Aufklärung 2.0 auf YouTube!

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=-LXgttvh9Bc[/tube]

URL: http://www.youtube.com/watch?v=-LXgttvh9Bc

Darf geteilt und re-uploaded werden, nur nicht verändert. Viel Spaß!

Meinen aktuellen Vortrag gibt es nun endlich auf YouTube als Video zu sehen. Erst mit der dritten Aufnahme war ich halbwegs zufrieden. Die YouTube-Fassung ist ganze 40 Minuten länger als der ursprüngliche Vortrag, den ich für die Ringvorlesung „Wo steht der Mensch?“ der HTWK Leipzig angefertigt hatte. Damit können sich Interessenten nun eine sagenhafte Stunde und wunderbare 40 Minuten an meinen Worten laben.

Ausführlichere Erklärungen meiner Positionen sind jetzt mit an Bord, da ich manchen doch etwas zu rasant durch die verschiedenen Themen hindurchführte. Gelegentliche Ausbrüche von Sarkasmus und gepflegte Verzweiflung an unserer Kultur sind inklusive.

Der Vortrag eignet sich hervorragend, um sich mit dem Laptop in den Garten oder ins Café zu setzen, das schöne Wetter bei einem guten Wein oder einer passenden Flasche Strohrum zu genießen und entspannt meinen Ausführungen zu lauschen.

Praktischerweise ist der gesamte Vortrag in einem einzigen Video untergebracht, man muss also nichts umschalten. Laut YouTube darf ich nun Videos mit über 15 Minuten Länge hochladen. Warum das so ist, werde ich wohl niemals erfahren und es ist kaum die Aufgabe eines Aufklärers, irgendetwas zu hinterfragen.

Insofern mich keine übernatürlichen Mächte davon abhalten, werde ich mir morgen den Vortrag meines Nachfolgers in der Reihe anhören, um 17:15 Uhr spricht nämlich Colin Goldner über Affenrechte. Übrigens hatte ich ursprünglich bei der Giordano Bruno Stiftung dafür gestimmt, den Urhebern des Great Ape Project einen Preis zu verleihen. Erst später bin ich dem Affen-hassenden Reich des Bösen beigetreten. Ihr könnt auch mit reinschauen:

http://webconf.htwk-leipzig.de/bastian

Es wäre gut möglich, dass ich diesem Vortrag eine Replik widmen werde aus der Perspektive des Objektivismus, also dem -ismus, dem ich neuerdings blind folge wie ein Schaf seinem Hirten. Ich habe mir übrigens schon einen passenden Kaputzenmantel zugelegt und meditativen Chorgesang einstudiert, um mich in die richtige Stimmung zu versetzen. Schließlich muss jemand darauf hinweisen, dass Mitleid mit Tieren in Wirklichkeit unethisch ist und Affen geradezu von uns ausgebeutet werden müssen, um meinem Gott, dem Kapitalismus, zu huldigen.

12 Kommentare zu “Aufklärung 2.0 auf YouTube!

  1. Karl sagt:

    Vielen Dank für das Video.

  2. Sophian Philon sagt:

    Ebenfalls vielen Dank für das Video! Ich wünsche ihm weite Verbreitung, denn darin werden sehr wichtige Dinge angesprochen!

    Vielleicht wäre es besser gewesen, am Anfang das Thema bzw. den Aufbau etwas ausführlicher darzulegen, etwa indem die Hauptthese (also die andere Vorstellung von aktueller Aufklärung bzw. Gegenaufklärung im Vergleich zu MSS) formuliert wird; das hat sich mir zumindest erst später erschlossen. Aber das ist nur eine Kleinigkeit!

    Zum Relativismus: Ich kann deine Empörung sehr gut nachvollziehen. Aber man kann doch beweisen und es ist doch auch sinnvoll zu beweisen, warum der Relativismus falsch liegt. Mit moralischer Empörung wird man ihm nicht beikommen! Interessant fände ich hier eine Synthese aus Naturrecht, Vertragstheorie und Ethischem Realismus – also letztlich eine wissenschaftlich abgestützte Modernisierung der spätscholastischen Menschenrechtstheorie. Gibt es dazu schon etwas?

