Attila für den Anarchokapitalismus

Zunächst ein kurzes Update über mein kommendes, bislang umfangreichstes Buch Der Westen. Ein Nachruf. Es befindet sich im Lektorat. Alle Beiträge sind fertig, abgesehen von Danksagung und Nachwort. Ich bin sehr zufrieden damit, aber wie ich meine Lektoren kenne, werden sie aufzeigen, dass sich durchaus noch etwas verbessern lässt. Das finale Cover ist noch nicht vollendet, wird sich aber, wie angekündigt, am „Griechisch“-Design orientieren. Ich werde das Buch erst veröffentlichen, wenn ich damit vollends zufrieden bin.

Vor einer Weile sprach ich den Konflikt zwischen Objektivisten und Libertarians an. „Libertarians“ sind eine radikal-liberale Bewegung in den USA, die auch vernünftige Leute umfasst, wobei diese Bewegung und Partei allerdings eine Tendenz in Richtung Anarchokapitalismus aufweist. Wenn jemand sagt, er sei ein „Libertarian“, dann könnte er ebenso ein großartiger Denker sein wie ein drogenabhängiger Psychopath, der den „Staat“ ablehnt, weil er ihm Drogen und Mord verbietet. Es ist also ein sehr unscharfer Begriff.

Der Anarchokapitalismus ist hingegen eindeutig eine bösartige Karikatur der Ideen von Ayn Rand. Anarchokapitalisten lehnen jede Art von „Staat“ ab und sie möchten im Gegensatz zu den Minimalstaat-befürwortenden Objektivisten auch die Verteidigung der Bürger in die Hände „privater Versicherungsgesellschaften“ (z.B. die Mafia?) geben. Sie fordern lediglich, dass niemand Gewalt gegen irgendwen einsetzt, Ideen sind ihnen egal, sie sind anti-intellektuell. Darum gibt es in ihren Reihen alles von Faschisten bis zu einstmals linksradikalen Vandalen. Hauptsache sie sind „gegen den Staat“.

Die anarchokapitalistische Utopie erinnert mich an das Parteiprogramm der APPD (Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands), die das Land „balkanisieren“ möchte und die passenderweise für die „Rückverdummung der Menschheit“ eintritt. Dann hätte jeder seine Zone, in der er sich verhalten kann, wie er möchte. Es gäbe eine Zone für Autobahnraser, für Faschisten, für Drogendealer. Und alle ließen sich gegenseitig in Ruhe. Warum sie das tun sollten, das weiß nur Gott.

Ich halte diese Ideologie für absurd – für die Art und Weise, wie eine Barbarenhorde eine geniale Philosophie wie den Objektivismus (oder Liberalismus überhaupt) in ihrem Sinne verfälschen würde, und es ist kaum verwunderlich, dass Anarchokapitalisten häufig anti-westlich eingestellt sich, irgendwelche Drittweltdiktaturen den westlichen Republiken vorziehen.

Drittweltdiktatoren zerstören schließlich Staaten, auch wenn es unsere sind und auch wenn sie viel freier sind als die Staaten der Drittweltdiktatoren. Dass Terroristen und Tyrannen ein Interesse daran hätten, individuelle Eigentumsrechte zu verteidigen, wenn der Westen sie nur lassen würde, ist so absurd, dass es mir einfach nur noch die Sprache verschlägt. Jeder Unternehmer, der so etwas vertritt und ernsthaft glaubt, er würde in einer anarchokapitalistischen Gesellschaft noch mehr Geld verdienen können – anstatt, dass er, was viel wahrscheinlicher ist, von Kannibalenhorden lebendig gefressen würde -, nur, weil er dann keine Steuern mehr zahlen müsste, der ist keinen Iota besser als die schlimmsten Kollektivisten.

