Die Philosophie der Anti-Menschen

Widersprüche existieren nicht. An widersprüchlichen Aussagen ist etwas falsch. So lautet eines der Grundprinzipien meiner Philosophie, des Objektivismus, aber ebenso natürlich der klassischen Logik. Laut neueren Varianten der Logik ist das nicht unbedingt der Fall. Manche behaupten, eine Aussage sei wahr, wenn die Mehrheit irgendeiner Gruppe sie für wahr erklärt; andere gehen von einer assoziativen Logik aus, auf deren Grundlage Suchmaschinen wie google funktionieren. Aber mit klarem Denken, das die Erkenntnis der Realität zum Ziel hat, haben Suchmaschinen nicht viel zu tun.

Sieht man sich die Philosophie der meisten Tierrechtler – und Tierschützer an, verstrickt man sich unmittelbar in ein Netz aus Widersprüchen. Darauf macht Heiko Werning in seinem neuen Artikel Tier und wir in der „Jungle World“ aufmerksam (danke an „arprin“ für den Tipp). Doch seine weitgehend berechtigte Kritik geht nicht weit genug und übersieht, worum es den Tierrechtlern eigentlich geht.

Einige Beispiele für die Widersprüche im Denken der Tierschützer- und Tierrechtler:

1. Viele Menschen im Westen halten Haustiere und würden deren Schlachtung für grausam halten. Sie sind empört über Menschen aus anderen Kulturen, die Hunde und Katzen essen. Zugleich essen sie Schweine, Rinder und Puten. Dass wir Hunde und Katzen als Haustiere halten und Schweine, Rinder und Puten verspeisen, ist eine soziale Konvention, die andere Kulturen nicht kennen – dass unsere Konvention besser sein sollte als andere, lässt sich nicht rational begründen.

2. Viele Menschen im Westen halten die Jagd für verwerflich oder moralisch zweifelhaft. Dabei erging es dem geschossenen Reh oder Hirsch viel besser als dem in Massentierhaltung gehaltenen Huhn oder Schwein.

Im übrigen Artikel geht es um die Human-Animal Studies (HAS) oder schlicht Animal Studies, die sich zu den anderen linksradikalen, ideologischen Fächern wie Colonial Studies, Women Studies und Cultural Studies gesellen. Die HAS sehen Menschen und Tiere auf ethisch gleicher Ebene, sie sprechen Tieren Würde und Rechte zu. Der Mensch dürfe Tiere nicht nutzen, sondern er solle mit ihnen in einer Mensch-Tier-Gesellschaft auf gleicher Augenhöhe zusammenleben. Kühe würden ihrer Würde beraubt, wenn man sie in Ställen einsperrt und es sei Mord, sie zu töten.

Wie andere Studies gebraucht auch die HAS das Instrumentarium der Sprachlenkung, wie es aus totalitären kommunistischen Regimen bekannt ist. Das Adjektiv „tierisch“ wird in Analogie zu „menschlich“ zu „tierlich“ verändert, das Tier wird zum „nichtmenschlichen Tier“ deklariert. Tiere „fressen“ nicht, sondern sie „essen“. Wie Schwule und Behinderte würden Tiere diskriminiert. In den Reihen der HAS spricht man von Entrechtung, Entindividualisierung und dem Verwehren einer eigenen Geschichtsschreibung. Nicht, dass Tiere ihre Geschichte schreiben könnten, sich als Individuen wahrnehmen würden oder Rechte (Sphäre, innerhalb derer ein Mensch frei handeln darf) haben könnten. Aber wenn man es auf die Zerstörung des „Systems“, um nicht zu sagen der Menschheit abgesehen hat, darf man nicht so kleinlich sein.

Die Gleichheit zwischen Mensch und Tier ist errungen, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

1. Der Löwe darf Zebras fressen, der Mensch muss Zebras schützen.

2. Ratten dürfen unsere Nahrung fressen und uns mit Krankheiten anstecken, wir müssen die Rechte der Ratten achten.

3. Wir dürfen Tiere nicht nach menschlichen Kriterien beurteilen, denn Menschen haben die Wahl, Tiere gut zu behandeln und Tiere folgen lediglich ihren Instinkten. Und weil der Mensch ein rationaler, selbstbewusster, freier, moralischer Akteur ist und Tiere nicht, sind Menschen und Tiere gleich.

4. Löwen und Schimpansen dürfen die Kinder ihres Vorgängers töten, ohne dafür vor Gericht zu kommen. Wenn Menschen Löwenjungen oder junge Schimpansen töten, kommen sie vor Gericht.

5. Tiere sollen frei sein. Leider sind sie in freier Natur größeren Gefahren ausgesetzt, als wenn sich Menschen um ihr Wohlergehen kümmern. Ohne Menschen schützt niemand die Rechte der Tiere. Also sollen Tiere von Menschen untergebracht und ernährt werden, während sie sich in freier Natur frei entfalten können, ungestört durch den Menschen.

6. Tiere sollen sich sexuell frei entfalten können. Außerdem sollen Haustiere sterilisiert werden, damit nicht noch mehr Tiere entstehen, die von Menschen eingesperrt werden. PETA lässt herrenlose Tiere massenhaft einschläfern, obwohl sie der aktiven Sterbehilfe gar nicht zugestimmt haben. Hunde, Katzen, Schweine und Kühe sind erst dann frei, wenn es keine mehr gibt.

7. Der wohlhabende Mensch im Westen, der sich eine rein vegetarische Ernährung leisten kann, entscheidet, dass auch für arme Menschen, die am Hungertuch nagen und auf Fleischkonsum angewiesen sind, die Ausbeutung und Tötung von Tieren unethisch sei. Die Animal-Studies-Fraktion genießt die Vorrechte weißer, rassistischer Kolonialherren. Das dürfte zwar zu Konflikten mit den Kollegen von den Colonial Studies führen, aber  so ist sie nun einmal, die neue Gleichheit.

Konflikte zwischen den verschiedenen Lagern progressiver Aktivisten treten auch an anderer Stelle auf.  So nutzt PETA für ihre Werbekampagnen halbnackte Frauen, die genauso aussehen, als hätte sie ein männlicher Patriarch der primitivsten Art für seinen Harem ausgewählt: Schlank,  aufreizend und begehrt. Das gefällt der feministischen Fraktion der Women Studies überhaupt nicht.

Angeblich wollen Tierrechtler den Menschen nicht ihre Würde nehmen, sondern Tiere lediglich mit derselben Würde ausstatten. Das geht so: „Zwischen 1938 und 1945 starben zwölf Millionen Menschen im Holocaust. Genauso viele Tiere werden für den menschlichen Verzehr jede Stunde in Europa getötet“ (PETA-Anzeigentext). Oder so: Als dem liberianischen Diktatur Charles Taylor vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag unter anderem Kannibalismus vorgeworfen wurde, titelte PETA: „Charles Taylor ist nicht allein! Schweine und Kühe und Hühner und Lämmer fühlen Schmerz genauso wie Menschen.“

Ein konsequenter Tierrechtler fühlt sich immerzu von Massenmördern umgeben, selbst seinen Freunde und seiner Familie kann er nicht mehr in die Augen sehen.

