet, wo er eine übernatürliche Macht genießen möchte, die von der Natur nicht eingeschränkt ist.

Gemeinsam ist den beiden ein perzeptuelles Bewusstsein, das nicht über das Automatische, Unmittelbare hinausgeht: Eine Annäherung an die Epistemologie eines Tieres.

Objektivistische Epistemologie 

Sinneseindrücke und Wahrnehmungen teilt der Mensch mit den Tieren, Konzepte machen aus ihm einen Menschen. Konzepte werden durch einen Prozess der Abstraktion aus Sinneseindrücken und Wahrnehmungen integriert. Dies geschieht durch eine freiwillige Entscheidung und der Vorgang der Konzept-Bildung heißt Denken.

Die Wahrnehmung eines Tieres funktioniert automatisch, der Mensch kann auf der perzeptuellen Ebene seines Bewusstseins nicht überleben. Der Mensch überlebt durch die bewusste, freiwillige Integration von Sinneseindrücken, durch Konzept-Bildung, durch Denken. Das Überleben ist für ein Tier ein physisches Problem; für den Menschen ist es ein epistmologisches. Ein Tier überlebt, indem es sich der Natur anpasst, ein Mensch überlebt, indem er die Natur sich anpasst. Wenn eine Dürre eintritt, sterben Tiere, während der Mensch Bewässerungskanäle baut. Tiere werden von Fluten überschwemmt, Menschen bauen Dämme.

Mittelalter: Zeitalter, das von Schamanen und von Attilas beherrscht wurde.

Renaissance: Zeitalter, in dem die Erde von der Herrschaft der Schamanen befreit wurde. Die Philosophie von Aristoteles (via Thomas von Aquin) löste die Philosophie Platos (via Plotinus und Augustinus) ab. Der Mensch erkannte die Fähigkeiten und den Nutzen seines Verstandes, er entwickelte die Wissenschaft.

Frühaufklärung / industrielle Revolution: Zeitalter, das die Attilas entmachtete. Die Menschen lernten, die physische Natur zu beherrschen und sie für ihr Überleben zu gebrauchen. Die politische Freiheit wird entwickelt und von den amerikanischen Gründungsvätern erstmals durchgesetzt. Jetzt kann jeder Mensch in freiem Austausch mit Hilfe seines Verstandes überleben. Leben, Freiheit und Eigentum werden staatlich geschützt. Diese Menschenrechte bewahren den Menschen vor den Eingriffen Attilas und des Schamanen.

Seitdem sind Attila und der Schamane zurückgekehrt. Gemeinsam ist der modernen Philosophie ein gezielter Angriff auf die konzeptuelle Fähigkeit des Menschen. Die Philosophie spaltete sich in zwei Lager auf:

1. Rationalisten: Ihnen zufolge gelangt der Mensch an Wissen über die Welt, indem er es ausschließlich aus Konzepten ableitet, die von innerhalb seines Kopfes kommen und nicht von der Wahrnehmung physischer Fakten.

2. Empiristen: Ihnen zufolge gelangt der Mensch an sein Wissen durch Erfahrung, womit man meinte: Durch direkte Wahrnehmung unmittelbarer Fakten, ohne Rekurs auf Konzepte.

Descartes: Er holte den Schamanen in die Philosophie zurück. Er hielt die Existenz der externen Welt nicht für selbstverständlich, sondern sie müsse durch Ableitung von den Inhalten des eigenen Bewusstseins ausgehend bewiesen werden – was bedeutet: Das Konzept des Bewusstseins als eine Fähigkeit, die sich von der Fähigkeit der Wahrnehmung unterscheidet – was bedeutet: Die willkürlichen Inhalte des eigenen Bewusstseins als nicht reduzierbare Axiome und Absoluta, denen sich die Realität anpassen müsse. Descartes ging in die umgekehrte Richtung wie Aristoteles: Von Konzepten zu bewussten Wahrnehmungen und dann zu Sinneseindrücken.

David Hume: Er holte Attila in die Philosophie zurück. Er schrieb, dass er Objekte beobachten könne, die sich bewegen, aber er sehe keine Kausalität. David Hume schrieb, dass er einen Strom von vorrübergehenden Wahrnehmungen in seinem Schädel verspüre, wie etwa Sinneseindrücke, Gefühle oder Erinnerungen, aber er habe noch niemals so etwas wie Bewusstsein erlebt. Hume erklärte, dass die scheinbare Existenz eines Objekts nicht garantiere, dass es im nächsten Moment nicht spontan verschwinden könne und dass der heutige Sonnenaufgang nicht beweise, dass sie morgen auch aufgehen werde. Ihm zufolge sei philosophische Spekulation nur ein Spiel und nicht anders als Jagen oder Schach, ohne jede Bedeutung für das praktische Leben.