Mich hat einmal jemand gefragt, ob ich noch Minarchist sei oder schon Anarchokapitalist – als wäre letzteres die konsequentere Version des ersteren, oder als wäre der Minarchismus ein Abstieg in die Höllenreiche des Wahnsinns, während der Anarchokapitalismus den zehnten Kreis der Hölle darstellt. Das ist eine unverschämte Frage. Der Minarchismus wurde von professionellen Philosophen wie John Locke und Ayn Rand mit großartigen Argumenten vertreten, der Anarchokapitalismus stammt von Nihilisten, die nur ihren spontanen Launen gehorchen wollen. Der Anarchokapitalismus ist eine Philosophie für Barbarenhorden, die so tut, als wäre sie mehr, die sich hinter großen Ideen wie dem Naturrecht versteckt.

Eine typische Forderung der Anarchokapitalisten ist die Abschaffung aller Rufmord-(„Libel“-)Gesetze. Sie sind der Meinung, das Recht auf freie Meinungsäußerung erstrecke sich auch auf die Zerstörung eines Individuums durch falsche Behauptungen. Im folgenden Video argumentiert der libertäre Anwalt Nat Hentoff (insgesamt kein Anarchokapitalist, aber in diesem Punkt ihrer Meinung) gegen Libel-Gesetze und der Objektivist David Kelley verteidigt sie. Laut Hentoff könnten wir uns all die schwierigen Differenzierungen und problematischen Urteile ersparen, indem wir das Konzept des „Rufmords“ gleich aufgeben. Da könnten wir ebenso das Konzept des „Mords“ aufgeben, um nicht mehr zwischen Mord und Totschlag unterscheiden zu müssen. Viel Spaß:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=ge57bIoTXoY[/tube]

29 Kommentare zu “Attila für den Anarchokapitalismus

  1. foundnoreligion sagt:

    Es sind keine sieben, sondern zehn Höllenkreise, die Alighieri in seiner „Commedia“ besingt. Wobei einer davon die Vorhölle oder der Limbus Patrorum ist. Ich weiß es, denn ich habe die Commedia auf deutsch selbst gelesen.

  2. Karl sagt:

    Der klassische Liberalismus in Richtung Adam Smith sagt ja ähnliches in Richtung Staat aus.

    Was mich am Anarchismus schon immer gestört hat ist die Annahme dass ohne Staat auch die Freiheit realisiert werden könnte. Das halte ich für albern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in früheren Stammesgesellschaften oder in heutigen failed states (Afghanistan) ein hohes Maß an Freiheit herrscht.

  3. Karl sagt:

    Auf das neue Buch freue ich schon sehr.
    Schade aber das du nicht mehr auf der Achse des Guten bloggst. Da das ja der größte liberale Blog ist, könntest du dort vielleicht für dich mehr Werbung machen.

    • derautor sagt:

      Da weiß man nie, ob die nun einen Beitrag haben wollen oder nicht. Wenn ich erraten kann, dass sie ihn nicht veröffentlichen, ist er schon nicht mehr aktuell genug, um ihn hier zu veröffentlichen. Und leider haben sie nie Links zu meinem Blog oder zu meinen Büchern in meinen Beiträgen mit eingebaut, was bedeutet, dass es mir als Werbung nicht so viel bringt – und ich finde, dass sich das eigentlich so gehört, wenn man schon niemanden bezahlen kann, und es wäre nicht schwer, sie einfach mitreinzukopieren. Keine Ahnung, was das alles bedeuten soll, wenn es etwas bedeuten soll und ich habe weder Zeit noch Nerven, es zu erraten.

      Vielleicht werde ich es trotzdem noch einmal versuchen.

      Zudem scheinen sie eine Abneigung gegen Philosophie zu haben, wobei sie sich sehr irren, wenn sie glauben, man könnte nur mit Entertainment und Spott die Pseudoargumente und die moralischen Appelle der Altruisten bekämpfen. Wenn man selbst keine philosophische Grundlage für die eigenen Ansichten hat, dann kann man sich alles gleich ersparen.

  4. arprin sagt:

    Das Rätsel für mich ist, das so viele moderne Denker der Austrian Economics (Menger, Mises, Hayek, Hazlitt) diesen Vorstellungen einer Idealwelt verfallen sind.

