Da wird einem ganz Precht!

Ich denke, es wäre fair zu sagen, dass der Philosoph Richard David Precht beizeiten unklare Gedanken formuliert und keine Orientierung zu haben scheint. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es noch jemand bezweifelt – hier einige Highlights seines Schaffens / seiner Medienpräsenz:

1. Der arme Terrorist

Der bemitleidenswerte Osama bin Laden – es war total gegen das Völkerrecht, den Mann auszuschalten. Schließlich war er keine Nation und „nicht einmal eine Krieg führende Partei“. Al-Qaidas ehemaliger Chef-Terrorist war zwar für einen Terroranschlag in New York mit vielen tausend Toten (9/11 oder so ähnlich) verantwortlich, aber das ist durchaus kein kriegerischer Akt. Findet Richard David Precht. Weil Osama kein Land ist. Also darf man ihn nicht töten. Weil man nur Länder töten darf, die einen Mord begehen – aber keine Mörder, die einen Mord begehen. Das wäre nämlich gegen das Völkerrecht.

(Nein, das heißt nicht, dass man Precht eine Ohrfeige verpassen sollte, sondern dass er sich mit jedem Wort selber eine verpasst.)

2. Die Kunst, ein Egoist zu sein

„Wenn Sie in einer Firma arbeiten, wird Sie niemand besser bezahlen, nur weil Sie ein guter Mensch sind.“

„Moral ist in unserem Wirtschaftssystem nicht sehr fest verankert, passt auch eigentlich gar nicht ins Wirtschaftssystem. Und deshalb ist es die Aufgabe der Politik, Moral in der Wirtschaft zu verankern.“

Der Laissez-faire-Kapitalismus ist das einzige moralische Wirtschaftssystem. Im Kapitalismus tauschen die Menschen Wert gegen Wert – auf faire, friedliche und freiwillige Art. Betrügerisches Verhalten zahlt sich auf Dauer nicht aus. Ein Betrüger versucht, die Realität zu verfälschen. Er verstrickt sich in ein Netz aus Lügen und die Einzigen, mit denen er am Ende noch handeln kann, sind Dummköpfe, die sich betrügen lassen. Dummköpfe möchte ein rationaler Unternehmer nicht als Kunden haben, weil sie in der Regel nicht viel verdienen. Ein Betrüger kann sich darum nicht weiterentwickeln, er stagniert auf einem niedrigen Niveau. Er kann rationale Menschen nicht vom Wert seiner Angebote überzeugen.

Also werden wir in der Tat besser dafür bezahlt, wenn wir „nette Menschen“ sind und fair handeln. Wie fast alle Philosophen versteht Precht grundsätzliche ökonomische Zusammenhänge nicht. Ökonomie wird von Philosophen als irgendwie „niedrig“ und unter ihrem Niveau angesehen – und so schaut das Ergebnis aus.

„Zum Beispiel damit, dass ganz normale Bürger in die Schulen gehen und Migrantenkindern (…) Nachhilfeunterricht geben und auch Werte vermitteln.“

Precht möchte, dass normale Bürger, die den Lehrberuf nie erlernten, ausgerechnet Migrantenkinder, also in diesem Fall Problemkinder unterrichten. Neben ihrem Bemühen, dabei nicht verprügelt zu werden, sollen sie den Kindern außerdem „Werte“ lehren. Man könnte natürlich auch Lehrer für diese schwierige Aufgabe zusätzlich ausbilden und sie nicht immer auf ein halbes Jahr befristet einstellen, wenn man gute Resultate sehen möchte (all dies ließe sich bei einem privatisierten Bildungssystem einrichten. Auch würden Migranten dort etwas für ihre Bildung bezahlen müssen – man stelle sich vor). Aber das wäre ja ein fairer Handel und keine Selbstaufopferung. Das würde ja Probleme lösen und sie nicht verschärfen. Kann man also nicht machen. Und Lehrer – das sind sowieso irgendwelche Idioten. Da kann man gleich den Metzger von der nächsten Ecke ins Klassenzimmer stellen.

