Pennywise: Alles oder Nichts

Ja, ich weiß – ich wollte euch mit Musikbeiträgen in Ruhe lassen. Ist ja fast so schlimm, als würde ich darüber schreiben, was ich heute gegessen habe. In diesem Fall passt der Beitrag über meinen obskuren Musikgeschmack allerdings wieder sehr gut zu meiner Philosophie.

Es geht um Pennywise: All or Nothing. Das Album konzentriert sich auf die optimitische, lebensbejahende Seite, die Pennywise immer schon geboten hat (auch wenn die Band nach dem Mörderclown aus Stephen Kings Es benannt wurde) und vernachlässigt die linken Parolen – wohl dank Verabschiedung des ehemaligen Lead-Sängers Jim Lindberg, der mit The Black Pacific eine eigene Band gründete (die auch sehr gut klingt, aber arg in die linke Richtung geht). Ersetzt wurde er von Zoli Téglás, der auch Leadsänger von Ignite ist und sich unter anderem durch die anti-kommunistische Hymne Poverty for All einen Namen machte (hier ein Live-Video aus dem ex-kommunistischen Polen).

Aus dem Lyrics zum Titelgeber All or Nothing (jeweils meine Übersetzung):

Ich war verwirrt, doch nun sehe ich mit offenen Augen.

Ich glaube, wir können weitergehen, unsere Ziele erreichen und berichtigen, was falsch ist.

Ich glaube, dass wir uns treu bleiben und etwas Neues finden können.

Die Alles-ist-Mist-Haltung des Punk-Rock ist ohnehin schon lange kein Muss mehr, aber Optimismus und ein zuversichtlicher Blick in die Zukunft, eine Affirmation des Lebens, das hört man doch eher selten von Punk-Bands. Das Motiv zieht sich durch das ganze, wieder sehr energetische Album.

Der Titel des Stücks Waste Another Day klingt zunächst typisch Punk: Verschwende dein Leben, denn es gibt kein Morgen und alles ist sinnlos. Die Lyrics sehen ganz anders aus:

Du musst sagen, dass du nicht aufgeben wirst.

Ich werde niemals verlöschen.

Ich werde keinen weiteren Tag verschwenden.

Die Kälte und das Grau ersticken dein Wesen.

Öffne deine Augen und bleibe wach.

Aus Stand Strong:

Du musst dein Leben nicht grundlos leben.

Du musst jeden Moment leben bis zu dem Tag, an dem du stirbst.

Die Zeit ist gekommen, dass du erkennst: Das Leben ist voller Leichtigkeit.

Deine Wahl lautet, deinen Kopf aufrecht zu halten.

Aus X Generation:

Unser Tag ist gekommen.

Unsere Freiheit wird nicht niedergetrampelt werden.

Die Zukunft scheint hell in diesem verblassenden Licht.

Während wir die Geschichte umschreiben.

Aus We Have It All

Wenn es sich anfühlt, als wären alle hinter dir her.

Und deine Träume sind zersplittert, nichts wird sich je verändern.

Denke immer daran, dass ich hier bin, um dir zu helfen.

Ich werde der Junge sein, der stets einen besseren Weg findet.

Aus United

Morgen kann dein ganz neuer Anfang sein.

Ein neuer Tag, ein neuer Weg.

Du findest den besseren Pfad, den du einschlagen kannst.

Erhalte dir deinen Mut und finde die Stärke in dir drin.

Halte dich fest, zusammen werden wir überleben. Wir werden überleben.

Das ganze Album ist einfach nett, ungemein aufheiternd, energetisch und optimistisch.