Die Vernunft beweise, dass die Existenz unverständlich sei und nur Ahnungslose glaubten an das Wissen. Auf dieser Grundlage protestierte Hume gegen den Mystizismus des Schamanen, ähnlich wie mittelalterliche Könige mit ihren Bischöfen um die Vorherrschaft stritten. David Hume war Attila als Philosoph, er war der Philosoph des Tiermenschen.

Immanuel Kant: Er formulierte die Metaphysik der Psycho-Epistemologie (welche das Verhältnis unbewusster und bewusster Vorgänge im menschlichen Geist untersucht) von Attila und dem Schamanen. Er übergab die Welt an Attila und dem Schamanen schenkte er die Moral. Er wollte explizit die Moral der Selbstverleugnung und des Selbstopfers retten – und sie musste gerettet werden vor der Vernunft. Und so teilte Kant die Welt auf:

1. Die phänomenale Welt: Attilas Anteil – die physische Realität, die Sinne des Menschen, Wahrnehmungen.

2. Die noumenale Welt: Die „höhere Realität“ des Schamanen, darunter der „kategorische Imperativ“, der die Regeln der Moral bestimme und der sich durch ein Gefühl bemerkbar mache, ein besonderes Pflichtbewusstsein.

Die phänomenale Welt sei laut Kant nicht real, sondern das Produkt eines verzerrenden Mechanismus – die Fähigkeit des Menschen, Konzepte zu entwickeln. Menschliche Konzepte wären deshalb ein durch Filter im Bewusstsein („Kategorien“) erzeugter Massenwahn und die Vernunft wäre „limitiert“. Die Wissenschaft diene lediglich dazu, den kollektiven Wahn (was Objektivisten „die Realität“ nennen) zu untersuchen, sei aber nicht anwendbar auf die wirkliche Realität, die noumenale Welt. Diese Idee ist nicht identisch mit der christlichen Vorstellung, dass neben der irdischen Realität auch eine transzendente Wirklichkeit existiere, die den Himmel, die Hölle, Gott, Engel und Teufel enthalte. Kant ist Christentum auf Speed: Für ihn ist die irdische Realität schon nicht mehr wirklich real.

Laut Kant seien wir limitiert durch ein Bewusstsein einer bestimmten Art, das so und nicht anders funktioniert, also sei unser Bewusstsein nicht wahrheitsgetreu. Wir sind blind, weil wir Augen haben – taub, weil wir Ohren haben, – wahnhaft, weil wir einen Verstand besitzen, – und die Dinge, die wir wahrnehmen, existieren nicht, weil wir sie wahrnehmen.

Kants Moral ist der Zombiewelt angemessen, die er sich herbeifantasierte. Demnach wären nur Handlungen moralisch, die vollkommen selbstlos, ohne Vorteil jeglicher Art, weder materiell noch spirituell, aus purem Pflichtbewusstsein vollbracht werden. Nur wer böse sein will und überhaupt keinen Anreiz hat, gut zu sein, kann gut sein.

Hegel: Mit Hegel erreichte die Philosophie einen Zustand des reinen Schamanismus. Ihm zufolge existiere die Materie überhaupt nicht, sondern alles sei lediglich „Idee“ (nicht die Idee einer bestimmten Person, sondern einfach „Idee“) und diese Idee beruhe auf einer Über-Logik, die beweise, dass Widersprüche das Gesetz der Realität wären, dass A gleich Nicht-A sei und Allwissenheit über das physische Universum könne erzielt werden, nicht durch die logische Integration von Wahrnehmungen, sondern durch eine Reflektion der „Idee“ in Hegels eigenem Kopf. Dies sei eine Philosophie der „Vernunft“.

Karl Marx: Marx war ein reiner Attila der Philosophie. Ihm zufolge existiere der Geist überhaupt nicht, sondern alles wäre bloße Materie. Diese Materie entwickelt sich durch den dialektischen Prozess von Hegels Über-Logik der Widersprüche. Was heute wahr ist, werde morgen nicht mehr wahr sein. Die materiellen Werkzeuge der Produktion bestimmten den „ideologischen Überbau“ – Maschinen erzeugten das Denken des Menschen, nicht andersherum. Körperliche Arbeit sei die Quelle des Wohlstands, physische Gewalt die einzig wirksame Überlebensmethode. Die Ergreifung allmächtiger Maschinen werde dem Faustrecht Allmächtigkeit verleihen. Dies sei eine Philosophie der Geschichte und der politischen Ökonomie.

