Gauck is my President!

 

Meine Reaktion auf die Ernennung von Joachim Gauck als Bundespräsidenten ist so vorhersehbar, dass ich sie erst gar nicht erwähnen wollte. Gaucks Positionen entsprechen weitgehend meinen eigenen:

1. Kommunismus

Er unterschrieb 2010 die Erklärung über die Verbrechen des Kommunismus.

Sie fordert unter anderem mehr Unterricht über kommunistische Verbrechen, Strafverfolgung von kommunistischen Verbrechern durch die Schaffung eines internationalen Gerichts innerhalb der EU für die Verbrechen des Kommunismus, die Errichtung einer Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus (wie das amerikanische Denkmal für die Opfer des Kommunismus), und die Verringerung der Renten und Sozialleistungen für kommunistische Täter.[2]

Martin Mejstřík formulierte u.a. die Forderung: „Genau wie die Verbrechen des Nationalsozialismus im Nürnberger Prozess müssen auch die kommunistischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit von einem internationalen Tribunal verurteilt werden“.

Alles davon halte ich für sehr unterstützenswert. Wer schon einmal mit linken Humanisten über den Kommunismus gesprochen hat und Dinge vernehmen musste wie, „Nach Stalin war Russland auf dem Weg zur Demokratie“, „Ronald Reagan war schlimmer als Michail Gorbatchov“, „Reagan war ein Faschist, weil er die Contras in Nicaragua unterstützte (anstelle der Kommunisten!)“ – der weiß, dass eine Behandlung des Kommunismus im Schulunterricht ebenso wichtig wäre wie eine Behandlung der Nazis. Die Meinung von vielen linken Intellektuellen im Westen über Sowjetrussland hat mit der Realität überhaupt nichts zu tun.

Ebenso sind kommunistische Gulag-Leiter einfach davongekommen, während die Nazis wenigstens streckenweise und symbolisch vor Gericht gezerrt wurden.

Außerdem war Gauck Mitautor des Schwarzbuch des Kommunismus.

2. Linkspartei

Gauck warf der Linkspartei eine „Affinität zur totalitären Herrschaft“ vor und bestritt die Bindung der Linkspartei an das „europäische Demokratieprojekt.“ Außerdem sprach er sich für eine Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz aus.

3. Occupy Wallstreet 

Die Anti-Kapitalismusproteste im Verlaufe der Finanzkrise hielt Gauck für „ungemein albern“. Ferner: „Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren“, sagte er bei einem ZEIT Matinee. Wer wolle „dass es allen gut geht, dass es eine Streuung des Eigentums gibt, Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand“ und „ein soziales Netzwerk, was diesen Namen verdient“ muss sich nach Gaucks Überzeugung „einen sehr gut funktionierenden Kapitalismus wünschen“.

„Wer die Freiheit liebt, wird sich dahin bequemen müssen, Freiheit auch in den Wirtschaftsprozessen zu wollen”, fordert er. Einen „dumpfen unaufgeklärten Antikapitalismus“ hingegen lehnt Gauck ab, weil dessen Konzepte nicht wirkten; selbst die Ostdeutschen und die linken Professoren seien „darauf gekommen, dass wir keinen neuen, dritten Weg ersinnen konnten“.

Der „Dritte Weg“ soll eine Alternative zu Kapitalismus und Zentralverwaltungswirtschaft sein, allerdings hat der Begriff keinen Inhalt und im Effekt sind Befürworter des Dritten Weges nur daran interessiert, das System zu zerstören.

 4. Wikileaks

Die Veröffentlichung von „gestohlenem Material“ durch Wikileaks kommentierte der DDR-Bürgerrechtler wie folgt: „Das kann ich nicht akzeptieren, dass das gefeiert wird, das ist ein elementarer Verlust von Recht.“

 5. Agenda 2010 / Hartz 4

„Wir stellen uns nicht gern die Frage, ob Solidarität und Fürsorglichkeit nicht auch dazu beitragen, uns erschlaffen zu lassen.“ Es würde „immer noch der Traum von der Obrigkeit geträumt, die es gut mit uns meint und in deren Obhut wir uns gefahrlos begeben können“.