    • derautor sagt:

      Man kann es schon beweisen, aber nicht mehr, als dies prinzipiell in der Philosophie möglich ist. Eine Zusammenfassung meiner (und der von anderen) Versuchen, eine objektive Ethik zu beweisen, findest du hier:
      http://feuerbringer.com/2010/12/25/ethischer-realismus-das-faq/

      Sam Harris geht dabei eher in die utilitaristische Richtung, aber er hat recht mit wichtigen Grundaussagen, z.B. dass „schlecht“ bedeutungslos ist, wenn es nicht auf das größtmögliche Leid für alle zutrifft und dass „sollen“ bedeutungslos ist, wenn es nicht bedeutet, dass wir das Leid vermeiden sollen.

      Die Ziel-Theorie von Carrier ist allerdings besser, weil er von der individuellen Glücklichkeit ausgeht und seine Ethik (wie meine) auf Aristoteles beruht: „Werte sind Beziehungsmuster zwischen unserer Glücklichkeit und tatsächlichen oder potenziellen Dingen, Handlungen und Konsequenzen im Universum; Muster, deren Erkenntnis wir üben müssen, genau wie wir üben müssen, um die komplexen Noten eines Musikstücks zu erkennen.“

      Die Philosophie stößt allerdings an ihre Grenzen, wo die Gesprächspartner grundlegende Tatsachen der menschlichen Natur, wie jene, dass wir rationale Wesen sind und somit unser Glück als rationale Wesen aus Eigeninteresse anstreben müssen, nicht anerkennen. Wenn jemand sagt, der Mensch ist kein Lebewesen, sondern ein reines Geistwesen, das willkürlich seine Kultur aus Ideen zusammenbauen kann, und er ignoriert gegenteilige Belege, dann kann ich nichts mehr tun.

      Das Problem, das ich im Video anspreche oder anzusprechen versuche, ist jenes, dass es natürlich immer möglich ist, zu leugnen, dass man das eigene Glück als Mensch anstreben sollte (und in der Regel de facto anstrebt). Die Philosophie stößt da an ihre Grenzen, wo sie mit Menschen konfrontiert ist, welche der Vernunft einfach keinen Wert beimessen. Diese können dann alles rechtfertigen. Wir sind davon abhängig, dass die meisten Menschen für logische Argumente offen bleiben. Und ich befürchte eben, dass die Vertreter des radikalen Relativismus die Ebene der Vernunft verlassen haben und man sie daher vielleicht aus Prinzip nicht überzeugen kann.

      Zur anderen Anmerkung: Es ist in der Tat auch der Versuch, eine Alternative zu dem vorzustellen, was Michael Schmidt-Salomon unter „Aufklärung“ versteht. Ich wollte das aber nicht ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken, weil es vor allem schlicht eine Vorstellung meiner Konzeption der Aufklärung und der modernen Gegenaufklärung darstellt, was immer andere darunter verstehen mögen. Um wirklich ein Gegenkonzept zur GBS in den Vordergrund zu rücken, müsste ich beide Ideen systematisch vergleichen. Außerdem kommt der Faktor „Abtrünniger macht jetzt sein eigenes Ding“ hinzu und das geht mir auf die Nerven, weil es suggeriert, meine Philosophie wäre bewusst als Gegenkonzept entwickelt worden. Dabei ist der Objektivismus natürlich älter als die MSS-Philosophie und erheblich populärer, nur leider nicht in diesem Land.

  3. Wafthrudnir sagt:

    Vielen Dank für den schönen Vortrag und für’s ins Netz stellen – Berlin ist für mich doch ein wenig zu weit, um persönlich hinzukommen!
    Ein zentraler Punkt ist für mich unverständlich geblieben: Was hat die Paradeaufklärerin Rand eigentlich gegen den Paradeaufklärer Kant? Zumindest im Bereich der Moralphilosophie gelingt es mir nicht, einen Widerspruch zwischen den beiden zu sehen, obwohl sie sich natürlich dem Problem von ganz unterschiedlichen Seiten genähert haben.
    Bei 40’50“ im Vortrag heißt es, Rands Kernaussage bestünde darin, “…daß wir niemanden für uns selbst aufopfern sollen … weil der Mensch ein Wert an sich ist”, und Kant sagt: “Der Mensch, und überhaupt jedes vernünftige Wesen, existiert als Zweck an sich selbst, nicht bloß als Mittel zum beliebigen Gebrauche für diesen oder jenen Willen, sondern muß in allen seinen, sowohl auf sich selbst, als auch auf andere vernünftige Wesen gerichteten Handlungen jederzeit zugleich als Zweck betrachtet werden” (GdMdS). Das ist doch praktisch dasselbe.
    Wenn ich die objektivistische Begründung der Menschenrechte richtig verstanden habe, dann wären die Menschenrechte so etwas wie ein Vertrag, der vielleicht nie explizit geschlossen wurde, dessen Einhaltung aber in jedermanns Interesse liegt, weshalb (1) ich ihn meinen Mitmenschen gegenüber schon aus Eigeninteresse halten sollte und (2) ich annehmen darf, daß auch mein Mitmensch sich aus Eigeninteresse daran hält, solange er nicht durch seine Taten das Gegenteil beweist. Aber ein solcher Vertrag, dessen Einhaltung im Interesse aller Menschen ist, stellt doch geradezu ein Paradebeispiel für den kategorischen Imperativ dar: wenn ich mich an diesen Vertrag halte, kann ich gleichzeitig wollen, daß dieser Vertrag ein allgemeines Gesetz ware, an das sich alle anderen Menschen ebenso halten.

