USA: Säkulare Humanisten zerlegen sich selbst

Wie es ausschaut, hat sich die säkular-humanistische, neo-atheistisch inspirierte „Community“ in den USA gerade selber zerlegt. Greg Laden und Thunderfoot wurden aus den Freethought-Blogs rausgeworfen und alle sind mit allen verkracht.Auslöser war der „Sexismus auf Konferenzen“-Streit, den einige feministische Freidenkerinnen wie Rebecca Watson ausgelöst hatten – die offenbar auf jeder Konferenz überall auf der Welt über blöde Sprüche von Trollen sprach, als wäre Sexismus ein spezifisches, großes Problem innerhalb der säkular-humanistischen Szene. Was teilweise erklären könnte, warum Frauen dort nicht hinein wollen. Aber wichtiger sind wohl die sexistischen Vorurteile der Gesellschaft, laut denen Philosophie und Wissenschaft nichts für Frauen wären. Darüber haben sie kaum je gesprochen, dabei könnte man dies für eine Hauptaufgabe feministischer Organisationen aus dem Freidenker-Lager ansehen.

Derweil haben sich alle männlichen Skeptiker-Blogger gegenseitig in der öffentlichen Versicherung übertrumpft, sie wären bestimmt keine Sexisten. Der Evolutionsbiologe Greg Laden ist sogar irgendeiner Frauenvereinigung beigetreten.

Der skeptische Blogger Hank Campbell (danke an Rolf Degen für den Link) hat essenziell Recht damit, dass die politideologischen Auslassungen und die Intoleranz gegen Konservative und Gläubige in dieser Szene ein viel größeres Problem darstellen als irgendein Sexismus. Säkulare Humanisten sind in den USA beinahe nur ein Teil der Demokratischen Partei, gäbe es nicht einzelne unabhängige Denker, die sich dort hinein verirrt haben; angelockt durch die kritisch-rationalen Prinzipien, die man sich auf die Fahnen schreibt, aber auch nur dorthin.

Er hat auch Recht damit, dass sich die Szene überwiegend mit „Easy Targets“ befasst wie Leute, die an Big Foot glauben oder religiöse Fundamentalisten. Sie stellen ihre geistige Überlegenheit zur Schau und glauben, sie wüssten alles, nur weil sie nicht an den offensichtlichsten Unsinn glauben – ohne ein tieferes Verständnis erreichen zu wollen, warum Menschen dergleichen glauben oder welche anderen Aspekte ihrer Persönlichkeit und ihre Überzeugungen ausmachen (die unter Umständen viel wichtiger sind als ihr Aberglauben).

Was den Feminismus angeht, so fällt mal wieder auf, dass die feministischen Skeptikerinnen viel sexistischer sind als die unsicheren, harmlosen Nerds in der „Bewegung“, von denen der meiste „Sexismus“ ausgeht. Die meisten „Skepchicks“ sind nicht auf dem Level von Ophelia Benson oder Ayan Hirsi Ali und vielleicht gebrauchen sie darum ihr Geschlecht und sexuelle Assoziationen, um auf sich aufmerksam zu machen, alleine schon, wenn sie ihre Blogs „Science Cheerleaders“ oder „Skepchicks“ nennen und überall irgendwelche rosafarbenen Grafiken, sexuelle Anspielungen und typisch weibliches Zeug anbringen. Simple Frage: Welcher männliche Freidenker macht irgendetwas dergleichen? Wer nennt sich „Macho-Skeptic“ oder „Manly Science“? Niemand.

Als Chefinquisitor war P.Z. Myers aktiv, der überwiegend linke Politik macht und nur wenige Blogbeiträge über Wissenschaft veröffentlicht. Thunderfoot über das Thema:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=o1mLHdTsmPc[/tube]

Es gefällt mir doch sehr viel besser, wie ich das inzwischen eingerichtet habe. Ich habe hier meine Insel, viele meiner Leser haben ihre eigene Insel, dort schreibt jeder, was er will und gelegentlich tauschen wir uns aus. So ist es auch viel einfacher, auf berechtigte Kritik zu hören. Es gibt schließlich keine Linie, die man einhalten müsste, sondern nur Individuen, die auf gleicher Ebene interagieren. Ich brauche keinen Blogger-Dachverband, keine Organisationen oder sonstwen, an dessen Meinungen ich mich zu orientieren habe – ohne dass die Freethoughtblogs ihre Blogger auch nur für ihren intellektuellen Selbstmord bezahlen würden.

