Warum die Deutschen? Warum die Juden?

Nun endlich ist meine Rezension von Götz Alys neuestem Werk Warum die Deutschen? Warum die Juden? fertiggestellt, das zu den Büchern gehörte, die meine abgedrehte Harry-Potter-Parodie Terry Rotter und das Feuer der Freiheit beeinflussten; dort bitte etwas runterscrollen:

http://www.terryrotter.de/einfluesse/einflusse-3/

Der Historiker Götz Aly spinnt ebenso wie Joachim Gauck und meine bescheidene Geringfügigkeit mit seiner ewigen Gleichsetzung von Rechts- und Linkssozialismus. Vorbildlich!

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3 Kommentare zu “Warum die Deutschen? Warum die Juden?

  1. MałyFelek sagt:

    Lieber Autor, sehr interessanter Artikel, ich werde mir das Buch so schnell wie es geht ausleihen und lesen.

    Persönlich halte ich die Juden als Gruppe nicht unbedingt für intelligenter per se, hier kam einiges zusammen-Zum einen der Ausschluss aus Berufen wie dem Handwerk und Diskriminierung, welches dazu führte, dass sich die jüd. Gemeinschaft mehr solidarisieren musste um durchzukommen.Und Solidarität zeichnet m.A.n eine gesunde Gesellschaft aus.Zum anderen kommt die Grundeinstellung der jüd. Religion hier sicherlich günstig:Statt das Leben als ein Jammertal (Christen) zu sehen macht man das Beste daraus, Sexualität wird positiv besetzt, Arbeit ebenso,Geld ist, grundsätzlich, eine Gabe Gottes ect.Sehr diesseitsgebunden also (ein liberaler Rabinner hat mir einmal gesagt man könnte auch als Atheist konvertieren solange man kein Antitheist sei, weil die Praxis wichtiger ist als der Glaube).Als die Diskriminierung dann langsam aufgehoben wurde, haben diese Menschen halt gezeigt was sie draufhaben (Koreaner in Japan sind hier nicht viel anders).Zum Neid des Restes.

    Was mich in diesem Zusammenhang aber sehr interessiert ist ein anderer Sachverhalt,nämlich waren Juden in weiten Teilen Europas unbeliebt. Ich denke da an die Dreyfussaffäre in Frankreich. Oder die Missgunst jüd. Studenten gegenüber in Österreich (da diese überproportional häufig repräsentiert waren…ditto,Neid).In Polen verlangten (und erreichten, zum Teil) Antisemiten des Radikal-Nationalen-Lagers, dass jüd. Studenten ins „Bank-Getto“ mussten (also seperat sitzen mussten). Nun verstehe ich aber nicht, warum ausgerechnet es die Deutschen waren, die auf die Idee kamen Menschen jüd. Glaubens fabrikmässig zu vernichten. Ich habe mich mit den Antisemitismen in Europa beschäftigt und,nehmen wir hier Polen als Beispiel, nur in Deutschland wurden Juden als minderwertige Rasse gesehen die man zerstören muss.(In Polen gab man offen zu was Götz Aly schreibt,nämlich, dass die Juden zu reich waren, es wurde verlangt, sie zu Assimilieren und dem Rest anzugleichen, die schlimmsten Antisemiten wollten Israel gründen und durch Diskriminierung die Menschen zur Emmigration bringen. Viele Antisemiten halfen übrigens,als Christen, Verfolgten Juden trotzdem sich zu verstecken…).Kurzum, hier die Fragestellung-Was ging in der Mentalität des dt. Volkes derart schief dass,statt einfach nur die Emmigration zu erzwingen, die Vernichtung gewählt wurde? Oder war das nur der Persönlichkeitsstörung Hitler/Himmlers zu verdanken? Wäre gespannt auf Deine Antwort.

