Meine Haltung zur Evolution

Aufgrund eines Streitgesprächs mit einem gewissen „Bernd“ im Kommentarbereich halte ich es für sinnvoll, meine Meinung zum Thema „Evolution“ darzulegen. Er warf mir vor, ich hätte nun irgendwie völlig andere, irrationale Ansichten im Vergleich zu dem, was ich als Leitender Redakteur von darwin-jahr.de schrieb. Es wäre schön gewesen, wenn er das mal belegt oder begründet hätte, aber man kann nicht alles haben. Hier also meine Position, die der objektivistischen Philosophie entspricht:

1. Der Mensch ist ein Produkt der Evolution und er stammt von einem Affen ab – nicht von einem der heute lebenden Affen, versteht sich, sondern von einem gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Affe, der allerdings selbst ein Affe war.

2. Biologisch betrachtet ist der Mensch „Pan sapiens“, ein Trockennasenaffe.

3. Der Mensch ist trotzdem auch Homo sapiens, der vernunftbegabte Mensch, das rationale Tier.

Das bedeutet, dass der Mensch konzeptuell denken kann. Er nimmt nicht einfach wahr, was vor ihm ist und reagiert automatisch, instinktiv darauf, sondern er formt anhand von Gemeinsamkeiten verschiedener Dinge, die er wahrnimmt, und deren Unterschiede zu anderen Dingen, Konzepte. Konzepte sind Begriffe wie „Tisch, Obst, Uhr, Liebe, Menschenrechte“, die sich nicht nur auf einen Gegenstand beziehen, den wir direkt vor uns sehen, sondern es handelt sich um offene Klassen von Bezugsobjekten, die bestimmte Eigenschaften gemein haben. Mit Hilfe seiner konzeptuellen Fähigkeit kann der Mensch unendliche Mengen von Informationen verarbeiten und die Welt unendlich viel besser verstehen als jeder Affe. Diese Informationen kann der Mensch logisch verarbeiten. Logik ist die Kunst der widerspruchsfreien Identifikation. In der Realität gibt es keine Widersprüche und der Mensch muss seine Informationen so auswerten, dass sie mit der Realität übereinstimmen und daher – unter anderem – widerspruchsfrei sind.

Es gibt einen weiteren Unterschied zwischen Mensch und Tier (oder zwischen Menschen und anderen Tieren): Das voluntaristische Bewusstsein des Menschen, sein freier Wille. Auch Tiere können (und das denkt Michael Schmidt-Salomon ebenso) Handlungen selbst hervorbringen, sie sind die Auslöser ihrer Handlungen – man vergleiche das Katzenbeispiel von MSS in Jenseits von Gut und Böse. Sinngemäß: Werfen wir eine Vase aus dem Fenster, dann fällt sie einfach herunter und zerspringt auf dem Boden. Werfen wir eine Katze aus dem Fenster, dann krallt sie sich an der Wand fest und klettert wieder hinein.

Der Mensch verfügt nun über den nächsten Schritt in der Evolution des Selbst-Erzeugten: Er ist nicht nur der Urheber seiner Handlungen, sondern auch der Urheber seiner Gedanken. Dies ist zwar nicht mit dem Determinismus vereinbar, aber sehr wohl mit dem universellen Kausalitätsprinzip (eines der Axiome des Objektivismus, das aus dem Identitätsgesetz folgt): Wir können aus bestimmten Ursachen bewusst jene auswählen, welche unsere Handlungen bestimmen sollen. Dies können wir mittels Introspektion erkennen. Wir können uns überlegen, was dafür spricht, ein Eis zu essen (schmeckt gut) und was dagegen spricht (macht fett) und dann eine Entscheidung treffen. Die Behauptung, diese Entscheidung wäre eine Illusion, ist nicht das Resultat wissenschaftlicher Fakten, sondern von philosophischen Spekulationen.

4. Der Mensch hat also eine spezifische Natur, wie jedes Tier eine spezifische Natur hat. Der Mensch ist ein Mensch. Er ist kein nackter Affe, er ist keine Ratte. Er handelt gemäß der menschlichen Natur, nicht gemäß der Natur seiner engsten genetischen Verwandten. Zwar ist er aus biologischer Sicht graduell aus diesen entstanden, allerdings verfügt der Mensch über Eigenschaften, die ihn von der übrigen Natur deutlich absetzen. Wir sind nicht auf die selbe Weise Teil der Natur (wobei wir auch Teil der Natur sind) wie andere Tiere, sondern wir können als einziges Lebewesen die Gesetze der Natur erkennen und sie für uns nutzen – wir verfügen über Wissenschaft und Technologie.