    Rothbard war z.B. ein Schüler Mises‘ und wurde sogar als sein Nachfolger bezeichnet. Seine Analyse zur Weltwirtschaftskrise wird von den Austrians immer wieder gelobt. Taghizadegan, der aktuell wohl bedeutendste deutschsprachige Vertreter der Austrian School, hat für Rothbards Vorstellungen auch nur gute Worte übrig. Huerta de Soto ist auch Anarchokapitalist.

    Ich finde das ärgerlich und auch ein bisschen erschreckend, immerhin war Mises der wohl größte Vordenker des Liberalismus und Kapitalismus, den die Welt je hervorgebracht hat. Das sein „Nachfolger“ ausgerechnet Rothbard sein soll, ist für mich schwer zu verstehen. Für mich ist der Anarchokapitalismus eine kulturrelativistische, gewaltverharmlosende Ideologie. Wie können sich solche Leute auf die liberalen Klassiker berufen?

    „Mich hat einmal jemand gefragt, ob ich noch Minarchist sei oder schon Anarchokapitalist – als wäre letzteres die konsequentere Version des ersteren“

    Das ist mir auch oft aufgefallen. Diese absolute Überzeugung, dass man im Recht ist. Da wird jeder, der die Notwendigkeit eines Staates betont, als „Etatist“ beschimpft. Zwischen Demokratie und Diktatur wird kaum unterschieden, beides ist ja staatlich und damit per se böse. Das einzig wirklich Gute für sie ist das anarchokapitalistische Paradies. Hans-Hermann Hoppe beschimpfte sogar Hayek als „Sozialdemokraten“.

    Etwas, was mir bei den modernen Austrians auch aufgefallen ist: Alle, wirklich so gut wie alle, ob Anarchokapitalisten oder nicht, sind große Anhänger von Ron Paul. Man muss nur mal bei „eigentümlich frei“ vorbeischauen.

    Ich stelle ich mir die Frage, ob Ron Paul für die USA ein Segen oder eine Katastrophe wäre. Er würde Fiat Money, die FED und Fractional Reserve Banking bekämpfen, er würde gegen Schulden und Inflation angehen und die Macht des Staates beschränken. Sein Nicht-Interventionismus würde den USA immerhin ein paar Billionen sparen. Aber andererseits hätte unter ihm jeder Diktator freie Hand. Man muss abwägen, was für die USA gefährlicher ist: Schulden und Inflation oder Ayatollah und al-Qaida. Für einen Austrian wäre diese Frage lächerlich, für sie ist Inflation der grade Weg in den Totalitarismus. Momentan gibt es leider keinen, der sowohl gegen Schulden als auch gegen al-Qaida kämpfen will. Über Bushs Wirtschaftspolitik brauchen wir wohl kaum zu reden.

    Ich würde letztlich doch Romney wählen. Ron Paul ist einfach eine zu große Gefahr für Amerikas Sicherheit. Und Schulden, Inflation und Interventionismus führen nicht immer in die Knechtschaft, Hayek hat sich hier geirrt, wie das Beispiel Schweden zeigt. Das Schlimmste was in einem aufgeklärten Land passieren kann ist eine Krise wie in Argentinien Anfang des Milleniums (das Beispiel Deutschland 1933 ist nicht unbedingt vielsagend, denn Inflation und Arbeitslosigkeit haben Hitlers Aufstieg weniger begünstigt als die empfundene Demütigung durch den Versailler Vertrag). Das ist aber weniger schlimm als 9/11, auch wenn die Austrians das nicht wahrhaben wollen. Und vielleicht müssen Europa und die USA auch mal eine solche Krise erleben, um sich endlich von dem Euro und Keynes zu verabschieden.

    • derautor sagt:

      Welche Bücher aus der Österreichischen Schule kannst du mir eigentlich empfehlen, die nicht von Mises stammen?

