Haltet die Menschenrechte ein oder sterbt

 

„Aber es ist ein Zeichen der Zeit, dass die alte Heroennatur um Ehre betteln geht“ (Friedrich Hölderlin).

Ein merkwürdiges Argument gegen den Irakkrieg lautete, dass wir, wenn es darum geht, Tyranneien auszuschalten, ja ebenso Saudi-Arabien, Iran, Syrien, Nordkorea oder Pakistan angreifen könnten. Auf dieses Argument antwortete ich einst in meinen Neocon-Tagen: „Ja, genau. Und das sollten wir konsequenterweise auch tun. Danke für den Hinweis, wir sollten in der Tat nicht inkonsistent oder nachlässig sein, wenn es um prinzipielle Fragen geht.“ Dies löste wiederum die typische Empörung aus, die ich mit meinen schrecklich logischen Kommentaren stets auslöse.

Eigentlich hätte das Böse überhaupt keine Chance, wenn man sich ihm stets sofort widersetzen würde. Der Preis wird höher, je länger man den Widerstand hinauszögert. Aber um gegen Aggressoren zu kämpfen, müssten wir uns zunächst klarmachen, dass wir ein Recht haben, zu existieren. Und dies widerspricht völlig der modernen Philosophie. Wer spricht denn heute noch von „Rechten“ und von „Realität“?

Mal ehrlich: Welches Argument würde ein Drittweltdiktator für überzeugender halten: „Tut uns Leid, dass Sie uns wegen den historischen Fehlern des imperialistischen Westens nun angreifen möchten. Wie wäre es mit großzügigen Aufbauhilfen für Ihre Wirtschaft, um Sie vorübergehend auf andere Gedanken zu bringen?“ Oder: „Oh, Sie wollen uns angreifen, wenn wir Ihre Forderungen nicht erfüllen? Bitte? Ich kann Sie leider nicht verstehen, weil Ihr Palast gerade in Flammen aufgeht und das stört die Verbindung.“

Ayn Rand wunderte sich darüber, dass die Leute zwar gerne fiktive Helden verehren, dass sie selbst im realen Leben aber keine Helden sein möchten oder sich jedenfalls nicht so verhalten. Sie opfern Ihre Prinzipien bei der erstbesten Gelegenheit auf, um irgendwelche kurzfristigen Vorteile zu erzielen. Übrigens gibt es dafür keinen rationalen Grund.

Dieselben Leute, die Rambo zujubeln, wenn er im aktuellen Film gegen die birmesische Militärjunta kämpft, sprechen sich im gleichen Atemzug dafür aus, dass wir sofort aus Afghanistan abziehen sollten. Dieselben Leute, die sich freuen, wenn Oberkapitalist Tony Stark alias „Iron Man“ im ersten Film islamistische Terroristen in die Luft jagt, hetzen gegen die böse USA, wenn sie dasselbe tun. Vielleicht glauben sie, die Filmwirklichkeit wäre gegenüber der Realität vereinfacht und es wäre ja lächerlich, in der Wirklichkeit so zu handeln wie unsere Helden in den Filmen: Aufrichtig, mutig, prinzipientreu und tugendhaft.

Hoffen wir, dass ich niemals denjenigen in die Hände bekomme, der ihnen das eingeredet hat.

21 Kommentare zu “Haltet die Menschenrechte ein oder sterbt

  1. frau tau sagt:

    autor, du machst viel gedöns um nix.

    gestern war ich in einem sterbehospiz , besuchte eine ehemalige nachbarin, welche weit über 90 ist.
    kennst du reality?

    • derautor sagt:

      Was willst du von mir?

      • DeeTee sagt:

        „Ayn Rand wunderte sich darüber, dass die Leute zwar gerne fiktive Helden verehren, dass sie selbst im realen Leben aber keine Helden sein möchten oder sich jedenfalls nicht so verhalten.“

        Ich interpretiere mal frei, dass damit gemeint sein könnte, dass jemand, der sterbenden Menschen in der Hospiz Trost spendet, ein echter Held ist! Oder was ist mit fiktiven Helden gemeint; seid ihr die Soldaten in diesen Kriegen? Nein, ihr philosophiert hier gefühlsfrei über Militäreinsätze, an denen ihr nicht selbst beteiligt sein wollt!

        • derautor sagt:

          Ich habe auch eine Meinung über Polizei, Feuerwehr, Küstenwache, ohne ihnen beitreten zu wollen. Ich habe eine Meinung über die Qualität bestimmter Restaurants, ohne darin kochen zu wollen.

    • Kleingeist sagt:

      Die Nachbarin scheint aus irgendeinem Grund einen höheren „Wert“ zu haben als Millionen andere Menschen auf der Welt, die in katastrophalen Verhältnissen leben.
      Anscheinend ist „reality“ (im Gegensatz zu Realität) auf einen ziemlich kleinen, subjektiven Wirkungsradius beschränkt. Vermutlich irgendwo in einem Kuhdorf …

      • DeeTee sagt:

        Wenn Nachbarn für Dich einen kleineren Wert hat als igendein notleidender Mensch irgendwo anders, dann tun mir Deine Nachbarn echt leid! Ich weiss zwar nicht genau, was die Hospizgeschichte gerade mit diesem Thema zu tun hat, aber Deine Polemik (Kuhdorf) zeigt nur, welchen Kleingeistes Kind Du bist.