Aus Gründen, die mir schon immer völlig unverständlich waren, betont Michael Schmidt-Salomon unablässig, wir wären „nackte Affen“. Dies impliziert, das Besondere am Menschen wäre die Tatsache, dass er im Gegensatz zu anderen Affen kein Fell besitzt. Das ist noch eine Stufe absurder als andere Theorien, wonach seine Fähigkeit, Essen zu kochen oder sein Daumen oder seine vielfältigen Sexualpraktiken den Menschen von anderen Tieren absetzen würden. All diese Theorien sind geradezu manisch bemüht, die Tatsache zu leugnen, dass der Mensch das rationale Tier ist.

5. Der Objektivismus wendet sich ebenso wie der „evolutionäre Humanismus“ gegen die Unterrichtung von Kreationismus an öffentlichen Schulen. Objektivistische Organisationen sind zusammen mit anderen humanistischen, wissenschaftlichen, skeptischen Organisationen aktiv daran beteiligt, für die Evolution und gegen den Kreationismus zu argumentieren, siehe beispielsweise: Creationism in Camouflage: The “Intelligent Design” Deception vom Ayn Rand Institute.

Natürlich richtet sich der Objektivismus auch generell gegen öffentliche Schulen. Wenn jemand mit seinem eigenen Geld dafür bezahlen möchte, dass seine Kinder Unsinn in der Schule lernen, so hat er ein Recht dazu.

Ist dies nun völlig anders als das, was ich zuvor vertreten habe? Oder ist mein Menschenbild einfach realistischer und komplexer geworden, zeigt einen größeren Respekt vor individueller Freiheit auf und nimmt philosophische Probleme ernst, anstatt sie einfach wegzuleugnen, wie etwa der Naturalist Daniel Dennett es tut, wenn er schlicht behauptet, Qualia (subjektive Erlebnisse) und der freie Wille existierten überhaupt nicht. Ich möchte die Realität nicht leugnen, ich möchte sie verstehen. Sollte dies der Agenda eines evolutionären Humanismus widersprechen, so sei es.

27 Kommentare zu “Meine Haltung zur Evolution

  1. Mauna sagt:

    Ich möchte nur anmerken, dass der Gegensatz zwischen Determinismus und dem freien Willen längst nicht mehr als so absolut gilt wie es in deinen Ausführungen den Anschein hat.
    Handlungen sind ja eben determiniert (z.B. durch die Gedanken und die Abwägungen die du exemplarisch beschreibst), und auch diese Gedanken und Abwägungen sind determiniert (durch Erfahrung, Introspektion, logische Schlussfolgerungen, etc.).
    Statt einem so zumindest sprachlich unscharfen Begriff wie Determinismus, wird mittlerweile öfter der „unfreie Wille“ als Gegensatz zum „freien Willen“ konstatiert. Das entschärft so manche Definitionsschlacht.

    • derautor sagt:

      Sie sind kausal verursacht, nicht determiniert.

      • Mauna sagt:

        „determiniert“ bedeutet (nach meinem Verständnis), dass etwas in seiner ‚Ausdehnung‘ oder in der ‚Richtung‘ eingegrenzt, beeinflusst ist. Das kann kausale Verursachung sein, das kann ein Potential einschränken oder vorgeben (etwa wenn jemand potentiell die Veranlagung hätte guter Leichtathlet zu sein… ob er das dann wird bestimmt dennoch seine Entscheidung und sein Training usw.). Determinismus kann demnach auch bedeuten, dass etwas komplett vorherbestimmt ist, auch dass kein Platz mehr für freien Willen o.ä. ist. Muss es aber nicht.
        Ging mir jetz auch nicht um Definitionsschlachten, sondern eben ums genaue Gegenteil: der counterpart zum freien Willen ist der unfreie Wille oder das Fehlen von freiem Willen.