      • arprin sagt:

        Da gibt es viele, man kann einfach im Web nach den Werken von Carl Menger, Eugen von Böhm-Bawerk, Friderich August von Hayek, Jesus Huerta de Soto usw. suchen.
        http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Schule

        Man findet auch viele als PDF-Texte.

        Ich persönlich kann folgende Bücher empfehlen:

        Henry Hazlitt: Economics in one lesson
        Israel Kirzner: Unternehmer und Marktdynamik
        Rahim Taghizadegan: Wirtschaft wirklich verstehen
        Roland Baader: Geldsozialismus

        Aber die Klassiker sind das jetzt nicht unbedingt. Die wichtigsten Autoren sind Mises und Hayek, die bekanntesten Werke von beiden sind Human Action (Mises) und Der Weg zur Knechtschaft (Hayek).

        • derautor sagt:

          Aber Taghizadegan ist doch einer der Anarchos?

          • arprin sagt:

            Ja, deswegen sagte ich ja, das ich es erschreckend finde, dass viele Austrians sich für den Anarchokapitalismus begeistern.

            Rothbard war auch ein Austrian, Huerta de Soto ist einer.

            Ihre Beiträge zur Ökonomie sind dennoch lesenswert.

  5. Sophian Philon sagt:

    Du bekommst Konkurrenz von „höchster“ Ebene:

    Leonard Peikoff: The DIM Hypothesis. Why the Lights of the West Are Going Out

    http://www.amazon.de/The-DIM-Hypothesis-Lights-Going/dp/0451234812/ref=pd_sim_eb_2/279-2094001-9449240

    • derautor sagt:

      Ah, großartig. Das Buch werde ich mir besorgen. Nun, im Augenblick habe ich ein bescheidenes Beinahe-Monopol auf den objektivistischen Buchmarkt in deutschsprachigen Ländern. Ich werde es mir mit jeder Veröffentlichung neu verdienen müssen. Wobei ein bisschen Konkurrenz hierzulande gar nicht so schlecht wäre, denn wenn andere zur Popularisierung des Objektivismus beitragen, dann tragen sie zur Popularisierung meiner Bücher bei.

  6. Sophian Philon sagt:

    Seit der letzten Diskussion über „Libertarismus“ habe ich viel nachgedacht und meine Meinung relativiert: Ich denke, dass ein Staat notwendig ist.

    Der Begriff „Libertarismus“ ist wirklich schwammig und keinesfalls mit dem Anarchokapitalismus gleichzusetzen, wie einige das gerne tun. Der Objektivist und Minimalstaatler Tibor R. Machan bezeichnet sich auch als „libertarian“…

    Ihr habt Recht, es ist erstaunlich, dass die Anarchos heute dominieren, wo doch Mises sehr eindeutig war:

    „Liberalismus ist nicht Anarchismus; Liberalismus hat mit Anarchismus nicht das geringste zu tun. Der Liberalismus ist sich darüber ganz klar, daß ohne Zwanganwendung der Bestand der Gesellschaft gefährdet wäre, und daß hinter den Regeln, deren Befolgung notwendig ist, um die friedliche menschliche Kooperation zu sichern, die Androhung der Gewalt stehen muß, soll nicht jeder einzelne imstande sein, den ganzen Gesellschaftsbau zu zerstören. Man muß in der Lage sein, den, der das Leben, die Gesundheit oder persönliche Freiheit anderer Menschen oder das Sondereigentum nicht achten will, mit Gewalt dazu zu bringen, sich in die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu fügen. Das sind die Aufgaben, die die liberale Lehre dem Staat zuweist: Schutz des Eigentums, der Freiheit und des Friedens.“ (Mises, Liberalismus, S. 36)

    Auf der anderen Seite ist für Mises alle Staatstätigkeit ein Übel, wenn auch ein notwendiges:

    „Alle Staatstätigkeit ist menschliches Handeln, Übel von Menschen, Menschen zugefügt. Der Zweck – Erhaltung der Gesellschaft – rechtfertigt das Handeln der Staatsorgane, aber die zugefügten Übel werden von denen die darunter leiden, nichtsdestoweniger als Übel empfunden.“
    (Mises, Liberalismus, S. 54)

    Vielleicht haben Rothbard und andere gemeint, dass Mises hier inkonsequent sei, und haben ihn in diesem Punkt „korrigiert“!?