Sie nennen es: „Philosophie“.

3. Die Philosophie als Nutte der Hirnforschung

Die Philosophie sei in Hinblick auf die Frage, was man über sich selbst wissen kann, lediglich ein „Berater“ der Hirnforschung, die uns die „Grundlagen unseres Erkenntnisapparates und unserer Erkenntnismöglichkeiten erklärt“. Behauptet Precht in seinem Bestseller Wer bin ich und wenn ja, wie viele?.

Der Mensch zeichnet sich allerdings gerade durch seine konzeptuelle Fähigkeit aus, also seine Fähigkeit, im Geiste zwei oder mehr Einheiten, die durch einen Prozess der Abstraktion isoliert und durch eine bestimmte Definition vereinigt werden, zu integrieren.

Es gibt kein Tier, das Konzepte bilden kann. Und wer sich unser Gehirn unter dem Mikroskop ansieht, hat nachher ebenso wenig oder noch weniger (siehe Precht) Ahnung, wie der menschliche Geist funktioniert.

Raben gelten beispielsweise als sehr intelligente Tiere. Wenn sie beobachen, wie zwei Menschen in ihren Teil des Waldes gehen, so verstecken sie sich in den Baumwipfeln und bleiben versteckt, bis beide Menschen wieder hinausgegangen sind. Wenn nur einer hinausgeht, bleiben sie versteckt. Ebenso ist es mit drei Menschen, die in ihren Wald gehen und mit vier Menschen. Bei fünf Menschen allerdings kommen die Raben nicht mehr mit.

Wenn nur vier der fünf Menschen den Wald verlassen, kommen sie aus ihrem Versteck, aus den Baumwipfeln, herunter. Der Grund: Raben können nicht zählen. Sie wissen nicht, was Zahlen sind (nämlich Konzepte). Sie können nur unmittelbar wahrnehmen, was vor ihnen ist. Sie behalten es im Kopf, wenn sie vier Menschen gesehen haben, aber bei fünf ist es zu viel für sie. Menschen hingegen können Konzepte bilden, Zahlen verstehen und so kommen sie auch mit hundert und tausend und einer Million Menschen noch zurecht. Ein Mensch wüsste, dass er versteckt bleiben müsste, wenn nur 999 999 Menschen seinen Wald verlassen haben (insofern er ein Motiv hätte, sich überhaupt zu verstecken und die Geduld, sie alle zu zählen) und sich einer noch darin befindet.

Indem der Mensch die Materialien seiner Sinne konzeptuell organisiert und seine Konzepte unter immer weitere Konzepte untergliedert (Rabe, Vogel, Tier, Lebewesen, etc.), ist er in der Lage, eine unbegrenzte Menge an Wissen zu erfassen, zu erhalten, zu identifizieren und sein Wissen über die unmittelbaren Konkreta irgendeines aktuellen Augenblicks (da, ein Haus – da, ein Baum, etc.) hinaus zu erweitern. Moderne Philosophen können das nicht mehr. Sie schauen sich nur noch an, was unmittelbar vor ihnen ist (ein Gehirn) und glauben, damit wäre alles erklärt.

4. Precht erklärt die Finanzkrise

„Das Finanzsystem ist bedroht, weil die Staaten überschuldet sind. Die Staaten sind deswegen überschuldet, weil sehr viele Leute in diesen Ländern keine Steuern zahlen. Das heißt, die ganz reichen Leute in Europa zahlen keine Steuern und spekulieren mit diesem Geld. Auf dieses Geld werden ebenfalls keine vernünftigen Steuern erhoben. Und dadurch ist ein Kreislauf in Gang gekommen, der dafür sorgt, dass heute die zehnfache Menge des Geldes gehandelt wird gegenüber der, die real vorhanden ist. Und jetzt müssen wir sehen, dass wir dieses System demokratisieren und die Macht der Finanzmärkte brechen. Das ganze System muss reguliert werden, sonst fliegt es uns in Kürze um die Ohren.“