    • derautor sagt:

      In Hinblick darauf, dass der Mensch ein Wert an sich ist, gibt es in der Tat keinen Widerspruch. Allerdings vertrat Kant außerdem die Position, dass nur die Handlungen moralisch seien, von denen man selbst überhaupt nicht profitiere. Und dies ist so gar nicht mit Rand kompatibel, die vom rationalen Eigennutz ausgeht, die sogar Liebe für extrem egoistisch hält (in Anlehnung an Aristoteles: Das eigene Selbst spiegelt sich in der Liebe des anderen. Man fühlt sich und die eigenen Werte anerkannt, wenn man geliebt wird).

      Rands Kritik an Kant:
      http://aynrandlexicon.com/lexicon/kant,_immanuel.html

      Kant hat natürlich sehr viel geschrieben und es gibt auch einzelne Übereinstimmungen zwischen ihm und Rand, beispielsweise im Bereich Strafrecht.

  4. Xenophanes sagt:

    Guter Vortrag. Interessant, dass es Leute gibt, die der Giordano-Bruno-Stiftung den Rücken kehren. Auch den Begriff „Gegenaufklärung“ in die Diskussion einzubringen, ist mal etwas Neues. Aber es hat durchaus etwas. Für die (meisten) Aufklärer war der Mensch ein autonomes Wesen, das sich nicht vor irgendwelchen metaphysischen Wesen (Gott/Götter, Dämonen/Teufel, Geister etc.) oder metaphysischen Gesetzen (Karma, Schicksal etc.) fürchten bzw. leiten lassen soll, sondern sich seines eigenen Verstandes bedienen soll! An die Stelle Gottes/des Schicksals setzt die Giordano-Bruno-Stiftung den Determinismus (präziser: den Inkompatibilismus). Manchmal habe ich den Eindruck, für die ist das schon fast so etwas wie ein Dogma. Ob das allzu klug ist? Auch die Namensgebung der Giordano-Bruno-Stiftung finde ich nicht gut durchdacht. Brüno war nämlich gar kein Aufklärer.^^ Aber sei’s drum. Die Stiftung hat ja auch so etwas wie einen Propheten: Michael Schmidt-Salomon. Ich stimme ihm oftmals zu und in manchen TV-Diskussionen sieht man, dass er seinen Kontrahenten überlegen ist… aber manchmal kommt seine Religionskritik auch etwas plump daher. Schlimmer noch: Seine Aussagen sind schlichtweg falsch. Ich mag mich noch gut an ein Video von ihm erinnern, wo er meinte, dass nicht alle Religionen auf ein Leben/eine Existenz nach dem irdischen Leben abzielen, sondern das sei eher ein westliches Phänomen. In den indischen Religionen (er erwähnte den Hinduismus und den Buddhismus) wolle man gar nicht weiterexistieren, sondern ins Nirvana – ins Nichts. Uiuiui. Erstens wollen die Hindus nicht „ins“ Nirvana, sondern die Buddhisten. Die Hindus wollen lieber mit Brahman „Eins“ werden (oder so ähnlich). Die Buddhisten wollen tatsächlich ins Nirvana, aber das Nirvana ist nicht das Nichts. Das hat man früher so übersetzt. Das ist jedoch falsch. Es gab zu Zeiten Buddhas einige Materialisten (Charvaka) die nicht an ein Leben nach dem Tod glaubten, die behaupteten, Bewusstsein sei denkende Materie und mit dem Tod des Körpers gehe auch der Geist zu Grunde. Buddha soll diesen jedoch aufs Heftigste widersprochen haben. Was mich an Salomon auch ein bisschen stört, ist sein Plädoyer für eine „rationale Mystik“. Meistens erwähnt er das Advaita-Vedanta, Zen und Meister Eckart. Spätestens wenn man „Mythos Zen“ gelesen hat, sollte man aber wissen, dass die Mystik auch nicht besser ist als die herkömmlichen Religionen. Salomon meint auch, kein vernünftiger Religionskritiker würde etwas gegen einen „unvorstellbaren Gott“ sagen. Da verwechselt er die Mystik mit der negativen Theologie. Na ja, mal schauen wie sich das noch entwickelt.

