Und erlöse uns von den Doofen

Es lohnt sich, Keine Macht den Doofen? von Michael Schmidt-Salomon etwas näher zu betrachten. Die Leute bewerten das Buch viel zu gut auf Amazon, das kann so nicht weitergehen.

Es folgt ein Einblick in verschiedene Aspekte jener Polemik. Zuerst stelle ich eine Frage an das Buch, diese beantworte ich auf dessen Grundlage, belege die Antwort mit Zitaten und dann erkläre ich meine Einwände. Wenn wir uns exorbitante Rezensionen denn noch leisten können – vielleicht müssen wir Michael Schmidt-Salomon in Zukunft vorher fragen.

1. Wer ist unaufgeklärt?

Antwort: Konservative

Zitat: „Die mächtige Internationale der Doofen, der Engstirnigen, der ewig Gestrigen, der hoffnungslos Zurückgebliebenen“, „sind wir womöglich genauso verbohrt, genauso vorurteilsbeladen, genauso engstirnig wie sie?“, „Nur wir sind irrsinnig genug, unser Leben für pure Fiktionen wie ‚Gott‘ und ‚Vaterland‘, ‚Ehre‘ und ‚Ruhm‘ aufzuopfern“

Einwand: MSS schreibt nichts über die mächtige Internationale der Utopisten, der verblendeten Idealisten, der Wirtschaftsprotektionisten, Sozialisten, Kommunisten. Er fragt nicht: „sind wir womöglich genauso naiv, geschichtsvergessen, genauso realitätsfern wie sie?“

Ausschließlich Konservative sind laut Schmidt-Salomon unaufgeklärt. Sogar den Grünen wirft er vor, „fundamentalistisch“ die Gentechnik abzulehnen, also auch sie handeln aus konservativen Motiven und nicht aus linkem Utopismus.

Man könnte natürlich anmerken, dass die Rückkehr zur primitivsten Gesellschaftsform, dem altruistischen Kollektivismus – Kapitalismus und dessen Anerkennung der Individualrechte, darunter das Recht auf Privateigentum, gibt es erst seit dem 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung -, im Grunde konservativer ist als alles, was MSS so vehement abzulehnen glaubt. Dass man Menschen und ihr Eigentum den angeblichen Interessen eines Kollektivs opfern darf, das haben schon Steinzeitmenschen praktiziert. Die Anerkennung hingegen, dass jeder von uns der Eigentümer seines eigenen Lebens ist, das ist progressiv. Überhaupt setzt der Kapitalismus erst sämtliche kreativen Kräfte frei, die MSS angeblich so am Herzen liegen.

Und heute noch, nach dem Zusammenbruch der meisten sozialistischen Länder, wo wir uns direkt ansehen können, wie Kuba und Nordkorea aussehen, heute noch von staatlicher Umverteilung als Mittel zur Weltverbesserung zu sprechen – da gehört eine Engstirnigkeit dazu, die wahrhaft ihresgleichen sucht.

2. Wer erlöst uns von der Dummheit?

Antwort: Michael Schmidt-Salomon

Zitat: „Wer aber will es sich schon verscherzen mit den hochdekorierten Repräsentanten des Staates, der Gesellschaft, der Religion?“ [Anm: wirklich jeder! Wer bitte ist heute kein „mutiger“ Kritiker von Politikern, Gesellschaft und sogar Religion? Es gibt die Systemtreuen nicht mehr, gegen die MSS anschreibt, sondern es gibt „Wutbürger“], „Und so werde ich mir hier die Narrenfreiheit erlauben, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, auch wenn ich dadurch alle Chancen verspiele, in die Liga der ernst zu nehmenden Gentlemen aufgenommen zu werden“ [Anm: Von wem ernst genommen? Da MSS ständig im Fernsehen auftaucht, wird er doch wohl genug ernst genommen),

„Es könnte sein, dass nach diesem Buch ein Sturm der Entrüstung über mich hereinbricht, möglicherweise aber trifft das, was ich in „Keine Macht den Doofen!“ geschrieben habe, das Denken und Empfinden vieler Menschen. Ich habe mir beim Schreiben dieses Buchs ganz bewusst keine Gedanken darüber gemacht, wie es bei den Lesern ankommen wird. Das ist vielleicht auch der eigentliche Reiz des Buchs: Ich habe den „inneren Zensor“ ausgeschaltet, um die Dinge möglichst hart, klar und ehrlich formulieren zu können – ohne Rücksicht auf Verluste. Nicht ohne Grund ist der Held des Buchs das Kind aus Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“, das den Mut hat, auszusprechen, was „vernünftige Erwachsene“ niemals aussprechen würden, nämlich dass der Kaiser nackt ist und die Repräsentanten der Macht einem einzigartigen, grotesken Schwindel aufsitzen…“ (aus einem hpd-Interview zum Buch).

„Glauben Sie mir: Könnte man aus dem Club Homo sapiens demens austreten, so, wie man einem miesen Sportverein, einer von Idioten durchsetzten Partei, einer von Schwachköpfen dominieren Glaubensgemeinschaft die Mitgliedschaft aufkündigt – ich hätte es längst getan.“

Einwand: Dass Schmidt-Salomon seine eigene Bedeutung in der Weltgeschichte optimistisch einschätzt, wurde schon klar, als er auf den letzten Seiten von Jenseits von Gut und Böse befürchtete, jemand könnte auf Grundlage seines Buches eine Religion gründen. Nun hat er das beschränkte Reich seiner irdischen Mitbürger verlassen und ist endgültig zum Olymp aufgestiegen.

3. An welchen Werten sollen wir uns orientieren?

Antwort: An christlichen Werten

Zitat: „Die menschliche Hybris, im Mittelpunkt des Kosmos zu stehen, ist wohl die dümmste und politisch verheerendste Wahnidee, die Homo demens je hervorgebracht hat […]“, „Aus der Selbstüberschätzung des Menschen erwächst jene verhängnisvolle Selbstgerechtigkeit […], „Denn der Zins führt nicht nur zu einem in der Realität auf Dauer kaum realisierbaren Wachstumszwang der Wirtschaft […] sondern auch zur strukturellen Umverteilung des Vermögens von Arm auf Reich, die – sofern keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden – mit der Zeit so weit voranschreitet, dass der gesamte Wirtschaftskreislauf zusammenbricht.“, „Fairerweise muss man darauf hinweisen, dass sowohl die Thora, die Bibel als auch der Koran den Gläubigen Zinswirtschaft verbieten.“

Einwand: Superbia, der Hochmut (Hybris bedeutet ursprünglich die Anmaßung des Menschen, in die göttliche Sphäre einzugreifen, sich mit den Göttern zu vergleichen) ist eine der sieben Todsünden. Christlich-konservative Prediger und Schriftsteller wie Jonathan Swift wüteten beständig gegen den Hochmut, erinnerten an die Beflecktheit des Menschen mit der Ursünde und verglichen ihn mit schmutzigen Tieren (den Yahoos).