Joseph Goebbels unterschied zwischen „schaffendem Staatskapital“ als „unmittelbar schaffendes, produktives Kapital“ und „Börsenkapital“ als „raffend-schmarotzerischem Kapital“.[8] In Mein Kampf unterscheidet Adolf Hitler unter Berufung auf Gottfried Feder „die beiden Kapitals-Arten“, des „reinen Kapitals als letztes Ergebnis der schaffenden Arbeit“ und einem „Kapital, dessen Existenz ausschließlich auf Spekulation“ beruht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Finanzkapital

Im Gegensatz zu dieser in Deutschland populären sozialistischen „Erklärung“ der Finanzkrise sieht die Realität ein wenig anders aus: Der private Sektor erzeugt alle realen Werte – der gesamte Wohlstand eines Staates wird durch die private Wirtschaft erzeugt. Der Staat nimmt einen Teil dieses Wohlstands weg, ohne selbst etwas zu produzieren – würde er ökonomisch handeln, bräuchte der Staat keine Steuern. Vielmehr verpulvert der Staat das Geld, indem er moderne Kunstausstellungen finanziert und was auch sonst einem Politiker spontan einfällt.

Selbst bei den sinnvollen Investitionen des Staates, wie Bildung und Infrastruktur, besteht immer die Möglichkeit und die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat mehr Geld dafür ausgibt, als die Produzenten, die Bürger, dafür auszugeben bereit wären. Nur in einem absolut freien Kapitalismus müsste jeder Marktteilnehmer wirtschaftlich handeln. Die legitimen Staatsaufgaben – der Erhalt von Sicherheit und Recht und Freiheit (Schutz individueller Rechte durch Gerichte, Polizei, Militär) – könnten ohne allzu große Geldentwertung und allzu großes Risiko finanziert werden. Deutschland geht jedoch weit über das hinaus, was sich die Bürger hier tatsächlich leisten können.

Der Staat druckt außerdem das Geld, er reguliert die Geldströme durch Landesbanken und durch die Europäische Zentralbank. Je mehr Geld der Staat druckt und je mehr Geld der Staat aus der Wirtschaft herausnimmt, desto weniger ist das Geld wert. Es kommt zur Entwertung des Geldes, zur Inflation. Dazu kommt unlängst die Tatsache, dass der Tauschwert des Papiergeldes weit über seinem Materialwert liegt. Darum gab es einmal den sogenannten Goldstandard, wobei unser Tauschmittel tatsächlich den Wert hatte, gegen den wir es eintauschten.

5. Zu viele Suppen?

Leider finde ich mein Lieblingsvideo von Precht nicht mehr, in dem er sich in einem Supermarkt vor ein Tütensuppenregal stellt und fragt, ob wir das wirklich alles brauchen?

Ergänzung: Arne Martens hat es für mich aufgestöbert, danke dafür:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=bY6s23aX5rY [/tube]

Ich möchte nunmehr auf den „philosophischen“ Hintergrund der Suppenphobie eingehen.

Das Ganze geht auf ein psychologisch-ökonomisches Experiment zurück, das Marmeladenexperiment aus dem Jahr 2000, „Paradox of Choice“ genannt. Demnach führe eine größere Auswahl an Marmeladen zu niedrigeren Abverkäufen, weil die Menschen mit der Auswahl einfach überfordert seien. Gibt es also zu viel Auswahl, so möchten die Menschen weniger haben (gilt definitiv für Spreewaldgurken). Die Antikapitalisten fühlten sich zu dem Experiment hingezogen wie die Motten zum Feuer. Offenbar brauchen wir gar nicht so viele Produkte, schaden zu viele Produkte sogar! Sehr praktisch, wo es doch im Sozialismus so gut wie nichts gab und Abermillionen Menschen verhungerten – die gute, alte Zeit. Wäre doch mal wieder einen Versuch wert.

