Die dritte Welle

Kennt ihr das Phänomen, dass ihr aufmerksam einen Text lest und am Ende trotzdem keine Ahnung habt, worum es eigentlich ging? Das ist nicht immer die Schuld der Leser, man nehme den Wikipedia-Eintrag zum Third-Wave-Feminism, der absichtlich in einem akademischen Kauderwelsch verfasst wurde, damit ihn normale Menschen nicht verstehen, sondern nur Eingeweihte.

Man findet oben den Hinweis: „Dieser Artikel scheint sich selbst zu widersprechen.“ Vielleicht liegt das aber gar nicht am Artikel, sondern an dessen Thema, der aktuellen Variante des Feminismus.

Am besten, ich übersetze den Inhalt in eine verständlichere Sprache.

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Der Third-Wave-Feminismus beschreibt eine Variante des Feminismus, die Anfang der 1990er ihren Anfang nahm und deren Ziel darin bestand, Frauen als selbstbestimmt, stark und „in Kontrolle ihrer eigenen Sexualität“ darzustellen, was bedeutet, dass Frauen keine ernsthaften Beziehungen mehr mit Männern eingehen sollen, aber Gelegenheitssex mit möglichst vielen unterschiedlichen Partnern benötigen, um sich einreden zu können, sie wären stark und selbstbestimmt, da Männer ihre Stärke und Selbstbestimmtheit dem chauvinistischen Klischee entsprechend, das Third-Wavers teilen, durch Sex mit möglichst vielen verschiedenen Frauen definieren.

Außerdem entdeckten Feministen erstmals, dass Frauen keine gleichförmige Rasse von Klonen sind, sondern sie gehören unterschiedlichen Ethnien, Nationen, sozialen Schichten an. Die Fourth-Wave wird möglicherweise entdecken, dass es Frauen außerdem in unterschiedlichen Altersgruppen gibt. Mittels dieser revolutionären Erkenntnis bemüht sich der Third-Wave-Feminism nun auch Gruppen von Frauen zu Opfern zu erklären, die frühere Feministen noch nicht entdeckt hatten, um auf diese Weise eine ausgedehntere Ablehnung der aktuellen, angeblich unterdrückerischen Gesellschaftsordnung zu erzeugen und das System, alias die freie Gesellschaft, zu Gunsten der kommenden Utopie zu zerstören. Oder mit anderen Worten: „Die Third-Wave begrüßt Diversität und Veränderung“.

Der Post-Strukturalismus ist zentral für den Third-Wave-Feminism. Die post-strukturalistische Theorie besagt, dass „Wörter und Texte keine festgelegte oder intrinsische Bedeutung haben, dass es keine transparente oder offensichtliche Beziehung zwischen ihnen und entweder Ideen oder Dingen gibt, keine grundsätzliche oder endgültige Beziehung zwischen Sprache und Welt.“

Warum sollte nun jemand so etwas behaupten? Ganz einfach: „Da also die Sprache gebraucht wurde, um Dualitäten wie Geschlechterunterschiede zu erzeugen, so sehen Poststrukturalisten diese Dualitäten als sprachliche Artefakte, die erschaffen wurden, um die Macht dominanter Gruppen (Männer, Weiße, Heterosexuelle) durch ihre angeblichen Negationen aufrechtzuerhalten, die als untergeordnet oder minderwertig angesehen werden.“

Eine neue Spielart des Marxismus

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Poststrukturalisten leugnen also, dass Wörter das bedeuten, was wir gemeinhin glauben. Stattdessen behaupten sie, dass Wörter tatsächlich von den finsteren Machthabern der freien Welt, nämlich von weißen, heterosexuellen Männern, absichtlich in einer gigantischen, nur von Poststrukturalisten durchschaubaren Verschwörung, unterschwellig auf eine Weise gebraucht werden, um Minderheiten und Frauen zu unterdrücken und die Illusion zu erzeugen, Minderheiten und Frauen wären minderwertig. Wenn sich Wörter nicht notwendigerweise auf irgendetwas in der objektiven Realität beziehen, so kann man behaupten, dass alle Wörter alles bedeuten können.

Zu ihrer Verteidigung: Feministische Poststrukturalisten sind nicht verrückt – es sei denn, man hält die marxistische Paranoia über die geheimen Herrscher der freien Welt für eine Geisteskrankheit, wofür man durchaus argumentieren könnte -, sondern sie nutzen den Third-Wave-Feminismus gezielt als Strategie, um das System (die freie Welt) zu zerstören. Der Witz ist, dass sie das so offen und eindeutig zugeben und dass es zugleich kaum jemandem auffällt, weil sie diese verquaste Sprache gebrauchen.