    Überzeugend finde ich die Argumentation von Bijan Nowrousian und Oliver Marc Hartwich gegen den Anarcho Hans-Hermann Hoppe:

    „Hoppe will alle Probleme über den freien Markt lösen, übersieht dabei aber, dass dieser freie Markt eben nur frei sein kann, wenn irgendjemand ihn von Gewalt frei hält. Und dieser jemand kann eben kein rechtschaffener Anbieter auf diesem Markt sein, weil der freie Markt bereits vorhanden sein muss, damit der rechtschaffene Anbieter überhaupt als solcher agieren kann. Es muss eben jemanden geben, der Versicherung A vom Markt entfernt, wenn diese zur Bedrohung entartet, und die anderen Marktteilnehmer können diese Aufgabe nicht erfüllen. Die Bekämpfung von Kriminalität, die absolut notwendig ist für die Existenz individueller Freiheit, kann im Verhältnis der Gleichordnung nicht gelingen. Hier bedarf es ausnahmsweise eines Subordinationsverhältnis, also einer Über-/Unterordnung, da nur dann der Rahmen gesetzt werden kann, in dem die rechtliche Gleichordnung der Individuen auch faktischen Bestand hat.“

    Meine Meinung festigte sich endgültig als ich folgende Passage von Hoppe las, die einwandfrei den relativistischen Charakter des Anarchokapitalismus zeigt (und die auch zeigt, dass die Anarchokapitalisten, allen voran Hoppe, der als Nachfolger Rothbards gilt, das Naturrecht längst verlassen haben; von Rothbard hätte man so etwas nicht gehört):

    “Schließlich hat ein System konkurrierende Sicherheitsproduzenten eine zweifache Auswirkung auf die Entwicklung des Rechts, als er unter monopolistischen Bedingungen der Fall ist. Die Sicherheitsproduzenten können nicht nur hinsichtlich des Preises, sondern auch mittels Produktdifferenzierung konkurrieren. Katholische Produzenten bieten kanonisches Recht an, jüdische Produzenten mosaisches Recht, moslemische Produzenten islamisches recht und nicht-religiöse Produzenten säkulares Recht. Niemand muss unter einem ‘fremden’ Recht leben.”

  7. Frendo sagt:

    Die Mafia gäbe es im AK überhaupt nicht mehr, wenn Glücksspiel, Drogen, Waffen und Prostitution legal werden, verliert die Mafia ihre Existenzgrundlage.

    Der AK ist das konsequente zu ende denken des Libertarismus. Wenn wir das Staatsversagen mit dem Marktversagen vergleichen, werden wir feststellen dass das Staatsversagen immer größer ist als das Marktversagen. (Government failure > Market failure)

    Märkte sind nicht perfekt, aber perfekter als jede Alternative zu ihnen.

    Es gibt unzählige Beispiele wo private Anbieter die die Fehler des Staates durch bessere Angebote kompensieren.

    Immer mehr Menschen vertrauen ihre Sicherheit privaten Unternehmen an, weniger der Polizei. Jedes dritte Kind geht zu Nachhilfe oder zu anderen Außerschulischen Aktivitäten, weil es in der schule unterfordert oder falsch gefordert wird. Die Liste der Beipsiele ist lang.

    Und bevor das Thema aufkommt, nein, an der Wirtschaftskrise ist nicht der Markt schuld, das ist Staatsversagen vom feinsten.