Pragmatismus: Philosophie solle den Pragmatikern zufolge rein „praktisch“ sein und auf alle absoluten Prinzipien und Standards verzichten. Eine objektive Realität oder Wahrheit existiere nicht. Das, was funktioniert, sei wahr. Die Realität sei nicht fixiert, sondern flüssig und wandelbar, „indeterminiert“ und es gäbe keinen Unterschied zwischen Bewusstsein und externer Welt, zwischen dem Beobachter und dem Beobachteten. Nur eine allumfassende, unterschiedslose „Erfahrung“ existiere und was man sich wahr zu sein wünscht, das sei wahr, was immer man zu existieren wünscht, das existiere – solange es „funktioniert“ und man sich dadurch besser fühle. Dieses schamanistische Wunschdenken wurde uns angeboten als praktische Philosophie, um auf dieser Welt ein glückliches Leben führen zu können.

Logischer Positivismus: So heißt die Philosophie, die Wissenschaftlern angeboten wurde. Demnach seien Konzepte wie Metaphysik, Existenz, Realität oder Materie oder Geist bedeutungslos und gehe nur die Mystiker etwas an. Die Aufgabe der theoretischen Wissenschaft wäre die Manipulation von Symbolen und die Naturwissenschaftler wären die besondere Elite, deren Symbole die magische Kraft hätten, die Realität ihrem Willen gehorchen zu lassen („Materie ist das, was zu mathematischen Gleichungen passt“). Wissen bestehe nicht aus Tatsachen, sondern aus Worten, die sich nicht auf Objekte bezögen, sondern die willkürliche soziale Konventionen wären.

Wissenschaftler sollten nicht die Realität untersuchen, sondern arbiträre Konstrukte mittels arbiträren Lauten erzeugen und jegliches Konstrukt sei so valide wie jedes andere, da die Erzeugung der Validität nur „Konvention“ wäre und die Definition von Wissenschaft laute, „das, was Wissenschaftler tun“. Die Macht der Wissenschaftler übertreffe demnach die kühnsten Träume antiker Numerologen und mittelalterlicher Alchemisten, aber nur, wenn Wissenschaftler: a) niemals Gewissheit für ihr Wissen beanspruchten, da Gewissheit für den Menschen nicht erzielbar wäre und stattdessen nur „Wahrscheinlichkeiten in prozentualen Anteilen“, wie auch immer man Prozente des Unergründlichen berechnen sollte; b) als absolute Gewissheit behaupten, dass alle Werte außerhalb der Sphäre der Wissenschaft lägen und das die Vernunft nicht in der Lage sei, eine Moral zu entwickeln. Moralische Werte seien eine subjektive Wahl, die durch unsere Gefühle getroffen würde und nicht durch unseren Verstand.

August Comte: Der Gründer des Positivismus vertrat ein „rationales“, „wissenschaftliches“ Gemeinwesen, das auf der absoluten Unterordnung des Individuums unter das Kollektiv beruht, wodurch eine „Religion der Humanität“ erzeugt werde, welche die Gesellschaft als Eratz für die Götter etabliert, die das Blut von Menschenopfern fordern. Comte war derjenige, der den Begriff „Altruismus“ prägte, der bedeutet: Andere höher werten als sich selbst, ihre Interessen über die eigenen stellen.

Nietzsche: Er rebellierte gegen den Altruismus, indem er den Altruismus im Sinne der Aufopferung des Selbst für andere durch die Aufopferung anderer für sich selbst ersetzte. Er behauptete, der Mensch würde nicht durch seine Vernunft, sondern durch sein „Blut“, seine animalischen Instinkte gelenkt werden. Seine Instinkte und Gefühle würden ihn zur Macht über andere führen. Andere Menschen würden geboren, um dem Übermenschen – dem stärksten Raubtier – als Opfer und Sklaven zu dienen.

Der Mensch sei Nietzsche zufolge ein Raubtier, das seinen Launen und Neigungen folgen solle. Nietzsches Ablehnung des Schamanen war die Erhebung Attilas zu einem moralischen Ideal. Vernunft, Logik, Prinzipien wären nutzlos und lähmend, Moral überflüssig, denn der Übermensch stehe „jenseits von Gut und Böse“. Michael Schmidt-Salomon nannte sein Hauptwerk Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind nach diesem „Klassiker“ Nietzsches –  aus Erfurcht vor dem großen Tierphilosophen, der allerdings den Löwen einem „nackten Affen“ vorgezogen hätte. „Ein wahrhaft provokatives Buch mit einer erlösenden Botschaft“, schrieb ein Rezensent. Die erlösende Botschaft lautet, dass wir Tiere wären und so verantwortlich für unsere Taten wie ein Wolf, der ein Schaf reißt. Gewiss ist die Erkenntnis, dass wir aufgrund mangelnder Willensfreiheit für nichts wirklich verantwortlich wären (auch wenn wir aus irgendwelchen Gründen trotzdem keine Verbrechen begehen dürften; ohne dies wirklich entscheiden zu können), erlösend – für jene, denen eine ausgiebige Beichte mehr helfen würde.