Was am Ende zählt sind Ideen. Zweifellos gehen die Besucherzahlen nach oben, wenn man mit durchsichtigem Oberteil gegen Gott anredet, aber es ist niederstes Niveau und der Effekt ist zweifelhaft – vielleicht wäre das eher ein Fall für YouPorn. Da wäre der Effekt auch weniger zweifelhaft.

Mir ist es egal, welches Geschlecht kritische Denker haben, hauptsache sie schreiben qualitativ hochwertige Beiträge und Bücher, die wirklich etwas Konstruktives beitragen, die das Denken der Menschen verbessern können und die wichtige Einsichten bringen und Einsichten in ihr Sexualleben gehören nicht dazu.

Die größte feministische Denkerin wird ohnehin von niemandem als solche anerkannt. Als Atheistin wurde Ayn Rand von den Konservativen ausgeschlossen, als klassisch Liberale von den Linken und von den „säkularen Humanisten“ ebenso. Sie befand sich intellektuell auf einer Ebene mit den besten männlichen Philosophen und sie war sogar stolz darauf, als Ludwig Mises sie darum einen „Mann“ nannte. Mit Dagny Daggart aus Atlas Shrugged erschuf sie bereits in den 1950ern einen weiblichen Charakter, eine Großunternehmerin, die fast alle ihrer männlichen Mitarbeiter und Konkurrenten in die Tasche stecken konnte. Nicht wegen ihrem Geschlecht, nicht wegen ihrem Aussehen, nicht wegen ihrem Sexualleben, sondern wegen ihrem Intellekt, den sie erfolgreich auf reale Herausforderungen anwendete.

Frauen und Männer sollten mehr so sein wie Dagny Taggart und Hank Rearden oder wie Irene Adler und Sherlock Holmes (ohne den kriminellen Anteil von Adler und den soziopathischen von Holmes). Oder wie Buffy und Spike (nachdem sie es aufgegeben hatten, sich gegenseitig umbringen zu wollen). Das wäre schön.

Off Topic: Das objektivistische Art Renewal Centre veröffentlichte heute die Gewinner ihres aktuellen Kunstwettbewerbs. Wirklich großartige Gemälde, die sind einen Blick wert!

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Kultur.

12 Kommentare zu “USA: Säkulare Humanisten zerlegen sich selbst

  1. Blah sagt:

    Eigenlob stinkt. Besonders wenn es nicht berechtigt ist wie in deinem Fall.

    Du bist doch schon längst völlig kritik und diskussionsunfähig, weil du die absolute unveränderliche transzendente Wahrheit in Form des Objektivismus erkannt hast.

    Alle, die diesem lächerlich simplen Quatsch von Ayn Rand durchschauen und für den Vulgärphilosophischen Schmarren halten, der der Objektivismus nun mal ist werden von dir als linke Gutmenschenspinner abgetan. Außer jeden zu beleidigen, der nicht
    deine primitiven Sicht der Dinge teilt, tust du ja kaum was.

    • derautor sagt:

      Das ist keine transzendente Wahrheit. Argumente wären gut statt arrogante Verurteilung. Die Philosophie ist nicht simpel, nur weil man ihre Zusammenfassung verstehen kann.

  2. DeeTee sagt:

    Was zeigt, dass Humanisten sich in erster Linie ihrem Thema widmen sollten, und sich nicht bei allem Konsens in anderen Nebenschauplätzen streiten. Das Weitere kann kommen, wenn das eine Ziel, nämlich eine laizistische oder mindestens säkulare, freie, gleichberechtigte Demokratie erreicht ist.

  3. Karl sagt:

    Ich glaube nicht dass es daran liegt, dass es daran liegt, dass sie sexistisch behandelt werden, dass so wenige Frauen in säkulären Gruppen sind. Das mag wohl mehr daran liegen dass Frauen weniger an Politik interessiert sind.

    @Blah
    Ich versteh nicht warum du hier den Autor beschimpfen musst. Wenn dir die Meinung nicht passt gibt es auch genügend andere Blogs die du aufsuchen kannst.