  2. Bernd sagt:

    Jetzt muß ich doch noch ein paar Worte schreiben.
    Die Aussage des Blogbetreibers war:
    „Menschen haben keine Instinkte und keinen “Todestrieb” oder “Aggressionstrieb”, das ist alles Schamanismus, ganz typisch für das nihilistische 20. Jahrhundert….. Wenn ich irgendetwas über “Instinkte” und “Triebe” und Vergleiche mit Ratten und Menschen lese, wird mir nur noch schlecht.“
    Und einen Sexualtrieb wohl auch nicht?…:-).
    Aber selbstverständlich besitzt der Mensch Instinkte und Triebe, aber er kann sie, in seiner Einzigartigkeit, kontrollieren, was ihm ja meist mehr oder weniger gelingt. Ohne Instinkte und Triebe wäre der Mensch gar nicht überlebensfähig.
    Der Mensch ist ja nicht eine komplette „Neuentwicklung“ der Natur, sondern die vorausgehenden Lebewesen in seinem Stammbaum sind mit mehr oder weniger großen Anteilen noch im Menschen vorhanden, und zwar nicht als toter „Schrott“, sondern in Aktion. Besonders interessant ist dies im menschlichen Gehirn.
    Nur ein ganz geringer Anteil des menschlichen Erbgutes ist spezifisch menschlich.
    Genauso, wie der Student der Humanmedizin im Physiologie-Praktikum an Ratten und Fröschen Versuche durchführt, ist in der Verhaltensforschung das Tierexperiment unersetzlich. Wem dabei schlecht wird, der war vielleicht auf einer solchen Schule???..
    Zitat:
    „Natürlich richtet sich der Objektivismus auch generell gegen öffentliche Schulen. Wenn jemand mit seinem eigenen Geld dafür bezahlen möchte, dass seine Kinder Unsinn in der Schule lernen, so hat er ein Recht dazu.“

    • derautor sagt:

      Ich würde es nicht „Trieb“ nennen, Menschen funktionieren nicht automatisch. In die Partnerwahl oder Nicht-Partnerwahl sind zahlreiche bewusste Entscheidungen eingeflochten, bei Tieren nicht. Die machen ihre Balzrituale und gut ist.

      „Genauso, wie der Student der Humanmedizin im Physiologie-Praktikum an Ratten und Fröschen Versuche durchführt, ist in der Verhaltensforschung das Tierexperiment unersetzlich. Wem dabei schlecht wird, der war vielleicht auf einer solchen Schule?“

      Ich war ausschließlich auf öffentlichen Schulen und in keiner davon musste ich Humanmedizin studieren. Muss ich etwa alles studiert haben? Haben Sie alles studiert?

      Ich habe nichts gegen Tierversuche und gegen die Idee, der Mensch habe physiologische Ähnlichkeiten mit Tieren (natürlich hat er die als Säugetier), aber darum ging es offensichtlich nicht, sondern um die Grundlagen seines Verhaltens.

      „Nur ein ganz geringer Anteil des menschlichen Erbgutes ist spezifisch menschlich.“

      Ja, und es ist interessant, wie ein nur geringer genetischer Unterschied solche gewaltigen Auswirkungen haben konnte. Dass die geistige Beschaffenheit von Tieren nicht an ihren Genen abgelesen werden kann, sollte offensichtlich sein. Wir sind vollkommen anders als Schimpansen, obwohl wir überwiegend dieselben Gene haben.

      • Bernd sagt:

        „Wir sind vollkommen anders als Schimpansen, obwohl wir überwiegend dieselben Gene haben.“
        Das ist eben der Unterschied zwischen Genotypus und Phänotypus.
        „Ich war ausschließlich auf öffentlichen Schulen und in keiner davon musste ich Humanmedizin studieren. Muss ich etwa alles studiert haben? Haben Sie alles studiert?“
        Über einen solchen Satz kann ich nur den Kopf schütteln.

          • Bernd sagt:

            „Wieso?“
            Weil dieser Satz irre ist. Er wendet sich gegen eine angebliche Behauptung, die noch nie jemand aufgestellt hat. Niemand hat je behauptet, daß man an einer Höheren Schule Medizin studieren kann. Also, was soll das?
            „Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können! Das will mir schier das Herz verbrennen!“

          • derautor sagt:

            Tja, deine Anmerkung über die Humanmedizin war leider völlig unverständlich. Wir reden aneinander vorbei.

