Willkommen im neuen Ägypten

Ich hatte vollkommen Recht mit allem, was ich über Ägypten geschrieben hatte. Juhu! Ne – Moment, das ist furchtbar! Ich hatte nämlich geschrieben, dass die islamistische Muslimbruderschaft wahrscheinlich das Ruder übernehmen wird. Und das hat sie nun auch: Die Muslimbruderschaft gewann 2011 die Parlamentswahlen und nun, 2012, stellen sie den neuen ägyptischen Präsidenten: Mohamed Morsi.

Machen wir aus enormer Großzügigkeit das Eingeständnis, dass die ersten Monate einer Revolution allerlei Probleme und Gewalttaten mit sich bringen, auch wenn das 1989 in Berlin nicht so war. Ich werde also die Ausschreitungen des gesamten Jahres 2011 im Folgenden ignorieren, obwohl die Revolution im Februar 2011 mit dem Sturz Mubaraks eigentlich beendet war.

2012 in Ägypten

Der irische Neocon Mark Humphrys, Topquelle bei politischen Analysen und Materialsammlungen relevanter Fakten, war anfangs noch optimistisch. Nun musste selbst er, der länger am neokonservativen Optimismus, laut dem man Unrechtsstaaten mit dem notwendigen Maß an Gewalt liberalisieren kann, festhielt als ich, einsehen, dass für die islamische Welt andere Regeln gelten.

1. Pro-Scharia 

1. März 2012: Ägypter sperren Christen sechs Jahre lang ein, weil er „den Propheten Mohammed beleidigt“ habe.

April 2012: Küssen wird in Filmen, die in Ägypten zu sehen sind, zensiert.

Mai 2012: Bauchtanzkanal im Fernsehen dichtgemacht.

Mai 2012: 60% der Ägypter fordern ein „strenges“ Schariarecht. Weitere 32% fordern ein „moderates“ Schariarecht. Was die Rolle der Religion in der Regierung angeht, bevorzugten 61% Saudi-Arabien als Vorzeigemodell.

„Es gibt keine Hoffnung für diese nutzlosen Leute und ihre nutzlose Revolution“ (Mark Humphrys).

2. Anti-Israel

Die Hamas installierte nach der Revolution Stützpunkte und Raketenfabriken auf der Sinai-Halbinsel in Ägypten.

April 2012: Terrorangriffe auf Israel von Ägypten aus.

Mai 2012:  61% der Ägypten wollen den Friedensvertrag mit Israel aufkündigen.

Juni 2012: Die ägyptische Muslimbruderschaft befiehlt einen Raketenangriff auf Israel von der Sinai-Halbinsel aus. Eine eindeutige Kriegserklärung. Hoffentlich wird sie entsprechend beantwortet werden – im Sechs-Tage-Krieg zerstörten die Israelis das gesamte ägyptische Lufwaffe an einem einzigen Morgen.

3. Christenverfolgung

Januar 2012: Zwei Christen bei muslimischer Schutzgelderpressung getötet

Januar 2012: 3000 Muslime greifen ein christliches Dorf an. Christliche Häuser und Läden werden geplündert und verbrannt. Der Grund: Ein Gerücht, laut dem ein christlicher Mann ein intimes Foto einer muslimischen Frau auf seinem Handy habe.

Februar 2012: Muslimische Mobs verbrennen christliche Häuser und versuchen, eine Kirche abzufackeln.

März 2012: Ägypten sperrt christlichen Priester für sechs Monate ein, weil seine Kirche „zu groß“ sei. Die Kirche wurde bereits von einem Mob niedergebrannt.

April 2012: Ägypter verhängen eine dreijährige Haftstrafe für einen Christen, weil er den Islam „beleidigt“ habe.

Juni 2012: Muslimischer Mob drängt Christen aus einer Kirche, bewirft sie mit Steinen. Ägyptische Polizei fordert Christen auf, zu gehorchen und die Kirche zu verlassen.

4. Ägypter zerstören Ägypten

Zwei Ereignisse von 2011 sind doch sehr schwer zu vergessen, aus rein weltgeschichtlicher Perspektive.

Nachdem der ägyptische Sultan Al-Aziz Uthman im Jahre 1196 versucht hatte, die Pyramiden zu zerstören, nachdem ein fanatischer Muslim 1378 der Sphinx die Nase abgeschlagen hatte, griffen Ägypter im Januar 2011 das Ägyptische Museum in Kairo an und zerstören unter anderem ein Modellboot aus Asyut, das 4000 Jahre alt ist – oder war. Im Dezember 2011 verbrennen Ägypter das Ägyptische Institut in Kairo, das 1798 gegründet worden war.

Über die Zerstörungen im Ägyptischen Museum siehe diesen Bericht eines Ägyptologen.

Quellen

Mark Humphrys:

Ägypter zerstören ihre Kultur

Gewalt gegen Christen im „befreiten“ Ägypten, Scharia, Anti-Israel

Überblick über Humphrys Ägypten-Beiträge

2 Kommentare zu “Willkommen im neuen Ägypten

  1. Karl sagt:

    Man wirft den Islamkritikern ja immer vor dass sie zu pessimistisch seien. Aber im Fall Ägypten hat sich leider alles so wieder in Richtung Islamisierung entwickelt.

    Ich hoffe dennoch dass es nicht zu einer Iranisierung kommt.

    Warum sich so eine rigide Religion immer durchsetzen kann ist mir ein Rätsel. Das nach Feuerbach, Freud, Dawkins u. a..

  2. Kleingeist sagt:

    Was in diesem Video zu sehen ist, ist primitiv und dumm. Dass einem dabei das Wort „Barbaren“ in den Sinn kommt, kann einem wohl hoffentlich niemand übelnehmen.

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