Die Ablehnung der Zinswirtschaft geht auf das finstere Mittelalter zurück, als Christen kein Geld verleihen durften und sich daher bei Juden welches leihen mussten. Man warf den Juden vor, keine reale Leistung zu erbringen. Das war natürlich nicht korrekt: Jüdische Zinsverleiher mussten das Geld erst erwirtschaften, das sie verliehen und sie mussten den Geldverleih organisieren. Christen liehen sich das Geld freiwilig von ihnen und es passte ihnen nicht, dass sie dafür eine Gebühr entrichten mussten; außerdem waren sie eifersüchtig auf die Juden, weil sie selbst kein Geld verleihen durften. Linke Sozialisten haben den Wucher-Vorwurf später übernommen und ihn statt auf die Juden auf „Kapitalisten“ und eine anonyme „Finanzwirtschaft“ übertragen.

Schmidt-Salomons kollektivistische Sichtweise auf die Zinswirtschaft – die für den Mainstream der keyne’schen Voodoo-Ökonomie typisch ist –  versperrt den Blick darauf, was auf individueller Ebene tatsächlich vor sich geht: Jemand leiht sich unter ihm bekannten Bedigungen freiwillig Geld aus – meist, um es zu investieren – und muss dafür eine Gebühr entrichten. Aus Sicht des Zinsverleihers ist diese Gebühr eine Gegenleistung für die mit viel Arbeit verbundene Organisation des Geldverleihs, der zudem erst die Erwirtschaftung des später verliehenen Geldes erfordert. Dagegen ist im Prinzip überhaupt nichts zu sagen. Der Geldverleih wurde erst nach Abkopplung vom Goldstandard und durch weitere staatliche Eingriffe zum Problem, weil das verliehene Geld somit nicht mehr durch reale Werte (Gold) gedeckt war. Das ist aber nicht die Verantwortung der Geldverleiher, sondern alleine die Schuld von Befürwortern der Mischwirtschaft und der Defizitfinanzierung. Wie Michael Schmidt-Salomon.

4. Wer soll die Erde beherrschen?

Antwort: Tiere

Zitat: „Wir haben die Böden vergiftet, die Luft verpestet, die Meere überfischt, die Wälder gerodet. Wir haben innerhalb eines schlappen Jahrhunderts Ressourcen ausgeplündert, die über Jahrmillionen entstanden sind, und im Gegenzug Technologien erfunden, die ganze Landstriche über Jahrtausende unbewohnbar machen“, „Es wäre unfair, hocheffiziente Bienenarbeiterinnen mit Homo demens zu vergleichen.“, „[Aber wissen Sie auch, dass] Kühe über den Verlust ihrer Kälber weinen und in der Stallhaltung regelrechte Depressionen entwickeln?“

„Wir aufrecht gehenden Affen glauben doch allen Ernstes, über den Naturgesetzen zu stehen und uns mit unserem ‚freien Willen‘ für ‚das Gute‘ oder ‚das Böse‘, das Wahre oder das Falsche das Schöne oder das Hässliche entscheiden zu können.[Anm: Relativismus pur!] In Wahrheit jedoch sind sämtliche Entscheidungen, die wir treffen, und auch sämtliche Eigenschaften, die wir besitzen, von Ursachen bestimmt: Fakt ist: Jeder von uns kann in jedem Moment seines Lebens nur genau so klug, attraktiv, liebevoll, gerecht etc. sein, wie er es aufgrund seiner jeweiligen Anlagen und Erfahrungen in exakt diesem Moment sein muss.“

Einwand: Die Überlebensmethode des Menschen ist die Beherrschung der Natur. Es zeichnet den Menschen aus, dass er eben nicht nur ein Teil der Natur ist, sondern im Gegensatz zu anderen Lebewesen die Gesetze der Natur erkennen und sie für sein eigenes Überleben nutzen kann (und muss!). Während Tiere während einer Dürre verdursten, baut der Mensch Bewässerungsanlagen. Während Tiere in den Fluten einer Überschwemmung ertrinken, baut der Mensch Dämme. Während Tiere in eisigen Wintern erfrieren, baut der Mensch Heizungen. Ohne den freien Entschluss, durch Gebrauch seines Verstandes leben zu wollen, würde der Mensch sterben.

Schmidt-Salomons Anmerkungen über weinende Kühe mit Depressionen sind der Gipfel der Disneyfizierung von Tieren. Tiere haben (wenn überhaupt) ein automatisches Bewusstsein, ihr „Weinen“ ist eine instinktive Reaktion. Manche Menschen sind besonders sensibel und weinen häufig, weil sie bestimmte Erfahrungen gemacht haben und über diese auf eine bestimmte Art nachgedacht haben. Ich weine so gut wie nie, weil es, insofern im sozialen Kontext angewendet, eine Manipulationsmethode ist, die Mitleid erzeugen will statt rationale Zustimmung. So auch das Gerede über die armen Kinder der Dritten Welt, die „Schere“ zwischen Arm und Reich, die Ermahnung des Menschen für seine Naturzerstörung und der ganze andere Blödsinn, der in dieser Streitschrift zum tausendsten Mal versammelt wurde.

Wir sollen nicht rational darüber nachdenken, ob die staatliche Missachtung des Grundrechts auf Privateigentum zu Gunsten von Diktatoren und plündernden Stammesfürsten in der Dritten Welt eine gute Idee ist. Wir stimmen entweder der Entwicklungshilfe und der Einkommensumverteilung zu, oder wir haben „kein Mitleid“.

Schmidt-Salomon glaubt, Menschen wären auch Tiere, die automatisch funktionieren, ohne freie, bewusste Reflektion, und darum empfindet er so viel Mitleid mit Kühen. Der Unterschied zwischem ihm und einer Kuh ist seiner Meinung nach viel geringer als der Unterschied zwischen mir und einer Kuh in meiner kleinen Welt.