Die HAS-Aktivisten sind dabei selbst extrem anthropozentrisch. Sie sind dagegen, Tiere ihrer Freiheit zu berauben, als würde es Frösche oder Bienen stören, wenn man sie zur Schau stellt.

Die Utopie

Da Heiko Werning selbst noch links ist, versteht er leider nicht, dass Logik keinen Tierrechtler überzeugen wird, wo es ihnen doch um die Vernichtung der Logik geht. Tierrechtler möchten „zurück zur Natur“, sie möchten die Menschheit zu der frühesten Stufe ihrer Existenz zurückverdummen. Zu der Stufe, als sie sich für Spielbälle einer unverständlichen Macht hielten, als sie sämtliche natürliche Erscheinungen für unerklärliche, magische Phänomene hielten. Als sie glaubten, die Wünsche unsichtbarer Wesen würden ihr Schicksal und die Geschehnisse in der Welt bestimmen und sie selbst wären machtlos. Ein Zustand, in dem Mensch und Tier in einer Mensch-Tier-Gesellschaft zusammenleben, da der Mensch weitgehend zu einem Tier reduziert ist. Ein Zustand, in dem Menschen nur für eines taugen: Beherrscht zu werden.

Das Zwischenstadium zu diesem Naturzustand ist die mittelalterliche Ständegesellschaft, mit der großen Mehrheit der Menschen als Sklaven, die 18 Stunden am Tag für ihre Herren arbeiten und gar keine Energie oder Zeit mehr haben, zu rebellieren.

Um diesen Zustand der absoluten Macht für sich und der absoluten Abhängigkeit der übrigen Menschheit herbeizuführen, muss erst der menschliche Verstand zerstört werden und somit das menschliche Selbstvertrauen, das eine Bedingung für das unabhängige, rationale Denken darstellt. Ein Mensch, der glaubt, er habe ein Recht zu existieren, der sich das Wissen aneignet, um komplexe Maschinen zu kontrollieren, der die Natur und auch Tiere für seine Zwecke nutzt, der überlebt, indem er denkt, der sich für wert- und würdevoll hält, lässt sich nicht so einfach unterjochen.

Denken ist die Überlebensmethode des Menschen. Ein Angriff auf die Integrität und die Verlässlichkeit seines Verstandes ist ein Angriff auf sein Recht, als Mensch zu leben. Die Philosophie der Tierrechtler verbindet primitives Wunschdenken mit dem Willen zur Macht. Sie eine Kriegserklärung gegen den Menschen. Viel Tierrechtlern werden die logischen Konsequenzen ihrer Ideen nicht bewusst sein, jetzt sind sie es.

Es gibt eine Möglichkeit, alle Widersprüche, die in diesem Beitrag angeführt wurden, aufzulösen: Wir sollten die Tatsache anerkennen, dass Tiere keine Rechte haben und sie nicht länger gesetzlich schützen. Die ethische Behandlung von Tieren sollte individuellen Menschen vorbehalten bleiben, ohne dass sie durch staatliche Gewalt dazu gezwungen werden. Jede andere Position führt nach meiner Einschätzung zu Widersprüchen, ist also falsch.

Literatur

Heiko Werning: Tier und wir 

22 Kommentare zu “Die Philosophie der Anti-Menschen

  1. der_Dicke sagt:

    Schon spaßig welche Stilblüten im Namen des Tierschutzes u zu seinem Schaden getrieben werden. Doch sollte man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen können. Das, wenn Fleisch auf den westlichen Tellern landet, dies für das Tier so quallos wie möglich geschieht.

    • derautor sagt:

      Der kleinste Nenner ist doch, dass der Staat die Leute in Ruhe lässt, wann immer keine Rechte verletzt oder Verträge gebrochen werden. Wer es sich leisten kann, der wird mehr Geld für sein Fleisch und seine Eier ausgeben, damit die Tiere besser gehalten werden. Würden „wir“ uns darauf einigen, dass Tiere gut gehalten werden müssten, dann würde dies bedeuten, dass wohlhabende Konsumenten allen anderen Menschen mit vorgehaltener Waffe (Strafe bei Zuwiderhandlung) vorschreiben würden, dass sie so viel Geld für Fleisch und Eier ausgeben müssen, wie sie selbst. Das muss man sich immer bewusst machen, wenn es um Verbote geht: Staatliche Verbote bedeuten, dass jemand mit Gewalt zu etwas gezwungen wird. Gibt es dafür hinreichende Gründe, wenn es um das Wohl von Tieren geht? Ich denke nicht. Und mehr noch: Ich würde erneut unter den Rahmenbedingungen der Zeiten leben wollen (19. Jahrhundert, England), als Fleisch so billig war, dass es sich auch arme Menschen täglich leisten konnten.

  2. der_Dicke sagt:

    Sag mal ging es in dem Text nicht darum das sich Mensch durch Vernunft, Intellekt u Empathie vom Tier unterscheidet?

    „Gibt es dafür hinreichende Gründe, wenn es um das Wohl von Tieren geht?“

    Als Mensch mit humanistischem Weltbild sehe ich keinen Grund einer leidensfähigen Kreatur unnötig Schmerz/Todesangst zu zufügen!

    „als Fleisch so billig war, dass es sich auch arme Menschen täglich leisten konnten.“ ?

    Die Ware Fleisch war u ist Dank industrieller Massentierhaltung niemals so billig wie heute!

    „Staatliche Verbote“ ? „vorgehaltener Waffe (Strafe bei Zuwiderhandlung)“ ?
    Mir ist nicht ganz klar auf welche Sanktionen du anspielst, es gibt kaum welche!
    Vlt auf die unsäglichen Legebatterien bei Hühnern? Welche meterhoch gestapelt, eingpfercht auf ein paar Quadratzentimeter dahin vegetieren, gezwungen sich gegenseitig ins kaum noch vorhandene Gefieder zu scheißen? Find ich gut das dies verboten wurde, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen!

