Andrew Ryan for President!

Der republikanische Vizepräsidentschaftskanditat Paul Ryan outete sich als Fan der Philosophin Ayn Rand, sowie auch als Anhänger der Ökonomen Friedrich Hayek, Ludwig von Mises und Milton Friedman.

„Wenn ich einen Denker nennen müsste, auf dessen Einfluss es im Großen und Ganzen zurückzuführen ist, dass ich mich entschloss, in den öffentlichen Dienst zu gehen, dann wäre es Ayn Rand.“

– Paul Ryan (2005)

Im Jahre 2012 distanzierte er sich dann von Rand:

„Ich lehne ihre Philosophie ab. Es ist eine atheistische Philosophie. Es reduziert die menschlichen Interaktionen auf bloße Verträge und es steht im Gegensatz zu meiner Weltanschauung. Wenn man versuchen würde mir die Erkenntnistheorie eines anderen anzupassen, dann würde ich mich für Thomas von Aquin entscheiden, der glaubte, dass der Mensch zum Erkenntnisgewinn göttlicher Hilfe bedürfe.“

– Paul Ryan (April 2012)

Rand lobte Thomas von Aquin dafür, dass er Aristoteles in die westliche Philosophie zurückbrachte und das Ende des Mittelalters einleitete – allerdings sicher nicht mit seiner Idee, der Mensch brauche Gott zum Erkenntnisgewinn. Was auch immer das eigentlich bedeuten mag.

Insgesamt ist Paul Ryan ein Gemischtwarenladen von religiösen Auffassungen, die er teilweise in seine Politik einfließen lässt und Ideen von Ayn Rand. Fast alle seiner religiösen Positionen stehen im Widerspruch zu seinen objektivistischen.

In einer Ansprache bei der Atlas Society im Jahre 2005 erklärte Ryan, er sei mit Rands Büchern aufgewachsen. Sie lehrten ihn ein Wertesystem und seine grundlegenden Ansichten. Er verteilte Rands Schriften mehrmals unter seinen Mitarbeitern.

„Ich denke, Ayn Rand offerierte eine bessere moralische Rechtfertigung für den Kapitalismus als irgendwer sonst“, erklärte Ryan 2009.

Yaron Brook, der Präsident vom Ayn Rand Institute, hält Ryan allerdings nicht für einen Objektivisten. Zwar habe Ayn Rand einen großen Einfluss auf seine Ansichten gehabt, aber Ryan sei kein konsistenter Objektivist. Unter anderem deshalb, weil er ein überzeugter Katholik sei. Er sei außerdem nicht radikal genug, was die Rolle der Regierung angeht. (Wobei allerdings so ziemlich kein Mensch mit der Trennung von Staat und Wirtschaft übereinstimmt, welche Objektivisten mit ihrem Minimalstaat befürworten).

Ich denke, abgesehen von Ryans mangelnder Radikalität in Wirtschaftsfragen (die am Widerstand von allen anderen Politikern scheitern würden) kann man seine guten und schlechten Haltungen anhand seiner Religion bemessen:

Ryan versus Objektivismus

– Ryan ist radikal gegen ein Recht auf Abtreibung. Er unterstützt die „Personhood“-Bewegung, die befruchteten Keimzellen volle Menschenrechte zugestehen möchte. Er möchte es den Bundesstaaten überlassen, ob sie abtreibende Mütter – auch wenn sie vergewaltigt wurden – einsperren lassen wollen oder nicht.

> Objektivisten sind für ein uneingeschränktes Recht auf Abtreibung bis zur Geburt. Sie sind radikale Gegner der Personhood-Bewegung, welche massiv in die Rechte von Individuen eingreift. Embryonen und Föten sind keine eigenständigen Lebensformen. Sie werden mit den Rechten ihrer Mütter geschützt.

– Ryan ist gegen Homo-Ehe und gegen ein Adoptionsrecht von Homosexuellen für Kinder

> Für Objektivisten ist „Homo-Ehe“ und jede andere Form von Partnerschaft zwischen mündigen Erwachsenen reine Privatsache, mit der die Regierung nichts zu tun haben sollte. Homosexuelle sollten Kinder adoptieren dürfen wie jeder andere. Ohne Steuern oder mit prozentual gleichmäßig auf alle Individuen verteilten minimalen Steuern gäbe es keine Steuervorteile für Ehepartner und kein Ehegattensplitting. Der Staat sollte einfach gar nichts mehr mit der Ehe zu tun haben.

–  Ryan möchte die Verbrennung der US-Flagge verbieten lassen.

> Laut dem Objektivismus können die Bürger ihre eigenen Flaggen verbrennen, wie sie lustig sind, solange sie niemandem damit schaden (wobei wir wahrscheinlich keine hohe Meinung von jemandem hätten, der die US-Flagge verbrennt).