Jeremy Bentham:  Ein Verteidiger des „Kapitalismus“, der ihn auf folgender Grundlage verteidigte: Es gelte, das „größte Glück der größten Zahl“ anzustreben. Ein „hedonistischer Kalkulus“ sei die Grundlage der Moral: Bevor man irgendeine Handlung ausführt, müsse man zunächst ale möglichen Formen und Mengen des Glücks berechnen, die alle Menschen betrifft, die möglicherweise durch diese Handlung beeinflusst werden könnten (inklusive einem selbst unter hunderten und tausenden Millionen Menschen). Um ein möglichst großes Gesamtglück zu erreichen, müsse man gegebenenfalls diejenigen opfern, die dem Glück der größten Zahl im Weg stehen. Wenn sich zum Beispiel die meisten deutschen Christen minderwertig und weniger glücklich fühlten durch die Präsenz verdächtig erfolgreicher Juden in ihrer Mitte…

Herbert Spencer: Ein weiterer Verteidiger des „Kapitalismus“, laut dem die Evolutionstheorie und die Anpassung an die Umwelt der Schlüssel für die menschliche Moral wären. Das Überleben der Art gelte es zu bewahren und wer immer für das Überleben der Art wertlos sei, müsse sterben. Die Moral des Menschen bestehe in der Anpassung des Individuums an seine gesellschaftliche Umwelt. Man solle das Glück und das Wohl der „Gesellschaft“ anstreben und der automatische Prozess der Evolution würde allmählich den Unterschied zwischen Egoismus und Altruismus auflösen.

Moderne Philosophie: Die Philosophie im Anschluss an Kant verwarf seine noumenale Welt recht schnell, akzeptierte aber seine phänomenale Welt und ging diesen Weg konsequent weiter. Für „postmoderne“ Philosophen gilt die Realität als bloße Erscheinung, das menschliche Bewusstsein erzeugt willkürliche „Konstrukte“, die mit der Erfahrung oder mit Tatsachen nichts zu tun hätten, rationale Gewissheit sei unmöglich, die Wissenschaft unbelegbar, der menschliche Verstand unfähig und Moral sei dasselbe wie Selbstlosigkeit. Für all dies gibt es nicht den geringsten Beleg.

Heute spielt die Vernunft kaum noch eine Rolle in Philosophie und Gesellschaft. Ein Überbleibsel ist der „gesunde Menschenverstand“, ein letztes Erbe der aristotelischen Philosophie. Unternehmer handeln in ihrem eingegrenzten Bereich auf Grundlage des gesunden Menschenverstandes, während Intellektuelle, Politiker, Künstler ihm auch das letzte bisschen Vernunft noch ausreden wollen. Philosophisch-kulturell liegt der Westen in Trümmern und die kümmerlichen Reste der Vernunftphilosophie, die Wissenschaft und Ökonomie noch aufrechterhalten, versinken in einer Schlammpfütze aus geistiger Verunsicherung und Verwirrung.

Ökonomisch folgen wir der Idee, der Staat als Summe von Individuen könne im Gegensatz zu Individuen unbegrenzt viel Geld ausgeben, ohne dieses einnehmen zu müssen. Die Wissenschaft verliert sich in kosmologischen und quantenphysischen Spekulationen; ihre philosophische Grundlage wurde aufgelöst und sie erhält sich lediglich durch den gesunden Menschenverstand von individuellen Wissenschaftlern und durch eine vage Erinnerung an ihre Geburtsstunde, die Renaissance. Die Vertreter der Aufklärung sind heute keine objektivistischen Vernunftphilosophen, sondern Skeptiker, die sich am religiösen Fundamentalismus weniger darum stören, weil er objektiv falsche Aussagen über die Wirklichkeit macht, sondern vor allem deshalb, weil er für sich eine Sicherheit beansprucht, vor der sie sich fürchten, da sie selbst nicht wissen, was sie denken und warum sie dies tun.