    Eventuell hat die industrielle Massentierhaltung ihr derzeit technisches Limit erreicht, indem es nicht nicht mehr möglich ist noch mehr Viecher auf noch engerem Raum zusammen zu pferchen u gegenseitig zu verfüttern, ohne das dies auch gesundheitliche Konsequenzen auf den Konsumenten Mensch hat.
    BSE, Vogelgrippe, Schweinepest, usw die eine o andere Krankheit mag schon früher bekannt gewesen sein.
    Der Unterschied offenbart sich anhand der Quantität der industriellen Tierhaltung. Insofern ist Dein Argument der Tierhaltung des 19. Jh fehlerhaft! Da dieses Fleisch o besser diese Tiere nicht künstlich mittels Hormonen aufgebläht wurden u artgerechte(s) Haltung u Futter erhielten. was du hierbei propagierst ist das von dir im vorhergehenden Text geschmähte bio/öko/teuerfleisch!

  3. Milfweed sagt:

    Als ich meinen Zivildienst geleistet habe, kaufte ich im Lidl stets die Eier aus Käfighaltung. Die ältere Dame bestand darauf und wollte wirklich immer nur billig. Ihre Entscheidung. Übrigens hatte schon damals nicht jeder Supermarkt Eier aus Käfighaltung.

    Nun ist es generell verboten in Deutschland.

    @ der_Dicke
    __“__
    Find ich gut das dies verboten wurde, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen!
    __“__
    Die letzte Konsequenz ist die Tötung des Menschen, der Eier aus Käfighaltung anbietet. Ich könnte bei besten Willen nicht dafür argumentieren.
    Lege dich mit solchen Menschen selbst an, aber dann trage auch vor Gericht die Konsequenzen dafür. Dieses Gesetz ist rein aus Emotionen verabschiedet. Kann das eine Grundlage sein?

    • Milfweed sagt:

      Ich bin mir sicher, dass in fast allen Fertigwaren Eier aus Käfighaltung genutzt werden. Die werden dann einfach außerhalb von Deutschland eingekauft. Genauso wie beim Atomstrom.
      Ich persönlich kann dieser Hühner-Haltung nicht viel abgewinnen. Selbst Bodenhaltung und Freilandeier sind ein Witz. Ja, ich habe hier etwas höhere Ansprüche, aber würde es niemanden aufzwingen.

    • derautor sagt:

      @Milfweed: Na ja, die Tötung eines Menschen ist nun nicht die letzte Konsequenz. Nicht jede Strafe ist die Todesstrafe. Aber der Staat zwingt auf jeden Fall Menschen, Tiere nicht auf eine bestimmte Weise zu behandeln. Und das muss man sehr gut begründen können.

      @der_Dicke: „Als Mensch mit humanistischem Weltbild sehe ich keinen Grund einer leidensfähigen Kreatur unnötig Schmerz/Todesangst zu zufügen!“

      Jedenfalls ist das seit ein paar Jahren die Mainstream-Haltung von Humanisten. Die Renaissance-Humanisten sahen das ganz anders und bis Peter Singers Ideen endgültig Einzug hielten ins säkular-humanistische Denken, waren den modernen Humanisten Tiere auch nicht so wichtig.

      „Sag mal ging es in dem Text nicht darum das sich Mensch durch Vernunft, Intellekt u Empathie vom Tier unterscheidet?“

      Nein, der relevante Unterschied ist, dass der Mensch ein voluntaristisches Bewusstsein hat und somit moralische Entscheidungen treffen und Denken kann, während Tiere nur ihren Instinkten folgen wie Roboter nur ihre Programmierung ausführen. Zwar nehmen Tiere Schmerz wahr, aber nur unmittelbar, ohne den Schmerz in irgendeinen Kontext einordnen zu können. Motten fliegen auch dann noch ins Licht, wenn sie dabei draufgehen. Tiere empfinden nicht auf die Weise Todesangst, wie Menschen sie empfinden. Für einen „Humanisten“ sollte das Wohl des Menschen im Vordergrund stehen. Unser rationaler Gebrauch der Natur zu unserem Wohl ist ein wichtiger Unterschied zwischen dem Menschen und der übrigen Tierwelt, er ist unsere Überlebensgrundlage, da wir keine Instinkte haben.

      „Die Ware Fleisch war u ist Dank industrieller Massentierhaltung niemals so billig wie heute!“

      Einer meiner einstigen Professoren hatte erzählt, dass es in London irgendwann im viktorianischen Zeitalter überall Fleisch zu günstigsten Preisen gab, das sich jeder leisten konnte – weil der Staat keine oder fast keine Restriktionen auferlegte, wie Tiere gehalten oder geschlachtet werden sollten. Heute könnte Fleisch zwar noch günstiger sein, ist es aber nicht, weil der Staat massiv in die Wirtschaft eingreift und somit die Preise hochtreibt.

      „Vlt auf die unsäglichen Legebatterien bei Hühnern? Welche meterhoch gestapelt, eingpfercht auf ein paar Quadratzentimeter dahin vegetieren“

      Hühner sind keine Menschen. Sie brauchen keinen Raum zur freien Entfaltung, sondern nur Raum, um ihren Instinkten folgen zu können.
      Vgl: http://freethoughtblogs.com/carrier/archives/87

      Deine Auffassung über moderne Tierhaltung beruht auf Missverständnissen und Mythen.

      • Milfweed sagt:

        Da der Staat das Gewaltmonopol inne hat, wie du sehr gut weißt (ich erwähne das jetzt generell für Mitlesende) finde ich es schrecklich, wenn Gesetze bei jeglicher kleiner Unzufriedenheit verabschiedet werden.
        Das Gewaltmonopol ist kein Wunschkonzert, aber dazu ist es mittlerweile verkommen, wenn man heute Kolumnen liest und Diskussionen verfolgt.

        Was passiert, wenn ein Betreiber einer Käfighaltung die Strafe nicht zahlt? Man wird von der Polizei abgeholt. Verweigert er dies auch? Nunja, die Polizei droht mit der Schusswaffe. Letzten Endes wird sie eingesetzt. Es ist immer die letzte Konsequenz.

        Übrigens haben Menschen im 19 Jhd. das ganze Tier gegessen. Wenn dir Rinderkopfsuppe schmeckt, hau rein! 😀

      • DeeTee sagt:

        „Nein, der relevante Unterschied ist, dass der Mensch ein voluntaristisches Bewusstsein hat und somit moralische Entscheidungen treffen und Denken kann, während Tiere nur ihren Instinkten folgen wie Roboter nur ihre Programmierung ausführen. Zwar nehmen Tiere Schmerz wahr, aber nur unmittelbar, ohne den Schmerz in irgendeinen Kontext einordnen zu können. Motten fliegen auch dann noch ins Licht, wenn sie dabei draufgehen. Tiere empfinden nicht auf die Weise Todesangst, wie Menschen sie empfinden“

        Dieser Absatz ist fast komplett falsch, ausser den Motten, die tatsächlich kein Bewusstsein haben dürften und demnach als Vergleich zu höheren Tieren untauglich sind. Das Beispiel zeigt bereits, dass die gleiche überschiessende Irrationalität der Tierschützer bei Dir genauso vorhanden ist, nur umgekehrt gepolt.