Das Ergebnis erwies sich inzwischen als nicht reproduzierbar (danke an den Psychologen Rolf Degen für den Link), mit anderen Worten gibt es kein „Paraxox of Choice“. Schade, wo es doch so aussah, als wären die Menschen tatsächlich irrational und gar keine rationalen Akteure, wie das die Wirtschaftsliberalen behaupten (wie sie das sie vor 65 Millionen Jahren einmal behaupteten. Die Österreichische Schule, der ich nahestehe, geht davon aus, dass die Menschen zielgerichtet handeln, um bestimmte Werte zu erhalten – es können auch irrationale Werte sein wie ein Buch über die Wiedererweckung toter Eichhörnchen oder ein Buch von Richard David Precht). Und irrational sind die Linken ja auch. Die Menschheit ist also doch auf ihrer Seite!

Das ganze Rational-Irrational-Ding ist aus ökonomischer Sicht ziemlich nichtssagend. Die Menschen sind produktiv tätig und handeln, weil sie etwas dafür haben wollen, seien es spirituelle Werte wie Freizeit oder schöne Frauen oder materielle Werte wie ein Auto oder ein Haus. Gott weiß, warum die Linken so scharf darauf sind, die Vernunft des Menschen zu widerlegen – vielleicht würden sie von einer rationalen, aufgeklärten Bevölkerung nicht gewählt werden.

So. Mehr Precht vertrage ich nicht an einem Tag.

20 Kommentare zu “Da wird einem ganz Precht!

  1. sba sagt:

    video1: Osama und das Völkerrecht: Stimmt im Prinzip schon. Aber es ist eben immer Möglich, dass Situationen eintreten, die vom positiv vorhandenen Recht nicht erfasst werden. Um so wichtiger ist dann Ethik.
    (In Sachen Afghanistan: Jede Normale Regierung hätte ihre Sicherheitskräfte darauf angesetzt, die Täter und Planer eines Verbrechens, dass von ihrem Hoheitsgebiet aus begangen wurde, zu fassen, und nicht sie noch unterstützt. Die BRD hätte bin Laden z.B. zwar nicht ausgeliefert (wegen Möglichkeit der Todesstrafe) aber immerhin hinter Gitter gebracht)

    zweites Video, allein die Frage „Was hat man davon, kein Egoist zu sein?“ ist schon Widerspruch auf den nicht hinzuweisen, sondern stattdessen noch egoistische Motivationen für Nichtegoismus anszugeben von einiger Unaufmerksamkeit zeugt. weiter hinten sagt er dann aber immerhin, was er unter demjenigen Egoismus meint, den er ablehnt: „Eigener Gewinn auf Kosten anderer“, also Aufopferung anderer für einen selber, der bei Handel a lá Rand gar nicht vorgesehen ist. Prechts Fehler liegt dann natürlich in der falschen Annahme, es gehe bei Ethik bloß darum, wer geopfert wird (man selber oder andere) — erstaunlicherweise dann ziemlich dicht an einer Katastrophenethik, was so gar nicht zur Intention des „Kunst“-Buches passt (habe mal Inhaltsverzeichnis und Vorwort gelesen).

    • sba sagt:

      PS: worauf ich eigentlich hinaus wollte: Precht gibt ein gutes Beispiel dafür ab, dass gut gemeint und gut gemacht nicht immer deckungsgleich sind.

      • Martin sagt:

        Das ist gut auf den Punkt gebracht.
        Precht hat sich tatsächlich bis in die völlige Idiotie gegutmenschelt. Gutmeiner sind halt Schlechtmacher.

  2. Karl sagt:

    Ich habe die Vermutung dass Precht ganz bewusst, vielleicht auch aus ökonomischen Kalkül, seine Aussagen so wählt dass sie in den rotgrünen Mainstream passen.

    Das hat alles mit Philosophie nichts zu tun. Vieles aber mit einer wahnsinnigen Selbstüberschätzung und einer Anmaßung von Wissen.