  5. Marcel sagt:

    Diese grundsätzliche Spaltung des heutigen „Aufklärertums“ durch – pauschalisierend formuliert – einen Strom liberalen sowie einen Strom sozialen Gedankengutes hat meines Erachtens leider zur Folge, dass das Potential an Durchsetzungskraft aufklärerischer Ideen gegenüber religiös geprägten Einflüssen in nicht unerheblicher Weise gemindert wird.

    Ich trete dahingegen für eine Art Vermittlung zwischen beiden Zweigen ein, woraus in der Tendenz (und in meiner Utopie) hoffentlich irgendwann eine Rückbesinnung auf die Gemeinsamkeiten resultiert. So gesehen pflichte ich persönlich Ihrem Standpunkt zwar in einigen Dingen bei (z.B. Feminismus), andere Aspekte jedoch erachte ich in praktischer Hinsicht als zu wenig durchdacht (z.B. Willensfreiheit).

    Eine Betrachtung der Vorgänge auf der Welt jenseits von Gut und Böse, kann uns meiner Ansicht nach eine Sichtweise eröffnen, welche uns den Ursachen und damit der Bekämpfung destruktiven Verhaltens näher bringen kann. Ansonsten besteht gewissermassen die Gefahr der Tabuisierung, des leichtfertigen Abtuns (oberflächliche Symptombekämpfung) negativer Teilaspekte des Lebens.

    Vernachlässigen wir die Auseinandersetzung mit gewissen Problemen und Ursachen, so kann dies zu einem Anwachsen derselben und damit zu einer Zunahme des Explosionspotentials beispielsweise sozialer Problematiken führen, was in meinem Verständnis nicht im Sinne der Aufklärung sein kann (wenn uns jemand mit einer Waffe bedroht und unser Geld will, hat das vielleicht einen Grund und dieser liegt vielleicht in einem Fehler des Systems, welcher uns – wären wir von ihm betroffen – vielleicht auch zu solch einer Handlung treiben würde). Ist es nicht vernünftig, sich mit diesen Problemen besser heute als morgen zu befassen?

    In der Präambel zur Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft steht:

    „[…] gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen,…“

    Wie man in den USA beobachten kann, spricht die Argumentationslinie des „liberalen Aufklärertums“ (etwa Rands Objektivismus) tendenziell eher reiche, erfolgreiche und mächtige Menschen an, was nach meinem Dafürhalten in keinster Weise überraschend ist. Menschen, die über viel Handlungsfähigkeit verfügen, können sich meines Erachtens von Rands Thesen leicht mitreissen lassen. Auch wenn Sie sich zwar grundsätzlich für ein faires Miteinander aussprechen, so scheinen Sie meiner Meinung nach gewisse Hemmnisse unterer sozialer Schichten entweder nicht zur Kenntnis zu nehmen oder falsch zu gewichten.

    Weshalb vertrete ich tendenziell eher den sozialen Zweig des Aufklärertums? Weil ich denke, dass dieser näher bei den Schwachen liegt und weil ich es für vernünftig halte (ganz im Sinne der Aufklärung und der Verfassung der Schweiz) Aufklärung und Teilhabe auch den unteren Schichten unserer Gesellschaft zu ermöglichen und nicht bloss für einen möglichst freien Markt einzutreten. Das hat nichts mit Kommunismus zutun oder mit der Dämonisierung von reichen Menschen (wie gesagt, es gibt möglicherweise Systemfehler, welche nicht direkt den Menschen zuzuschreiben sind, welche von ihnen betroffen sind bzw. von ihnen profitieren), denn ich plädiere für einen Mittelweg jenseits dieser Schwarzweissmalerei („bist du nicht Kapitalist, so bist du Kommunist“).