        • derautor sagt:

          Was heißt „falsch“? Die Vermenschlichungen von Tieren seitens einiger Forscher sind nicht dasselbe wie faktische menschliche Eigenschaften bei Tieren.

          • DeeTee sagt:

            Du erkennst nicht an, dass der Unterschied zwischen Säugetieren und Menschen nur ein gradueller ist. Damit erkennst Du z.B. schlicht die Evolutionstheorie und Erkenntnisse der Biologie/Verhaltensforschung nicht an. Tiere seien Roboter. Dann sind es Menschen auch, nur etwas komplexer.
            Die Art, wie wir und die verwandten Säugetiere die Umwelt wahrnehmen bzw. empfinden, ist sehr ähnlich.
            Tiere können Schmerzen sehr wohl einem Kontext zuordnen, wenngleich sie wohl nicht so etwas wie „Angst vor der Zukunft“ haben. Und selbst wenn nicht, was soll das für ein gerade eben empfindendes Tier bedeuten?
            „Tiere empfinden nicht auf die Weise Todesangst, wie Menschen sie empfinden“ auch hier ist der Unterschied nur graduell. Aber angenommen, es wäre so, dann bedeutet dieses Argument doch, dass man eben deshalb mit Tieren so verfahren darf. Damit bist Du doch auf Singers Seite, der aus demselben Grund sehr fragwürdige Ansichten zum Umgang mit Schwerbehinderten hat (deren geistiges Niveau sogar unter dem von Tieren sein kann).
            M.E. ist Deine Logik zwar schlüssig, sie geht aber von falschen Prämissen aus, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren dass Du sie Dir manchmal so aussuchst, dass sie zu Deiner Philosophie passen, wobei ich Dir bzgl. Objektivismus zustimme und, man glaubt es kaum, ich mich tendentiell am ehesten für einen Objektivisten halte.

          • derautor sagt:

            Du erkennst nicht an, dass der Unterschied zwischen Säugetieren und Menschen nur ein gradueller ist.

            Stimmt.

            Damit erkennst Du z.B. schlicht die Evolutionstheorie und Erkenntnisse der Biologie/Verhaltensforschung nicht an.

            Stimmt nicht. Wir sind aus affenartigen Lebensformen evolviert, klarer Fall. Wir sind biologisch betrachtet auch selbst Säugetiere und Menschenaffen. Aber der Mensch unterscheidet sich trotzdem grundlegend von anderen Menschenaffen. Ich verstehe es nicht, wie das jemand ernsthaft leugnen kann. Wir haben Institutionen, Affen nicht, wir leben in einer menschlichen Sphäre, andere Affen leben einfach in ihrer Umwelt. Sobald du die offenen Fragen der Bewusstseinsphilosophie beantworten kannst, darfst du das noch einmal behaupten.

            Tiere seien Roboter. Dann sind es Menschen auch, nur etwas komplexer.

            Nein, sind wir nicht. Wir haben keine Instinkte.

            Damit bist Du doch auf Singers Seite, der aus demselben Grund sehr fragwürdige Ansichten zum Umgang mit Schwerbehinderten hat

            Nein, ich gehe von individuellen Rechten ab Geburt aus. Jeder darf über sein Leben selbst bestimmten und auch über seinen Tod. Die Eltern sind für das Leben ihrer Kinder verantwortlich, sobald sie sich dafür entscheiden, es auf die Welt zu bringen. Sie dürfen sich bis zur Geburt für eine Abtreibung entscheiden.

            M.E. ist Deine Logik zwar schlüssig, sie geht aber von falschen Prämissen aus

            Wenn man sich näher mit dem Thema befasst hat, bemerkt man, dass die aktuellen Aussagen von vielen Soziobiologen und Evolutionären Psychologen lediglich ein philosophischer Trend sind. Das ist eine uralte philosophische Auffassung, die Gehirn-Geist-Identität oder die Idee, das Gehirn erzeuge kausal den Geist, ist eine Idee, die gut 500 Jahre älter ist als das Christentum. Sie bleiben nicht bei ihrer Forschung, sondern sie machen metaphysische Aussagen, die sie in Abwesenheit klarer Anworten auf die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Bewusstsein und physischer Welt nicht rechtfertigen können.

          • DeeTee sagt:

            Genau, wie gesagt: irrational

          • derautor sagt:

            Dann ist die Realität eben „irrational“. Du musst nicht jeden Blödsinn glauben, den Wissenschaftler behaupten, die offenkundig nichts von der Philosophie des Geistes verstehen, also davon, wie sie ihre Beobachtungen sinnvollerweise interpretieren könnten.

          • DeeTee sagt:

            Die Realität ist nicht irrational, aber chaotisch. Die Sichtweise auf die Realität ist nicht verhandelbar. Du musst nicht jeden Blödsinn glauben, den Geisteswissenschaftler behaupten, die sich offenkundlich nicht mit Wissenschaft und deren unzweifelhaften Erkenntnissen befassen.

            Ich kann nur sagen, dass ich jedes Ergebnis, egal welcher Quelle, selbst und kritisch hinterfrage, und nur dann erscheint mir ein Ergebnis plausibel, wenn es mit meiner Realität (naturwissenschaftliche Ausbildung/Naturgesetze) und meiner Erfahrung (wie reagiere ich in bestimmten Situationen=Selbstbetrachtung) übereinstimmt.

            „Ich verstehe es nicht, wie das jemand ernsthaft leugnen kann“ – tja, das frage ich mich manchmal auch. Glaubst Du ernsthaft, mir wäre nicht bekannt dass Menschen Istitutionen haben und Tiere nicht? Und dennoch komme ich zu anderen Ergebnissen. Warum? Ich denke, Dir sind viele Erkenntnisse schlicht nicht bekannt oder innerhalb Deines Erfahrungsspielraums nicht plausibel/zugänglich. Ein Beispiel: Bist Du schon mal aus einer Bewusstlosigkeit erwacht, und welche Konsequenzen hatte dies für Dein Erleben Deiner inneren Geisteswelt? Hast Du jemals erlebt, wie sich die Warnehmung verändert, wenn Du einer Todesgefahr ausgesetzt warst, und hast Du nachher darüber nachgedacht, wie automatisch, instinktiv und reflexhaft Dein Bewusstsein funktioniert hat?

          • derautor sagt:

            Du musst nicht jeden Blödsinn glauben, den Geisteswissenschaftler behaupten, die sich offenkundlich nicht mit Wissenschaft und deren unzweifelhaften Erkenntnissen befassen.

            Natürlich tun sie das, wobei insbesondere die Ergebnisse der Humanwissenschaften alles andere als unzweifelhaft sind. Lies mal irgendein Buch von Raymond Tallis, der ist zugleich Neurologe und Philosoph.