  3. MałyFelek sagt:

    ///Der Laissez-faire-Kapitalismus ist das einzige moralische Wirtschaftssystem.
    Ich möchte mal Advokat des Teufels spielen-vielleicht,was aber,wenn sich in bestimmten Ländern (frühere Ostblockstaaten) kriminelle Oligarchien ausbilden,die ihre Länder als Selbstbedienungsladen ausbeuten und so dafür sorgen dass westliche Multis alles aufkaufen,dass sich keine lokale Industrie ausbilden kann? Wenn westliche Banken Geld aus z.B ihren Töchtern in Ungarn abziehen (und dafür Ungarn kaum noch Kredite geben?) und ganze Länder in den Ruin stürzen? Wenn Währungsspekulanten wie der „Philantroph“ Soros (der lustigerweise auch Occupy unterstützt u.ä „Projekte“) ganze Länder in den Ruin stürzen und die harte Arbeit ihrer Bevölkerungen zunichte machen? Was, wenn es „Länder“ gibt wie z.B Niger u.ä die manche richtig als nicht „dritte“ sondern „terminale“ Welt bezeichnen und die, bisher, eher etwas besser als gar nicht ihre Bürger mit Lebensmittelsubventionen am Leben gehalten haben-die sie jetzt bitte liquidieren sollen um sich beim IWF noch mehr zu verschulden?

    Ich möchte etwas in Frage stellen ob solche Transaktionen auf faire,friedliche und freiwillige Basis ablaufen könnten ohne dass ein Leviathan drüber steht.Oder,dass starke Länder wie jetzt z.B Frankreich in die Belange von z.B der Elfenbeinküste „eingreifen“ um einen günstigen Kandidaten durchzusetzen.Kapitalismus kann, wie z.B in Singapur und China,auch ganz ohne störende Demokratie funktionieren (und wenn man Werte wie Meinungsfreiheit hochhält dann ist so was doch moralisch minderwertiger,oder?).

    ///Ausserdem: Nur in einem absolut freien Kapitalismus müsste jeder Marktteilnehmer wirtschaftlich handeln.
    Vielleicht, das hat noch niemand ausprobiert.Mit zunehmenden Alter kommt mir aber immer mehr eine andere Vermutung-nämlich, dass der Mensch (im Durchschnitt) eher Sicherheit haben möchte als eine ominöse Freiheit-schliesslich muss man erst was zu Essen und ein Dach über dem Kopf haben-Freiheit ist für mich auch Freiheit von Sorgen und Angst und Freiheit für etwas.Den „Schleier des Nichtwissens“ von Rawls kennst Du ja sicher ;-). Sogar in den USA gibts Dinge wie Medicare und Medicaid,ein öffentliches Schulsystem,das sicherlich nicht fantastisch ist ect.Gäbe es das nicht sehe ich nicht wirklich wie jemand,dessen Familie ganz unten ist, überhaupt hochkommen könnte.Oder wären gewisse Starthilfen doch da? Ich kann mir ein solches unsolidarische System gar nicht vorstellen,irgendwie…

    • derautor sagt:

      Die Leute haben so eine Tendenz, Dinge gegen den Kapitalismus anzuführen, die nichts damit zu tun haben. Definition von „Kapitalismus“ laut Ayn Rand:

      Capitalism is a social system based on the recognition of individual rights, including property rights, in which all property is privately owned.

      > Kapitalismus ist ein gesellschaftliches System. Nicht nur eine Wirtschaftsordnung.

      The recognition of individual rights entails the banishment of physical force from human relationships: basically, rights can be violated only by means of force. In a capitalist society, no man or group may initiate the use of physical force against others. The only function of the government, in such a society, is the task of protecting man’s rights, i.e., the task of protecting him from physical force; the government acts as the agent of man’s right of self-defense, and may use force only in retaliation and only against those who initiate its use; thus the government is the means of placing the retaliatory use of force under objective control.