 6. Sarrazin-Debatte

Er urteilte über Sarrazin: „Er hat über ein Problem, das in der Gesellschaft besteht, offener gesprochen als die Politik.“ Die politische Klasse könne aus dem Bucherfolg Sarrazins lernen, dass „ihre Sprache der politischen Korrektheit bei den Menschen das Gefühl weckt, dass die wirklichen Probleme verschleiert werden sollen“

7. Stuttgart 21

Mit Blick auf die Proteste beim Bahnprojekt Stuttgart 21 warnte Gauck vor einer Protestkultur, „die aufflammt, wenn es um den eigenen Vorgarten geht“. Die deutsche Neigung zu Hysterie und Angst nannte er „abscheulich“.

8. Atomausstieg

Man könne wichtige politische Entscheidungen, wie etwa den Ausstieg aus der Kernkraft, nicht von der Gefühlslage der Nation abhängig machen. Genau das aber tue die Regierung Merkel, weil die Furcht vor der nächsten Wahlniederlage das politische Handeln dominiere. „Ich fürchte mich vor einem modernen Politikertyp, der völlig auf Inhalte verzichtet“, so Gauck.

Fazit

Wie jene, die mein Magazin schon seit längerer Zeit kennen, unschwer erkennen können, ist Joachim Gauck sehr weitgehend meiner Meinung. Also finde ich es natürlich großartig, dass er endlich Bundespräsident geworden ist!

Literatur

„Freiheit. Ein Plädoyer“ ist eine Neuerscheinung von Joachim Gauck – darin schreibt er zum Beispiel:

Die universellen Menschenrechte seien ein gemeinsames Gut der Menschheit. „Und wir dürfen und müssen gegenüber kommunistischen, fanatisch-islamistischen oder despotischen Staaten über ihre Verletzung sprechen; denn als Menschen sind wir verpflichtet, die Menschenrechte unserer Mitmenschen zu verteidigen.“

Der Preis ist allerdings unverschämt für das kleine Büchlein – 8,99 Euro für die Kindle-Version bei 64 Seiten. Vielleicht sollte man noch warten, bis es günstiger wird.
http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=terrrott-21&o=3&p=8&l=as1&asins=B00797EEJK&ref=qf_sp_asin_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Politik.

13 Kommentare zu “Gauck is my President!

  1. Carsten sagt:

    sehr schön – jetzt wissen wir ja, was Herr Gauck NICHT mag. Wichtiger wäre es doch zu wissen, für was er einsteht oder?

    Ich meine Verfolgung von „Kommunistischen Straftaten“ ist ja schön, brennt aber aktuell nicht unbedingt unter den Nägeln …

    Schön Occupy Wallstreet ist nicht das Non-Plus-Ultra und ein funktionierender Kapitalismus wäre ja so viel freier, aber was haben wir den jetzt? Wir füttern Unsummen in die Rachen gieriger Banker für nichts? Man schaue sich nur Griechenland an letztlich versickert jeder Cent in irgendeiner „systemrelevanten Bank“ und die Bürger dort gehen den Bach runter … schön! Wer die Börsen für ein funktionierendes System für die Wohlstandssicherung aller hält hat wohl irgendwas nicht mitbekommen oder hat das nötige Kleingeld für solche Meinungen ….

    Die ganzen anderen hier genannten Punkte gehen in die gleiche Richtung: man will eben „frei/liberal“ sein und deshalb gibts nur schwarz und weiß – was mich ganz besonders stört ist, das ein angeblicher „Bürgerrechtler“ etwas gegen eine „Protestkultur“ haben soll, speziell wenn er aus dem Osten kommt…

    • derautor sagt:

      Man muss ja nicht jede Protestkultur gut finden. Saddam Husseins Anhänger bildeten auch eine im Westen einflussreiche Protestkultur.