        • Kleingeist sagt:

          Nein, meine Nachbarn haben weder einen größeren noch einen kleineren Wert. Denn es sind ganz einfach Menschen. Genau wie die, die sich „irgendwoanders“ befinden. Und etwas anderes habe ich an keiner Stelle behauptet.

          Ich finde es im Übrigen unfair, mir einfach wild irgendwelche Sachen zu unterstellen und dann auch noch meine Eltern zu beleidigen. Wenn, dann bin ICH der Kleingeist. Aber ich maße mir nicht im entferntesten das an, was du hier tust.

          • derautor sagt:

            Ich denke, das war ein Missverständnis.

            Wobei einige Menschen für mich sicher einen größeren Werten haben als andere – meine Familie bedeutet mir mehr als irgendwelche Fremden. Das dürfte jedem so gehen. Und darum verlange ich auch nicht, dass wir uns für andere aufopfern, sondern lediglich, dass wir unser eigenes Land verteidigen.

          • DeeTee sagt:

            „Ich finde es im Übrigen unfair, mir einfach wild irgendwelche Sachen zu unterstellen und dann auch noch meine Eltern zu beleidigen.“

            Missverständnis? Wo habe ich Deine Eltern beleidigt? Wer unterstellt hier wem was?

          • Kleingeist sagt:

            Nein, kein Missverständnis. Ich bin des Deutschen durchaus mächtig und verstehe auch deine feuilletonartige Floskel. Mir ging es nur darum zu demonstrieren, wohin es führt, wenn man einfach Quatsch in die Aussagen anderer hineininterpretiert.

          • DeeTee sagt:

            Ich habe Dich schon richtig verstanden.

      • derautor sagt:

        Das „Argument“ höre ich oft. Was mag es übersetzt bedeuten? Dass ich mich um meine persönlichen Probleme kümmern und die Klappe halten soll, sobald es um größere Themen geht? Dass niemand mehr über etwas anderes sprechen soll als über seinen unmittelbaren beruflichen und familiären Wirkungskreis? Auf jeden Fall fragen mich die Leute so häufig nach meiner „persönlichen Kompetenz“ (wonach nur ein Arzt über Medizin, nur ein Koch übers Essen, nur ein Feuerwehrmann über Brandverhütung sprechen dürfte), dass es die Mehrheit der Leute für ein ungemein gutes Argument halten muss. Man kann demnach nur etwas beurteilen, das einem persönlich zugestoßen ist oder mit dem man persönlich etwas zu tun hatte. Den Holocaust kann demnach niemand berurteilen. War er gut, war er schlecht? Ich war nicht dabei, also keine Ahnung.

        • DeeTee sagt:

          Nein, überhaupt nicht. Es geht mir nur um das Durchdenken der Konsequenzen für alle Beteiligten und etwas Empathie! Wärest du Arzt, würdest Du gerne operieren, wärest Du Feuerwehrmann, würdest Du gerne den Brand löschen, wärest Du aber Soldat, würdest Du Dein Leben aufs Spiel setzen für die Bevölkerung eines Landes auf der anderen Seite der Erde?

          „Und darum verlange ich auch nicht, dass wir uns für andere aufopfern, sondern lediglich, dass wir unser eigenes Land verteidigen.“

          Da bin ich absolut Deiner Meinung.

  2. Tom sagt:

    Von gestern auf heute hatte ich einen Traum, in dem ich ein Detektiv war, der sich wie Sherlock Holmes seinen Verstand nicht von Emotionen vernebeln ließ und z.B. nicht mit entlarvten Verbrechern verhandelte. Damit eckte ich überall an: „Man muss doch Verständnis für die Lebensumstände des Täters haben“, war die häufigste Anschuldigung gegen mich. Schließlich musste ich das Offensichtliche erklären: „Im privaten Bereich mit der Familie und Freunden darf man gerne einfühlsam sein, aber nicht in Bereichen wie Gesetzesdurchsetzung oder Medizin, wo es um Menschleben geht und rationales Handeln die besten Erfolgsaussichten hat.“ Doch die Kritiker beschimpften mich als kalten Roboter und schließlich verlor ich meinen Job aufgrund einer Schmierenkampagne.