Neben dem Poststrukturalismus enhält der Third-Wave-Feminismus noch weitere neo-marxistische Theorien: „Third-Wave theory usually incorporates elements of queer theory; anti-racism and women-of-color consciousness; womanism; post-colonial theory; postmodernism; transnationalism; ecofeminism; libertarian feminism; new feminist theory, transgender politics and a rejection of the gender binary.“

Was ist „women-of-color consciousness“? Laut dem Marxismus leidet das Bürgertum in der freien Welt unter einem „falschen Bewusstsein“, welches darin besteht, dass wir nicht erkennen wollen, wie finstere Schattenmänner – seien es Kapitalisten oder weiße, heterosexuelle Männer – insgeheim uns alle manipulieren und beherrschen. In Nordkorea werden jene mit dem falschen Bewusstsein einfach ins Umerziehungslager gesteckt, aber leider gibt es die hier nicht, also muss der Marxismus durch andere Strategien an die Macht kommen. Zu dieser Aufzählung oben gehören weitere Varianten des Neo-Marxismus. Drei Beispiele:

Post-colonial theory: Die Menschen in Drittweltländern werden vom Westen ausgebeutet. Sie sollen sich darum wie Opfer fühlen und die freie Welt zerstören („das System transformieren“).

Transnationalism: Nationalstaaten garantieren die Grundrechte. Marxisten mögen keine Grundrechte, also müssen die nationalen Grenzen aufgehoben werden, um den internationalen, sozialistischen Überstaat aufzubauen, aus dem es kein Entkommen über eine Mauer mehr geben wird vor jenen, die uns wie Spielzeugfiguren in ihrem Planungsspiel behandeln möchten.

Transgender Politics: Geschlechter sind lediglich soziale Kontruktionen, Erfindungen, Fiktion. Tatsächlich kann man Menschen so programmieren, dass sie sich für alles Mögliche halten können. Frauen kann man in den Umerziehungslagern problemlos einreden, sie wären eigentlich Männer und Männer kann man zu Frauen machen. Und was noch wichtiger ist: Man kann alle Menschen zu willigen Sklaven unserer Sozialingenieure umprogrammieren.

Tausend staatliche Eingriffe und außer tausend Eingriffen keine Welt

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Falls nun jemand bezweifelt, dass wir es mit einer Variante des Marxismus zu tun haben, so möge er mir erklären, warum der Third-Wave-Feminismus äußerst umfassende staatliche Eingriffe fordert: „die Erschaffung von Unterkünften für Frauen und Kinder, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind“ (und diese Unterkünfte sollen natürlich staatlich finanziert und organisiert werden), „die öffentliche Anerkennung von Missbrauch und Vergewaltigung von Frauen“ (= Schauprozesse, Volksgerichte), „Zugriff auf Verhütungsmittel und andere Fortpflanzungsdienstleistungen“ (= zur Förderung der „freien Liebe“ und Zerstörung der Familie; die Legalisierung von Verhütungsmitteln ist nicht genug, sondern der Staat soll allen Frauen welche zur Verfügung stellen und sie so dazu anstacheln, sich auf keine ernsthaften Beziehungen einzulassen).

Ferner: „die Erzeugung und Durchsetzung von Regeln zum sexuellen Missbrauch für Frauen am Arbeitsplatz“ (= Erschaffung einer Atmosphäre der Angst durch willkürliche Anschuldigungen, die jederzeit ernsthafte Konsequenzen für Männer haben können), Kinderbetreuungsdienstleistungen (= staatlich; Auflösung der Familien), „gleiche oder größere Bildungsförderung und Zusatzförderung für junge Frauen“ (= „oder größere“! jene Feministen wollen also keine gleichen Rechte für Frauen, sondern Privilegien), „Women’s-Studies-Programme“ (die Sektenzentralen der Feministen, wo neue Anhänger geformt werden).