    • derautor sagt:

      Es gibt einen Unterschied zwischen privaten Sicherheitsdiensten wie Türstehern und privater Rechtssprechung und privater Gesetzgebung. Auch Türsteher müssen sich an universelle Gesetze halten und unterstehen objektiver Rechtssprechung. Und Verbrechen gäbe es weiterhin, sogar noch viel mehr. Wer soll bitte Drogen und Waffen legalisieren, wenn nicht der Staat? Wer soll darauf achten, dass sich private Sicherheitsdienste nicht gegenseitig umnieten?

      • Frendo sagt:

        Es ist eher unwahrscheinlich das die Unternehmen sich bekriegen, da bei Konflikten immer Kosten enstehen, friedliche Lösungen sind günstiger und effizienter als Gewalttätige.
        Immer mehr Unternehmer nehmen deswegen auch lieber die Leistungen von privaten Schiedsgerichten in Anspruch, als die der Staatlichen Gerichte. Die private Mediation ist heute schon effizienter als jedes Staatliche Gericht.
        In einem privatisierten Rechtssystem (polyzentrisches Recht) gäbe es keine Staatsanwaltschaft die irgendwelche Klageschriften erhebt, es gäbe nur private Streitparteien und einen Schiedsrichter bzw. Mediator. (Hier ein Video das die Funktionsweisen eines privatisierten Rechtssystems umschreibt http://www.youtube.com/watch?v=DpkaLW0Jxd0)

        Es ist keine Frage der Theorie oder Ideologie, der Markt ist empirisch effizienter als jede zentrale Behörde.

        Anstatt zu fordern das der Staat (Ansammlung von Individuen) mehr machen soll, sollte man lieber Frage was hat er bis jetzt getan.

        Die Zinspolitik der letzen Jahrzehnte hat uns nur Inflation, Verschuldung und Krisen gebracht. Der Bildungspolitik verdanken wir die Pisa Ergebnisse, die leeren Rentenkassen der Rentenpolitik, die Arbeitslosigkeit der Arbeitsmarktpolitik usw. usf.

        • derautor sagt:

          Mit anderen Worten: Wenn alle Menschen vernünftig sind, ist die Welt perfekt. Oder, wie Ayn Rand es ausdrückte: Es gibt keine Interessenskonflikte zwischen Menschen, die im rationalen Eigeninteresse handeln. Der Unterschied zwischen ihr und den Anarchos ist, dass sie die Tatsache anerkannte, dass eben nicht alle Menschen rational sind. Gerade darum braucht man den Staat, der unsere Rechte schützt. Ansonsten, das ist wahr, bräuchte man gar keinen Staat. Nur lässt sich diese Tatsache schwer konsequent ignorieren, wie dir sicher noch auffallen wird.

          • Sophian Philon sagt:

            Ich verstehe nicht, warum die Tatsache, dass nicht alle Menschen rational sind, nur den Anarchokapitalismus betreffen sollte.

            Sie gilt genauso für den Staat. Man könnte genauso sagen, dass es, weil nicht alle Menschen rational sind, besser wäre, wenn man so wichtige Dinge wie Polizei, Recht etc. nicht monopolisiert, weil sonst – insbesondere in einer Demokratie – die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass irrationale Menschen diese Positionen okkupieren. Alle Staaten der Welt sind dafür gute Beispiele, auch die des Westens. Bei der Aufgabe, die natürlichen Rechte der Menschen zu schützen, versagen sie alle; die Zustimmung der Regierten haben sie längst verloren.

          • derautor sagt:

            In unserer Demokratie gibt es hohe Hürden für eine Veränderung des Grundgesetzes. Hier gibt es Checks & Balances. Leider bietet das GG wie die amerikanische Verfassung Möglichkeiten, in die Grundrechte zu stark einzugreifen. Zum Beispiel die absurde Idee, öffentliche Güter wie Kultur und Bildung vom Steuerzahler bezahlen zu lassen. Das müsste man ändern.

            Du müsstest jedoch eingestehen, dass wir hier nur wenig Kriminalität haben, dass uns die Polizei nicht einfach verschleppen und ewig wegsperren kann und so weiter.