Intellektuelle sind vornehmlich verantwortlich für die Misere und sie sind es, welche jetzt ihre Fehler erkennen und die Missstände beheben müssen.

8 Kommentare zu “Philosophie der Moderne: Attila und der Schamane

  1. Nanomyte sagt:

    „Die Wahrnehmung eines Tieres funktioniert automatisch, der Mensch kann auf der perzeptuellen Ebene seines Bewusstseins nicht überleben.“

    Stimmt beides nicht. Krähen und Affen können gezielt täuschen und bemessen welche Werkzeuge (Harken, Kisten etc.) für eine Aufgabe am Besten geeignet sind.
    Dabei greifen sie auf Erfahrungen zurück, können aber auch selbst neue Problemlösungen durch gedankliche Adaption erarbeiten.
    Das geschieht in den bekannten Dreierschritten Ding Handlung Ding. Sowie Ding Handlung Handlung Ding.
    Was diese jedoch noch nicht vermögen ist Ding mit Eigenschaft X steht zu Handlung als Abstrakt in Bezug mit Y. Das kann der Mensch auch erst ab einem gewissen Alter, sehr gut hier:
    http://hpd.de/node/12791
    In den 12 Teilen von Roth aufgezeigt.

    Das zweite stimmt deshalb auch nicht uneingeschränkt weil, dies nur bei Menschen der Fall ist, die A) Keine Kleinkinder sind, B) Nicht an Demenz leiden und C) nicht irgendeine andere Krankheit oder Störung aufweisen die ähnlich Auswirkungen wie Demenz oder Kleinkindniveau oder Schlimmeres hat.

    • BunteKuh sagt:

      Du glaubst doch nicht, daß Rand derartige Kenntnisse besaß, und – wenn sie derartige Erkenntnisse gehabt hätte – sie an derartigen Feinheiten auch nur einen Gedanken verschwendet hätte.
      Wie alle im mythologischen Denken verhafteten Meisterlehren, geht es ihr darum einen Mythos, eine Geschichte zu erzählen, deren Wahrheitsgehalt sich nicht in einem Evidenzialismus verortet, sondern in der Erfüllung einer psychologischen Funktion.

      Früher erklärte der Schamane, daß der strahlende Mond die Wut eines alten Kriegers war, der von seiner Frau betrogen wurde. Hinterfragt werden musste das nicht.
      Heute erzählen Rand, Steiner oder Wilber die ihre Geschichte. Das klingt dann natürlich schon ganz anders, als so ne Schamanengeschichte. Rationalität, Objektivität, Vernunft. Alles Begriffe, die dort vorkommen. Am Ende bleibt es jedoch ein Mythos, da sich weder die Meister, noch die Schüler aus einem mythologischen Denken heraus lösen können.

      Für den Betreiber dieses Blogs/Magazins ist es ja ganz offensichtlich ausreichend eine solche „Philosophie“-Geschichte (im mythologischen Sinn) zu lesen. Sie befriedigt ihn, erfüllt also eine psychologische Funktion. Mehr muss man nicht wissen. Daß es dort – von dem was ich lesen konnte – von Grobheiten und Falschheiten nur so wimmelte, stört ihn nicht.

      Diese Meisterlehren – wie der Objektivismus eine ist – ist ja wohl eine materielle Grundlage der Existenz ihre Anhänger. Massive und nachvollziehbare Kritik gegen sie, müssen sie irgendwann als ernsthaft bedrohlich empfinden, jedenfalls solange, wie sie rationalen Gründen überhaupt zugänglich sind.
      Dies nur als Warnung hinsichtlich der uns nun erwartenden Reaktionen 😉

      • derautor sagt:

        Einmal mehr kommen wir in den Genuss von rhetorischen Strategien zur Verteidigung des Irrationalen:

        1.) Behaupten, dass die kritische Philosophiegeschichte nicht zutreffe, ohne dies zu belegen. Verbinden mit eindrucksvollen Begriffen, welche die Leser beeindrucken, skeptisch machen und abschrecken werden („Pyrrhonismus“, „Pschologismus“, „Philosophia Perennis“).

        2.) Intellektuelles Gebaren, Demonstrieren der eigenen (vermeintlichen) geistigen Überlegenheit

        „Und bei Kant wurde es dann selbst mir zu doof“

        (Und das, obwohl Kants Position weithin bekannt ist, laut der die Ethik eine Pflichtethik sei und bereits Friedrich Schiller machte sich über Kants extremen Altruismus lustig!).

        „Aus diesem Grund wird sie selbst auch nie einen Platz in der akademischen Philosophiegeschichte finden“
        „Shame on you“

        3.) Ayn Rand als Sektenführerin hinstellen, der nicht zu trauen sei.