Wenn der moderne Feminismus nichts mit marxistischen Theorien zu tun haben soll, so fragt man sich schon, warum er unentwegt deren Sprache gebraucht. So lautet beispielsweise die Definition von „bewusstseinserweckende Aktivität“: „Die kollektive kritische Neukonstituierung der Bedeutung der gesellschaftlichen Erfahrungen von Frauen, während Frauen diese durchleben.“ Frauen sollen also ihre Erfahrungen anders deuten, als sie dies normalerweise tun würden – nämlich im Sinne der Feministen.

Laut Amy Richards ist folgendes konkret mit jener Bewusstseinsveränderung gemeint : „Die eigene Fähigkeit, den Geist für die Tatsache zu öffnen, dass männliche Dominanz die Frauen unserer Generation beeinflusst.“ Frauen würden normalerweise also gar nicht auf die Idee kommen, dass sie von Männern unterdrückt würden – darum müssen Feministen ihnen dies einreden.

Schlampen des Guten

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Ferner bedienen sich Third-Wave-Feministen bei der Strategie der Political Correctness, die unsere Sprachverwendung regulieren möchte. So wollen Feministen nun Begriffe, die bestimmte Frauen aus bestimmten Gründen herabwerten, wie „Schlampe“, „Nutte“, „Fotze“, positiv umdeuten, was impliziert, dass Frauen grundsätzlich nicht in der Lage seien, moralisch zweifelhafte Dinge zu tun. Es darf keine Begriffe geben, die noch gebraucht werden können, um bestimmte Frauen aus bestimmten Gründen herabzuwerten, sondern Frauen sind reine, unfehlbare Engel, während Männer stets in der Gegend herumlaufen und den ganzen Tag nichts anderes tun, als Frauen zu vergewaltigen und Kriege zu führen.

Eine Feministin namens Elisabeth Wurtzel verfasste das Buch Bitch: In Defense of Difficult Women, in dem sie „Schlampen“ verteidigen möchte. Sie  definiert ihre „Philosophie“ wie folgt: „Ich möchte schreien, brüllen, einen Aufstand machen, rufen, wenn ich es mag, einen Wutanfall in Bloomingdale’s bekommen, wenn ich mich danach fühle und intime Details aus meinem Leben völlig Fremden beichten. Ich will tun, was ich tun möchte und sein, wer ich sein möchte und nur mir selbst gegenüber verantwortlich sein: das ist, einfach ausgedrückt, die Schlampen-Philosophie.“

Die Schlampen-Philosophinnen möchten sich also in aller Öffentlichkeit wie Kleinkinder aufführen, ohne die Konsequenzen für ihr Verhalten ausbaden zu müssen. Eine weitere Variante der Tierphilosophie.

Dazu gehören auch die sogenannten „SlutWalks“, bei denen sich Frauen wie Schlampen kleiden und in diesem Look demonstrieren gehen. Einige Feministen kritisierten jedoch die Eroberung des Begriffs „Schlampe“, weil dabei „einige kulturelle Gruppen ausgeschlossen werden könnten“. Mit anderen Worten ist der Begriff „Schlampe“ auf einige Frauen leider nicht anwendbar, also werden diese aus dem Feministen-Kollektiv rücksichtslos ausgeschlossen. Soweit die großen Probleme unserer Gesellschaft.

Generationenkonflikt

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Die Third-Wave ist außerdem entstanden aus dem Generationenkonflikt mit der Second-Wave. Während die Mütter Präsident Kennedy anhimmelten und gegen den Vietnam-Krieg protestierten, sind ihre Töchter mit Punk-Rock, Hip-Hop, Internet und der Konsumkultur aufgewachsen. Sie möchten sich nun als echte Feministinnen bewähren.

Auch wenn ich selber ziemlich blöde war mit 16 Jahren im Vergleich zu heute, so habe ich absolut niemals in meinem ganzen Leben nachvollziehen können, wie irgendjemand erfahren kann: „Unsere Generation definiert sich über diese Musik, diese Ereignisse, diese Meinungen“, um alles davon einfach zu kopieren, um bei den bekloppten Freundinnen gut anzukommen. Wo ist die Charakterstärke, wo ist der Individualismus, wenn man einfach tut, was die Kommunisten der neuesten Welle vorbeten, die zu ihrer Herrschaftszeit die größten Gleichschalter der Menschheitsgeschichte waren?

Wie man auch nur auf die Idee kommen kann, so zu leben, ist mir ein Rätsel. Dieses Anpasserleben, gegen das sich die Feministen aussprechen, während sie dessen radikalste Repräsentanten sind, ist kein Leben für Menschen, sondern für Herdentiere.