5. Welche Wirtschaftsordnung ist mörderisch?

Antwort: Der Kapitalismus

Zitat: „Während die unsichtbare Hand des Marktes die einen streichelte, erdrosselte sie die anderen. Man könnte den Einsatz eines ‚unsichtbaren Killers‘, der Millionen von Opfern produziert und auf keinem Fahndungsfoto der Welt erscheint, als ‚perfektes Verbrechen‘ bezeichnen – allerdings nur, wenn das Ganze bewusst geplant worden wäre.“

Einwand: Ich habe MSS gefragt, wen der Kapitalismus jemals erdrosselt hat und er hat darauf nicht geantwortet. Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass, selbst wenn der Kapitalismus jemanden erdrosselt haben sollte, der Sozialismus doch unendlich mehr Opfer auf dem Gewissen hat und insofern die beiden Systeme nicht gleichgesetzt werden könnten. Keine Reaktion.

Insofern muss ich davon ausgehen, dass MSS eigentlich gar nicht weiß, inwiefern der Kapitalismus (Politisches System, welches die Grundrechte Leben, Freiheit und Privateigentum garantiert) irgendwen erdrosselt haben soll. Offenbar gefällt ihm einfach seine Metapher: Die unsichtbare Hand, die jemanden erwürgt.

Tatsächlich hat der Kapitalismus uns aus der Leibeigenschaft von Großgrundbesitzern und Königen befreit und ist die Ursache eines allgemeinen Wohlstands, von dem sogar die römischen Kaiser nur träumen konnten. Das Wirtschaftswachstum, also die allgemeine Vermehrung des Wohlstands, war im England des 19. Jahrhunderts am größten – also während der Zeit eines vergleichsweise freien Kapitalismus.

6. Sind die Menschenrechte unverletzlich?

Antwort: Nein

Zitat: „Natürlich ist es richtig, wenn es heißt, dass wir uns exorbitante Schuldenberge nicht mehr leisten können. Jedoch darf dabei nicht vergessen werden (was regelmäßig geschieht), dass dies im Umkehrschluss auch bedeutet, dass wir uns keine exorbitanten Vermögen mehr leisten dürfen.“

Einwand: Zugegeben hält praktisch niemand die Menschenrechte für unverletzlich. Im Grundgesetz steht zwar, das Privateigentum sei unverletzlich (also ein Grundrecht), aber offenkundig kann für praktisch jede Art von Blödsinn eine Steuer erhoben und somit dieses Grundrecht verletzt werden (ich zweifle nicht an den unendlichen Auslegungskünsten unserer Judikative, für die das vollkommen in Ordnung erscheint). Privateigentum ist in Deutschland de facto kein Grundrecht, sondern es darf via indirektem Mehrheitsbeschluss, via Wahlen, einfach weggenommen werden. Ist eine Interessensgruppe stark genug, kann sie das Geld von den Bürgern auf sich verteilen. Unsere Demokratie ist in mancherlei Hinsicht ein Kampf von Interessensgruppen um das Recht, die Bürger legal bestehlen zu dürfen.

Also ist das formelle Grundrecht auf Privateigentum so gut wie nutzlos. Andere Bürger dürfen uns zwar nicht bestehlen, aber die Regierung schon – und die Regierung hat das Gewaltmonopol und das Recht auf ihrer Seite! Es muss nur so aussehen, als wäre die Steuer im Interesse der Bürger. Die exorbitante staatliche Förderung von Solarzellen ist nicht etwa im Interesse der damit befassten Industrie (wobei das sogar stimmt, wenn man genauer hinsieht), sondern im Interesse aller Bürger des Landes!

Das wirklich Schockierende an der Aussage von MSS ist aber nicht die weit verbreitete Haltung, man dürfe das Eigentum einer Minderheit beliebig verwenden, sofern nur die Mehrheit damit einverstanden ist, sondern die kollektivistische Aussage, „wir“ [wer ist „wir“ und wer bestimmt, was „wir“ zu denken hat?] könnten uns keine exorbitanten Vermögen mehr leisten, wir müssten demnach also besonders talentierten Menschen, deren Tätigkeit besonders viele Arbeitsplätze schafft und das Wirtschaftswachstum in besonderem Maße antreibt, jegliches über das von MSS akzeptierte Normalmaß hinausgehende Einkommen via Gesetz stehlen. Von „Du sollst nicht stehlen!“ zu „Du musst stehlen!“. Kulturelle Evolution.

7. Wie verhindert man Monopole?

Antwort: Durch staatliche Eingriffe in die Wirtschaft

Zitat: „Eine solche Monopolstellung verhindert man nicht durch eine fundamentalistische Blockade der Gentechnik, sondern durch eine verantwortungsvolle Forcierung der öffentlichen Forschung!

Einwand: Diese Meinung ist sehr weit verbreitet, aber das Gegenteil ist wahr. Entscheidend ist folgende Tatsache: Das Gewaltmonopol liegt allein beim Staat. Unternehmen können also keine Gewalt anwenden, um eine Monopolstellung zu etablieren. Sie müssen immer mit Konkurrenz rechnen, auch in den wenigen Fällen, wo zeitweise keine reale Konkurrenz vorhanden ist. Und sie müssen ihre Preise stets so kalkulieren, dass sie gegen bestehende oder potenzielle Mitbewerber konkurrieren können. In einer freien Wirtschaft gibt es keine unanfechtbaren Monopole. Einzig und allein der Staat kann Monopole erschaffen und erhalten. Was er auch immer wieder gemacht hat.

Schlusswort

Die Giordano Bruno Stiftung, als deren Sprecher Schmidt-Salomon tätig ist und als deren Sprecher er wahrgenommen wird, hat sich in der Öffentlichkeit als die Denkfabrik der Aufklärung, also als das intellektuelle Eliten-Sammelsurium schlechthin etabliert. In der Tat sind ja auch viele schlaue und tolle Leute darin versammelt. Aber: Was Schmidt-Salomon in seinen Büchern aussagt, ist meiner Einschätzung nach nicht uneingeschränkt Aufklärung, sondern zu großen Teilen ihr Gegenteil. Und da Aufklärung mein Leben ist, erscheint es mir wichtig, was die Öffentlichkeit unter „Aufklärung“ versteht: Prometheus oder der nackte Affe?

Dabei sollen die positiven Aspekte der Streitschrift nicht geleugnet werden: Verteidigung der Gentechnik, Abtreibung, Sterbehilfe, Präimplantationsdiagnostik und eine am individuellen Kind orientierte Bildung (leider soll auch diese, wie so vieles, staatlich finanziert werden!), ebenso die mutige Islamkritik und die nicht ganz so schlimme – inzwischen muss man das besonders loben – Darstellung des Nahostkonflikts.

Anstelle der Aufklärung, die innerhalb des rationalen Diskurses verschiedene Perspektiven zulassen würde, verkörpert die GBS leider nur einen aktuellen Trend, der unter linksliberalen Intellektuellen verbreitet ist: Der deterministische, reduktionistische Naturalismus, der bereits 500 Jahre älter ist als das Christentum, aber stets von sich glaubte, fortschrittlicher zu sein als alles andere (wobei ich ebenso Naturalist, aber von einer anderen Variante bin).