  3. Bernd sagt:

    „…war leider völlig unverständlich.“
    Wieder so eine schrille Behauptung!
    Die Abfolge war:
    Zitat Müller:
    “Menschen haben keine Instinkte und keinen “Todestrieb” oder “Aggressionstrieb”, das ist alles Schamanismus, ganz typisch für das nihilistische 20. Jahrhundert….. Wenn ich irgendetwas über “Instinkte” und “Triebe” und Vergleiche mit Ratten und Menschen lese, wird mir nur noch SCHLECHT.”
    Zitat Bernd:
    „Aber selbstverständlich besitzt der Mensch Instinkte und Triebe, aber er kann sie, in seiner Einzigartigkeit, kontrollieren, was ihm ja meist mehr oder weniger gelingt. Ohne Instinkte und Triebe wäre der Mensch gar nicht überlebensfähig.
    Der Mensch ist ja nicht eine komplette “Neuentwicklung” der Natur, sondern die vorausgehenden Lebewesen in seinem Stammbaum sind mit mehr oder weniger großen Anteilen noch im Menschen vorhanden, und zwar nicht als toter “Schrott”, sondern in Aktion. Besonders interessant ist dies im menschlichen Gehirn.
    Nur ein ganz geringer Anteil des menschlichen Erbgutes ist spezifisch menschlich.
    Genauso, wie der Student der Humanmedizin im Physiologie-Praktikum an Ratten und Fröschen Versuche durchführt, ist in der Verhaltensforschung das Tierexperiment unersetzlich. Wem dabei SCHLECHT wird, der war vielleicht auf einer solchen Schule???..“
    „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.“

    • derautor sagt:

      Ich habe, wie schon gesagt, kein Problem damit, wenn der Mensch auf biologischer Ebene und in Punkto evolutionäre Entstehung mit Ratten verglichen wird. Nur, wenn jemand von unserer genetischen Verwandtschaft mit Ratten auf eine analoge menschliche Natur schliesst, dann ticke ich aus. Man muss keine Ratten erforschen, um etwas über den Menschen zu lernen, abgesehen von biologischen Parallelen, etwa Medikamententests an Ratten. Aber für das, was den Menschen besondera auszeichnet, sind vornehmlich die Geisteswissenschaften da und es gibt eine Tendenz, dies zu leugnen. Gut, sorry für meine schwachen Nerven.

  4. Bernd sagt:

    „Aber für das, was den Menschen besonders auszeichnet, sind vornehmlich die Geisteswissenschaften da….“
    Na, da wird ja dann bald einiges auf den Neandertaler, den Denisova-Menschen, den Homo erectus u.s.w. zukommen, wenn die Geisteswissenschaften erst mal so richtig loslegen. 🙂

  5. Bernd sagt:

    „Gehörst du zu der Geisteswissenschaften-sind-nutzlos-Fraktion?“.
    Gibt es sowas? Mir ist eine solche Fraktion jedenfalls noch nicht begegnet. Allerdings breitet sich heutzutage immer mehr, vor allem in den Medien, eine Fraktion aus, die naturwissenschaftliche Erkenntnisse rund um den Menschen als „Biologismus“ abqualifiziert (Gender läßt grüßen). Na ja, diese Fraktion würde dann wahrscheinlich am liebsten die Ärzte in der Psychiatrie durch Germanisten, Philosophen und Soziologen ersetzen.

    • derautor sagt:

      Die Psychologie ist eine Geisteswissenschaft, die Neurologie ist eine Naturwissenschaft.

      • Bernd sagt:

        Na, das ist aber eine Überraschung!
        🙂
        Warum habe ich wohl „Ärzte“ geschrieben, Herr „Altklug“.

      • Curious.Sol sagt:

        „Die Psychologie ist eine Geisteswissenschaft, die Neurologie ist eine Naturwissenschaft.“
        Um ehrlich zu sein, ist Psychologie in ihrer heutigen Form eine Mischung aus verschiedenen Wissenschaften. Naturwissenschaften gehören ebenfalls dazu.

  6. Bjoern sagt:

    Determinismus ist für mich die Bedingung von Willensfreiheit.

    Wenn alles determiniert ist, ist alles eindeutig geregelt. Jede Entscheidung die ich treffe ist das Resultat meiner selbst. Das Gegenmodell ist der Zufall, was bedeuten würde, dass manche meiner Entscheidungen nicht das eindeutige Produkt meiner selbst sind. Dann würde ich in 99 von hundert Fällen Schokoladeneis kaufen, in einem Fall Zitroneneis. Meistens rette ich die Frau aus dem Feuer, einmal sperre ich sie mit dem Feuer ein und laufe lachend weg.