        „stets eine Meisterlehre bleiben, wie etwa Steiner, Montessori, Wilber, Freinet“

        4.) Die Philosophie des Gegners dämonisieren.

        „Setze an jeder entsprechenden Stelle oben im Text anstatt DEM TIER (TM) einfach Kleinkind, oder Mensch mit geistiger Behinderung ein.“
        „Willkommen in der barbarischen, irrationalen Zeit von Behinderten- und Kinderrechten.
        Das wäre doch mal nen neues Thema für Dich, oder?“

        5.) Verschleierung / keine Erwähnung der eigenen Position

        Es wäre ja auch peinlich, sie zu erwähnen.

        Übrigens gibt es im Internet zahlreiche interessantere Orte für Trolle, wo sie sich austoben können.

        • BunteKuh sagt:

          Okay Bruder, ich werde künftig keine Fachnegriffe mehr benutzen, wenn die zu wichtigtuerisch klingen. Aber wenn jemand eine Philosophiegeschichte gelesen hat (also eine echte) und meint Philosophia Perennis oder – oh Schreck- Psychologismus wären ganz arg dolle Fachbegriffe, dem würde ich mit Mißtrauen begegnen 🙂 Über den Pyrrho weiß eigentlich auch schon jeder Erstsemetler bescheid, wenn er die Vorlesung zur Antike besucht. So etwa in der 2-3 Vorlesung.
          Und ich kann auch nix dafür, daß es sich um groben Unfug handelte, was ich las: Descartes und seine Träume die er für Realität ausgab und keine Außenwelt zulies. Autsch. Was soll man da anderes machen, als sich lustig ob dieser grobschlächtigen Dummheit. Ernsthaft dagegen Argumentieren? Bruder, bitte… Rand war doch viel zu ideologisch verblendet um Kant (oder sonst einen Philosophen anderer Ansicht) ordentlich rezipieren zu können. Die olle Quatschnuss 🙂

          Meisterlehren sind übrigens keine bösen Sekten, deren Anhänger sich Bohnen in Form ihres Führers neben das Bett stellen. Und wenn ich Deine Meisterin beleidigt habe, so tut es mir leid.

          Das Argument gegen den Reziprozitätgedanken war völlig korrekt und nicht dämonisierend. Kinder und geistig (schwer) Behinderte, sind eben nicht in der Lage reziproke Beziehungen einzugehen, dennoch sprechen wir ihnen Rechte zu, welche wir nichtmenschlichen Tieren nicht zugesehen wollen (auch nicht solchen, die kognitiv viel vitaler sind als ein Gehirngeschädigter). Das Argument hat sooo nen Bart…

          Hochachtungsvoll.

          Die Kuh

          • derautor sagt:

            Schon wieder überhaupt keine Argumente. Schon wieder Geprotze mit deinem unglaublichen Wissen über Fachbegriffe, die man schon in den ersten Vorlesungen erfahre. Geht an meinem Vorwurf natürlich vorbei, laut dem du diese Begriffe einsetzt, um Leute, die sie nicht kennen, zu verunsichern. Warum sagst du nicht einfach, was konkret dir nicht passt, wo sich Ayn Rand konkret irrt, anstatt mich hier den Wahnsinn zu treiben und meine Zeit zu verschwenden! Hast du nicht in der ersten Vorlesung bereits gehört, dass man nicht blöd rumschwadronieren soll, sondern auf die Argumente des anderen eingehen, die Behauptungen des anderen gegebenenfalls widerlegen?

            Du wirst einfach nur mit Beleidigungen um dich. Entweder du argumentierst jetzt ab sofort oder ich lasse dich nichts mehr posten von diesem inhaltsfreien Müll, das raubt mir den letzten Nerv, dieses arrogante und dabei vollkommen argumentfreie Gesülze.

            Geisig schwer Behinderten sprechen wir Rechte zu, weil sie sich in unserer sozialen Sphäre befinden und aus Schutz der Menschenreche. Andernfalls müsste jemand definieren, ab welchem Stadium welcher Krankheit oder welchen Hirnschadens ein Mensch getötet werden darf. Dann sprechen wir lieber jemandem Rechte zu, der kein rationales Wesen ist, aber ansonsten ein Mensch, anstatt dass wir die Rechte aller riskieren.