Das letzte Wort kann ich trotzdem Michael Schmidt-Salomon überlassen, der seine folgende Aussage erneut anschaulich demonstriert hat: „Denn wer eine Idiotie erkannt hat, ist deshalb noch lange nicht gegen andere Idiotien gefeit“.

39 Kommentare zu “Und erlöse uns von den Doofen

  1. Martin sagt:

    Hmmm.Es scheint, als sei MSS zwar kein Mitglied von Homo demens, aber endgültig zu Homo narziss mutiert.

  2. Ulrich Elkmann sagt:

    „Technologien … die ganze Landstriche über Jahrtausende unbewohnbar machen.“
    Kann man mir bitte eine solche Parzelle benennen?
    Meck-Pomm? Sachsen-Anhalt? Bitterfeld? Gelsenkirchen?

  3. Sebastian Lauffer sagt:

    Und is es falsch das Kühe weinen? Könnte doch sein. Warum auch nicht. Die Implikationen sind dann wieder ein neues, anderes Thema.

  4. Sophian Philon sagt:

    „Privateigentum ist in Deutschland de facto kein Grundrecht, sondern es darf via indirektem Mehrheitsbeschluss, via Wahlen, einfach weggenommen werden. Ist eine Interessensgruppe stark genug, kann sie das Geld von den Bürgern auf sich verteilen. Unsere Demokratie ist in mancherlei Hinsicht ein Kampf von Interessensgruppen um das Recht, die Bürger legal bestehlen zu dürfen.“

    Sehr schön!

  5. W.H. sagt:

    Ich habe nicht MSS zu verteidigen, da ich auch kein Fan von Peter Singer bin. Zu den größten theistischen Ideotin gehört aber die abergläubische Vorstellung, dass Menschen keine Tiere seien, Menschen also frei entscheiden könnten, währenddessen nichtmenschliche Tiere schlichten Automatismen zu folgen hätten. Was aber bleibt denn von Menschen übrig, wenn man von ihnen alle ihre biologischen Automatismen abzieht? Eine unsterbliche Seele oder nicht mehr oder weniger als bei anderen Tieren? Die meisten Religionen basieren auf der Verblendung des eigenen Egos. Um religiösen Wahn zu beenden, muss eben auch der eigene, speziesistische Egowahn dekonstruiert werden. Menschen sind nicht die einzigen Tiere die weinen oder depressiv sein können. Das ist eine Tatsache und keine Vermenschlichung von nichtmenschlichen Tieren. Doch bis der letzte Atheist solche einfachen Tatsachen versteht, wird durch speziesistischen Aberglauben noch sehr viel Blut vergossen werden.

    • derautor sagt:

      2500 Jahre lang philosophieren wir über die Frage, was uns von den Tieren unterscheidet und das Ergebnis lautet: Wer diese Frage auch nur stellt, ist ein Speziesist und somit auf einer moralischen Ebene mit einem Rassisten. Er ist religiös verblendet, unterliegt einem Wahn.

      Nicht dass irgendein Tier auch nur irgendeines dieser Konzepte verstehen könnte, da einzig und allein Menschen Konzepte bilden. Leider ist es aber mit Rassismus vergleichbar, die offenkundige Tatsache festzustellen, dass beispielsweise die Fähigkeit zur Abstraktion und Konzeptbildung uns von anderen Tieren unterscheidet. Man könnte auch die Etablierung von Institutionen nennen, was ebenfalls nur der Mensch tut, innerhalb einer kulturellen Sphäre, die nur der Mensch kennt – wäre die Konzeptualisierung der Realität nicht so rassistisch.

      Wir haben eine grundlegende Wahl: Wir können uns entscheiden zu leben oder wir entscheiden uns zu sterben. Entscheiden wir uns zu leben, müssen wir denken, denn die Vernunft ist das Überlebensmittel des Menschen. Entscheiden wir uns zu sterben, müssen wir nichts weiter tun.

      Welche Entscheidung wird jemand treffen, der glaubt, er könnte keine Entscheidungen treffen, sondern unsichtbare Kräfte würden diese Entscheidungen für ihn treffen? Welche freie, bewusste Entscheidung würde ein Mensch treffen, der glaubt, er wäre ein Tier und somit seinen Instinkten unterworfen? Vielleicht glaubt er, er müsse keine Entscheidung treffen, denn sie wird für ihn getroffen. Was würde dann aus ihm werden?

      Die Gleichsetzung von Menschen und Tieren ist ein Angriff auf das voluntaristische Bewusstsein des Menschen. Das voluntaristische, von unserem Willen abhängige Bewusstsein ist unsere Überlebensmethode. Die Gleichsetzung von Menschen und Tieren ist also ein nihilistischer Angriff auf das Leben des Menschen als Mensch und einer der vielen Totengräber unserer Kultur. Und diese Menschentier-Position wird allzu oft von jenen vertreten, die bewusst oder unbewusst den Tod mehr lieben als das Leben. Denn der Tod steht unausweichlich jedem bevor, der seinem Leben mit Apathie begegnet und glaubt, er habe keine Macht darüber.

      Irgendwelche Einwände?

      • W.H. sagt:

        Es ist vollkommen OK wenn Menschen die Unterschiede zu anderen Tieren erkennen und benennen, nur ist es dann auch nötig, es mit den Gemeinsamkeiten genau so zu tun. Auch andere Tiere haben Kopfhirne, mit denen sie denken können, wobei Raben sogar in der Lage sind ihre Kinder vor Menschen zu warnen, die ihren Eltern mal etwas antaten. Raben können sich Gesichter sehr gut merken und diese gesehenen Geschichtsprofile auch an ihre Brut weiter vermitteln. Sie haben also auch ein Geschichtsbewußtsein. Auch Orkas und andere Tiere sind sehr schlau. Es ist also unsinnig nichtmenschlichen Tieren einen Verstand absprechen zu wollen, ohne den sie die Eyolution nie überlebt hätten.

        …Suchen es sich vielleicht Menschen selber aus, wann sie geboren werden oder wann sie sterben? Auch andere Tiere, die nicht ihren Verstand gebrauchen würden, würden kaum das nächste Jahr überleben. Treffen sie nicht auch jeden Tag Entscheidungen? Manche nichtmenschlichen Tiere tun dies viel eigenständiger als manche Menschen.