  4. Blah sagt:

    Ich will den Autor ja retten, er hat so gar keine Ahnung davon, was auf der Welt los ist und wie Philosophie und Vernunft überhaupt funktionieren.

    Alles was er hat, ist eine krude Weltanschauung (die er mit einer tiefen Philosophie verwechselt). Alles, aber auch wirklich alles, wird durch diese Brille betrachtet – und die die Brille ist ein Mechanismus eingabaut, der alle Abweichler zu Idioten und seine eigene Denke praktisch unwiderlegbar macht (immer ein schlechtes Zeichen).

    „So ist es auch viel einfacher, auf berechtigte Kritik zu hören.“

    Leider hört er nie hin, alles läuft immer nach folgendem Schema ab:

    > Tierrechte sind schlecht
    >>Warum?
    > Weil Ayn Rand es gesagt hat

    Ende der Debatte

    >Frauen und Männer sollten mehr so sein wie Dagny Taggart und Hank Rearden oder wie Irene Adler und Sherlock Holmes (ohne den kriminellen Anteil von Adler und den soziopathischen von Holmes). Oder wie Buffy und Spike (nachdem sie es aufgegeben hatten, sich gegenseitig umbringen zu wollen). Das wäre schön.

    >>Warum wäre das schön

    >Weil Ayn Rand das gesagt hat.

    oder absolut klassisch

    >Die Welt ist am besten, wenn jeder egoistisch ist
    >>Und wenn Millionen verhungern?
    >Dann ist eben das am besten
    >>Wie kann man sagen, der Hungertod von Millionen wäre gut?
    >Weil Ayn Rand es gesagt hat, dass die Welt am besten ist wenn jeder egoistisch ist

    usw. usf

    Mit Argumenten kann man dieser Art von Verblendung kaum beikommen 🙂

    • Sophian Philon sagt:

      Retten? Vielleicht bringst du mal ein Argument vor!

      Du sagst:

      „Leider hört er nie hin, alles läuft immer nach folgendem Schema ab:

      > Tierrechte sind schlecht
      >>Warum?
      > Weil Ayn Rand es gesagt hat

      Ende der Debatte“

      Wenn du nur einen Artikel dazu gelesen hättest, dann wüsstest du, dass das purer Unsinn ist… Vielleicht bist du aber nicht zu retten!

    • derautor sagt:

      Ich habe niemals so argumentiert, Strohmann und Ad Hominem.

      • Blah sagt:

        Natürlich hast du gute Argumente dafür gegeben, die für jeden, der den Objektivismus nicht ernst nimmt, reines Blabla sind.

        Alle deine Argumente in gleich welcher Diskussion basieren auf der Annahme, dass der Objektivismus eine ganz ganz tolle „Wahrheit“ ist, die selbst außerhalb jeder Diskussion steht.

        „Was am Ende zählt sind Ideen.“

        Wie wahr. Leider hast du nur eine einzige.

        • derautor sagt:

          Was ist denn nun falsch am Objektivismus? – wobei sich dieser mit grundlegenden Ideen der liberalen Demokratien überschneidet, insofern umso interessanter, was nicht stimmt. Sind die kontraktualistischen Elemente falsch, die Menschenrechte, die Marktwirtschaft oder was genau?

  5. sba sagt:

    Nachrfu auf „Blah“… Ich glaube, das Problem ist relativ simpel: Nahezu alle großen zeitgenöss. Philosophiker leiten sich in irgendeiner Form von der Existenzphilosophie ab. Aufgrund der schwachen Rezeption wird es kaum irgendwo nachzulesen sein, aber demnächst dürfte ich den Nachweis bringen können, dass auch Ayn Rand (gibt es eigentlich irgendwo eine Quelle für die Aussprache? Ich mache immer ein hebr. „Auge“ draus) ihrer Methodik nach ebenfalls in die Existenzphilosophie eingeordnet werden kann. Sie kommt bloß zu vollkommen anderen Ergebnissen als alle anderen. Und was Spatzen mit Wellensittichen anfangen, wissen wir, auch wenn es nicht sehr schmeichelhaft für die Menschen in der Rolle der Spatzen ist. Da drängt sich irgendwie der ganz oberflächlich zu haltende Vergleich mit dem Abweichler Trotzki auf.

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