Hier kann man sich das Album durchhören (YouTube, du Land der Urheberrechtslosigkeit…):

Und hier gibt es das Album zu kaufen (ich selbst habe es mir sofort gekauft als Fan der Band und der Preis geht durchaus in Ordnung für die MP3-Version):

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9 Kommentare zu “Pennywise: Alles oder Nichts

  1. Andreas D. sagt:

    Ich hätte nicht einmal etwas dagegen, wenn du über deine Mahlzeiten schreiben würdest. Philosophie hat mit dem Magen mindestens so viel zu tun wie die Musik: „Anfang und Wurzel alles Guten ist die Freude des Magens; selbst Weisheit und alles, was noch über sie hinausgeht, steht in Beziehung zu ihr.“ (Epikur: Fragmente 5)

    Gerade habe ich die neue Speisekarte für das Restaurant eines vietnamesischen Freundes gestaltet und mich in der Einleitung an einer kleinen Philosophie der asiatischen Küche versucht. Man findet dazu einiges. Der Chinese Lin Yutang beispielsweise versteift sich auf die These, dass das Glück weitgehend eine Sache der Verdauung sei. Die Vietnamesen sehen im Essen gar die Grundlage des kommunikativen Miteinanders: „Wer mit Schale und Essstäbchen umzugehen weiß, versteht auch mit Worten umzugehen“. Und in Thailand gilt Essen als „sanuk“ (Spaß haben). Je mehr Leute daran teilnehmen, desto mehr sanuk ist es. Eine überwiegend hedonistische Sichtweise also.

    Wie betrachtet der Objektivismus das Essen? Ein Kontrakt zwischen Koch und Gast? Eine Angelegenheit der individuellen Freiheit? 🙂

    • derautor sagt:

      Der Objektivismus besagt nur, dass man sich so ernähren sollte, wie es das individuelle Lebensglück erfordert. Man sollte das essen, was einem schmeckt, aber man sollte auch auf die Figur achten, weil das etwas ist, was der Partner an einem schätzt und was auch zum eigenen Selbstvertrauen beiträgt. Das war für mich eine wichtige Information, da ich zuvor der Ansicht war, man müsse mich so akzeptieren, „wie ich bin“. Das ergibt aber keinen Sinn. Natürlich sind Frauen eher an einem attraktiven Mann interessiert, was durchaus vernünftig ist. Es ist nicht der einzige Faktor, klar, aber es ist ein Faktor und es darf auch ein Faktor sein.

      Das ganze blöde Gelaber über das Akzeptieren der eigenen Figur und die Ermutigung vom Dick-sein und die Idee, das wäre „in den Genen“, hat mir sehr geschadet (wobei ich nie wirklich dick war, aber doch zu dick). Es ist Unsinn, Übergewicht einfach zu akzeptieren. Im Prinzip führt das dazu, dass die dicken Kinder stets ermutigt werden und von anderen nett angegrinst und dann wundern sie sich, warum sie doch keiner attraktiv findet und keiner sagt es ihnen. Das ist das pure Böse – so ähnlich wie die aktuelle linke Spinnerei, Behinderungen wären „gleichberechtigte Lebensstile“ und nicht schlechter als keine Behinderungen. Natürlich ist es weniger angenehm, behindert zu sein, als nicht behindert zu sein. Mein autistischer Bruder freut sich durchaus nicht über seinen „alternativen Lebensstil“ und dies zu behaupten, ist absolut zum kotzen. Wenn linke Sektierer bestreiten, dass Behinderungen schlecht sind, bin ich gerne bereit, ihnen die Beine zu brechen. Mal sehen, ob sie ihren neuen Lebensstil genießen.

      Ich befasse mich zwar schon seit ein paar Jahren mit verschiedenen Diäten von Paläo-Food zu Low-Carb, aber zu einem Ergebnis bin ich noch nicht wirklich gelangt. Inzwischen gehe ich einfach nach eigener Erfahrung, es ist eben individuell auch sehr unterschiedlich, wie man auf verschiedene Ernährungsweisen reagiert. Mir scheint viel Zucker nichts auszumachen, hingegen aber viel Fett – im Gegensatz zu meiner Erwartung. Ich weiß also noch nicht genau, wie ich das Abnehmen umsetzen soll. Einfach weniger essen hat nicht funktioniert. Vielleicht wäre Konditionstraining eine Idee.