        Gerade Arthur Schopenhauer ist in seinem Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ ja von einem primären Willen ausgegangen. Nur hat ihn dies nicht zu der speziesistischen Vorstellung verleitet, dass der Wille von nichtmenschlichen Tieren etwas grundsätzlich anderes sei, als der menschliche. Da das Kopfhirn allerdings evolutionsmäßig gesehen ein eher neues Hilfsorgan ist, kann es schwerlich unabhängig von seiner Ursache und von seinen Willensimpulsen leben. Auch das Kopfdenken ist nicht Herr in seinem eigenem Haus, selbst dann nicht wenn es außerordentlich gut funktioniert.

        Wer also immer noch meint, dass Menschen keine Tiere seien, ignoriert damit Darwin und die Tatsache, dass der Homo Sapiens nun mal zu den Säugetieren gehört. Doch so etwas ist nur reiner theistischer Unsinn. Gerade an solchen Fragen erkennt man die Gläubigen. Kein Monotheist würde je offen zugeben, dass er selber auch nur ein Tier unter vielen anderen Tieren ist. Lieber glaubt er an absurde Mensch-Tier Dualismen, die naturwissenschaftlich schon sehr lange widerlegt sind.

      • BunteKuh sagt:

        Spezisismus bedeutet, nach der üblichen Leseart, doch schlichtweg eine ungerechtfertigte Bevorzugung von Individuen aufgrund ihrer biologischen Zugehörigkeit zu einer Spezies, insb. etwas dann wenn es darum geht Präferenzlagen gegeneinander abzuwägen. Das impliziert, daß es hierbei etwa um eine gleiche Berücksichtigung von Präferenzen und nicht um eine Gleichbehandlung von Menschen und nichtmenschlichen Tieren geht. Niemand will Affen oder Schweinen ein politisches Wahlrecht o. ä. zugestehen. Mir ist auch niemand bekannt, der dies als Spezizistisch bezeichnen würde. Ebenso wie mir kein anti-Spezizist bekannt ist, der die Unterschiede von Menschen und nichtmenschlichen Tieren generell abstreiten würde.

        Menschen und nichtmenschliche Tiere unterscheiden sich selbstverständlich. Ebenso wie sich nichtmenschliche Tiere unterschiedlicher Spezies unterscheiden. Man munkelt sogar, daß sich innerhalb der Spezies Homo sapiens Individuen unterscheiden; ja, auch Menschen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht untereinander.

        Daß sich Menschen von anderen nichtmenschlichen Tieren unterscheiden, insb. in ihren kognitiven Fähigkeiten ist eine Binsenweisheit, die niemand bestreitet. Jene Unterschiede sind allerdings stets gradueller Art und keine kategorialen Unterschiede. Dies wäre auch höchst seltsam, wenn man unser gemeinsamen evolutionäres Gewordensein betrachtet. Auch Menschen stehen nicht abseits der biologischen Taxonomie. Auch das ist trivial.

        Das bedeutet jedoch auch, daß ein anenzephal geschädigter Neugeborener hinsichtlich der Kognition mehr mit einem Schwein gemeinsam hat, als mit einem gesunden Angehörigen seiner eigenen Spezies. Insbesondere hinsichtlich dessen, was Du als Voluntaristisches Bewusstsein bezeichnest. Das hat sich ja nun auch evolutionär Entwickelt und ist nicht irgendwie so aus dem Nichts entstanden.

        Das sind nun empirische Tatsachen. Was nützt es, diese zu leugnen?

        War mal wieder viel zu lang. Kurz: Graduelle (z. T. enorme) Unterschiede ja. Kategorische Unterschiede: nein.
        Ich meine diese enormen Unterschiede sollte man anerkennen und wenn Du meinst, daß viele Singerianer oder Sommerianer oder Volandianer dies nicht tun, da würde ich Dir zustimmen.
        Aber als Gegenreraktion nun auch eine ebenso radikale Ansicht von der totalen Andersheit, die anzuerkennen Leben/Tod (geht’s ne Nummer kleiner?) bedeuten aufzumachen, ist typisch für Dich.
        Kein Mittelmaß 🙂

      • Carsten sagt:

        Einwände? Na sicher – erstens steht hier jede Aussage ohne Beleg (kein Tier kann Konzepte bilden? Ja woher weiß der Autor das denn? An dieser Ecke musste der einzigartige Mensch in den letzten Jahren schon viele Federn lassen!) und zweitens handeln wir am Ende des Tages genauso Triebgesteuert wie jedes andere Tier – was soll uns auch groß von Tieren trennen? Wir sind durch die gleiche Evolution entstanden, nur das wir das Glück hatten in eine *günstige* Richtung geraten zu sein. Wer weiß schon wieviel Konkurenten wir in laufe der Zeit beiseite geschaft haben um als einzige Spezies mit all den feinen Vorteilen übrig zu bleiben? Den Planet bekommt das jedenfalls nicht.

        • derautor sagt:

          Tiere können Konzepte / Begriffe (ein aus zwei oder mehreren Wahrnehmungen gebildete intellektuelle Abstraktion) bilden? Welches Tier kennt denn bitte Konzepte wie „Transzendentalpoesie“ oder auch nur „Schuhe“? Wir handeln genauso triebgesteuert wie jedes andere Tier? Sprich für dich selbst. Und was „der Planet“ mag oder nicht, ist mir recht gleichgültig, mit Verlaub.

          • W.H. sagt:

            Frage mal wie viele Menschen wohl Transzendentalpoesie kennen. Sehr viele werden es nicht sein. Warum sollten dann alle Tiere einen Friedrich Schlegel kennen? Die Gesänge der Delphine und Waale verbreiten aber mitunter mehr Poesie, als die Schreibereien mancher Menschen. Es ist auch hier unsinnig nichtmenschliche Tiere mit Schriftstellern zu vergleichen, die nur Menschen kennen können. Kennst Du die 1000 berühmtesten Orkas und die berühmtesten Lieder von ihnen? Kennst Du ihre Sprachen und ihre sozialen Strukturen? —

            Und was bitte schön soll ein Fisch mit Schuhen anfangen? Die müssen eher etwas von Strömungen verstehen. Den Wettkampf um die Krone der Schöpfung würden glatt die Vögel gewinnen, so die Aufgabe hieße, dass der der Sieger sei, der zu erst auf einen Baum hoch und wieder heil herunter kommt. Unter ferner kletterten würden dann die Affen erwähnt. Auch beim Schwimmen und Laufen hängen etliche nichtmenschliche Tiere Menschen ab. Auf vielen anderen Gebieten ebenfalls.

          • derautor sagt:

            Willst du jetzt ernsthaft darauf hinaus, dass Orkas 1000 berühmte Orka-Experten für Strömungen kennen und wir das nur nicht wissen, weil wir kein Orka sprechen?