      In a capitalist society, all human relationships are voluntary. Men are free to cooperate or not, to deal with one another or not, as their own individual judgments, convictions, and interests dictate. They can deal with one another only in terms of and by means of reason, i.e., by means of discussion, persuasion, and contractual agreement, by voluntary choice to mutual benefit. The right to agree with others is not a problem in any society; it is the right to disagree that is crucial. It is the institution of private property that protects and implements the right to disagree—and thus keeps the road open to man’s most valuable attribute (valuable personally, socially, and objectively): the creative mind.

      Leonard Peikoff über „Demokratie“:

      The American system is not a democracy. It is a constitutional republic. A democracy, if you attach meaning to terms, is a system of unlimited majority rule; the classic example is ancient Athens. And the symbol of it is the fate of Socrates, who was put to death legally, because the majority didn’t like what he was saying, although he had initiated no force and had violated no one’s rights.

      Democracy, in short, is a form of collectivism, which denies individual rights: the majority can do whatever it wants with no restrictions. In principle, the democratic government is all-powerful. Democracy is a totalitarian manifestation; it is not a form of freedom . . . .

      The American system is a constitutionally limited republic, restricted to the protection of individual rights. In such a system, majority rule is applicable only to lesser details, such as the selection of certain personnel. But the majority has no say over the basic principles governing the government. It has no power to ask for or gain the infringement of individual rights.

      Ich bin schon seit langem aus eben diesen Gründen gegen „Majoritarianism“, die Ansicht, die Mehrheit dürfe in die Rechte von Individuen eingreifen. Ich bin für eine konstitutionelle Republik, in der Individualrechte stärker geschützt sind als in Deutschland, in der also der Schutz von Rechten höher gewichtet wird als Demokratie im Sinne des Mehrheitsbeschlusses. Ich bin für eine absolute Trennung von Staat und Kirche sowie von Staat und Wirtschaft.

      Echte Solidarität ist nur auf freiwilliger Basis möglich, auf der Basis selbst gewählter ethischer Prinzipien.

      • MalyFelek sagt:

        Ok,vielleicht habe ich mich missverstandlich ausgedruckt-was mich stort ist vor allem das „moralisch“ welches Du anfuhrst ;-). ausserdem,wie soll so etwas auf internat. Ebene funktionieren? /frage ich als pol.realist.

      • Rüdiger sagt:

        Danke für die Erläuterungen.

        Ich habe trotzdem noch eine Frage.

        Kapitalismus erlaubt das freie Unternehmertum und damit auch das Wachstum von Unternehmen im Wettbewerb. Wie aber verhindert der von Ayn Rand favorisierte Laissez-faire-Kapitalismus die Herausbildung von Monopolen (nach dem Prinzip: die grossen Fische fressen die kleinen) – die aufgrund ihrer Macht schliesslich genauso _böse_ (meint hier: den Freiheits- und Besitzrechten des einzelnen entgegen) handeln können wie der Staat, und die, wie die Praxis zeigt, gerne mit diesem kooperieren?

        Ist das ein Fall von „Check the premises“? Denn hier liegt ein Widerspruch vor: Der freie Wettbewerb kann durch die Herausbildung von Monopolen zu seiner eigenen Abschaffung führen. Ich sehe aber nicht den Beobachtungsfehler.

        • sba sagt:

          1. check the premise: „… und die, wie die Praxis zeigt, gerne mit diesem kooperieren?“
          Eine kapitalistische Gesellschaft hätte einen Staat, der in die Wirtschaft nicht mehr wirklich eingreift, sondern sich auf seine Schutzfunktion zurückzieht. Große Unternehmen hätten also gar keine Gelegenheit, irgendetwas zu kooperieren, außer durch falsche Strafanzeigen.
          2. So ein Monopol kann nur passieren, indem entweder man andere Anbieter aufkauft (was nur geht, wenn die sich verkaufen) oder sie wegen Bankrott oder sonstigen Gründen vom Markt gehen.

