Schon wieder irgendein Fußball-Spiel

Die eine Konstante in meinem Leben: Ich kann Fußball nicht leiden. Das Spiel zu spielen fand ich schon immer langweilig, ein Spiel anzusehen ist an Langweiligkeit nicht mehr zu überbieten und das einzig nicht-langweilige Merkmal an Fußball sind die schreienden, betrunkenen Horden, die einem überall entgegenlaufen.

Update: Na schön, es sind mal wieder alle beleidigt. Tut mir Leid. Aber bitte: Ist ernsthaft jemand überrascht? Ihr wisst doch, dass ich ein egozentrischer Schöngeist bin, dessen liebste Beschäftigung das Verschlingen von philosophischen Abhandlungen über die Bedeutung des menschlichen Zeigefingers ist, während ich in einem extravaganten Etablissement (McCafé) Süßigkeiten und Kaffee konsumiere. Ich mache das nicht, um anzugeben, sondern ich bin so und ich war schon immer so. Man kann es durchaus als Fluch ansehen, dass sich mir die Freuden des Fußballs niemals erschlossen haben und zweifellos beneide ich manchmal die Menschen, die eine enorme Freude über dergleichen für mich unverständliche Aktivitäten erleben können, die für mich so rätselhaft sind wie die Regentänze unserer Vorfahren.

Aus meiner egozentrischen Perspektive und aus jener meiner vollblut-akademischen Mitverschwörer ist Fußball jedenfalls ein reines Ärgernis. Das ist meine Meinung und ich schäme mich nicht dafür, sie auszusprechen und ich schäme mich ebensowenig, sie auf meinen T-Shirts zu verewigen und wenn mich das ganze Land dafür beleidigt anschaut. Im Namen der winzigen Minderheit von Fußball-Analphabeten:

Ich sehe das genau wie die britischen Komiker Mitchell & Webb:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=VF_uOgyBK1c[/tube]

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=xN1WN0YMWZU[/tube]

Außerdem werden dort heidnische Gottheiten wie „Thor“ verehrt, woran mich Christian Rogler erinnerte. Das kommt in der Tat erschwerend hinzu, die Legitimität des Fußballs verliert dadurch noch einmal drastisch.

13 Kommentare zu “Schon wieder irgendein Fußball-Spiel

  1. apoth sagt:

    das Volk will eben Brot und Spiele

  2. Axel Lindhorst sagt:

    Viel anschaulicher kann man seine intellektuelle Borniertheit kaum illustrieren. Aber zugegeben, das mit der heidnischen Gottheit kann einem fast ein Lächeln abringen.

    • derautor sagt:

      Ist jeder intellektuell borniert, nur weil er Fußball nicht leiden kann? Dann bin ich intellektuell borniert. Ich mache das nicht aus Bosheit oder Spielverderberei, sondern es ist meine verdammte Meinung und ist es schon immer, schon als intellektuell borniertes Kind, gewesen.

      • DeeTee sagt:

        Intellektuell borniert ist lediglich derjenige, der nicht nur Fußball nicht leiden kann, sondern Menschen die Fußball leiden können nicht leiden kann oder für minderbemittelte Idioten hält. Dies wird durch Deine Polarisierung (betrunkene Horden, wie Wilde aufführen, mittlerweile will ich nicht mehr verstehen) in diesem Artikel sehr deutlich. Ich frage mich zu Zeit als Dein langjähriger Blogleser immer häufiger, warum Du so abgrenzend bist, hat fast was religiös fundamentalistisches, nur Deine Meinung zählt, und wer anderer Meinung ist oder Deine Meinung nicht nachvollziehen kann oder will, ist ein Depp. Schade eigendlich.