      Weiter als bei der Ernährung bin ich beim Sport. Da mache ich regelmäßig Krafttraining, was die effektivste Sportart überhaupt ist. Da sieht man wirklich schnell ein Ergebnis. Ich halte mich an keine Trainingspläne, sondern mache das nach eigenem Ermessen, aber durchaus konsequent (aktuell habe ich es übertrieben und kann kaum noch stehen). Jetzt bin ich gleichzeitig noch etwas zu dick, aber zugleich erkennbar muskulös. Das muss ich besser aufeinander abstimmen.

      • Karl sagt:

        @feuerbringer
        Also ich hätte dich von den Videos her auf keinen Fall als dick war genommen 🙂

        Ich glaube die richtige Abnehmstrategie muss man selber herausfinden. Mir hat es immer geholfen wenn ich nur zwei Mahlzeiten pro Tag esse und dazwischen eine lange Pause mache.

        Völlig richtig ist die Anmerkung dass Übergewicht objektiv schadet. Ich mag auch diese moralisch korrekten „Wahrheiten“ nicht die dann letztlich dazu führen dass man falsche Entscheidungen trifft.

        Danke für den Musiktipp. Ich wusste gar nicht das es auch pro-kapitalistische Punktbands gibt. Aber gut ich mein Punkwissen bezieht sich ja auch hauptsächlich auf die Ärzte und die Toten Hosen.

        • derautor sagt:

          Na ja, Pennywise war die meiste Zeit über sicher nicht prokapitalistisch (sondern anarchistisch). Was sie jetzt sind – keine Ahnung. Die Texte sind da sehr vage. Eine radikal liberale Band, die so ziemlich immer meine Meinung wiedergibt, ist die deutsche Punkband OHL (Oberste Heeresleitung).

          Ich bin nicht fett, aber ebenso nicht schlank genug.

        • Andreas D. sagt:

          „Völlig richtig ist die Anmerkung dass Übergewicht objektiv schadet.“

          Ich fand es auch immer verlogen, wenn attraktive, schlanke Leute meinen, einem Übergewichtigen einreden zu müssen, er sei schon völlig in Ordnung so wie er ist, und alle täten in trotzdem akzeptieren. Verlogen deswegen, weil es nicht so ist. Als Sexualpartner lassen sie ihn nämlich links liegen. Eine Mischung aus herablassendem Mitleid und heimlicher Schadenfreude schwingt stets dabei mit.

          Auch Pädagogen haben nicht begriffen, wie sehr sie jungen Leuten damit schaden. Ihre vorgeblich aufmunternden Worte beinhalten keinen Anreiz etwas an der Situation zu ändern. Man stelle sich vor, ein Mathelehrer betont, es sei schon nicht weiter nachteilig, die Algebra nicht zu beherrschen, der Schüler bekäme deswegen noch lange keine schlechten Noten.

          Nun steht das Thema „gesunde Ernährung“ aber ganz weit oben auf der Agenda der grünen Volkserzieher. Wenn Übergewicht – objektiv gesehen – schadet, wäre es dann nicht auch sinnvoll, via Bildungssystem junge Menschen zu gesunder Lebensweise anzuhalten?

          Dann sind wir wieder bei der Frage, welchen Stellenwert noch nicht erwachsene Menschen im Liberalismus haben. Selbst verantwortlich für ihr Wohl und Wehe? Den – mitunter inkompetenten – Eltern überlassen? Oder doch ein Feld staatlichen Einwirkens?

  2. Daniel sagt:

    Wirklich ein schöner Zufall, dass Dir das Album gefällt.
    Und: ich glaube, es war Johnny Ramone, der mal sinngemäß gesagt hat, dass er keinen Sinn darin sehe, als Punk links zu sein. Dann könne man auch gleich Hippie werden.

  3. Pennywise Tickets sagt:

    Hier gibt es tickets für die Konzerte.

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