    Wenn die Auswirkungen des Neoliberalismus eines gezeigt haben, dann, dass wir uns künftig gescheiter in direkter Weise um das Wohl der Schwachen kümmern und damit die Fehlannahme fallen lassen, dass wir mittels eines Umweges über die Wirtschaft Armut wahrhaftig bekämpfen können. Machtballungen (z.B. transnationale Konzerne) – und das hat die Praxis schon allzu oft gezeigt – erliegen im zu freien Markt leider manchmal dem Reiz nicht mehr gemäss dem ursprünglichen Verständnis von Wirtschaft tätig zu sein und damit zunehmend gerade „kleinen Menschen“ zu schaden.

    Nutzen wir die uns zur Verfügung stehenden Mittel, unsere Erkenntnisse, unsere Flexibilität und Kreativität, sollten sich doch Wettbewerb und Fortschritt vereinbaren lassen mit diesem sozialen Gedanken.

    • Sophian Philon sagt:

      Nun ja, wenn man davon ausgeht, dass der nihilistische Humanismus sowie der sozialdemokratisch bis kommunistisch ausgerichtete Humanismus auf der Seite der Gegenaufklärung steht, dann ist das nicht ein Fall von Spalterei, sondern etwas Grundsätzliches. Für mich verläuft die Bruchlienie zwischen denen, die die Freiheit und Rechte des Menschen (seine Naturrechte) verteidigen und denen, die sie untergraben, wozu nun mal jede ’soziale‘ Ausrichtung gehört, weil sie zwangsläufig die Gemeinschaft vor das Individuum stellt.

      Im Übrigen verstehe ich Ihre Aussage nicht:

      „Weshalb vertrete ich tendenziell eher den sozialen Zweig des Aufklärertums? Weil ich denke, dass dieser näher bei den Schwachen liegt und weil ich es für vernünftig halte (ganz im Sinne der Aufklärung und der Verfassung der Schweiz) Aufklärung und Teilhabe auch den unteren Schichten unserer Gesellschaft zu ermöglichen und nicht bloss für einen möglichst freien Markt einzutreten.“

      Der freie Markt bedeutet nichts anderes als der freiwillige Austausch von Individuen ohne Zwang, was gibt es also besseres?

      Die Verwerfungen, die es in der westlichen Wirtschaft gibt, sind nicht Anzeichen für das Versagen der Marktwirtschaft, sondern Folgen der Einschränkung von Marktwirtschaft durch ’soziale‘ Maßnahmen. (Dazu empfehle ich Rahin Taghizadegan: Wirtschaft wirklich verstehen.)

      • Marcel sagt:

        Halten Sie es grundsätzlich für möglich, dass eine Freiheit, wie Sie sie sich vorstellen, dazu führen kann, dass Systeme geschaffen werden, die so gross und einflussreich sind, dass gewisse Schichten sich ihnen auf eine Weise anpassen und unterstellen müssen, welche dazu führt, dass dieselben grosse Teile ihrer Freiheit einbüssen müssen? Wenn ja, wäre das dann nicht paradox und was wäre zu tun, um einer möglichst grossen Masse die grösstmögliche Freiheit einzuräumen?

        Welchen Zweck sollte Ihrer Ansicht nach die Wirtschaft erfüllen? Sollten Geld und Wirtschaft nicht der Gesellschaft und dem Gemeinwohl dienen? Wie reagieren wir in einer globalisierten und nur auf die Freiheit des Individuums bedachten Welt auf Systemfehler oder destruktiven Machtmissbrauch? Wie lässt sich das frivole Treiben von Konzernen, Wirtschafts- und Finanzgrössen, fern ab jeder Mitbestimmung der Bevölkerung mit unserem Demokratieverständnis vereinbaren?

        Wenn 147 Finanzkonzerne derart vernetzt sind und so mächtig wie es unlängst die ETH Zürich aufzeigte, wird dann innerhalb dieses Netzes nicht auch die Gemeinschaft vor das Individuum gestellt?

        Zu Ihrem letzten Abschnitt: Weshalb war Island vor den Privatisierungen und Deregulierungen stabil und danach nicht mehr? Warum ist Südkorea unter dem Druck des IWF, den Finanzplatz zu deregulieren, Sozialleistungen abzubauen und Privatisierungen voranzutreiben, in die Krise gestürzt? Hierzu gäbe es noch unzählige weitere Beispiele wie IWF und Weltbank durch ihr neoliberales Vorgehen ganze Länder in den Abgrund trieben.

