Die Hoden der Tierschützer sind unantastbar

 

Ein taz-Artikel namens „Der Hoden des Ferkels ist unantastbar“ blickt zurück auf zehn Jahre Tierschutz im Grundgesetz. Ich weiß, es klingt verrückt: Die taz – warum zitiere ich so eine Zeitung? Aber es ist doch recht amüsant, wie sich die organisierten Tierschützer in der Reportage beschweren, dass der Tierschutzparagraph Art. 20a im Grundgesetz nicht viel gebracht habe.

„Mit der Wirklichkeit hat dieser Anspruch zehn Jahre danach leider nichts zu tun, immer noch werden Tiere völlig unnötig gequält“, sagte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes […]

Och, Mensch! Zum Beispiel fordert der Deutsche Tierschutzbund: „Versuche an Affen in der Grundlagenforschung sind per Gesetz zu verbieten.“ Jedes Mal, wenn ich erfahre, dass ein zehnjähriges Mädchen aufgrund der durch Versuche an Affen ermöglichten Grundlagenforschung vor einem frühen Tod gerettet werden konnte, möchte ich sofort solche Versuche verbieten lassen. Und welcher mitfühlende Mensch könnte das auch anders sehen?

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hatte die von der Bundesregierung vorgelegten Entwürfe im Februar als „vollkommen inakzeptabel“ bezeichnet.

Sobald es eine Organisation namens „Tiere gegen Tierversuche“ gibt, werde ich deren Anliegen unterstützen. Bis dahin werde ich ruhigen Gewissens noch viele gute Schnitzel verspeisen und mich über den medizinischen Fortschritt freuen, auch wenn er durch Tierversuche zustandekam. Außerdem: Was würden Tierrechtler eigentlich im Schlaraffenland machen, wenn ihnen gebratene Schweine mit Besteck im Rücken entgegenlaufen? Erstmal eine Petition einreichen und dann das Schlaraffenland verbieten lassen, weil es gegen Art. 20a GG verstößt?

Tierschützer: Medizin ist Tierquälerei

Wenn man eine Stufe erreicht, wo sowohl mentales als auch physisches Leiden denkbar ist, wird es unzulässig, das Tier für Experimente zu verwenden. Zweifellos fallen alle Säugetiere unter diese Kategorie. Wir lernen aber heute auch schon mehr und mehr über das emotionale Erleben verschiedener Reptilien. Wie sie in Experimenten behandelt werden, ist deshalb zweifellos nicht angemessen.

sagt jedenfalls die Affenforscherin Jane Goodall, die in dem Film Jane’s Journey von 2010 zu einer Mutter Theresa für Affen stilisiert wurde. Das komplexe emotionale Erleben von Eidechsen, das selbst für Sitcom-Fans zu dramatisch ist, weshalb noch nie eine Sitcom über die Affären von Eidechsen gedreht wurde, beweist ein für allemal, dass es falsch ist, in die Privatsphäre von Reptilien einzudringen, nur um ihr Verhalten in Experimenten zu studieren, aufgrund derer wir jüngst etwas über das emotionale Innenleben der Reptilien erfuhren.

Da man überall nur hört, wie sinnlos und verrucht Tierversuche seien, könnte man fast annehmen, dass diese Versuche nur darum gemacht werden, weil Mediziner böse sind – sehr böse! Ärzte haben ein finsteres Geheimnis, das sie vor der Welt verbergen: Sie wollen in der nouminalen Welt der wahren Wirklichkeit, im Gegensatz zu allem Anschein, den wir in unserer bescheidenen Dimension (Realität) gewinnen, möglichst viele Lebewesen aus möglichst schlechten Gründen in möglichst kurzer Zeit quälen. Mediziner haben gar nicht ihren Beruf gewählt, weil sie Leben retten und Menschen heilen möchten, sondern weil sie so gerne Tiere grundlos foltern. Es hat alles angefangen, als sie einst im Sandkasten auf Ameisenjagd gingen…

Damit ist die Sache geklärt; aber aus bloßer Vollständigkeit seien hier kurz jene zitiert, die Tierversuche durchführen:

Beinahe jeder große medizinische Fortschritt hing in irgendeinem Abschnitt der Forschung, der Entwicklung oder der Tests von dem Gebrauch von Tieren ab. Beispiele umfassen Antibiotika, Betäubungsmittel, Insulin für Diabetes, Organtransplantationen, künstliche Hüftgelenke, etc.