    • derautor sagt:

      Das habe ich nicht nur geträumt, so etwas – Mobbing wegen zu viel „kalter“ Vernunft – ist mir schon drei Mal passiert. Mein Tipp: Keine Jobs machen, die auch nur ansatzweise „sozial“ sind oder ein unbezahltes Engagement erfordern. Es muss ums reine Geld machen gehen, das sind die ehrlichsten Jobs, wo man am vernünftigsten und im Übrigen humansten miteinander umgeht. Da weiß man vergleichsweise genau, was los ist, man kann lernen, planen, verstehen und verhandeln. Es ist nicht das irrsinnige Chaos im sozialen/engagierten Bereich, wo niemand weiß, wer für was verantwortlich ist und warum. „Sozial“ = Altruismus = Selbstaufopferung = Aufopferung anderer = asozial. Nur für den Fall, dass ich irgendwie zu populär war.

  3. DeeTee sagt:

    Ich denke, es ist eine Frage von Priorität: Natürlich müsste man konsequenterweise alle Diktatoren entmachten oder keinen. Aber da gibt es für mich keinen Grund, mein Leben oder das meiner Kinder zu opfern: mein Patriotismus ist extrem begrenzt, wenn ich mir die Verstrickungen der Regierungen (z.B. Lybien) und Waffenlieferanten (z.B. deutsche Panzer für Saudi Arabien) ansehe. Mir machen mittlerweile die Schlachten der Hedgefonds und Kapitalgesellschaften sowie die Unfähigkeit der Politiker mehr Angst, da es Opportunisten immer mehr schaffen, ihren Einfluss gegen die Bevölkerung durchzusetzen (die gar nicht oder nur alle 4 Jahre gefragt wird). Weltweit werden diese unblutigen Kriege geführt, Opfer gibt es dennoch viele. Und da „wir“ hier nicht die ganze Welt retten können, sollten wir vielleicht mehr Energie dazu verwenden, uns gegen solche Angriffe zu immunisieren, anstatt immer mehr Ressourcen auszulagern.

    @author: mich würde mal ehrlich Deine Position zur Schuldenkrise interessieren

    • Karl sagt:

      Glaubst du also wirklich das Hedgefonds schlimmer sind als z. B. die Diktatur in Nordkorea.

      • DeeTee sagt:

        Nein, auf keinen Fall. Aber Nordkorea bedroht mich nicht, und wir können kaum die Probleme Nordkoreas lösen. Die Kapitalmärkte bedrohen zur Zeit unser aller Erspartes, und Not und Elend (in Griechenland sieht es teilweise sehr düster aus) sind nicht immer ausschliesslich Folgen von Unterdrückung durch Diktatoren.

        • Karl sagt:

          Ein Staat wie Griechenland hat sich ja durch seine unverantwortliche Haushaltspolitik durch freie Entscheidung in die Hände der Finanzmärkte gegeben.

          Wenn jemand, auch ein Privatmann, jahrelang über seine Verhältnissen lebt dann muss er sich am Ende nicht wundern wenn die Zeiten einmal schwierig werden.

          Ich habe trotzdem Mitleid mit der Bevölkerung Griechenlands aber ihre Probleme sind durch ihre Regierung zum größten Teil hausgemacht.

          • DeeTee sagt:

            Sind mittlerweile nicht alle westlichen Staaten haushoch verschuldet, allen voran die USA? Und trägt nicht immer die Politik die Schuld, oder doch die Wähler, die diese Zusammenhänge teilweise nicht verstehen, teilweise durch Wahlversprechen gelockt wurden? Ich stimme dem Vergleich mit den privaten Schulden zu, und m.E. wäre ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende, auch wenn es gerade für Deutschland sehr teuer würde.
            Wäre nun, zum Thema, folgende Frage interessant: Würde man Griechenland vor die Wand fahren lassen, welche Konsequenzen hätte dies für unsere westliche, liberale und freiheitliche, demokratische Ordnung, wenn dort dann die Anarchie ausbrechen würde? Ich sehe nicht, wie die schrumpfende Wirtschaft dort jemals die Schulden begleichen könnte, wenn schon die Zinsen nicht bezahlbar sind. Ok, ich bin für Europa, aber wenn die nächsten Staaten unter den Rettungsschirm gehen, wie hoch will sich dann der größte Nettozahler der EU selbst noch verschulden, wo es hier auch überall eng wird? Ich kenne die Antowort nicht. Ich empfinde wie ein Passagier, der weder Avionik studiert hat noch selbst einen Pilotenschein hat, aber dennoch aufgrund eines brennenden Triebwerkes sieht, dass hier etwas gerade ziemlich schief läuft…

  4. doublemoth sagt:

    Es gibt einen rationalen Grund kurzfristige Vorteile langfristigen vorzuziehen. Da mit längerer Frist die (statistische) Unsicherheit steigt, also der Ausgang einer vorangegangenen Aktion schlechter abgeschätzt werden kann, werden kurzfristige Vorteile bevorzugt. Dadurch steigt dann wiederum die Planungssicherheit führt. So können meist ineffiziente und kostenintensive flexible Systeme gegen effiziente starre Systeme ausgetauscht werden.

    Auch steigt der Wert eines kurzfristigen Erfolges im Laufe der Zeit, wenn er nicht konträr zu einem langfristigem Erfolg steht, da man den Erfolg wieder investieren kann.

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