  2. Wafthrudnir sagt:

    Ihr Deutschen habt so ein Glück, oder vielleicht hat es mit Glück gar nicht so viel zu tun, wenigstens einen Politiker zu haben, der so etwas wie Charakter und Courage hat.
    Ich nehme übrigens an, dass Gauck auch nie Nahbeziehungen zu Nordkorea hatte, was ja in anderen Ländern auf dem Weg zum Präsidentenamt durchaus hilfreich sein soll (http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Fischer).

    • Robson Bottle sagt:

      Und wo ist in diesem Wiki-Link die „Nahbeziehung“ Heinz Fischers zu Nordkorea zu finden und welcher Art ist diese Beziehung?

  3. BunteKuh sagt:

    Ossi und Pfaffe. Als ob eines alleine nicht schon schlimm genug wäre!

  4. Robson Bottle sagt:

    Zitate von oben:
    „Meine Reaktion auf die Ernennung von Joachim Gauck als Bundespräsidenten ist so vorhersehbar, dass ich sie erst gar nicht erwähnen wollte.“ …
    „Also finde ich es natürlich großartig, dass er endlich Bundespräsident geworden ist!“
    Wie in seinen anderen Artikel auch, offenbart der Autor hier wieder einmal schamlos sein wirklich erstaunliches Un- bzw. Halbwissen, zumindest aber eklatante Unkorrektheiten.
    Der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland wird nicht ernannt, sondern von der Bundesversammlung gewählt, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach am 18. März 2012! Bis dahin übernimmt der amtierende Bundesratspräsident Horst Seehofer kommissarisch das Amt des Bundespräsidenten.
    Selbst von einem journalistischen Amateur sollte man doch erwarten dürfen, dass grundsätzliche und gesetzlich festgeschriebene Tatsachen korrekt dargestellt werden. Ansonsten fällt es nicht nur mir schwer dieses „Magazin“ in irgendeiner Weise ernstzunehmen.

  5. Martin sagt:

    Je nun…. er meinte natürlich die Ernennung als Kandidat auf das Amt des Bundespräsidenten.

    • Robson Bottle sagt:

      „Je nun“, er meint offenbar öfter was anderes als er hier veröffentlicht!

      • derautor sagt:

        Die moderne Kunst muss ja unglaublich zerbrechlich sein, wenn es Ihnen so sehr zu Herzen geht, was irgendein Blogger darüber sagt und Sie nun jeden potenziellen kleinen Fehler nutzen, um dieses Magazin zu diskreditieren. Sie können den Unsinn ruhig irgendwann mal bleiben lassen, es ist einfach peinlich – nicht für mich, sondern für Sie. Offensichtlich gibt es genug Menschen, die mit moderner Kunst etwas anfangen können und den einen Abweichler werden Sie hoffentlich überleben!

        • Robson Bottle sagt:

          Na ja, peinlich ist zuerst mal das, was Sie hier liefern und nicht nur in diesem Artikel! Und ihre Artikel sind eben nicht für mich peinlich, sondern für Sie! Ist einfach so! Können Sie glauben! Sie zeigen hier dankenswerterweise ganz beispielhaft und anschaulich, wie stümperhaft sie in ihren Texten und Themen vorgehen. Das konnte ich nicht unkommentiert lassen. Aber bitte, ich lasse Sie jetzt in Ruhe, ist ja alles gesagt und gezeigt.

          • Martin sagt:

            Eher nicht, Robson. Schreibfehler und Vertipper sind weder auf Blogs noch in Foren wirklich peinlich, beides wird normalerweise zeitnah und in recht engem Zeitrahmen geschrieben, das kommt also vor.
            Zum Fremdschämen ist aber, wie auf jedem Ihrer Beiträge Ihre verletzte Eitelkeit spricht.
            Es scheint so, als sei der Hauptzweck Ihrer Kunst, Anerkennung zu finden und Ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Klappt das nicht, dann zetert und keift der Künstler, wie das verzogene, nutzlose Kind, das er eben ist. So doch, oder?

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