Wie können die nur mit sich leben, diese sadistischen Schweine?

Ebenso scheint praktisch jeder der Meinung zu sein, man könne Tierversuche einfach durch Versuche an Zellhaufen oder durch Simulationen oder durch Versuche an künstlichen Tieren wie Donald Duck oder sonstwas ersetzen. Jeder – bis auf diejenigen, die aufgrund ihrer Neigung zu satanischen Ritualen mit Tierversuchen arbeiten.

Es hat sich als sehr schwierig herausgestellt, tierfreie Methoden zu entwickeln, um Tierversuche in der Forschung und im Testverfahren zu ersetzen. […] Sobald tierfreie Methoden entwickelt und geprüft wurden, werden sie seitens der Regulierungsbehörden akzeptiert und müssen den Tierversuchen vorgezogen werden. Tierversuche sind nur eine Methode in der biologischen und medizinischen Forschung – Forschung kann auch durchgeführt werden, indem man Zellen, Gewebe, Menschen und High-Tech-Ausrüstung gebraucht. Manche Menschen sehen diese Methoden als Alternativen an, aber sie sind eigentlich ergänzende Methoden, die neben Tierversuchen angewandt werden, um andere Arten von Fragen zu beantworten.

Hitler hätte es nicht besser ausdrücken können! Zugegeben ließ sich Hitler in der offiziellen Propaganda als Vegetarier darstellen, weil die Nazis Pioniere des Tierschutzes (neben ihrer bahnbrechenden Arbeit im Bereich des Menschenhasses) gewesen sind, aber Hitler war kein echter Vegetarier, weil er sonst ein guter Mensch gewesen wäre und kein böser Mensch.

Und schlimmer noch: Fast jedes Jahr bekommen mehrere Forscher den Medizinnobelpreis für ihre Erkenntnisse, die sie durch Tierversuche gewonnen haben! Zu diesen Entdeckungen gehört etwa die künstliche Befruchtung, für die Versuche an Hasen nötig waren, die Entdeckung von Viren, die den Menschen befallen, für die Versuche an Hamstern, Mäusen, Kühen und Affen nötig waren, die Entdeckung der Wirkung von Vitamin K, Erkenntnisse über die Funktion von Nervenzellen, Tumoren, … es ist zu schrecklich, ich kann nicht mehr! Hier ist die ganze Liste des Bösen:

http://fbresearch.wsol.net/nobelprize/ 

Vielleicht haben wir es bei unseren gesetzgeberischen Überlords angesichts ihres Tierschutzparagraphen ja mit wirklich besorgten, engagierten Mitbürgern zu tun, die es ernst meinen, also habe ich auf dejure.org nachgesehen, ob man ihnen ihr Mitgefühl für unsere Chicken McNuggets auch abkaufen kann.

Deutschland: Minderheiten bekommen Sonderbehandlung 

Das Bundesverfassungsgericht hat zum Beispiel festgestellt, dass man Tiere aufgrund von Art. 20a nicht schächten (ihnen die Kehle durchschneiden und sie bei vollem Bewusstsein verbluten lassen) darf – es sei denn, man hat keine guten Gründe dafür. Nur jemand, der überhaupt nicht rational nachvollziehbar begründen kann, warum er Tiere schächtet – darf Tiere schächten! Also nur Juden und Muslime, weil es ihre religiöse Tradition so vorsieht.