            Schön, manche Tiere können sich in ihrer Nische besser fortbewegen als wir Menschen uns in ihrer Nische fortbewegen können.

  6. Carsten sagt:

    Ich bin nicht unbedingt ein Fan von MSS aber warum man den Kapitalismus so huldigen muss?
    IMHO schreien genau diejenigen nach Kapitalismus, die dadruch den höchsten Vorteil erzielen – und ich hätte nichts dagegen, wenn es wirklich die „Tüchtigen“ wären, die ganz oben stehen.
    So ist es aber nicht – es sind diejenigen, die eine „glückliche Geburt“ hatten, diejenigen, die das vorhandene eben mehren können, diejenigen, die am besten Ausbeuten.
    Was ist den Privateigentum? Das eigenen Leben – na sicher! Der eigene Grund? Hmm wahrscheinlich, aber was wenn man dem jemand anderem weggenommen hat? Das eigene Kapital? Naja, fragt mal einen Topbanker – die haben das nämlich vom doofen Steuerzahler … nein so einfach ist das nicht (Kaptialismus = supertoll) – und in diesem Blog sehe ich genau das Gleiche „Schwarz/Weiß-Denken“, was ich auch bei Herrn MSS so überhaupt nicht mag… (mal sehen, ob der kritische Kommentar dieses mal erscheint – normalerweise werden die ja ganz praktisch abgelehnt…)

    • derautor sagt:

      Nein, ich lehne keine kritischen Kommentare ab – kann höchstens sein, dass manche automatisch im Spamordner landen.

      Das ist kein Schwarz-Weiß-Denken, sondern die konsequente Anwendung von Logik. „Warum man den Kapitalismus so huldigen muss?“ – warum muss man die Idee so huldigen, dass jeder Mensch ein Wert an sich ist und dass sich sein Wert nicht über seine Sklavenarbeit für andere bemisst?

      „Gegen Kapitalismus“ bedeutet „gegen die Erringung des eigenen Vorteils im fairen, freiwilligen und friedlichen Austausch“, es bedeutet die Ablehnung einer Gesellschaftsordnung, die sich über die Garantie der Menschenrechte Leben, Freiheit und Eigentum definiert. Es ist die Meinung, dass vielmehr ein Kollektiv, heute „die Gesellschaft“ darüber entscheiden dürfe, welche Arbeit ein Individuum für welchen Lohn zu errichten hat (z.B. Wehr- und Zivildienst), wem das Eigentum gehört, das er sich im fairen Austausch angeeignet hat (Steuern, die eine unfreiwillige Abgabe sind und kein freiwilliger Tausch gegen Güter und Dienstleistungen) und wer diejenigen sein sollen, die ihm etwas wert sind (Diktatoren und Plünderer der Dritten Welt, die wir mit „Entwicklungshilfe“ unterstützen müssen).

      Und nein, mir selbst würde eine ordentliche Umverteilung des Geldes von anderen in meine Brieftasche erheblich mehr „bringen“ – auf dieselbe falsche Art wie Dieben und Plünderern – als der faire, freiwillige Austausch.

      • Stefan sagt:

        Mit Verlaub, Sie liegen falsch Monsieur Carsten.

        Seit dem 6. Lebensjahr bin ich von einer alleinerziehenden Mutter erzogen worden, die mich und meine 2 Brüder von Hartz IV ernährt hat.
        Ich bekomme Bafög und arbeite nebenher auf 400 – Euro Basis.
        Und ich gebe dem Autor was Kapitalismus angeht zu 100% recht.

        Und ein System als gut zu befinden, dass Tyrannei, Armut und Ungerechtichkeit am weitaus effektivsten in die ewigen Jagdgründe geschickt hat würde ich ehrlich gesagt eher mit Vernunft als mit Religion („huldigen“) in Verbindung bringen.

  7. Sophian Philon sagt:

    „IMHO schreien genau diejenigen nach Kapitalismus, die dadruch den höchsten Vorteil erzielen – und ich hätte nichts dagegen, wenn es wirklich die “Tüchtigen” wären, die ganz oben stehen. So ist es aber nicht – es sind diejenigen, die eine “glückliche Geburt” hatten, diejenigen, die das vorhandene eben mehren können, diejenigen, die am besten Ausbeuten.“

    Die erste These ist falsch. A.M. hat sie schon wiederlegt. Man kann den Spieß eben auch umdrehen: Diejenigen, die solches schreiben, sind meistens die, die von der Umverteilung am meisten profitieren!

    Die zweite These ist ebenfalls falsch (übrigens, wo sind die Belege?). Und selbst wenn alle „oben Stehenden“ nur dort ständen, weil sie geerbt hätten, was geht es dich an? Woher nimmst du das Recht sie zu bestehlen? Und dann kommst du noch mit dem marxistischen „Ausbeuter“-Mythos. In einer freien Marktwirtschaft gibt es nur freie Verträge. Bitte erkläre mir, wo es Ausbeutung gibt!

    • derautor sagt:

      Bezüglich der reichen Erben: Ihren Startvorteil könnte man ebenso als Startnachteil darstellen, denn sie müssen entweder sofort und beständig die extrem komplexen Aufgaben lösen, die bei der Verwaltung ihres Familienunternehmens anfallen, oder sie gehen pleite. An ihnen hängen die Jobs von unzähligen Menschen. Und die Konkurrenz schläft nicht.

      Und noch etwas: Die Erbschaftssteuer ist kein Eingriff in das Recht auf Privateigentum des Erben, sondern ein Eingriff in das Recht dessen Vaters, mit dem von ihm erwirtschafteten Eigentum so verfahren zu können, wie er es möchte.