        • Sophian Philon sagt:

          „Halten Sie es grundsätzlich für möglich, dass eine Freiheit, wie Sie sie sich vorstellen, dazu führen kann, dass Systeme geschaffen werden, die so gross und einflussreich sind, dass gewisse Schichten sich ihnen auf eine Weise anpassen und unterstellen müssen, welche dazu führt, dass dieselben grosse Teile ihrer Freiheit einbüssen müssen?“

          Nein.

          „Welchen Zweck sollte Ihrer Ansicht nach die Wirtschaft erfüllen? Sollten Geld und Wirtschaft nicht der Gesellschaft und dem Gemeinwohl dienen?“

          Nein, auf gar keinen Fall. Freie Wirtschaft (= Marktwirtschaft, Kapitalismus) ist freier Austausch von freien Individuen, und dieser Austausch dient den Individuen, sonst würden sie ihn nicht eingehen. Und sonst keinem. Jedenfalls nicht direkt, denn indirekt kommt die freie Wirtschaft allen zugute.

          „Wie reagieren wir in einer globalisierten und nur auf die Freiheit des Individuums bedachten Welt auf Systemfehler oder destruktiven Machtmissbrauch?“

          Sie meinen damit wohl unsere (westliche) Welt. Die basiert meiner Meinung nach nicht in dem Maße auf der Freiheit des Individuums, wie es notwendig wäre, um Missbrauch etc. auszuschließen. Daher: Mehr Freiheit!

          „Wie lässt sich das frivole Treiben von Konzernen, Wirtschafts- und Finanzgrössen, fern ab jeder Mitbestimmung der Bevölkerung mit unserem Demokratieverständnis vereinbaren?“

          Das ist eine Frage des jeweiligen Demokratieverständnisses. Meiner Meinung nach hat die Bevölkerung kein Mitspracherecht, wenn es um die Grundrechte Leben, Freiheit, Eigentum geht. Im Übrigen lautet auch hier meine Antwort: Mehr Freiheit!

          „Wenn 147 Finanzkonzerne derart vernetzt sind und so mächtig wie es unlängst die ETH Zürich aufzeigte, wird dann innerhalb dieses Netzes nicht auch die Gemeinschaft vor das Individuum gestellt?“

          Der Finanzsektor ist so, wie er ist, weil er nicht (!) den Bedingungen des freien Marktes unterworfen ist, sondern durch das auf Papiergeld basierende System vor Konkurrenz geschützt wird und dadurch in der Lage ist, auf betrügerische Weise Profit zu machen. Ich empfehle hierzu: Roland Baader („Geldsozialismus“)!

          „Hierzu gäbe es noch unzählige weitere Beispiele wie IWF und Weltbank durch ihr neoliberales Vorgehen ganze Länder in den Abgrund trieben.“

          Eben. Durch ihr neoliberales (!) Vorgehen! Ich habe nichts übrig für den Neoliberalismus, da er – anders als es immer dargestellt wird – nicht so liberal ist, wie er sein müsste, um allen gleiche Chancen zu bieten. Er beruht auf dem ungedeckten Papiergeld- (Fiat-Money-) System, das für all die Verwerfungen verantwortlich ist, die Sie und ich – mit Recht – beklagen. Meine Antwort lautet nur nicht: Noch mehr Sozialismus, sondern mehr Freiheit. (Warum meinen Sie, erzittert die Wallstreet vor dem präsidenschaftskandidaten Ron Paul, der eine ähnlich Position vertritt wie ich? Die klassisch liberale / libertäre Position ist emanzipatorisch!)

          Ich bin nicht in der Lage, hier meine Position (die ich nicht erfunden habe, und der ich nicht als einziger anhänge) in aller Breite darzulegen. Deshalb verweise ich Sie noch einmal auf Rahin Taghizadegan („Wirtschaft wirklich verstehen“). Ich kann Ihre Position nachvollziehen, auch ich habe dies einmal vertreten. Ich bin aber sicher, dass Sie die ein oder andere „Erleuchtung“ (das soll nicht hochmütig klingen!) haben werden, wenn Sie sich einmal ernsthaft mit der anderen Alternative auseinandersetzen und Hayek, Mises, Baader und andere Autoren der Österreichischen Schule lesen!

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