        • derautor sagt:

          Na, wenigstens habe ich eine Meinung. Nein, ich denke nicht, dass jeder Fußballfan ein Wilder ist oder ein Idiot. Ich denke sogar, dass es für die Fans etwas Großartiges sein muss, an dem ich leider niemals einen Anteil haben werde, weil das ganze Phänomen meiner Denkweise so grundlegend widerspricht, dass ebenso ein Haufen Indianer einen Regentanz aufführen könnte. Es muss etwas sein, was den Indianern sehr viel bedeutet – aber ich stehe dem Ganzen mit vollkommenem Unverständnis gegenüber.

          Ich weiß nicht, warum es jemand dermaßen toll finden könnte, wenn jemand ein Tor schießt. Ich verstehe prinzipiell, dass Menschen Leistungen anerkennen und bin voll dafür und auch die hervorragende Bewältigung eines Spiels ist eine Leistung, die man anerkennen kann – aber nicht so sehr, wie sie anerkannt wird; erst recht im Vergleich zu anderen Leistungen. Wenn jemand Krebs heilen oder die Lebenszeit der Menschen um 20 Jahre erhöhen würde, dann wäre er für mein ein Halbgott, das größtmögliche Idol. Ich würde ihn tagelang freiwillig auf einer Trage durch die Stadt tragen, wenn er möchte. Ich würde allzu gerne ein Fanshirt mit seinem Namen tragen.

          Aber Fußball? Wieso?

          • DeeTee sagt:

            Hmm. Wenn ich so darüber nachdenke, hast Du Recht. Ich vermute:
            – Vielleicht weil Menschen in der Kindheit anfangen, Fußball zu spielen
            – Nationalstolz, Identifikation
            – Adrenalin
            – Spaß, Sport, Teamgeist, Strategie
            Sicher alles tolle Dinge, die man auch noch gewinnbringender für die Menschheit einsetzen könnte, klar, aber vielleicht ist es ja umgekehrt: ohne Fußball als Ablenkung von den alltäglichen und trivialen Problemen, egal in welcher sozialen Schicht, gäbe es möglicherweise eher mehr Unsinn, der sich dann nicht mehr gelenkt seine Bahn bricht…

          • Ano Nym sagt:

            Um es mit Habermas zu sagen: Du bist fußballtechnisch unmusikalisch.

            Es geht beim Dermaßentollfinden nicht darum, dass einer ein Tor schießt, sondern dass der Torschütze der favorisierten Mannschaft ein Tor schießt. Auch ist der Inhalt des Tollfindes nicht die ‚Anerkennung einer Leistung‘ sondern das Zufriedenheitsgefühl, für die richtige Mannschaft gehalten zu haben.

            Zur Vertiefung: http://www.titanic-magazin.de/newsticker.html?&tx_ttnews%5Bcat%5D=45&cHash=1 („TITANIC Gesellschaft: Powersätze fürs Fußballschauen“)

  3. arprin sagt:

    Es wäre doch mal eine interessante philosophische Frage, warum Fußball so viele Menschen so sehr begeistern kann.

    In seiner nun schon fast 150 Jahre alten Geschichte hat Association Football, wie er offiziell heißt, die Gedanken und Emotionen von Millionen, ja Milliarden Menschen, begleitet und ist für viele wie eine Art Religion geworden. Eine Art Ersatzreligion. Wegen Fußball wurden Kriege gestoppt oder sind erst ausgebrochen, Feiertage wurden ausgerufen, sogar in Saudi-Arabien wurden Tests während der WM 2006 verboten, weil die Noten der Schüler abstürzten. Im Irak brachen 2007 mitten während des Kriegs Jubelstürme aus, weil die Mannschaft den Asian Cup gewonnen hatte. Gleichzeitig gibt es auch dunkle Geschichten, wie die Zeit des Faschismus, in der der Fußbal zu Propagandazwecken missbraucht wurde, oder dass Saddam nach der verpassten WM-Quali 1997 Spieler foltern ließ, der kollektive Boykott der arabischen Länder gegen Israel (deswegen spielt Israel in dem europäischen Fußballverband).
    Ich habe noch ein paar netet Beispiele zusammengeführt:
    http://arprin.wordpress.com/2012/02/02/fusball-die-friedlichste-religion-der-welt/