  4. Sugar Sun sagt:

    A. „Viele Menschen im Westen halten Haustiere und würden deren Schlachtung für grausam halten. “

    Falsch die Menschen halten Waldi und Hasso und Hansi als individuelle Haustiere, wobei sie Schwein 7533-7B nicht als Individuum anerkennen.

    B. „es dem geschossenen Reh oder Hirsch viel besser als dem in Massentierhaltung gehaltenen Huhn oder Schwein.“

    Was hat das erschossene Reh X mit dem Huhn Y zu tun?
    Kann man neuerdings auch Mord an Max S. mit Hinrichtung von Rick K. in Bezug setzen? Und Völkermord X mit dem von Y relativieren?

    C. „Nicht, dass Tiere ihre Geschichte schreiben könnten, sich als Individuen wahrnehmen würden oder Rechte “

    Konnten geistig Behinderte oder Säuglinge und andere Betreuungsbedürftige auch noch nie.
    Bis heute bist du gescheitert eine Trennlinie zwischen der einen Individualisierung zur anderen logisch zu begründen.

    Mit Objektivismus hat deine Position nicht wirklich zu tun. Eher mit Paranoia und logischer Inkonsistenz.

    Die Utopie/Dystopie die du oben skizziert hast folgt nicht auf die Ausweitung der Individuendefinition.

    • derautor sagt:

      Falsch die Menschen halten Waldi und Hasso und Hansi als individuelle Haustiere, wobei sie Schwein 7533-7B nicht als Individuum anerkennen.

      Dadurch wird ihre Position natürlich erheblich logischer.

      Kann man neuerdings auch Mord an Max S. mit Hinrichtung von Rick K. in Bezug setzen? Und Völkermord X mit dem von Y relativieren?

      Es geht darum, dass Tierliebhaber eine inkonsistente Position haben. Dafür nannte ich Beispiele. Eines: Sehr viele Menschen in Deutschland haben ein Problem mit der Jagd, nicht aber mit der Massentierhaltung, obwohl es den gejagten Tieren besser geht als den in Massentierhaltung gehaltenen.

      Du solltest erst einmal versuchen, einen Beitrag zu verstehen, bevor du auf ihn reagierst.

      Konnten geistig Behinderte oder Säuglinge und andere Betreuungsbedürftige auch noch nie.

      Da würde ich mal lieber auf Nummer sicher gehen. Es ist nur bedingt möglich, die Innenwelt mancher schwer geistig Behinderter nachzuvollziehen. Nun gelten Gesetze allgemein für alle Menschen. Es ist so ähnlich wie mit der Straßenverkehrsordnung. In einer konkreten Situation mag es keinen rationalen Grund geben, nicht über eine rote Ampel zu fahren, wenn meilenweit kein anderer Verkehrsteilnehmer zu sehen ist, aber man würde trotzdem dafür bestraft werden. Zudem kann man aus Einzelfällen keine allgemeinen Rechte ableiten. Was Säuglinge angeht, bräuchte man gar keine Rechte zu schützen, wenn man deren Rechte nicht schützt.

      Im Grunde ist es ganz einfach: Tiere sind nicht rational, sie können keine moralischen Entscheidungen treffen, wir können nicht mit ihnen verhalten, sie überzeugen, Verträge mit ihnen eingehen und sie befinden sich im Gegensatz zu Behinderten nicht in unserer sozialen Sphäre. Sie sind so ähnlich wie Pflanzen ein Teil der Natur und nicht Vernunft- sondern Instinktgesteuert.

      Wenn dir kein guter Grund einfällt, warum die meisten Menschen glauben, man dürfe Elche essen, aber keine Behinderten oder Säuglinge, dann hoffe ich, dass du noch zur Vernunft kommen wirst.

      • Sugar Sun sagt:

        „Dadurch wird ihre Position natürlich erheblich logischer.“

        Das ist keine Widerlegung.
        Denn entweder man argumentiert Individualistisch oder man tut es nicht.
        Umherswitchen in den Argumentationspositionen scheinst du von dem von dir gelobten Raymond Tallis übernommen zu haben, der springt auch in seinem neuen Werk von Ontologischen zu Ontischen Positionen und wieder zurück, wie es ihm in den Kram passt, wodurch sein Werk letztlich völlig wertlos ist, weil er rein gar nichts aussagt.

        „Sehr viele Menschen in Deutschland haben ein Problem mit der Jagd, nicht aber mit der Massentierhaltung, obwohl es den gejagten Tieren besser geht als den in Massentierhaltung gehaltenen.“

        1.) Es hat sehr wohl damit etwas zu tun, denn wenn man sich über eine Sache echauffiert muss man sich nicht zwingend mit anderen Sachen beschäftigen.
        Wenn man sich um ein Individuum kümmert muss man sich auch nicht zwingend um ein anderes mit kümmern.
        Deine Verallgemeinerung ist in gleich mehrfacher Hinsicht unzulänglich.

        2.) Ferner möchte ich von dir mal Statistiken sehen welche Meinungen wie genau korrelieren.
        Behaupten kann man viel. Ich bezweifle, dass daran auch nur das Geringste dran ist.

        „Da würde ich mal lieber auf Nummer sicher gehen. Es ist nur bedingt möglich, die Innenwelt mancher schwer geistig Behinderter nachzuvollziehen.“

        Das kann man sehr wohl hat man sich mit dem Thema hinreichend beschäftigt.

        „Nun gelten Gesetze allgemein für alle Menschen.“

        Der Begriff Mensch ist hier ein Trojanisches Pferd.
        Es gibt Individuen die man gemeinhin als Menschen bezeichnet, obgleich sie selbst keine Ahnung haben was überhaupt Begriffe sind.
        Ferner entspricht die Aussage nicht der Wirklichkeit. Rechte gelten i.d.R. für den einzelnen Bürger in einem Land oder nicht wenn Bürgerrechte z.Bsp. mit Füßen getreten werden.

        „Im Grunde ist es ganz einfach: Tiere sind nicht rational, sie können keine moralischen Entscheidungen treffen, wir können nicht mit ihnen verhalten, sie überzeugen, Verträge mit ihnen eingehen“

        Das ist falsch. Einzelne Schimpansen und Bonobos halten sich an Konventionen, wenn man diese in die korrekte Form übersetzt. Das gilt sogar im rudimentären Sprachbereich.
        Ferner ist auch sonst gar nicht erklärbar woher das Gerechtigkeitsempfinden kommt für die das Cortex insularis und das Striatum gleichermaßen bei den höheren Primaten zuständig ist.
        Tatsächlich halten sich Rudeltiere generell an Strukturformen.

