Ich bin nicht „antideutsch“

Die Essenz des Objektivismus laut "Bioshock"

Es kommt immer wieder vor, dass Leute nach „feuerbringer“ und „antideutsch“ suchen oder nach „Andreas Müller“ und „Antideutscher“ – und allmählich geht mir das auf die Nerven.

Unter „Philosophie“ habe ich zum Ausdruck gebracht, dass ich die Grundlagen der Philosophie der russisch-amerikanischen Denkerin Ayn Rand teile, die wiederum auf den Werken von, insbesondere, Aristoteles (Vernunft), John Locke (Individuelle Rechte) und Ludwig von Mises (Kapitalismus) aufbaut, deren und andere Ideen integriert und sie zu einem logisch konsistenten Weltbild, zu einem vollständigen philosophischen System ergänzt.

Der Objektivismus richtet sich gegen die Ideen einflussreicher deutscher Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts wie Karl Marx (Kollektivismus), Immanuel Kant (Altruismus) und Friedrich Nietzsche (Anti-Humanismus; der Mensch als Tier). Dies hat aber nichts mit der linken Strömung der Antideutschen zu tun, die erst 1989 entstanden ist.

Immerhin erkennt man einmal mehr, wie wenig bekannt der Objektivismus in Deutschland ist. Die Antideutschen sind oder waren eine kleine Strömung unter deutschen Linken, während von den Büchern Ayn Rands alleine (ganz abgesehen von den Büchern ihrer Nachfolger und den Anhängern ihrer Philosophie) rund 25 Millionen Exemplare verkauft wurden – so viele, als hätte jeder dritte Deutsche eines ihrer Bücher gelesen. Eine der zahlreichen objektivistischen Organisationen, das Ayn Rand Institute, nimmt alleine jedes Jahr sechs Millionen US-Dollar an Spendengeldern ein.

Ein weiterer Vergleich: Der Etat der Giordano Bruno Stiftung, die in Deutschland die Aufklärung medienwirksam vertritt, belief sich 2008 auf 116 000 Euro. Sie verleiht alle zwei Jahre einen Preis im Wert von 10 000 Euro.

Das Ayn Rand Institute verleiht über 500 Preise alleine für Studentenessays im Gesamtwert von rund 100 000 US-Dollar – jedes Jahr.

Es ist verständlich, dass die Leute mich in irgendeine Kategorie stecken wollen, die sie kennen. Darum werde ich, wenn ich meine religionskritischen Ansichten darstelle, häufig gefragt, ob ich für die gbs tätig sei. Wenn es um meine politischen Ansichten geht, sind die Antideutschen offenbar die naheliegende Kategorie, weil sie Israel unterstützten, gegen Antiamerikanismus argumentierten, gegen besonders irrsinnige Varianten der Kapitalismuskritik anschrieben und sich am Ende selbst der Marktwirtschaft annäherten.

Allerdings ist meine Philosophie 1. mindestens 40 Jahre älter und 2. stammt aus einem anderen Land (USA). Der Objektivismus hat sich 3. komplett unabhängig von Antideutschen oder irgendwelchen Deutschen entwickelt, er hat 4. im Gegensatz zum kaum existenten Einfluss der Antideutschen einen gewaltigen Einfluss, viele Millionen „Anhänger“ (insofern man bei einer Philosophie von „Anhängern“ sprechen kann) – darunter übrigens Michael Shermer von der amerikanischen Skeptic Society – und er ist 5. eine Philosophie; während die Ansichten der Antideutschen ein zusammenhangloses Konglomerat verschiedenster Ideen waren.

Schließlich waren die Antideutschen linksradikal, während ich überhaupt nicht links bin. Aus meiner Sicht sind der nationale und der internationale Sozialismus nur zwei Varianten einer kollektivistischen Ideologie, welche in die Rechte der Menschen eingreift und somit das Gegenteil meiner individualistischen Philosophie darstellt. Der Objektivismus spricht sich gleichermaßen gegen Links und Rechts aus. Das Online-Magazin The New Individualist von der Atlas Society (eine weitere objektivistische Organisation, die ebenfalls viel größer ist als die gbs) gibt sogar als ihr Motto an: „challenging both left and right“ („fordert sowohl Links als auch Rechts heraus“).

Objektivisten sind „Radikale für den Kapitalismus“, sie treten ein für Vernunft, individuelle Rechte, rationales Eigeninteresse, Fortschritt, für Wissenschaft und Technologie; wir preisen die Leistungen des menschlichen Geistes, wir sind Gegner des Irrationalismus in allen Varianten, von der Religion (wie Islam und Christentum) über Esoterik (wie Astrologie, Alternativmedizin) bis zur Ideologie (wie Rassismus oder Marxismus) – Objektivisten sind Aufklärer im ursprünglichen Sinne. Politisch gehören wir am ehesten der bürgerlich-liberalen Mitte an; allerdings gibt es keine Partei in Deutschland, die unsere Positionen vertreten würde.

Dies auch an die Adresse jener, die meinen, meine Beiträge hätten die einzige Gemeinsamkeit, dass sie sich gegen den Mainstream aussprechen und zwar immer wieder mal originell und interessant seien mögen, aber zusammenhanglos und vom bloßen Willen getrieben, „dagegen“ zu sein. Keineswegs. Der Wahnsinn hat Methode, der „Wahnsinn“ hat sogar ein System – ein philosophisches System und dessen Name lautet: Objektivismus.

Literatur

Zur Einführung in die objektivistische Philosophie ist gerade ein neues Buch erschienen:

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=terrrott-21&o=3&p=8&l=as1&asins=B006LU1P6G&ref=qf_sp_asin_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

2 Kommentare zu “Ich bin nicht „antideutsch“

  1. Karl sagt:

    Vermutlich kommt das noch aus der Zeit als du neokonservative Positionen vertreten hast und die Antideutschen ja hier auch gewisse Überschneidungen haben.

    Vom Objektivismus habe ich tatsächlich erst von amerikanischen Webseiten erfahren, dort ist er eindeutig stärker vertreten, ähnlich wie libertäre Strömungen. In Deutschland wird der Objektivismus glaube ich weitesgehend ignoriert bzw. von den Linken wohl aus „rechte Ideologie“ abgetan.

  2. sba sagt:

    gute Lösung für den Link, außer dem Bild auch den Text zu taggen.

    Ansonsten könnte man mal überlegen, ob der Objektivismus nicht wirklich was gegen Kleinstaaterei haben müsste – Zollgrenzen hemmen den Warenfluss, nationale „Identitäten“ werden immer wieder Nährboden für irrationale Ressentiments (gegen andere nationale „Identitäten“ und/oder mehr oder weniger willkürlich definierte Gruppen von Menschen), die Militärbedürftigkeite eines Staates unter Staaten lässt dessen Aufgaben und Kosten steigen. Und das sind bloß Beispiele, die mir spontan einfallen. Die Grundfrage ist die: Wäre es nicht im Interesse des oder mit dem Objektivismus kompatibel, neben möglichs wenig Staat auch möglichst wenige Staaten zu haben, die – oder idealiter der – sich um die staatliche Aufgabe (den Krieg aller gegen alle einzudämmen durch Polizei und Strafgesetz) kümmert?
    (nun gebe ich aber zu, dass das dann nicht mehr im „klassischen“ Sinne „antideutsch“ wäre, sondern schlicht und ergreifend alle Staaten beträfe)

    sba

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