    Es gibt Vorstellungen in denen weder alles determiniert, noch zufällig bedingt ist. Der Autor vertritt diese Einstellung. Aber ich habe bis jetzt keine vernünftige Erklärung dazu gesehen, es wird vielmehr als Axiom betrachtet. Das kann ich aber nicht nachvollziehen. Auch Axiome müssen aus Beobachtungen und Überlegungen abgeleitet sein, nicht auf Wunschdenken beruhen. Wenn sie ersteres sind, lassen sie sich begründen.

    Ich hoffe das der Determinismus stimmt, denn entweder es gibt klare, exakte und eindeutige Mechanismen hinter allem und ich bin eine eindeutige Person, oder es gibt den Zufall. Wenn letzteres stimmt, kann ich mich im Falle einer schlechten Entscheidung wenigstens immer beruhigen: „Das war nicht ich, dass war Zufall!“.

    Eine Instanz die sich zwischen verschiedenen Kausalketten entscheiden kann (irgendwo hat der Autor mal so etwas geschrieben, wenn ich mich richtig erinnere) ist eine Vermeidung und nicht Lösung des Problems. Wie ist diese Instanz geregelt? Soll sie etwa unbedingt sein? Es gibt nichts Unbedingtes, außer der Zufall existiert tatsächlich.

    Wer dem nicht zustimmt, zeige mir bitte wie diese Möglichkeit zwischen Zufall und Determinismus genau aussehen soll. Aber bitte nicht auf unkontrollierbaren Axiomen beruhend.

    • derautor sagt:

      Aber bitte nicht auf unkontrollierbaren Axiomen beruhend.

      S.19 bis 30:
      http://www.atlassociety.org/sites/default/files/LSO%20Binder.pdf

      • Bjoern sagt:

        Danke. Habe den Teil gerade durchgelesen. Ich kann dem nicht völlig zustimmen.

        Allein auf den Punkt bezogen den ich vorher angesprochen habe:

        „the same entity, or an exactly similar one, will act in the same way in exactly similar circumstances“

        Völlige Zustimmung. Doch nun fängt das Paper an
        einen Trick einzubauen.

        „Speaking fundamentally, events do not proceed from other events, but arise out of the natures
        of the entities that act.“

        Was soll das überhaupt heißen? Ereignisse sind nicht von vorherigen Ereignissen abhängig, sondern von der Natur der Entitäten die agieren? Wieso aber? Ein aber ergibt hier überhaupt keinen Sinn.

        „It is a matter of the identity of the entities in question to what extent ambient factors matter. This is why understanding causes requires
        an investigation to determine the relevant causal circumstances.“

        Auch nichts Neues oder gegen den Determinismus sprechendes.

        „For example, physics tells us that billiard balls move in a way that is rigidly necessitated by the impacts upon them in such a way as to conserve
        momentum.“

        Für Billiardkugeln gilt der Determinismus also noch.

        „A living organism, however, has a vastly more complex internal structure, with the capacity to originate its own actions;“

        Und diese Aktion ist jetzt nicht mehr bedingt?

        „for a plant or simple animal, an environmental condition serves as a stimulus to action but the actual energy fueling the action comes from within the organism. In the case of animals that possess consciousness, their internal conscious awareness of the environment and their conscious desires are the primary causes of actions. And in human beings, the self-conscious awareness of our mental states and operations adds a further layer in internal control of action.“

        Klar, wir sind komplex. Aber warum ist Komplexität unbedingt, nur weil sie biologisch sind? Aktionen von Organismen sind nicht unbedingt, wie sollte das überhaupt aussehen, ohne Annahme des Zufalls? Hier wird eine Behauptung aufgestellt die >nicht selbstevident< ist. Es ist evident, dass Unbedingtheit von Aktionen nicht der Fall ist. Meine Gedanken sind bedingt, wenn sie es nicht wären, könnte ich nicht konsistent denken. Das ist selbstevident, nicht umgekehrt.

        "In the face of this enormous
        complexity and diversity in nature, the thesis of determinism makes too restrictive a claim."

        Nein.

        Alles agiert exakt nach seiner Natur. Das legt das Kausalitätsprinzip fest. Der Determinismus ist die Schlussfolgerung daraus, es sei denn man führt eine zusätzliche Behauptung ein, was hier getan wurde. Die ist aber nicht, wie das Axiom "Existenz existiert" selbstevident und damit eben kein Axiom, sondern eine abweisbare Behauptung.