        Man kann dies auf besonders grausame Art verdeutlichen:
        Foltert man ein Tier wird es spezielle Verhaltensweisen vermeiden versuchen.
        Foltert man Personen mit speziefischen geistigen Behinderungen gibt es Fälle in denen die Gefolterten nicht daraus lernen.
        Was man anhand von grausamen Menschenversuchen der Nazis sogar aufzeigen kann, hatte man mal das traurige Vergnügen der Akteneinsicht.

        „und sie befinden sich im Gegensatz zu Behinderten nicht in unserer sozialen Sphäre.“

        Das ist falsch, oder leugnest du die Existenz z.Bsp. des Max Planck Instituts für Anthropologie und generell den Besitz von Haustieren.

        „Sie sind so ähnlich wie Pflanzen ein Teil der Natur und nicht Vernunft- sondern Instinktgesteuert.“

        Der Begriff Instinkt wird in der modernen Biologie seit Jahrzehnten mehr verwendet.
        Da man heute zwischen genetisch bedingten und erlernten Verhaltensweisen unterscheidet.

        Dein Mangel an biologischem Hintergrundwissen ist beklagenswert.

        • derautor sagt:

          „Der Begriff Instinkt wird in der modernen Biologie seit Jahrzehnten mehr verwendet.
          Da man heute zwischen genetisch bedingten und erlernten Verhaltensweisen unterscheidet.“

          Das ist doch eine reine Definitionssache. Kein Philosoph oder Wissenschaftler würde jemals sagen, dass man einen Begriff nicht mehr verwenden darf und fertig. Es ist nur relevant, ob der Begriff klar genug definiert ist. „Instinktiv“ ist ein Verhalten, wenn es nicht das Resultat bewusster Reflektion darstellt, sondern automatisch abläuft. Das ist sicher keine esoterische Begriffsverwendung, sondern so oder ähnlich wird der Begriff generell verstanden.

          „Dein Mangel an biologischem Hintergrundwissen ist beklagenswert.“

          Der Mangel an geisteswissenschaftlichem Hintergrundwissen von Biologen ist noch viel beklagenswerter.

          „Ferner entspricht die Aussage nicht der Wirklichkeit. Rechte gelten i.d.R. für den einzelnen Bürger in einem Land“

          Da könnte ich auch mitspielen und sagen, dass es auch Gesetze gibt, die europaweit gelten oder die als Ergebnis internationaler Abkommen noch weitere Geltung erfahren. Gemeint war natürlich, dass Gesetze für alle Menschen gelten in dem Sinne von „Gleiche Rechte für alle“ – es gibt keine Privilegien oder diskriminierende Gesetze für bestimmte Menschengruppen.

          „Ferner möchte ich von dir mal Statistiken sehen welche Meinungen wie genau korrelieren.“

          Repäsentative Umfragen zur Jagd

          Einstellung der Deutschen zur Jagd

          GEWIS-Institut vom 29.07.2002:

          68% “Der Staat sollte die Jagd auf wildlebende Tiere als Freizeitsport verbieten.”

          12% “Ich bin für die generelle Abschaffung der Jagd.”

          4% “Ich bin für eine Begrenzung der Jagd zugunsten des Tierschutzes.”

          3% “Ich bin grundsätzlich gegen ein Jagdverbot.”

          EMNID-Umfrage vom 10.09.2003:

          78% halten das jagdliche Töten von Tieren durch Hobbyjäger für eher schlecht

          81% fordern ein Verbot der Jagd auf Zugvögel

          77% befürworten ein Verbot von Totschlagfallen

          65% sind der Auffassung, der Grundeigentümer muss selbst entscheiden dürfen,
          ob seine Ländereien bejagt werden oder nicht

          86% sprechen sich für eine Wiederholung der Schießleistungsprüfungen mindestens alle
          3 Jahre aus

          EMNID-Umfrage 2003

          Reform des Bundesjagdgesetzes
          Repräsentative EMNID-Umfrage zu Kernfragen der Jagdrechtsreform

          Zur Festigung seiner Argumentation und Vorschläge zur Reform des Bundesjagdgesetzes hat das Vogelschutz-Komitee repräsentative Umfrage durchführen lassen.
          Die Befragung von 1004 BundesbürgerInnen (Abweichungsbreite der Ergebnisse +- 3%) wurde am 09. und 10. September 2003 durch das renommierte EMNID-Institut durchgeführt.

          Danach sind

          81% für Verbot der Jagd auf Zugvögel
          96% für Verbot der Jagd auf vom Aussterben bedrohte Arten
          61% für Verbot der Jagd auf nicht ziehend und nicht bedrohte Vogelarten
          77% für Verbot von Totschlagfallen, die nicht sicher töten
          73% für Verbot von Lebendfallen, in den Tiere Schaden erleiden können
          78% der Auffassung, dass Jagdausübung durch Hobbyjäger eher schlecht ist
          86% dafür, dass mindestens alle 3 Jahre eine Schießleistungsprüfung erfolgt
          65% dafür, dass jeder Grundeigentümer selbst bestimmt ob auf seinem Grund
          und Boden die Jagd ausgeübt wird und er nicht zwangsweise einer Jagd-
          genossenschaft angehören muss

          http://www.abschaffung-der-jagd.de/presse/repraesentativeumfragen/index.html

          Eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung befürwortet offenbar die Jagd in deutschen Wäldern. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine repräsentative Umfrage des Essener IFA-Instituts im Auftrag des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV), die Bild.de vorliegt. Demnach halten es 82 Prozent der Deutschen für richtig, dass Jäger zur Jagd gehen, etwa um Wildschäden in Wald und Feld zu verhindern (79 Prozent).

          70 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass Jäger viel Zeit in den Naturschutz investieren, knapp ebenso viele sind sich sicher, dass Jäger selten gewordenen Arten helfen. 90 Prozent der Deutschen sagen sogar, dass die Jäger die Natur lieben.
          http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-05/20184865-umfrage-mehrheit-der-deutschen-befuerwortet-jagd-003.htm

          Insgesamt sind die Deutschen offenbar dann mit der Jagd einverstanden, wenn sie als absolut notwendig angesehen wird, um Schäden zu vermeiden. Anderweitig sind sie offenbar eher gegen die Jagd. Derweil sind sie nicht der Meinung, dass die Tiere, deren Fleisch sie im Supermarkt kaufen, ähnliche Rücksichtnahme verdient hätte, denn sonst würden sie nur teures Fleisch aus besonders guter Tierhaltung kaufen.

          Prinzipiell ist es mir in Punkto Meinungsbildung egal, was die Leute glauben. Denn jedes einzelne Mal lautet das Ergebnis, dass sie widersprüchliche Meinungen zur selben Zeit vertreten und somit ist ihre Meinung philosophisch wertlos, mit Verlaub. Aber mal rein als Bestandsaufnahme und Kritikansatz sind Umfrageergebnisse interessant.