    • Sophian Philon sagt:

      Bin gerade noch auf einen kurzen Artikel gestoßen, der meine Einwände gegen Carsten erläutert:

      http://www.freitum.de/2012/02/kein-nullsummenspiel-weshalb-in-einer.html

      „Forderungen, in irgendeiner Weise den Staat in die Wirtschaft oder die sozialen Strukturen regulierend eingreifen zu lassen – sei es durch Mindestlöhne, progressive Besteuerung oder andere Eingriffe – beruhen im Kern auf einem einzigen Missverständnis: Es sei in einer Marktwirtschaft möglich, andere auszubeuten bzw. auf Kosten anderer zu profitieren; oder anders formuliert: Des einen Profit ist des anderen Verlust.“

      „Marktwirtschaft bedeutet nichts weiter, als dass jeder mit jedem freiwillige Verträge abschließen kann, solange dabei nicht die Rechte eines Dritten verletzt werden. Die Freiwilligkeit dieser Verträge ist von enormer Bedeutung, denn damit ist jegliche “Ausbeutung” ausgeschlossen.
      Der einzige, der sich dieser Regel widersetzen kann, weil seine Rechte juristisch über den individuellen Freiheits- und Eigentumsrechten stehen, ist der Staat. Ein Staat kann niemandem Freiheiten gewähren, er kann sie nur einschränken. Ein Staat kann keine Verträge erlauben, er kann sie nur verbieten. Da es aber gerade diese Freiheit ist, die uns Wohlstand bringt und da bereits durch die Freiwilligkeit der Verträge sichergestellt ist, dass stets beide Seiten profitieren, ist eine staatliche Einschränkung der Marktwirtschaft, also der Vertragsfreiheit, eine Einschränkung des Wohlstands und der Chancen jedes einzelnen.“

      • derautor sagt:

        Eine Fußnote hätte ich dazu aber schon:

        „da bereits durch die Freiwilligkeit der Verträge sichergestellt ist, dass stets beide Seiten profitieren, ist eine staatliche Einschränkung der Marktwirtschaft, also der Vertragsfreiheit, eine Einschränkung des Wohlstands und der Chancen jedes einzelnen.”

        Von wem wird denn die Freiwilligkeit der Verträge sichergestellt? Vom Staat. Der Staat wacht über die Einhaltung von Verträgen. Und er kann die Vertragsfreiheit schon bis zu einem gewissen Grad einschränken, z.B. wenn jemand einen Vertrag unterschreibt (vielleicht in einer depressiven, labilen Phase), der ihn bis zum Tod zur monatlichen Zahlung von 1000 Euro ohne Gegenleistung verpflichtet. Solche Verträge sind nichtig. Und hier muss der Staat eingreifen. Manchmal geht der Liberalismus zu sehr in Richtung Anarchismus.

        • Sophian Philon sagt:

          Da hast du sicherlich Recht. Der Staat sollte sich nur nicht etwa anmaßen zu entscheiden, ob ein bestimmtes Gehalt für eine bestimmte Tätigkeit für einen Arbeitnehmer ausreichend ist. Und genau das tut er.

  8. Phillip sagt:

    Schon bei deinem ersten Punkt muss ich kichern. Natürlich sind die Grünen konservativ! Mein Gott, sie wollen doch alle Natur erhalten und das ist der Wortsinn von konservativ. Nur weil sie in den 80gern frisch gewirkt haben als sie sich den Fortschrittsoptimisten (nicht minder konservativ – auf ihr eigenes Geld bezogen) entgegen gestellt haben.

    • derautor sagt:

      Die einstige Ablehnung der Grünen von PCs, ihre heutige Ablehnung von Atomkraft und Gentechnik, sind Teil einer utopistischen Ideologie, die den neuen Menschen erschaffen will, der Teil der Natur ist und nicht über ihr steht. Manche Vertreter der Grünen sind vielleicht konservativ, aber die grüne Ideologie ist es nicht (höchstens im Sinne Rousseaus, „Rückkehr zur Natur“).

  9. W.H. sagt:

    Ethik und Aufklärung ist ohne die Abscheu vor dem Morden nicht möglich. Nur eben wollen uns Religionen und Staat oft sehr antiemanzipatorisch vorschreiben, wen wir mit ruhigsten Gewissen ermorden dürfen und wen nicht. Doch Mastställe und Schlachthöfe sind die heiligen Tempel der geistig und ethisch armen, die sich größer vorkommen, so sie andere haben, die sie quälen und töten können.

    Mal einige Zitate von Karlheinz Dechner dazu, der sicherlich der bedeutenste Kirchenkritiker unserer Zeit ist: —

    —————–

    Gegenüber dem Tier ist der Mensch Gewohnheitsverbrecher.

    Die Speisekarte—das blutigste Blatt, das wir schreiben.

    Moralische Bedenken gegen Kalbsbraten?
    Von Seiten der Erzieher nicht.
    Von Seiten der Jurisprudenz nicht.
    Von Seiten der Moraltheologie nicht.
    Von Tausend anderen moralischen Seiten nicht.
    Von der des Kalbes vielleicht?

    Ob der Mensch auch deshalb Tiere tötet, weil ihm noch keines widersprochen hat?

    Eine Gesellschaft, die Schlachthäuser und Schlachtfelder verkraftet ist selber schlachtreif.

    Ehrfurcht vor dem Tier hegten selbst schon kirchliche Kreise. Zumindest behauptet Lichtenberg, dass Mönche der Gascogne eine Maus für heilig hielten, die eine Hostie gefressen hatte.

    Noch im 19 Jahrhundert verbot Papst Pius IX die Eröffnung eines Tierschutzbüros in Rom mit den Worten: …habe der Mensch doch, was Tiere betrifft , keinerlei Pflichten. 1985 wurde diese Papst dann auch noch heilig gesprochen.

    Grausamkeit gegen Tiere , so notiert Alexander von Humbolt, kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen, aber bei wahrer Religion!

    Quelle: K-H Deschners Buch: Für ein Bissen Fleisch

    http://tierrechte.blog.de/2011/02/26/zitate-karlheinz-deschners-buch-bissen-fleisch-10699431/

    • derautor sagt:

      Stimmt, der Mensch hat gegenüber Tieren keinerlei Pflichten. Es haben ja nicht einmal Menschen gegenüber anderen Menschen Pflichten, mit Ausnahme der Achtung der Rechte anderer, der Einhaltung von Gesetzen und freiwillig eingegangener Verträge und die Sorge für die eigenen Kinder.

      Von Seiten des Kalbes gibt es tatsächlich keine Bedenken gegen Kalbsraten, weil Kälber nicht denken, also auch keine Bedenken haben können.

      „Eine Gesellschaft, die Schlachthäuser und Schlachtfelder verkraftet ist selber schlachtreif.“

      Dann werde ich in Deschners utopischer Nachwelt wohl geschlachtet werden müssen, denn ich werde in dieser Sache nicht zurückweichen.

      Norbert Hoerster über Deschners Tierethik:
      http://www.gkpn.de/Hoerster_Deschner.pdf

      Die Absurdität dieses Buches übertrifft noch jene von Deschners anti-amerikanischen Werk „Der Moloch“, wo er unter Bezug auf verschiedene Verschwörungstheorien gegen die „Yankees“ anschreibt: http://www.gkpn.de/pfahl_deschner_usa.pdf

      • W.H. sagt:

        Es ist besser auf Karnevalsclowns zu verlinken, als auf Hörster. Was der zu ethischen Fragen schreibt ist wirklich unterste Schublade. Und um sich an Deschners guten Buch über die USA zu stören, muss man wohl schon ein Antideutscher sein oder einer einer ähnlich, ethikfreien Gruppierung angehören, die die Genozide in Nordamerika an den Ureiwohnern wohl noch als Heldentaten feiern möchte.