    Zettel hat auch einen schönen Artikel zur Faszination Fußball geschrieben:
    http://zettelsraum.blogspot.de/2006/06/was-macht-den-fuball-so-schn.html

    Fußball ist also für sehr viele Menschen auf der Welt mehr als nur ein Sport, sondern hat eine große gesellschaftliche Bedeutung. Das gilt auch für andere Sportarten, wie z.B. Cricket in Südasien. In den 70ern gab es die „Ping-Pong-Diplomatie“ zwischen China und den USA, vielleicht liegt die Zukunft des Weltfriedens ja in der „Fußball-Diplomatie“ zwischen Iran und Israel.

    Dass es auch viele gibt, die der Sport überhaupt nicht interessiert, ist natürlich normal, und das stört mich nicht. Ich finde die Reaktionen von Axel Lindhorst und Dee Tee völlig übertrieben. Und doch erinnern mich diese ganzen „Fußballkritiker“, die Fußball nur mit betrunkenen, gewalttätigen Hooligans in Verbindung bringen, irgendwie an linke Kulturkritiker, die den Untergang des Abendlandes herbeireden, wenn im Fernsehen DSDS oder das Dschungelcamp läuft. Es ist doch ganz einfach: Wenns einem nicht gefällt, schaut man es einfach nicht an und lässt die anderen in Ruhe.

    • derautor sagt:

      Bist du ernsthaft der Meinung, dass jene, denen Fußball nicht gefällt, jenen, denen es gefällt, mehr Schaden zufügen würden? Ich finde es offensichtlich, dass jene, die mit Fußball nichts anfangen können, regelmäßig von eben diesen betrunkenen, nicht unbedingt gewalttätigen aber nervtötenden Fußballfans belästigt werden. Ich bin meiner Erfahrung nach der absolut einzige Nicht-Fußballfan, der auch mal Fußballern auf die Nerven geht – immerhin als pure Gegenreaktion auf die Ruhebelästigung. Deine Ermahung, dass WIR die anderen in Ruhe lassen sollen, finde ich äußerst dreist. Immerhin GIBT es Fußballhooligans, was es nicht gibt sind Anti-Fußballhooligans oder Philosophen-Hooligans. Das Abendland geht nicht unter wegen Fußball, aber meine Konzentration beim Schreiben und Lesen wurde mehr als nur einmal durch Fußball gestört, ohne dass ich es darauf angelegt oder provoziert hätte.

      Im Sinne der universellen Gerechtigkeit müsste ich eigentlich einen Anti-Fußballclub gründen, der Fußballfans regelmäßig anschreit, wann immer sie es nicht haben wollen und der Hooligans im Austausch die Fresse poliert.

      • arprin sagt:

        „Deine Ermahung, dass WIR die anderen in Ruhe lassen sollen, finde ich äußerst dreist.“

        Wie gesagt: Ich habe null Probleme damit, wenn jemand Fußball nicht ausstehen kann. Von daher war es überhaupt nicht als Ermahnung gemeint.

        Zu betrunkenen Hooligans: Niemand, der nüchtern oder friedlich ist, mag dieses Gestalten. Die Fußballfunktionäre debattieren oft über das Thema Fangewalt. Man kann ihnen wahrlich nicht vorwerfen, das sie dieses Problem ignorieren würden. Betrunkene Randalierer, ob nun Fußballhooligans oder Rockkonzertbesucher, belästigen jeden, nicht nur die Fußball- oder Rockmusikgegner.

  4. Martin Perz sagt:

    Ich glaube, das Philosophen-Fußballduell Deutschland-Griechenland von Monty Python ist genau das richtige für dich:
    http://www.youtube.com/watch?v=ur5fGSBsfq8 (auf Englisch)
    http://www.youtube.com/watch?v=DnngpL9vQZc (auf Deutsch)

  5. Christian Raabe sagt:

    … ganz meine Meinung – wo gibt’s den Button??
    Chris

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.