Diese haben eine Sondergenehmigung vom BVG fürs Schächten erhalten. Wenn konservative Hindus hier aufkreuzen und ihre Witwen verbrennen wollen, könnten sie auch eine Sondergenehmigung dafür erhalten – aber nur, wenn sie überhaupt keinen guten Grund angeben können, warum sie ihre Witwen verbrennen wollen! Insofern sie sagen „Ey, wir haben schon immer unsere Witwen verbrannt und das steht auch in irgendeinem religiösen Text; fick deine Mutter!“, geht das in Ordnung. Sobald jemand die Pfeife anzündet und sich auf seinem Lehnstuhl zurücklehnt, um philosophische Ausführungen zu erläutern, sollte man ihn sofort abschieben! Mit solchen Spinnern wollen wir hier nichts zu tun haben!

Für die Bewilligung einer Ausnahmegenehmigung vom Schächtverbot ist vielmehr ausreichend, dass der Antragsteller einer Gruppe von Menschen angehört, die eine gemeinsame Glaubensüberzeugung verbindet.

Ja, der war gut. Aber leider meinen die es ernst! Warum eine Ausnahmegenehmigung überhaupt erteilt werden kann, wird in dem Urteil übrigens nicht begründet. Und das ist durchaus konsequent, denn würde das BVG anfangen, hier irgendetwas zu begründen, müsste es sich gleichermaßen selbst ausweisen! Stattdessen entschied es sich für den verantwortungsvollen Weg, allen Menschen Sondergenehmigungen zu erteilen, insofern sie nur einer Gruppe von Menschen angehören, die eine gemeinsame Glaubensüberzeugung verbindet (!).

Finde ich also genügend Leute, welche meine Glaubensüberzeugung teilen, dass man unverheiratete Männer über 60 Jahren (zu erkennen an der Bildzeitung) in einem tibetischen Begräbnisritual vorzeitig ins Nirvana schicken sollte, so wäre es durchaus möglich, dass uns das BVG eine Sondergenehmigung dafür erteilt. Das Grundgesetz ist im Grunde sowieso Blödsinn, also warum sollte sich jede „Gruppe von Menschen“ an das Gesülze halten müssen?

Offenbar haben sich die Erfinder des Tierschutzgesetzes in ihrem Behandlungszimmer für Reptilien mit emotionalen Problemen zusammengesetzt, um die Vor- und Nachteile des Gesetzes abzuwägen. Ich bin zufällig in den Besitz ihrer Liste geraten:

Das Tierschutzgesetz 

Nachteile:

– untergräbt den Rechtsstaat

– ist ein Angriff auf die Vernunft

– multipliziert bürokratische Regulierungen

– schadet der Wirtschaft

– geift in Menschenrechte ein

– macht willkürliche Kompromisse nötig

Vorteile:

– Kompromisse verhindern, dass wir von wütenden Muslimen geköpft werden

– Sonderbehandlung gut für interkulturelles Verständnis, Bekämpfung von Vorurteilen

– Klingt gut

– Nala aus „Der König der Löwen“

P.S. Danke an Rolf Degen für den Hinweis auf den taz-Artikel! Kauft alle seine Bücher, zum Beispiel das:

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=terrrott-21&o=3&p=8&l=as1&asins=B004YF4P3K&ref=qf_sp_asin_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

15 Kommentare zu “Die Hoden der Tierschützer sind unantastbar

  1. MałyFelek sagt:

    ///weil die Nazis Pioniere des Tierschutzes (neben ihrer bahnbrechenden Arbeit im Bereich des Menschenhasses)

    Haette ich nicht besser ausdruecken koennen! Die Nazis waren sogar derart grosse Tierfreunde dass sie, um „unnoetiges Tierleid“ zu ersparen z.B in Ravensbrueck med. Experimente an z.B poln. und ungar. Frauen gemacht haben.Hauptsache, es wurden keine Tiere gequaelt. Eine Veganerin hat mal gemeint, Versuche sollte man an Menschen machen….ich waere dann aber dafuer, dass man bei ihr anfangen sollte.Und ich vermute mal, dass die meisten, die so denken eigentlich noch nie so richtig darueber nachgedacht haben.

  2. JMA sagt:

    War spaßig zu lesen. Den Spott kann ich voll unterschreiben.
    Eine Frage noch:
    „… P.S. Danke an Rolf Degen für den Hinweis auf den taz-Artikel! Kauft alle seine Bücher, zum Beispiel das:“
    Und dann kommt nichts mehr. Also welches Buch???
    Das ist bei vielen Artikeln so, dass da noch eigentlich was stehen sollte, tut’s aber nicht.