  5. Sugar Sun sagt:

    „Das ist doch eine reine Definitionssache. “Instinktiv” ist ein Verhalten, wenn es nicht das Resultat bewusster Reflektion darstellt, sondern automatisch abläuft.“

    Damit fallen schon alle erlernten spezifischen Verhaltensweisen in der Struktur eines Rudels heraus, denn dies erfordert Abwägen von Chancen wann man zum Zuge kommt, d.h. die Schwächung eines Rudelführers überhaupt zu erkennen und Situationen hinreichend einzuschätzen und oder „Dinge“ Geheim zu halten. (Ein Gegenüber als Dieb auszumachen).

    Bewusstes Täuschen bei Rabenvögeln und Menschenaffen die Reflexion eines Gegenüber zwingend benötigt. (Erkennen des potentiellen Diebes, Vorgaukeln des Futterversteckes, Umbetten wenn Gefahr gebannt ist und gegebenenfalls Verbesserung falls es ein Fehlschlag war) ist längst Standartwissen.

    Du müsstest eigentlich selbst sehen, dass das nicht so geht wie du es flach ausgedrückt hast, da die Evolution eines Neokortex welcher Verhaltensmuster der Vergangenheit bewusst abgleicht gar nicht nötig wäre.
    Auch würden andere Tiere nicht die erlebten Dinge im REM-Zustand verarbeiten und die gleichen Lernmuster und Verfestigungen aufweisen wie wir auch.
    Dabei kommt es auf jedes einzelne Individuum und seinem Charakter an was es wie lernt und bewertet 😉

    „Das ist sicher keine esoterische Begriffsverwendung, sondern so oder ähnlich wird der Begriff generell verstanden.“

    Oder so ähnlich, klar. Und der Mond besteht aus grünem Käse…oder so ähnlich.

    Es würde genügen zumindest etwas Ahnung zwischen den fließenden Übergängen von erworbenen und ererbten Verhaltensweisen zu haben.
    Schamgefühl ist ein gutes Beispiel. (Allein um verstockte religiöse Individuen zu ärgern)
    Entgegen der Ansicht von so manchem Mitglied der FKK-Bewegung ist das Schamgefühl angeboren – es treten zum Erschrecken einiger FKK-Eltern plötzlich stockprüde Verhaltensweisen bei ihren Kindern im Alter von ca. 8-11 Jahren auf.
    Das ist auch bei unseren nächsten Verwandten der Fall, denn das Gefühl selbst half dabei Sex vor dem Auge des Rudelführers zu verbergen – das Gefühl sich für den Akt/Sex zu schämen allein ist aber nicht entscheidend, man muss auch eine potentielle Partnerin AKTIV erkennen/auswählen, diese von den höher gestellten Mitgliedern unterscheiden können und damit eine abstrakte Vorstellung von der Rudelstruktur und potentiellen Verstecken haben.

    „Der Mangel an geisteswissenschaftlichem Hintergrundwissen von Biologen ist noch viel beklagenswerter.“

    Ich spreche nicht von „den Philosophen“ ich spreche ausdrücklich von deiner Person. Gleich zu verallgemeinern und alle Biologen über einen Kamm zu scheren ignoriere ich hier mal.

    „“Gleiche Rechte für alle” – es gibt keine Privilegien oder diskriminierende Gesetze für bestimmte Menschengruppen.“

    Richtig – Ich habe aber die bloße luftige Theorie und die gängige Praxis/Lebenswirklichkeit verglichen.
    So werden explizit die Menschenrechte selbst in DE hie und da mit Füßen getreten.

    Zu den Umfragen:
    „65% dafür, dass jeder Grundeigentümer selbst bestimmt ob auf seinem Grund und Boden die Jagd ausgeübt wird“

    Ist hier eigentlich ein Skandal dass dies nur 65% so sehen. Da wird das Eigentumsrecht mit Füßen getreten.

    „ähnliche Rücksichtnahme verdient hätte, denn sonst würden sie nur teures Fleisch aus besonders guter Tierhaltung kaufen.“

    So klug sind nur Einzelpersonen, nicht ein undefinierter Gros an Menschen in der statistischen Erfassung.
    Vor allem nicht während spezifischer Situationen wie dem Einkauf, bei dem häufig Stresshormone das Denken massiv beeinflussen.
    Da lässt man sich i.d.R. nicht von ehren Erwägungen leiten, sondern vom Trott der Einkaufsdynamik und Sparerwägungen.
    Dazu gibt es allein in der Werbeindustrie Zehntausend Studien.
    Obgleich man auch hier allein regional differenzieren muss. (Was bei der ganzen Marketingökonomie sehr leicht ist, denn dafür gibt es beinahe wöchentlich neue Statistiken aus jedem Dorf)
    In der Hochburg der Grünen Freiburg z.Bsp. gibt es mehr Biometzgereien als Discounter, was auch ohne Subventionierungen Bestand zu haben scheint.Wir sind übrigens nach wie vor Rudeltiere auf emotionaler Ebene, die nur mit Bekannten/Freunden verstärkte Mitgefühl empfunden, nicht mit gesichtslosen Abstrakten.

    Der Weg des geringsten Widerstandes zwischen ländlichen und städtischen Regionen muss ebenfalls berücksichtigt werden.

    „philosophisch wertlos“

    Selbst wenn ich vieles von dem was du hier auf deinem Blog vertrittst, auch unpopuläre Meinungen, unterschreiben kann mangelt es dir doch in vielen Bereichen einfach enorm am Hintergrundwissen.
    Das bezieht sich nicht nur auf Verhaltensbiologie und die Inkonsistenz individueller Betrachtungsweisen zu Gunsten unscharfer Verallgemeinerungen.

    • derautor sagt:

      Ich weiß eigentlich ziemlich viel über Biologie, aber inzwischen eben auch über Bewusstseinsphilosophie und darum interpretiere ich das Tierverhalten anders als du und als viele Affenforscher.

      Bewusstes Täuschen bei Rabenvögeln und Menschenaffen die Reflexion eines Gegenüber zwingend benötigt. (Erkennen des potentiellen Diebes, Vorgaukeln des Futterversteckes, Umbetten wenn Gefahr gebannt ist und gegebenenfalls Verbesserung falls es ein Fehlschlag war) ist längst Standartwissen.

      Auch Katzen „lernen“ in diesem limitierten Sinne, als sie die Ausführung ihrer Instinkte, ihr Jagdverhalten optimieren. Wieso sollte das Täuschen der Raben jedoch bewusst stattfinden? Woher wollen Biologen das wissen? Wieso sollte dies „Standardwissen“ sein? Du gehst in dem Satz schon wieder davon aus, dass Instinkte die Ausführung eines genetischen Programms unabhängig von gegebenen Umweltbedingungen wären, obwohl ich niemals so etwas behauptet habe. Das ergibt alleine schon als Konzept überhaupt keinen Sinn. Auch Hühner führen ihre Programme natürlich aus, insofern sie auf bestimmte Umweltbedigungen treffen, zum Beispiel vertreute Körner (Scharrtrieb) oder die Materialien für den Nestbau. Auch Hühner variieren ihr Verhalten unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel gibt es bei Hühnern aus Legehennenbatterien manchmal ein gestörtes Brutverhalten.

