Ist Skeptizismus angemessen?

Skeptizismus in Bezug auf was?

Genau!

Der objektivistische Philosoph Alexander R. Cohen argumentiert in dem Vortrag, der am Ende dieses Beitrags eingebaut ist, gegen den radikalen und gegen den allgemeinen Skeptizismus. Wir sollten demnach skeptisch sein, wenn wir gute Gründe dafür haben, skeptisch zu sein, was vom konkreten Fall abhängt. Es gibt keinen Grund, generell skeptisch zu sein, etwa über die Existenz der Realität als solche oder über alles.

Je besser die Belege für eine Behauptung sind und je besser wir uns mit dem jeweiligen Thema auskennen, desto sicherer können wir uns sein. Haben wir mehrere Bücher über Kolibris gelesen, selbst einmal Kolibris beobachtet, Dokus im Fernsehen über Kolibris gesehen, so können wir uns doch sehr sicher sein, dass es sich dabei um Vögel handelt, auch wenn sie ungewöhnlich schnell mit ihren Flügeln schlagen.

Cohen spricht auch die Unterscheidung zwischen Nicht-Möglichkeit und Unmöglichkeit an.

Eine Nicht-Möglichkeit ist eine willkürliche Behauptung, die wahr sein könnte, aber die ohne jegliche Belege einfach in den Raum gestellt wird. Zum Beispiel: Angela Merkel hat heute ein Glas Orangensaft getrunken. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Sie selbst weiß das natürlich, vielleicht gibt es auch vollblütige Merkel-Experten, die ihre Trinkgewohnheiten kennen und die insofern eine informiertere Aussage treffen können als andere (ihr habt offiziell euer Leben verschwendet!). Wenn irgendwer dies jedoch behauptet, ohne es irgendwie belegen zu können, so ist das Trinken eines Glases Orangensaft durch unsere Kanzlerin eine Nicht-Möglichkeit.

Unmöglich ist derweil etwas, das nicht wahr sein kann. Zum Beispiel: Abraham Lincoln hat heute ein Glas Orangensaft getrunken. Da Abraham Lincoln tot ist und tote Menschen keinen Orangensaft trinken, kann diese Behauptung nicht zutreffen.

Sicher kann man sich dann sein, wenn man weiß, dass man starke Belege für die eigene Schlussfolgerung hat und keine dagegen. Zum Beispiel: Ich habe gerade ein Glas schwarzen Tee getrunken, um diesen Beitrag noch schreiben zu können, bevor ich einschlafe. Ich bin mir sicher, dass dies wahr ist, denn ich erinnere mich daran und ich sehe das leere Glas und die beiden Teebeutel (es ist ein großes Glas) vor mir.

Cohen kritisiert auch die Idee der Gott-Perspektive (der „Gott der Philosophen“). Dabei geht es um die Vorstellung, dass nur ein allwissendes Wesen, das die Welt aus ihrer eigenen Perspektive betrachtet und nicht aus irgendeiner subjektiven menschlichen Perspektive, uns als einziges sicheres Wissen liefern könne.

„Sicherheit“ bezieht sich allerdings auf menschliche Sicherheit und alles andere ist ein Mythos. Was die Skeptiker hingegen fordern, ist unfehlbare Sicherheit – eine Eigenschaft, die auf das Konzept „Sicherheit“ nicht anwendbar ist, denn das wäre eine kontextlose Sicherheit (man wäre sich einfach nur „sicher“, aber nicht sicher über etwas).

Ein aufschlussreicher Vortrag – wer Englisch kann, möge erwägen, ihn sich anzusehen:

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Ein Kommentar zu “Ist Skeptizismus angemessen?

  1. Martin sagt:

    Naja… vielleicht solltest Du Dein „unmöglich“ Beispiel noch etwas präzisieren, denn nicht alle Abraham Lincolns sind tot… 🙂 http://www.whitepages.com/name/Abraham-Lincoln/New-york

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