            Der Anarchokapitalismus würde die Institutionen und Gesetze, die uns schützen und die eben nicht von der Willkür Einzelner abhängen, erst einmal auslöschen. Es folgt ein Krieg aller gegen alle. An die Stelle des objektiven Rechts treten viele kleine Volksgerichte, also Lynchmobs. An die Stelle der Polizei treten private Sicherheitsfirmen, die nur ihren eigenen Gesetzen gehorchen, wie die Mafia. Die bekriegen sich gegenseitig.

          • Frendo sagt:

            Jede Handlung ist rational, sonst würde das Individuum nicht Handeln wie es handelt.

            Märkte sind nicht perfekt, das habe ich doch schon geschrieben, aber wie kommst du darauf das der Staat besser für deine Sicherheit sorgen könnte als ein privates Unternehmen ?

            „Es gibt keine Interessenskonflikte zwischen Menschen, die im rationalen Eigeninteresse handeln.“

            Stell dir vor ein Schiff geht unter und es gibt nur 1 Rettungsboot mit 50 Sitzplätzen aber 150 Passagiere.
            Wenn alle gleichzeigt auf das Rettungsboot zustürmen, handeln alle 150 rational. Wenn durch das Gerangel und die Panik am Ende nur 30 im Boot sitzen und 120 ertrinken nennt man so etwas Marktversagen.

            Wie auch immer, der Punkt ist das Marktversagen immer kleiner ist als Staatsversagen, da Staaten über eine höheren Informationsmangel leiden als Märkte.

            Der Objektivismus ist eine Ideologie, und keine Empirische Wahrheit wie der Anarchokapitalismus.

          • derautor sagt:

            Da hast du die Praxeologie aber fehlinterpretiert. „Rational“ heißt für Mises nur „zweckgerichtet“. Eine Handlung kann auch auf die Erreichung eines bescheuerten Zweckes gerichtet sein und dabei von Bekloppten ausgehen.

            Der Objektivismus ist eine Ideologie, und keine Empirische Wahrheit wie der Anarchokapitalismus

            Der Anarchokapitalismus ist eine haarsträubende Utopie und seine Vertreter sehr häufig antiwestlich mit einer Tendenz zur Verteidigung von Drittweltdiktatoren. Die Hippies der Rechten.

            Marktversagen immer kleiner ist als Staatsversagen, da Staaten über eine höheren Informationsmangel leiden als Märkte.

            Wenn es um die Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen geht schon. Aber wenn es um objektive Rechtssprechung geht, dann nicht. Auch der Markt braucht Institutionen, die sein Funktionieren ermöglichen, die darüber wachen, dass Verträge eingehalten werden – und das nicht laut den Kriterien von Gangsterbossen und Drittweltdiktatoren, sondern laut objektivem, unparteiischem, liberalen Recht.

          • Sophian Philon sagt:

            „Der Objektivismus ist eine Ideologie, und keine Empirische Wahrheit wie der Anarchokapitalismus.“

            Schön, dass wir darüber geredet haben. Jetzt kann ja jeder wieder in sein Türmchen kriechen!

            „In unserer Demokratie gibt es hohe Hürden für eine Veränderung des Grundgesetzes.“

            Das GG ist an sich schon mangelhaft, da es Eigentum nicht wirklich schützt.

            Und ja, ich habe durchaus noch einen klaren Kopf und kann zwischen einer Dritte-Welt-Dikatur und westlichen Staaten unterscheiden. Das ist sicherlich auch das große Manko der Anakaps.

            Ich finde aber trotzdem, dass man den Anakap nicht einfach so verwerfen kann. Ich sehe es so: Die Güte eines Gesellschaftssystems hängt von seiner legitimatorischen Basis (moralischer Aspekt)und seiner Effizienz bzw. Funktionalität (funktionaler Aspekt) ab. Der Anarchismus ist moralisch im Recht, da er in keinster Weise die Freiheitsrechte einschränkt; er ist aber funktional difizitär, da er Folgen zeitigt, die äußerst unerwünscht sind (was nützen Rechte, wenn sie nicht effektiv geschützt werden können). Der Minarchismus hat ein moralisches Defizit, da er in einer Hinsicht Zwang ausübt; er hat aber nicht die Folgen wie der Anarchismus. Ich glaube, das ist ein Dilemma.