      Ich weiß, dass Katzen träumen (wobei sie Mäusefangstrategien durchgehen), dass Menschenaffen sich kurz im Spiegel erkennen können, dass sie ihren Artgenossen helfen und so weiter. Ich weiß auch, dass sich Affen kulturell trotzdem nie auf irgendeine erwähnenswerte Weise weiterentwickelt haben. Gäbe es bei Affen bewusste Reflektion und Lernen, wo in Darwins Namen ist dann das Ergebnis dieses Lern- und Reflektionsprozesses? Wo sind die äffischen Städte, die äffischen Kochkünste, die äffischen Gewürzimporte, die äffische Literatur, die äffische Irgendetwas? Nirgends. Warum? Weil Menschenaffen uns so unglaublich ähnlich sind?

      Es regt mich vor allem auf, die dermaßen offensichtlich die gewaltigen Unterschiede zwischen Mensch und Tier sind und wie es trotzdem möglich sein konnte, eine ganze Generation von Intellektuellen, sogar mehrere, derart für dumm zu verkaufen. Affen leben in ihrer Umwelt, wir erschaffen unsere Umwelt. Affen passen sich der Umwelt an, wir passen die Umwelt uns an. Welche Affen bauen Häuser, Bewässerungsanlagen, Autos, irgendetwas?

      Die Darwinitis greift um sich. Welches Buch von Tallis hast du eigentlich gelesen?

      • Sugar Sun sagt:

        „Es regt mich vor allem auf, die dermaßen offensichtlich die gewaltigen Unterschiede zwischen Mensch und Tier sind und wie es trotzdem möglich sein konnte, eine ganze Generation von Intellektuellen, sogar mehrere, derart für dumm zu verkaufen. Affen leben in ihrer Umwelt, wir erschaffen unsere Umwelt. Affen passen sich der Umwelt an, wir passen die Umwelt uns an. Welche Affen bauen Häuser, Bewässerungsanlagen, Autos, irgendetwas?“

        Mich würde mal deine Definition von „Umwelt aktiv formen“ interessieren und der Frage nachgehen ob ein einzelnes Individuum wirklich selbst oder ausschließlich ein spezifisch sozialisierter Gruppenverband in der Lage dazu ist.
        Und ob du Jäger und Sammlergesellschaften wie den Aborigines „gestattest“ als „Umwelt beeinflussend“ zu gelten.

        (Aktiv Fallen aufstellen zum Überlisten und Krieg führen können nämlich auch Schimpansen, genauso wie Kisten oder Steine stapeln oder primitive Angelwerkzeuge herstellen, was auch eine aktive Form der Veränderung der Verhältnisse darstellt.)

        Größere Veränderungen kann natürlich auch eine derzeit bekannte Affenart, nämlich Homo sapiens. Aber das wäre hier nur spitzfindige Wortklauberei.
        (Die bei Tallis ein Anflug von Sinnleere-Gefühlen bewirkt, so wie sich sein Buch liest dazu später mehr)

        Deine wutschnaubende Aussage geht ziemlich am Thema vorbei, bzw. dient auch als Strohmann für das, was du gesnipt hast.

        Nämlich, dass es keine klare Begründung geben kann:
        Warum spezifische Rechte für einige geistig eingeschränkte Individuen und für andere nicht gelten sollen.

        Die Idee hinter Affenrechten ist ja nicht, entgegen deiner Utopie/Dystopie Verantwortungsbewusste Individuen prinzipiell für alles haftbar zu machen.
        (Z.Bsp. Unterlassene Hilfeleistung beim Zebratöten durch einen Löwen gegenüber dem Zebra und Vernachlässigung der Betreuungspflicht gegenüber dem Löwen dem man es gestattet hatte das Zebra zu töten)
        Sondern die Anerkennung des Behindertenstatus ein Stück zu erweitern und dafür gibt es gute Gründe.

        (Deine Argumentation erinnert mich an die Befürchtungen die Erweiterung der Bürgerrechte auf vormalige Sklaven führe zur Aushöhlung der Rechte und zum gesellschaftlichen Rückschritt – so argumentierst du ja auch – Die Ökos wollen uns zu Steinzeitmenschen machen *lach*)

        Die Einwände die du und Kritiker gemeinhin bringen sind dieselben die man ganz allgemein gegen Rechte von Behinderten anbringen kann.
        Nämlich vor allem Praktische:
        Es fehlt an Geld, an Zeit und an Lust sich mit „denen“ herum zu ärgern.
        (Und überhaupt sterben ja hie und da auch noch Menschen zu tausenden in Kriegen und da muss man sich doch über so etwas Luftiges schon gar keine Gedanken machen!)

        Der Schluss auf das soziale Umfeld ist fadenscheinig und gefährlich führt man die Kinder auf, die wegen Behinderungen ausgesetzt werden und für die der Staat das Umfeld erst generieren muss.

        Man könnte nämlich argumentieren: Rechte für Behinderte? – Ja, aber nur wenn Versorgung gewährleistet werden kann – Ansonsten: Rübe ab.

        Die Begründung auf die genetische Ausstattung (Menschen-DNA) wiederum wäre entweder willkürlich (Wie viele Mutationen brauchen sie denn?) oder hätte zur Folge Embryonen oder Tumorzellen (wegen des menschlichen Erbgutes) ebenso unter den gleichen Rechtsschutz zu stellen.
        Es sei denn man differenziert hier plötzlich wieder in altbekannter Willkürmanie.

        Tallis Polemik Aping Mankind.
        Darin werden auch permanent Praxis und Theorie miteinander verdreht ohne dass eine logische Verzahnung standhalten würde.
        Das ist an sich nicht so tragisch:
        Gravierend ist eher dass Erklärungsmächtigkeit entweder mit Deutungshoheit verwechselt oder mit Erkenntnisfähigkeit synonym gesetzt wird.

        Dabei fällt es auf, dass es über die reine Kritik an der neurowissenschaftlichen Deutungsmacht gar nicht hinaus geht. Alternative Modelle werden von seiner Seite nicht einmal erwähnt.
        Stattdessen gibt es Predigt.
        Man hat manchmal das Gefühl ein Lyriker sehnt sich nach ein wenig Geschwurbel um Sinnhaftigkeitsgefühle zu generieren die man bei Erklärungen selbst vergeblich versucht hat zu finden.

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