Warum schweigt er nicht?

Warum schweige ich

nicht einfach, anstatt einen Leserbrief

zu schreiben, als wäre

er ein

Gedicht mit Zeilen-

umbruch und so

das man kaum lesen kann und noch weniger lesen

will.

Und derweil muss es doch mal gesagt werden,

es muss schon lange mal gesagt werden

und es sagen ja noch nicht genügend Leute,

was so lange mal gesagt werden muss,

nämlich jenes, das zu sagen ist.

Immer nur schweigen, schweigen, schweigen,

so haltet ein mit eurem ewigen Schweigen!

Die Juden, die kann ich nicht leiden.

Ähm, das

Gedicht ist gerichtet gegen die Erfüllung

einer zu erwartenden Katastrophe,

die mit diesem Gedicht nicht identisch ist.

Ich als Literat kann Ahmadinedschad

nicht abhaben,

alles nur leere Worte.

Der hat nur vielleicht eine Atombombe

und die Juden ganz sicher – ähm,

Israel.

Dass der Iran eine Diktatur ist und Israel eine Demokratie,

macht keinen Unterschied, wenn man bedenkt,

dass eine Demokratie unter Judenherrschaft eine noch größere Gefahr

darstellt… *Memo an mich: Später streichen*

Sag ich jetzt mal so, gealtert und mit letzter Tinte.

Niemand darf Israel, mit dem ich mich sehr verbunden fühle,

kritisieren, obwohl es sich verteidigen will,

damit es nicht vernichtet wird,

und wir helfen ihm auch noch dabei.

Als ob wir als Deutsche nicht schon belastet genug wären.

Ich darf das aber nicht sagen, was ich jetzt gesagt habe,

weil sie mich sonst einen Antisemiten schimpfen,

dabei sorge ich mich sehr um das Wohl der Juden, ob hier, in Israel,

ob irgendwo auf der Welt oder anderswo,

anderswo.

Und nur weil ich bei der SS war, muss ich schweigen, nein?

Kann doch nicht sein.

Und jetzt gebt mir einen Nobelpreis.

Was jede Glatze beim Trachtenumzug der NPD sagt, ist wahr;

ist das jetzt klar,

Alter?

Eine internationale Behörde soll die Juden kontrollieren,

ähm, Israel,

nur so gibts Weltfrieden.

Hoffentlich komme ich damit ins Fernsehen,

denn meine Bücher will keiner mehr kaufen.

Scheiße.

Diesmal gibts keine der üblichen Ausreden.

6 Kommentare zu “Warum schweigt er nicht?

  1. feuernutzer sagt:

    Sehr gut, danke!

    Seit 2000 Jahren saugen Kinder vieler Völker den Antisemitismus (und heute den Antiisralismus) mit der Muttermilch auf. Wahrscheinlich muß man sich als Heranwachsender oder Erwachsener erst bewußt von dieser rassistischen „Werkseinstellung“ emanzipieren. Daß das nicht allen gelingt, zeigen Grass und Konsorten.

  2. sba sagt:

    zwei Dumme, ein Gedanke. Du warst schneller, gratuliere.
    Aber da Herr Grass sich eine inhaltliche Kritik wünscht: Herkunft taugt nicht als Begründung für irgendetwas, außer man will es unbedingt (nebenbei habe ich auch über einen Zusammenhang zwischen seinem „Herkunft-Makel“ und der SS nachgedacht, das aber für zu absurd gehalten, um es ernsthaft in Erwägung zu ziehen … man korrigiere mich bei Bedarf); aus einem strategischen Schlag auf eine Industrieanlage einen Völkermord herzuleiten, ist absurd; der Weltfriede hat so nie existiert, war in der Antike die Ideologie der imperialen Großmächte (zuletzt Rom bzw. das Kaiserreich bis Karl V., was seit der Völkerwanderung bzw. der Reformation obsolet ist) und der Erstschlag sieht nach verpflichtend aus, bevor die Bombe da ist, weil es danach zu spät ist. Ferner ist diese bombe nicht allesvernichtend (einige Insektoide können sie überleben).

    Ansonsten: Schöne Replik (und mein innerer Vorbeimarsch, dass ich so etwas und nichts anderes von Dir erwartet habe ^^ )

    • feuernutzer sagt:

      @sba:
      „Ferner ist diese bombe nicht allesvernichtend (einige Insektoide können sie überleben).“

      Auch das ist noch zu pessimistisch. Zur Erinnerung: Es gab bisher über 2000 Testexplosionen von Uran-, Plutonium- und Wasserstoffbomben, davon über 500 atmosphärische Tests. Und Nagasaki und Hiroshima sind heute wieder florierende Großstädte.

      • sba sagt:

        guter Punkt.
        Man muss schon für eine massivste Verstrahlung an vielen verschiedenen Orten sorgen (um Wind und Wasser, die von anderswoher kommen, mitzuerwischen), um zu verhindern, dass das Wetter und technische Möglichkeiten die Belastung einzelner Orte auf ein wiederbewohnbare Maß verdünnen. Die Bombe ist ja nicht ohe GRund nur zweimal militärisch eingesetzt worden (man korrigiere mich ggf.)

  3. DeeTee sagt:

    Das Schöne an Deinem Blog ist, dass ich auch immer wieder mal Deiner Meinung bin 😉 Genial, ich darf mir vielleicht ein, zwei Sätze für Diskussionen auf Youtube merken?

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