            Was Ayn Rand über Descartes sagte:

            Prior Certainty of Consciousness:

            Descartes began with the basic epistemological premise of every Witch Doctor (a premise he shared explicitly with Augustine): “the prior certainty of consciousness,” the belief that the existence of an external world is not self-evident, but must be proved by deduction from the contents of one’s consciousness —which means: the concept of consciousness as some faculty other than the faculty of perception—which means: the indiscriminate contents of one’s consciousness as the irreducible primary and absolute, to which reality has to conform. What followed was the grotesquely tragic spectacle of philosophers struggling to prove the existence of an external world by staring, with the Witch Doctor’s blind, inward stare, at the random twists of their conceptions—then of perceptions—then of sensations.

            When the medieval Witch Doctor had merely ordered men to doubt the validity of their mind, the philosophers’ rebellion against him consisted of proclaiming that they doubted whether man was conscious at all and whether anything existed for him to be conscious of.

            Klingt vollkommen logisch für mich und beschreibt den Hintergrund von Descartes berühmter Aussage „Ich denke, also bin ich“. Das Sein hänge vom Inhalt des Bewusstseins ab, wobei der Inhalt des Bewusstseins nicht von Wahrnehmungen komme.

            Noch eine Ergänzung zum besseren Verständnis:

            See, the point Rand is driving home is that you can’t reach the conclusion “I think, therefore I am” before having an external world that “fills” contents for your consciousness to be aware of and to think about. In other words, the primacy is of existence–not of consciousness. Rand correctly rectifies this by saying “I am, therefore I think.” In other words, without the “I am” –a statement of existence, there cannot be the “I think”–a statement made in response to contents of consciousness derived from existence.

            It is important to grasp that consciousness is not an object or substantive of any kind, it is an action. Consciousness is awareness, and one cannot be aware without something of which to be aware. As Rand puts it, a consciousness conscious of nothing is a contradiction.

            To offer a more concrete example: when an athlete is running he is performing an action. Could one remark, about a gym with no one in it, “there is a lot of running in there“? Clearly not. For running to exist, there must be a runner.

            The same is true of consciousness. It is not some mystical force, and nor is it something that can exist without the kind of matter (neural systems of ‘higher’ animals) that possesses the capability of performing the actions of consciousness.

            To be conscious there must be something to be conscious of, and there must be something being conscious! Both instances of the word “something”, in that statement, indicate that existence necessarily precedes consciousness.

  2. BunteKuh sagt:

    Hat die das alles wirklich so geschrieben? Mal im ernst: entweder ist die grobe Wiedergabe so falsch wie nochmal-was und die ahistorischste pseudo Philosophiegeschichte, die es gibt. Oder sie hat sich niemals mit Philosophie beschäftigt.

    Das Mythosdenken (welches auch Rand noch anhängt) des Schamanen sei mit Descartes Mechanismus gleichzusetzen? Das Mittelalter mit seiner Philosophia Perennis als Herrschaft des Schamanen? „Die“ Empriristen, welche ohne konzeptuelle rationale Schemata eine Erkenntnismöglichkeit behaupten? Und Humes Psychologismus, der „den“ Skeptizismus (Pyrrhonismus) als philosophisch redliche Position behauptete? Descartes leugnet eine objektive Außenwelt und erhebt das Wunschdenken zur Realität? Und bei Kant wurde es dann selbst mir zu doof 😉
    Alles eingebetet in einem großen, großen Mythos. Philosophiegeschichte ist das jedenfalls nicht. Rand denkt hier offensichtlich noch mythologisch, was sehr gut passt. Sie meint zur Begründung einer Position reicht es aus, eine Geschichte zu erzählen. Da täuscht sie sich aber.
    Aus diesem Grund wird sie selbst auch nie einen Platz in der akademischen Philosophiegeschichte finden (und sei es noch so eine dümmliche wie ihre eigene), sondern stets eine Meisterlehre bleiben, wie etwa Steiner, Montessori, Wilber, Freinet usw.

    Shame on you 🙂

  3. BunteKuh sagt:

    Nachdem ich nun Ayn van Dänikens Text dazu gelesen habe (danke für das Reinstellen) muss ich davon ausgehen, daß sie dort nicht das schrieb, was in Deiner Zusammenfassung steht. Der Fehler lag also nicht an ihr, sondern an Dir.