        Irgend wie scheint auch Biologie nicht das Fach des Autors gewesen zu sein. Auch Kühe haben nämlich Kopfhirne mit denen sie denken. Doch solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken!

        • derautor sagt:

          Da hatte ich doch fast angenomen, du wärest gar kein Troll, sondern wolltest ernsthaft diskutieren. So kann man sich irren.

          • W.H. sagt:

            Mal was für Grundschüler! Was wohl tun Kühe mit ihrem Kopfhirn und was mit ihrem Arsch?

            Daneben habe ich besagte Bücher von Karlheinz Deschner, im Gegesatz zu manch anderen gelesen, weiß also wovon ich schreibe. Ich glaube allerdings nicht an einen unsichtbaren, heiligen Geist, der die Menschheit zu Genoziden anstiftet und ihnen hernach Persilscheine ausstellt.

  10. W.H. sagt:

    Albert Einstein über „eine Art optische Täuschung des Bewusstseins“

    „Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Raum und Zeit begrenzter Teil. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als getrennt von allem anderen – eine Art optische Täuschung des Bewusstseins.

    Diese Täuschung ist wie ein Gefängnis für uns, das uns auf unsere eigenen Vorlieben und auf die Zuneigung zu wenigen beschränkt. Unser Ziel muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Horizont unseres Mitgefühls erweitern, bis er alle lebenden Wesen und die gesamte Natur in all ihrer Schönheit umfasst.“ — Albert Einstein —-

  11. Stefan sagt:

    Was mich lieber Autor übrigens interessieren würde ist, was für Möglichkeiten deine/Ihre? Ethik bietet wenn es darum geht Kindsmord zu verurteilen. Eine Mutter erschlägt ihr Kind (2 Wochen alt) weil sie keine Lust mehr hatte Windeln zu wechseln. Im Prinzip fällt doch dieses Kind in die Abteilung rechtsfrei. Ihm fehlt die Möglichkeit zur Konzeptbildung etc. und einen freien Willen kann ich beim besten Willen nicht bei einem Wesen erkennen, dass sich höchstens für die linke oder rechte Brust entscheidet.
    (Der Vater ist in diesem Szenario mal außen vorgelassen.)

    Natürlich ist das jetzt nicht so schön für die Krankenkasse die die Geburt finanziert hat. Auch wird die Demographie so nicht gerade bekämpft, aber soll das alles sein?

    • derautor sagt:

      Ich sehe schon, darüber werde ich einen eigenen Beitrag schreiben müssen. Ich bitte um etwas Geduld.

      • W.H. sagt:

        Nun ja, letzendlich hat der Autor ja auch die berühmte Kuh-Theorie hervor gebracht, dass Kühe nicht denken können. Daneben verlinkt er hier auch noch auf den berüchtigten Rassisten, dem Anders Behring Breivik-Idol, Henryk M.Broder. Antideutsche Apartheidsfreunde dürfen natürlich auch nicht fehlen. Ein wenig Rechtsaußen sind wir schon?

        • derautor sagt:

          Du hast natürlich die Theorie hervorgebraucht, dass jedes Tier mit ZNS ebenso denken kann wie der Mensch. Was nun als abwegiger gelten muss, sei dahingestellt.

          Henryk Broder ist kein Rassist – erstaunlich, was manche Leute glauen, im Internet schreiben zu dürfen – und Breivik hat alle möglichen „Einflüsse“ in seinem Manifest zitiert. Wen du mit „antideutschen Apartheidfreunden“ meinst, ist mir ein völliges Rätsel. Und jeder Nicht-Idiot sieht durch einen Blick auf den Bereich „Philosophie“ oder auf irgendeinen meiner Beiträge, dass ich Objektivist bin, also klassisch liberal und nicht „rechtsaußen“. Aber ich schätze, aus der Perspektive von Linksradikalen ist so ziemlich jeder „rechtsaußen“.

          Und jetzt suche dir bitte einen anderen Ort für argumentfreie Trollerei.

        • Martin sagt:

          Herrje, was für eine Art grenzdebiler Hysteriker sind denn Sie?

          • derautor sagt:

            Hier möchte uns jemand anschaulich demonstrieren, dass der Unterschied zwischen Menschen und Tieren nicht so groß ist, wie ich es faschistischerweise behaupte.

  12. W.H. sagt:

    Liberale Broderfans sind so wahrscheinlich wie liberale Nazis. Wer sich in so einen rechtslastigen Sumpf begibt, den kann keiner mehr ernst nehmen.
    Keine Macht den Doofen-Gebt rassistischen Broderfans keine Chance!

    • derautor sagt:

      *Gähn*. Immerhin belegst du das Niveau des Schmidt-Salomon-Fanclubs, der argumentiert, indem er Andersdenkende anschwärzt, beleidigt und irrationale Ressentiments auslebt. Die philosophische Elite unserer Zeit, „Alle, die wo Tiere von Menschen unterscheiden, sind Nazis!“ Übrigens waren die historischen Nazis ebenso überzeugte Tierschützer und Hitler gab sich in seiner Propaganda als Vegetarier aus. Obwohl das echt faszinierend ist: Deine nächsten Kommentare landen trotzdem im Spamordner.

      • W.H. sagt:

        Geb es zu, wenn eine innere Revoluton gegen die Barbarei droht, rufst nach Mamma und verkriechst dich im Bett. Hirnlos, rückratslos, mutlos. Kirchen und Du haben etwas gemeinsam, man muss sie bekämpfen und überwinden. Faschist, fick Dich selbst!

  13. Rüdiger sagt:

    Sehr schön entlarvender Beitrag. Die Doofen: das sind natürlich die Angehörigen des feindlichen Lagers, dessen politischen Anschauungen nicht mit denen von MSS übereinstimmen.

    Nur ein kleiner Nachtrag zu dem Satz

    „Ich weine so gut wie nie, weil es, insofern im sozialen Kontext angewendet, eine Manipulationsmethode ist, die Mitleid erzeugen will statt rationale Zustimmung.“

    Ich kann dem Satz zwar nicht zustimmen (vielleicht weil ich selbst zu den Weinenden gehöre 🙂 ), er erfasst nur einen Aspekt des Weinens. Zu diesem Aspekt passt ergänzend wunderbar das folgende gehirngewaschene Geweine von Nordkoreanern nach dem Ableben ihres Diktators:

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.