    • derautor sagt:

      Das war sicher nicht auf Einzelne zurückzuführen. Vielleicht kamen zu viele Faktoren auf einmal zusammen, darunter die Wirtschaftskrise, die Deutschland aufgrund seiner ohnehin starken Verschuldung durch die Versailler Verträge noch stärker getroffen hat als andere Länder. Die deutschen Christen mussten es ertragen, sehr viel zu arbeiten, aber sie durften ihr Geld nicht behalten und der Stagnation nicht entkommen (wovor Keynes berechtigterweise gewarnt hatte). Obendrein galten sie international als moralisch verantwortlich für den Ersten Weltkrieg. Da fiel die Aufarbeitung der ja durchaus realen Verantwortung der Deutschen für den Krieg offenbar besonders schwer und da kam ein Sündenbock gerade recht.

      Die Schuld an ihrer Misere, die überwiegend ihre eigene war, haben die meisten Deutschen auf eine Minderheit verschoben, deren Auslöschung die Auslöschung ihres erdrückenden Schuldgefühls und ihres blinden, nihilistischen Hasses bedeutet hätte – und vielleicht ja auch wirklich bedeutet hat, bedenkt man die massive Leugnung der eigenen Verantwortung am Holocaust der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Das ist eigentlich das Gruseligste an der Sache aus psychologischer Sicht: Vielleicht hat die Vernichtung von sechs Millionen Juden tatsächlich die unerträgliche Anspannung und den blinden Selbsthass aufgelöst und man hat ruhigen Gewissens die Sache hinter sich gelassen und sich am Wirtschaftswachstum der kommenden Jahre erfreut. Vielleicht ist das auch der Grund, warum viele Deutsche sich als Hobby-Israelkritiker betätigen.

      • MałyFelek sagt:

        Hmm, ok,klingt einleuchtend.Ich hoffe, die Frage ist nicht allzu lästig,aber als in Deutschland lebender Pole interessiert mich diese Frage einfach ungemein und ich habe noch keine vollständige Erklärung gefunden.
        Aber dann bleibt für mich doch die Frage warum andere Völker nicht so reagiert haben. Ich meine (als Hobbyhistoriker), dass die Lage in Polen ähnlich schlecht war aber trotzdem, obwohl einige (besagtes National-rad. Lager) tatsächlich die Juden verantwortlich machten, wo kam keiner auf die Idee man müsste sich vernichten, und zwar total.(ich möchte das Nat.-rad. Lager auch nicht schönreden, aber es ist doch,zumindest für mich, ein grosser Unterschied,ob man jemanden nur weghaben möchte oder ermorden möchte).Das ist das, was mich so…entsetzt. Dass hier psychologische Projektion am Start war glaube ich auch (wie in Ruanda wurden den „Anderen“ alles unterstellt,was man dann selbst gemacht hat). Mich wundert aber, warum die Deutschen so weit gegangen sind, ob da nicht noch was in der Erziehung der Allgemeinheit lag oder dergleichen. Du schreibst „Auslöschung die Auslöschung ihres erdrückenden Schuldgefühls und ihres blinden, nihilistischen Hasses bedeutet hätte „. Ich habe das Gefühl das es vielleicht so einer Art verletzter narzistischer Stolz.Zuerst sollte die Welt am Deutschen Wesen genesen und so weiter, später zerschellte diese Phantasie an der Realität…Und da Narzisten keinen Selbstmord begehen muss dann jemand anderes daran glauben…Auf jeden Fall stimme ich Dir voll zu, die Verleugnung ist tatsächlich vorhanden, meiner Ansicht nach auch in Form von Unwissenheit gepaart mit Desinteresse (so ist mir in Gesprächen aufgefallen dass den meisten Deutschen gar nicht bewusst ist wie sehr die besetzten Länder gelitten haben,sehr viele meinen, das wäre ja nicht sooo schlimm gewesen ect. Ohne dass sie irgendwie eine Ahnung hätten)Das ich in Deutschland so viele Israel“kritiker“ (=ahnungslose,nervige,pseudo-moralische,Verzeihung, Hasser) getroffen habe hat mich zuerst ziemlich erstaunt, aber wenn Du Recht hast mit deiner Idee dann wäre das nur die logische Konsequenz.Wirklich erschreckend…..

        Gefühl der

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