In einer Welt ohne Steuern

In letzter Zeit habe ich viel smallgetalked mit Repräsentanten aus allerlei Volksschichten. Ein gemeinsames Thema ist stets: „Kleine Leute gegen die Reichen“. Das geht ungefähr so: „Wir kleinen Leute müssen für jeden Cent geradestehen, aber die Reichen dürfen veruntreuen, klauen, betrügen wie sie wollen.“ (unausgesprochene Ergänzung: „…und ich will das auch tun!“). Oder: „Die (Hartz-4-Empfänger, Ausländer) bekommen alles in den Arsch geblasen, aber wir müssen den ganzen Tag schuften und uns nehmen sie es weg“ oder „Was muss ich irgendwelchen Studenten ihr Studium bezahlen?“ oder „Warum bekommen die Großkonzerne auch noch Subventionen und wir Kleinen können nicht einmal unseren Dönerstand halten.“

Bekanntlich sieht meine Philosophie, der Objektivismus, eine Lösung für all diese Probleme, darunter vor allem den Smalltalk, vor: Die Abschaffung aller Steuern. Die notwendigen Staatsaufgaben (Polizei, Militär, Gerichte) könnten zum Beispiel durch eine Kapitalabgabe von ein paar Prozent finanziert werden, die jeder bezahlen muss, der etwas verkauft. Der Rest wird privat finanziert, was bedeutet, dass jeder für das bezahlt, was er nutzt und wofür er freiwillig etwas bezahlen will und fertig. Dadurch müssten die Preise für alles sehr schnell sehr steil fallen.

Und die beste Nachricht ist, dass niemand mehr einen Grund hätte, sich über die unfaire Bevorzugung der Reichen aufzuregen. Die mich nervenden, ewig gleichen Gesprächsthemen wären radikal auf ein Minimum reduziert.

Man siehe diesen Vergleich:

Früher

„Andi, sag mal, was muss ich eigentlich dem Franz von Drüben das Studium finanzieren mit meinen Steuern? Davon habe ich doch gar nichts!“

„Während wir kleinen Leute beim Finanzamt für jeden Cent geradestehen müssen, dürfen die reichen Säcke so viele Steuern hinterziehen, wie sie wollen und mit ihrer Yacht tausend Robben überfahren, während sie einen Eisberg wegkoksen, etc.“

„Jetzt hat Shell wieder eine Million vom Staat bekommen, um neue Energiesparlampen zu installieren, obwohl die das selber bezahlen könnten.“

„Gib dir nicht zu viel Mühe, reich zu werden, sonst musst du für diese armen Schnorrer aufkommen.“

„Der Ahmed von Drüben hat sich schon wieder einen neuen Kühlschrank vom Arbeitslosengeld besorgt, nachdem er die zehn letzten zu seiner Großfamilie in die Türkei geschickt hat, der Sack.“

Nach Abschaffung aller Steuern

„Andi. Ähm. Ja, ist alles im Grunde gut so, wie es ist.“

„Und, wie geht es deinem Studium? Schön, dass ich nicht dafür bezahlen muss.“

„Während die Reichen überhaupt keine Steuern zahlen müssen, so müssen wir kleinen Leute auch überhaupt keine Steuern zahlen. Das ist, ja… mehr habe ich dazu im Grunde nicht zu sagen.“

„Jetzt hat Shell schon wieder keine Subventionen bekommen! Und wir kleinen Unternehmer bekommen derweil auch überhaupt keine Subventionen!“

„Der Ahmed von Drüben hat keine Kühlschränke und gar nichts vom Staat bekommen und ich auch nicht. Schönes Wetter heute.“

„Ja, ist mir eigentlich egal, ob Ausländer hier hereinkommen, seit es keinen Sozialstaat mehr gibt, den sie ausbeuten können. Vielleicht ziehe ich in die Türkei, wo es auch keine Steuern mehr gibt, die haben schönere Strände.“

„Da, wo das Finanzamt war, steht jetzt ein Starbucks. Verdächtigerweise willst du schon lange einen Starbucks in Würzburg. Das war der eigentliche Grund, weshalb du die Steuern abgeschafft hast, oder, Andi?“

„Ja, wir kleinen Leute… ich habe absolut nichts zu sagen.“

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