Breiviks Toupé

Wie einst Gerhard Schröder muss sich nun der norwegische Attentäter Anders Breivik den Vorwurf gefallen lassen, seine wenigen Haare wären nicht echt. „Skandal: Breivik trägt Toupé!“ titelte am Sonntag die Bild-Zeitung. Der Massenmörder, der bei der jüngsten Gerichtsanhörung gefühlskalt über die Exekution von Jugendlichen in einem Zeltlager sprach, wollte sich nicht zu diesem sensiblen Thema äußern.

Derweil reißt die Debatte über die Frage nicht ab, warum er es getan hat? War es die Schuld von Computerspielen oder die von deutschen Schützenvereinen?  Und wie kann man solche Attentate verhindern? Sind pazifistische Volkslieder eine effektive Strategie? Oder wird moderne Kunst helfen?

Vielleicht führten auch pazifistische Volkslieder und moderne Kunst zum Attentat, während Computerspiele und privater Schusswaffenbesitz es hätten verhindern können?

Und wie muss man die Tragödie emotional verarbeiten? Einerseits war die zuständige Richterin Elisabeth Arntzen den Tränen nahe, als der Tod von vierzehn Jugendlichen im Gerichtssaal geschildert wurde. Andererseits weinte auch Anders Breivik, als sein YouTube-Video über Neo-Kreuzritter mit der Musik aus dem Videospiel Conan – Zeitalter der Kriege gezeigt wurde. Da es „noch mehr gibt als Vernunft“, nämlich Gefühle, also keine rationalen Standards existierten, anhand derer man Gefühlsausbrüche einordnen oder gar kritisieren könne, wo diese doch einer anderen, höheren Sphäre des Daseins angehörten, sei das eine mit dem anderen gleichzusetzen; so Ute Trecht vom Kleinrinderfelder Institut für Geschlechtermainstreaming und Neocolonial Studies.

Auch besteht Unklarheit darüber, welches die gefährlichen Elemente von Breiviks Ideologie sind. Eine Analyse des Manifests seitens norwegischer Experten ergab laut Wikipedia Folgendes: „Als wesentliche Elemente der kulturkonservativen Ideologie Breiviks sind der Monokulturalismus, die Wiedereinsetzung der Kernfamilie, die freie Marktwirtschaft, die Unterstützung Israels und der Ostkirchen sowie das Eintreten für ein kulturell verstandenes Christentum identifiziert worden.“

Psychologen und Politologen halten insbesondere die Unterstützung von Israel und Marktwirtschaft für „Anzeichen einer schweren Psychose“, so Prof. Dr. Heinrich Specht und „politisch höchst bizarr“, wie der Politikwissenschafter Prof. Peter Erfurt der Hanauer Zeitung mitteilte . Die Ablehnung Israels als zionistischer Unterdrückerstaat sei in Norwegen und in Europa generell anerkannt, so auch der Wohlfahrtsstaat. Breivik teile eine „kranke politische Ideologie“, die „fast schon amerikanisch“ sei, urteilte der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei.

Andere halten das Lob des Kulturchristentums und den Bezug zum Templerorden seitens Breivik für die entscheidenden Faktoren. „Anders Breivik hat sich als einer von vielen wahnsinnigen, christlichen Massenmördern herausgestellt, die immer wieder durch die Ermordung ungläubiger Jugendlicher einen Namen machen“, bemerkte etwa der atheistische Religionskritiker Richard Dawkins. „Anders Breivik wäre ein Beispiel für solche Leute.“

Feministen sehen derweil Breiviks Befürwortung des Patriarchats für den wahren Grund seiner Morde an. „Er will lediglich nicht wahrhaben, dass es sein Wunschpatriarchat noch immer gibt und es keineswegs erst errichtet werden muss“, betonte Prof. Müller-Schmidt vom Institut für Frauen.

Schließlich hat die Gesellschaft doch einen Weg gefunden, die verworrenen Debatten aufzulösen, nämlich durch das Werfen von Schuhen auf Breiviks Anwältin. Einigen kann man sich bis auf die Schuh-Synthese der widerstreitenden Argumente bislang nur auf eines: Wer oder was auch immer für die Attentate in Norwegen verantwortlich war, Anders Breivik ist es jedenfalls nicht gewesen – daher drohen ihm auch nur maximal 21 Jahre Gefängnis. Und wie auch immer man solche Attentate in Zukunft erklären oder verhindern oder darüber berichten könnte, die Vernunft darf dabei auf keinen Fall eine Rolle spielen.

Siehe auch: Norwegen: Wird Anders Breivik Innenminister? 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Politik.

6 Kommentare zu “Breiviks Toupé

  1. sba sagt:

    wtf???

  2. vulki sagt:

    Kann mir jemand kurz erläutern, was hier Satire und was Realität sein soll?

  3. Wafthrudnir sagt:

    Ab „Psychologen und Politologen …“ gibt es keine Quellenangaben mehr. Darf ich das so verstehen, daß die folgenden Absätze bis zu den Schuhen Satire sind? Ein „Ja“ des Autors würde mich sehr beruhigen, ein „Nein“ aber auch nicht überraschen.

    • derautor sagt:

      Im ganzen Artikel sind Realität und fiktive Überspitzung vermischt. Wenn man wissen will, was stimmt, muss man jeweils auf die Links klicken (was auch Teil der Satire ist).

  4. Carsten sagt:

    geschmacklos …

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