        • David sagt:

          „Alles agiert exakt nach seiner Natur. Das legt das Kausalitätsprinzip fest. Der Determinismus ist die Schlussfolgerung daraus.“

          Wie man trozt Kausalität zu Indeterminismus kommt, ist einfach zu demonstrieren:

          Man hat System „A“. In der Natur von „A“ liegt, dass es bei einem bestimmten Reiz entweder zu System „B1“ (90% Wahrscheinlichkeit) oder zu System „B2“ wird (10% Wahrscheinlichkeit)

          Diese Natur von „A“ ist Teil der Identität des Systems.

          Das Kausalitätsprinzip legt nur fest, dass der bestimmte Reiz das System „A“ nun in „B1“ oder „B2“ verändert. Wir haben ein vollkommen Kausales, jedoch indeterministisches System. Wir können nur ungefähr vorhersagen was passiert. Je mehr „Kettenglieder“ (also zusätzliche Reize) einwirken, desto unsicherer werden die Vorhersagen.
          Die Bahn einer Billiardkugel lässt sich also problemlos vorhersagen. Das Wetter heute in 100 Jahren überhauptnicht.

          Da Quantenmechanische Systeme so funktionieren, wie im obigen Beispiel der Zustand „A“, und die Welt aus Quantenmechanischen Systemen besteht, gibt es keinen Determinismus.

          Über den freien Willen kann ich als Physiker jedoch nicht viel sagen.

          • derautor sagt:

            Klingt ja fast so, als hätten Teilchen einen freien Willen. In der Tat gibt es Philosophen, die auf quantenphysischer Grundlage auf die Willensfreiheit schließen. Finde ich etwas weit her geholt, aber als Analogie funktioniert das gut.

            Ein Mensch wird unter bestimmten Umständen mit 90% Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Weise handeln, was aus seiner Identität resultiert. Trotzdem ist es möglich, dass er sich anders entscheidet. Ergibt für mich Sinn.

          • David sagt:

            Es gibt keine Argumentationsgrundlage, um nur von Indeterminismus auf Willensfreiheit zu schließen. Der Wille könnte dann ebensogut unfrei sei und dem Zufall gehorchen müssen.
            Mithilfe von Quantenmechanik auf Willenfreiheit zu schließen klingt eher so, als hätte man sich schon auf Willensfreiheit festgelegt, und sucht nur noch eine passende Ausrede für seine Überzeugung.

            Ob man tatsächlich freien Willen hat hängt wohl hauptsächlich davon ab, was man unter freiem Willen versteht.

  7. Bjoern sagt:

    Danke David für die Richtigstellung.

    Mit dem Kausalitätsprinzip im Hintergrund wäre der Interdeterminismus aus emotionaler Sicht auch in Ordnung. Vielleicht esse ich nur zu 50% Schokoladeneis und zu 50% eine andere Sorte, aber in jedem Fall ergibt sich die Entscheidung eindeutig aus meiner Natur und nicht einem (wie ich bisher angenommen habe) davon unabhängigen Zufall.

  8. Carsten sagt:

    hmm… weit muss man nicht lesen:
    „… eines der Axiome des Objektivismus, das aus dem Identitätsgesetz folgt“

    irgendwie hab ich ein Problem, mit einem Axiom, das aus etwas andererem folgt … nur so nebenbei.

    Außerdem ist alles alles, was hier als Tatsachen aufgetischt wird, wohl mehrheitlich als „Vermutungen“ bzw. „Meinung des Verfassers“ aufzufassen – woher weiß der Autor beispielsweise, ob ein Affe keine „Konzepte“ besitzt (besitzen kann?).

    Ich glaube das letzte Wort über den freien Willen, Bewußtsein usw. ist noch nicht gesprochen, falls doch wären natürlich Quellen höchst interessant.

    • derautor sagt:

      Objektivismus beruht mehr als jede andere Philosophie auf Induktion. Die Deduktion beruht hier ebenfalls auf den Ergebnissen der Induktion (also auf empirischen Beobachtungen). Es ist eben kein Rationalismus, wo einfach eine Idee aus einer anderen geschlossfolgert wird, ob die Ideen mit Beobachtungen übereinstimmen oder nicht.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.