    „- sogar die bloße Existenz der Außenwelt, der objektiven Realität, hänge vom menschlichen Bewusstsein ab. Also bestimme das eigene Wunschdenken, was real sei.“

    Rand schreibt das nicht. Es wäre auch offenkundig falsch. Mein sachliches Argument war also: diese Behauptung ist falsch. Rand beging diesen Fehler aber nicht.
    Descartes Meditationes dienen drei Zielen: zum einen zu erweisen, daß Körper wirklich existieren und es also eine Außenwelt gibt (Häckchen); und zum Zweiten und Dritten die Existentz eines (guten) Gottes (Häckchen) und einer unsterblichen Seele (Häckchen) zu beweisen. Deshalb heißt sein Text ja auch: „Meditationen über die Erste Philosophie, in welcher die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit der Seele bewiesen wird.“

    Es ist somit natürlich Quatsch, Descartes als jemanden hintzstellen, der behauptet, es gäbe keine vom Denken losgelöste Ausenwelt, nur weil er diese nicht – so wie Rand – einfach unbewiesen voraussetzt. Er war ja Philosoph und musste seine Position rational begründen und konnte nicht einfach sagen: „es gibt keine Außenwelt? Quatsch. Klar gibt es die, auf was sonst soll sich unser denken sonst beziehen?!“
    Der letzte Teil ist im Übrigen ein klassisches Argument gegen Descartes, wie im Text richtig gesagt wird. Es beweist aber auch nicht, daß es eine objektive Außenwelt geben muss, sondern lediglich das, was Husserl als Intentionalität bezeichnet.

    Das Wort Wunschdenken kommt in dem Text auch nicht vor. Es wäre auch offensichtlich Blödsinn. Descartes erhebt nicht das Wunschdenken zum Prinzip (so wie die Meisterlehren), sondern Erprobt durch seinen radikalen Zweifel, wo die Grenzen dessen liegen, was ich wissen kann und was nicht.

    Du hast Rand falsch verstanden, oder aus Zwang an einer pointierten Darstellung die Idee Descartes gehaltlos werden lassen. Beides zeigt mir, daß Du kein guter Philosoph sein kannst (ja im Grunde kein guter Wissenschaftler) 🙂 Mich dünkt, die anderen falschen Zusammenfassungen haben ähnliche Ursachen.

    Es freut mich anbei, daß du in dieser Antwort ein bisschen aggressiver geworden bist, insbesondere durch die Drohnung mich hier zu sperren. Es freut mich deshalb, weil das eine natürliche und menschliche Reaktion ist, die die Banalität aufgesetzter, überlegener Dalai-Lama-Gleichmut und einem vorgeschobenen Postulat des freien Meinungsaustauschen im Sinne eines Liberalismus (oder was Du dafür hältst) immerhin durchbricht. Sie zeigt Dich als einen Menschen, der eine starke Überzeugung hat, welche zu kritisieren (oder sich sogar über sie lächerlich zu machen) als persönlicher Affront beahndet wird.
    Als Kritiker freue ich mich, diese menschliche Reaktion hervorgerufen zu haben.

    • derautor sagt:

      Ich habe jetzt ihre Formulierung direkt übersetzt. Meiner Ansicht nach folgt jedoch das, was ich schrieb, aus Rands Kritik an Descartes. Das ist auch Rands Vorwurf: Wie der Schamane gehe Descartes von seinem Bewusstsein aus (das nicht von Wahrnehmungen abhänge) und schließe daraus auf die Existenz der Außenwelt. Descartes kann auf diese Art also nicht die Existenz der Außenwelt beweisen, sondern die Außenwelt ist die Voraussetzung für den Vorgang des bewussten Wahrnehmens der Außenwelt. Wobei Intentionalität meiner Meinung nach auch von der Existenz einer Außenwelt abhängt. Wir erzeugen ja im Geist Modelle der Außenwelt auf Grundlage unserer Wahrnehmungen.

      „Sie zeigt Dich als einen Menschen, der eine starke Überzeugung hat, welche zu kritisieren (oder sich sogar über sie lächerlich zu machen) als persönlicher Affront beahndet wird.“

      Du hattest auf eine gewisse Reaktion gehofft, dir nun eingebildet, ich hätte sie geäußert, um nun deine vorbereitete Reaktion hier reinzustellen. Das Problem besteht nur darin, dass ich dir die gehoffte Reaktion eben nicht geliefert hatte: Ich schrieb deutlich genug, dass du konkret aufzeigen solltest, wo die angeblichen Fehler liegen, dass du argumentieren solltest. Dann stört mich die Kritik auch nicht, sondern ich würde meine Fehler oder Unklarheiten verbessern (was ich ja auch gemacht habe). Vielmehr schrieb ich, dass du eben nicht argumentierst, sondern einfach nur Ayn Rand denunzierst, ohne konkret zu werden. Und DAS geht nicht. Im Übrigen zeigen solche Fehler, die du ständig begehst, dass es mit deinen philosophischen Künsten auch nicht weit her sein kann.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.