Fazit

Paul Ryan vertritt sinnvollere ökonomische Positionen als alle anderen Kandidaten. Seine politisch-religiösen Ansichten sind unethisch.

Ich würde Andrew Ryan (Ayn Rands Alter Ego aus dem Computerspiel Bioshock) als Vizepräsidenten bevorzugen:

15 Kommentare zu “Andrew Ryan for President!

  1. Karl sagt:

    Ron Paul ist von seiner außenpolitischen Ansicht her strenger Isolationist. Er hat unter Anderem den Irakkrieg nicht unterstützt. Er ist ein ziemlicher Antipode aller Neokonservativen. Ich denke für Länder wie China, Russland oder den Iran wäre er der ideale Präsident.

  2. sba sagt:

    „Homosexuelle sollten Kinder adoptieren und heiraten dürfen wie jeder andere“
    Änder das ma bitte so, dass man nicht aus Versehen hineinlesen kann, dass irgendwer ein Kind heiratet.
    Betr. Flaggen verbrennen: ihre eigenen oder Flaggen aus dem Eigentum anderer Leute?

  3. simon sagt:

    Ich denke mal der Unterschied ist, dass Paul Ryan zum Wahlkampf antritt. Wäre er für ein uneingeschränktes Recht auf Abtreibung und für Homo-Ehen wäre schon mal ein mächtig großer Teil seiner republikanischen Stimmen weg.

    Ein wirklicher, geradliniger Objektivist würde niemals gewählt werden. Nicht in den USA.

    • derautor sagt:

      Da wäre ich mir nicht einmal so sicher. Die Leute respektieren es durchaus, wenn jemand zu seinen Prinzipien steht und ihre eigenen Meinungen sind den meisten Leuten nicht mehr genau klar. Die Moderne ist „open-minded“ und, wie Richard Dawkins es formulierte (nicht in Bezug auf die Moderne), so open-minded, dass ihr das Gehirn rausfällt.

  4. Carsten sagt:

    „Would you kindly rethink your ethics?“

    Wenn man jetzt schon die Videospielstereotypen für Presidenten in den USA herhalten müssen, ja dann sind die USA wahrlich der beste Staat der Welt …

    • derautor sagt:

      Andrew Ryan ist eine fiktive Version von Ayn Rand. Es gibt auch fiktive Versionen von Thomas Jefferson oder Benjamin Franklin in unzähligen Filmen, TV-Produktionen und Computerspielen.

      Dank Obama und auch dank seiner Vorgänger ist die USA auf Talfahrt – heißt aber nicht, dass sie schon unten angekommen wären.

      Welche Schlussfolgerung sollen wir eigentlich aus deinem Kommentar ziehen? Wird ein Denker automatisch zu einem Stereotyp, sobald er in einer fiktiven Geschichte vorkommt?

      Insgesamt wäre es in deinem eigenen Interesse, die Qualität deiner Kommentare zu erhöhen. Bislang erfüllen deine Kommentare regulär Klischees vom ressentimentbeladenen, eifersüchtigen linken Stereotyp, das anderen den Erfolg missgönnt und das außer Meckern selbst nichts Konstruktives, geschweige denn Produktives zustande bringt. Man könnte fast meinen, du wärest selbst nur ein Videospielstereotyp deiner selbst. Das hilft deiner Sache überhaupt nicht, sondern nervt hier nur jeden.

      • Carsten sagt:

        Naja wer nicht will muss ja nicht lesen und natürlich könnte „der Autor“ hier auch schön die Zensurschere ansetzen – ganz nach dem Präsidentenvorbild aus dem Spiel.

        Welche Schlußfolgerungen hier wer zieht überlasse ich jeden selbst – macht der Autor ja ebenso.

        Ich würde mir nur mal folgendes Überlegen (wenn man sich schon auf Spiele bezieht):
        – Im Spiel geht die ganze Utopie von Herrn Ryan sprichwörtlich baden und zwar weil die Idee von Grunde auf dumm war (Bei all den perfekten Menschen, wer putzt da die Toiletten und am Schluß ist der Kriminelle eben doch ganz oben)
        – Das Spiel ist nicht gerade als Werbeträger für irgendwelche „Objektivismus“ Philosophien geeignet (man könnte sagen das Spiel ist eher ein ganz „Linkes“ Projekt, am Schluß hilft man nämlich den letztlich doch altruistischen Gruppen

        Und wenn ich mich arg „eifersüchtig“ und links anhöre – naja, links mag seien aber eifersüchtig? Nope – so schlecht gehts mir selbst nicht …

        Ist wie mit der Bibel und co. – sollte man auch lesen, ihr wisst schon „know your enemy“

        Und das hier ist immer sehr belustigend – Realsatire eben.