    • derautor sagt:

      Das liegt an eurem Browser (vermutlich Firefox). Mit Opera kann man die Bücherlinks sehen. Ich werde mir überlegen, wie man das Problem lösen kann.

  3. JMA sagt:

    Stimmt – schade, denn Opera ist ja eher ein Nischenbrowser, auch wenn er gut ist.

    • derautor sagt:

      Mit dem Internet Explorer und Google Chrome wird es auch richtig angezeigt, nur Firefox will nicht. Ich selbst verwende meist Opera, werde aber auf Chrome umsteigen (ist am schnellsten), sobald ich mir einen Office-Laptop angeschafft habe (aktuell schreibe ich alles auf einem 11-Zoll Subnotebook/Netbook und wenn man ganze Bücher verfasst, ist man irgendwann dezent genervt davon).

  4. rolf degen sagt:

    Ich verwende zwar Chrome, aber ich kann die Buchhinweise auch erst sehen, seit dem ich meinen Adblocker für diese Seite ausgeschaltet habe. Vielleicht haben die anderen ein ähnliches Problem?

    • derautor sagt:

      Dann werde ich zukünftig am besten zusätzlich Textlinks einbauen. Danke für den Hinweis!

      • JMA sagt:

        Ja, liegt am Ad-Blocker. Habe bei mir auf Firefox 12 ausgeschaltet, und schon geht’s. Freut mich, einen nützlichen Hinweis gegeben zu haben 🙂

  5. Karl sagt:

    Interessanter Beitrag.

    Ich finde den Zusammenhang zwischen Tierliebe und Menschenhass interessant. Ich vermute dass viele Menschen Tiere als moralisch besser idealisieren. Natürlich kann man auch argumentieren dass Tiere ja nicht moralisch handeln können da ihnen als biologisch determinierte Wesen der freie Wille fehlt.

    Oft fällt es sicher schwer die philosophische Idealisierung (?) des Menschen als Vernunftwesen so hinzunehmen, wenn die empirische Praxis ganz anders aussieht.

    • derautor sagt:

      Der Mensch hat das Potenzial, vernünftig zu sein, was nicht heißt, dass er es auch ist.

      • Karl sagt:

        Unter welchen Bedingungen denkst du kann der Mensch vernünftig handeln. In einem vorherigen Post hast du dich ja etwas gegen die Gleichsetzung von Bildung und Vernunft gerichtet.

        Wenn richtige (?) Bildung die Vorrausetzung von Vernunft ist wie kann dann die Gesellschaft voraussetzen das jeder diese Bildung erhält.

  6. DeeTee sagt:

    Es sollte eben eine Interessenabwägung erfolgen, sodass ich Tierversuche aus medizinischen Gründen für unbedingt erforderlich halte; um Hautcremes zu testen eigendlich nicht, denn was es bereits gibt sind gute, hautverträgliche und getestete Inhaltsstoffe, und meistens werden neue Cremes nur mit neues Farb- und Duftstoffen versehen, die dann immer wieder an Tieren getestet werden müssen, aber keinen neuen Nutzen haben. Die Ausnahmebegründung für die Halal-Schlachtungen kannte ich noch nicht. Man kann darüber streiten, ob und wie sehr Tiere dabei leiden, wenn es auch kurz und schmerzlos ginge-aber was mir wirklich Angst macht ist, dass es offenbar immer wieder gelingt, das Recht auf freie Religionsausübung über andere Rechte, die m.E. höher zu bewerten sind, zu stellen, sei es Tierschutz, sei es das Recht auf freie Meinungsäußerung oder andere.

    OT Mein Firefox zeigt den Buchlink korrekt an

  7. Bob sagt:

    Nur eine juristische Anmerkung zur Terminologie: Das Grundgesetz hat Artikel und keine Paragraphen. Die korrekte Zitierweise ist also Art. 20a GG und nicht § 20a GG.

    Mit freundlichen Grüßen.

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