            Was meinst du?

  8. Frendo sagt:

    Laut Mises ist jede Handlung rational, irrationales Handeln gibt es nicht.

    Sowohl der Investment Banker an der Wall Street als auch der Schamane im Amazonas handeln rational – von ihrem persönlichen Standpunkt aus.

    Was für dich bekloppt ist, muss nicht für mich bekloppt sein.

    Über unsere subjektiven Präferenzen entscheiden unsere Gene, Herkunft, Erziehung, Bildung, Erfahrung, Wissen, sprich unsere unmittelbare Umwelt.

    Selbes gilt für Regierungen, sie verfügen zusammen nicht einmal über 0,1 Prozent des Wissens das der Markt hat, dennoch maßen sie sich an es besser zu Wissen als wir alle zusammen.

    Deine Wahrnehmung des AK ist ziemlich verschroben, warum Anti-Westlich ? und welcher AnKap hat Drittweltdiktaoren verteidigt ?

    • derautor sagt:

      His dislike of US imperialism even led him to eulogize and lament the CIA-assisted execution of Marxist revolutionary Che Guevara in 1967, proclaiming that „his enemy was our enemy“.

      In „War Guilt in the Middle East,“ Rothbard details Israel’s „aggression against Middle East Arabs,“ confiscatory policies, and its „refusal to let these refugees return and reclaim the property taken from them.“[74] Rothbard also criticized the “organized Anti-Anti-Semitism” that critics of the state of Israel have to suffer.[75]
      http://en.wikipedia.org/wiki/Murray_Rothbard

      • Frendo sagt:

        Was hat die CIA mit der Westlichen Zivilisation zu tun ? Geheimdienste sind ein Überbleibsel aus alten Zeiten, die keinem Bürger nutzen, ganz im gegenteil, sie sind eine Gefahr für die Privatsphäre.

        Rothbard war Jude und Libertärer, natürlich war er gegen die Aggression von Israel. Jeder Libertäre ist gegen Krieg. Und es stimmt das Palästinenser von ihrem Eigentum vertrieben worden sind. Aber was hat alles mit Anti Westlich zu tun ?

        Du verwechselst die Westliche Kultur mit der US Regierung und der Israelischen Regierung.

        • derautor sagt:

          Warum ist eine Parteinahme für die Palästinenser und gegen Israel und Amerika antiwestlich? Wir werden uns so schnell nicht einig werden, das steht mal fest.

          • Frendo sagt:

            Wenn man Sagt das so viele Palästinenser ihr Leben und ihr Eigentum verloren haben, und im Vergleich nur so wenige Israelis, dann ist das keine Parteinahme, sondern Empirie.
            Natürlich ist jedes Opfer, ein Opfer zu viel, das sieht jeder AK so.

            Ein anderes Beispiel, Statistiken zufolge sind mehr als ein Drittel, vielleicht mehr als die Hälfte der Mörder schwarz, obwohl Schwarze nur ungefähr 13 Prozent der US-Bevölkerung ausmachen. Das ist keine rassistische Bewertung, sondern eine empirische Tatsache.

  9. Denny sagt:

    Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel Leute (vermeintlich) die Zukunft voraussagen können bzw. sich dazu erheben die Individualität von 7 Milliarden Menschen charakterisieren und interpretieren zu können!
    Das einzige, was positiv zu bewerten ist, ergibt sich aus der Vermeidung von eindeutigen Beleidigungen, die dann aber über Standardisierungen (AK = Barberei, Dealerei + Mord & Totschlag)Ihren Respekt auch verlieren!

    • derautor sagt:

      Hätte man über eine Kritik am Kommunismus auch sagen können. Vollkommen verantwortungslos, solche Utopien in die Welt zu setzen.

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