        • derautor sagt:

          Inwiefern zensiert Andrew Ryan irgendetwas?

          An deinen Kommentaren nervt die völlige Inhaltslosigkeit. Du nörgelst nur herum wie irgendein Troll, ohne substanzielle Kritik zu üben. Da ist der Objektivismus eben einfach „von Grunde auf dumm“ – Gott weiß, warum das so sein soll (weil er in einem Computerspiel nicht funktioniert? Bzw. ist es eigentlich der Libertarianismus, nicht der Objektivismus, der hier nicht funktioniert).

          „Bei all den perfekten Menschen, wer putzt da die Toiletten und am Schluß ist der Kriminelle eben doch ganz oben“

          Das beweist, dass du nicht die geringste Ahnung hast, wovon du redest. „Es gibt keine falschen Jobs, nur falsche Leute für die Jobs“ (Ayn Rand, Atlas Shrugged). Und Kriminelle sind angesichts des absoluten Strafrechts im Objektivismus ziemlich schnell geliefert.

          Und wer ist der Feind in Bioshock 2, wenn ich fragen darf? Eine radikale Sozialistin.

          „Nope – so schlecht gehts mir selbst nicht …“

          Dann wärst du auch nicht links. Sozialismus ist etwas für die verwöhnte obere Mittelschicht, schon immer so gewesen.

  5. Karl sagt:

    @der Autor
    Welche Partei kommt eigentlich in Deutschland den objektivistischen Idealen am nächsten?

    • derautor sagt:

      FDP, aus Mangel an Alternativen. Ich wüsste keine andere.

      • Sophian Philon sagt:

        Ja, sieht leider so aus.

        Interessant ist Frank Schäfflers Gruppierung „Liberaler Aufbruch“ innherhalb der FDP. Nur werden die sich nie durchsetzen und davor, eine eigene Partei zu gründen, schreckt er zurück.

        http://liberaler-aufbruch.net/

        Übrigens empfiehlt Frank Schäffler Ayn Rand:

        • JMA sagt:

          Piraten? – Die sind allerdings noch zu wirr und zu wenig sortiert.

          FDP ist leider oft zu sehr rein wirtschaftsliberal. Bürgerrechte und Chancengleichheit bleiben da – zumindest in der Außenwahrnehmung – auf der Strecke. Ich hoffe mal, dass das hier auch als Mangel gesehen wird?

          • Sophian Philon sagt:

            Piraten? Die wollen das bedingungslose Grundeinkommen! Das ist Umverteilung pur und hat nichts mit Liberalismus resp. Objektivismus zu tun!

            „Rein wirtschaftsliberal“? Wo das denn bitte? Die FDP ist nur ein Partei unter vielen, die Pfründe verteilt…

          • Andreas D. sagt:

            Also wer die reine Lehre sucht, muss schon eine eigene Zwerg-Partei gründen. Dann muss man aber damit rechnen keine nennenswerte politische Rolle zu spielen. Wer mag, kann sich ja der „Partei der Vernunft“ anschließen.

            Parteien haben die Funktion, Interessen zu bündeln. Die FDP bündelt (verschieden ausgeprägte) liberale Interessen. Das ist im Gesamtpaket kein sortenreiner klassischer Liberalismus. Das ist richtig. Aber nur dadurch hat liberales Denken überhaupt die Chance auf einen nennenswerten politischen Einfluss.

          • Sophian Philon sagt:

            Die “Partei der Vernunft” ist leider durchsetzt mit Verschwörungstheoretikern…

            Nein, die FDP bündelt keine liberalen Interessen, sondern die Privatinteressen von denen, die von den übrigen sozialdemokratischen Parteien nicht berücksichtigt werden. Ich wehre mich dagegen, diese Interessen als „liberal“ zu bezeichnen, da sie doch nur auf Sonderrechte hinauslaufen.

            Ludwig von Mises zur Partei des Liberalismus:

            „Daß der Liberalismus mit den Parteien der Sonderinteressen nicht in eine Reihe treten kann, ohne sein Wesen zu verleugnen, ist mithin leicht zu verstehen. Er ist von Grund aus ganz etwas anderes als sie alle. Sie gehen auf Kampf aus und preisen die Gewalt; er aber will Frieden und Herrschaft des Geistes. Darum stehen alle Parteien, so uneinig sie auch sonst sein mögen, in einer Kampffront gegen den Liberalismus. Die Gegner des Liberalismus haben ihn als die Partei der Sonderinteressen der Kapitalisten bezeichnet. Das ist für ihre Denkungsart bezeichnend. Sie können eine politische Ideologie gar nicht anders verstehen denn als Vertretung bestimmter, dem Allgemeininteresse entgegenstehender Sonderrechte.“

            (aus: „Liberalismus“, S. 159f.)

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