          Solange es nicht mit Gewalt (im weitesten Sinne) zustande kam und tatsächlich ein gutes Angebot geliefert wird, sehe ich im Übrigen wenige Probleme mit Monopolen (die idealiter aber auch immer durch eine Gründungsentscheidung eines Menschen beendet werden können)

    • Sophian Philon sagt:

      „Die Leute haben so eine Tendenz, Dinge gegen den Kapitalismus anzuführen, die nichts damit zu tun haben.“

      Und das trifft auf alle deine Kritikpunkte am Kapitalismus zu. Ich kann dir nur empfehlen, „Wirtschaft wirklich verstehen“ von Rahin Taghizadegan oder „Wirtschaft für Menschen, wie sie wirklich sind“ von Gene Callahan (im Original: „Economy for real people“; für ein paar Euros als ebook erhältlich) zu lesen. Da wird sehr schön erklärt, was Kapitalismus ist und was nicht und warum wir heute nicht im Kapitalismus leben und solche Dinge geschehen, die du gegen den Kapitalismus anführst.

    • foundnoreligion sagt:

      Ich frage mich warum dass was ich geschrieben habe in rot steht obwohl es doch in schwarz stehen sollte

      • Rüdiger sagt:

        Vermutlich weil Du N<A geschrieben hast und das < (kleiner) als öffnendes Tag für einen Hyperlink interpretiert wird. Daher ist der Text auch unterstrichen. Ist aber nur eine Vermutung.

  4. sba sagt:

    heute 17:35 Deutschlandfunk: Precht über seine demnächst startende Sendung im ZDF

    • sba sagt:

      http://precht.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/Precht/23803724/23803722/9fa219/Precht.html
      (als kleine Vorwarnung: In Deutschlandfunk-Kritik ist es schonmal durchgefallen, mit der Begründung, dass die beteiligten sich einig seien und viel kritisieren ohne Lösungsansätze zu präsentieren…weiß nich nicht, ob ich Zeit, Lust und Nerven haben werden, wenn es scheinbar eher in Richtung Stammtisch im öffentlich-rechtlichen als in Richtung Philosophie geht.

      • derautor sagt:

        Was für ein blödes Geschwätz. Werdet konkret, werdet doch endlich konkret, verdammt, was wollt ihr eigentlich? „Individualismus“ und Inhalte, die die Kinder wirklich im Leben brauchen wie „Mitgefühl“ und bla und das schlechte Maschinenzeitalter, böser Kapitalismus. Gott, oh Gott. Einfach die Bildung privatisieren und ein Ende mit solchen Debatten.

        • derautor sagt:

          Das Gehirn ist plastisch, was auf jeden Fall auf das Gehirn dieses Hirnforschers zutrifft.

        • Andreas D. sagt:

          Fünf Minuten haben mir davon jetzt genügt. Das Gejammer über das angeblich so veraltete Schulsystem wiederholt sich auch schon seit Jahren und Jahrzehnten – und nimmt dabei gar nicht zur Kenntnis, dass wir mittlerweile sehr moderne Schulen haben. Natürlich geht sehr viel Wissen wieder verloren. Deswegen bedeutet schulische Bildung heute nicht mehr nur Wissenserwerb sondern auch Kompetenzerwerb. Die Fähigkeiten des Lesens, Schreibens, Rechnens, des Argumentierens oder der Analyse gehen eben nicht verloren, ganz egal, was mit den konkreten Inhalten der Texte, Untersuchungsgegenstände und Debatten aus dem Unterricht passiert. Wenn Schüler in einer Facharbeit Zitieren lernen, dann hilft ihnen das im Studium. Und es ist völlig egal, ob sie in zehn Jahren noch wissen, ob sie diese Facharbeit über das Liebesleben der Goldfische oder über indische Callcenter geschrieben hatten.

  5. markyku sagt:

    Punkt 4, vorletzter Satz:
    „Dazu kommt unlängst die Tatsache, dass der Tauschwert des Papiergeldes weit unter seinem Materialwert liegt.“

    Muss es nicht heißen: „Dazu kommt unlängst die Tatsache, dass der Tauschwert des Papiergeldes weit über (!) seinem Materialwert liegt.“
    Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

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