Die Unschuld der Muslime?

So, jemand dreht ein B-Movie über Mohammed namens „Unschuld der Muslime“ – und wütende muslimische Mobs bringen Botschafter um. Ich möchte hier nur einmal auf die Ironie hinweisen.

Jedem Menschen ist klar, wer für die Morde verantwortlich ist: Die Mörder. Wenn ich einen Artikel lese, der Ayn Rand verunglimpft, dann stürme ich auch keine Botschaften (da hätte ich ja nichts anderes mehr zu tun). Wenn ein Superman-Fan, der sich sein Leben lang von den Abenteuern von Superman inspiriert fühlte, eine Superman-Parodie sieht, dann hackt er keinen Hollywood-Regisseuren die Köpfe dafür ab.

Jeder weiß das. Es ist zu offensichtklich, zu klar und eindeutig, um es nicht zu wissen.

Die öffentliche Reaktion im Westen – die in der islamischen Welt fällt erneut so aus, wie immer – hat also nichts mit Empörung über zwei zugegeben handwerklich schlechte Trailer zu einem wohl nicht-existenten Film von irgendeinem obskuren Regisseur zu tun.

Es gibt keine Entschuldigung dafür.

1. Die außerordentliche Professorin für Religionswissenschaften an der Universität von Pennsylvania, Anthea Butler, forderte am 12. September, dass Filme, die den Islam angreifen, verboten werden und dass deren Macher verhaftet werden sollten. Aber sie habe nichts gegen den Ersten Verfassungszusatz (Redefreiheit). „Wenn es irgendwen gibt, der Redefreiheit schätzt, dann ist es eine ordentliche Professorin!“ Nun, sie ist ja keine ordentliche Professorin.

„Während der Erste Verfassungszusatz, das Recht auf Redefreiheit, wichtig ist, so ist es auch wichtig, sich daran zu erinnern, dass andere Länder und Kulturen unser Recht weder zu verstehen noch zu respektieren haben.“

Menschenrechte sind universell. Jeder, der unsere Rechte in seinen Taten nicht respektiert, wird die seiner Taten entsprechenden Konsequenzen tragen müssen. Wenn die Menschen in der islamischen Welt die Trailer nicht sehen wollen, dann haben sie das Recht, sich die Trailer nicht anzusehen. Wenn jemand die Trailer als Anlass nimmt, um unsere Botschafter zu töten, so dürfen wir uns gegen ihn verteidigen und den Mörder vor Gericht stellen.

Gibt es in dem Land, wo unsere Botschafter ermordet werden, keine Gerichte, um die Täter zu verurteilen, so dürfen wir sie verhaften und außer Landes schaffen. Ist es für die Selbstverteidigung nötig, dürfen wir die Angreifer und Mörder auch erschießen. Stellt sich die Regierung des Landes, wo unsere Botschafter angegriffen und/oder ermordet wurden, auf die Seite der Angreifer, so ist das eine Kriegserklärung.

2. Die offizielle Erklärung des Vatikans zu den Vorfällen um den Film:

Die schweren Konsequenzen von ungerechtfertigten Beleidigungen und Provokationen gegen die Gefühle muslimischer Gläubiger sind in diesen Tagen wieder einmal zu sehen“, schreibt Lombardi. Sie entfachten Reaktionen mit manchmal „tragischen Ergebnissen“, die wiederum Spannungen und Hass nährten und unakzeptable Gewalt entfesselten.

So viel zur „großen Häresie des Islam“.  Die Gewalt seitens der wütenden Mobs sei also die Konsequenz dieser satirischen Trailer. Klar, sie ist auch die „Konsequenz“ der Tatsache, dass die Angreifer irgendwann einmal geboren wurden.

Der Vatikan hat eine geradezu panische Furcht vor dem „Säkularismus“ und den Atheisten, eine viel größere Furcht, als er vor dem Islam empfindet. Der Islam wird den Katholizismus nicht widerlegen können, er ist schließlich ebenso absurd und willkürlich und verlangt blinden Glauben. Aber die rationalen Argumente von Atheisten, die Belege fordern, sind gefährlich. Also hat der Vatikan vornehmlich ein Interesse daran, Religionskritik zu unterbinden.

Sollte irgendjemand einen Verteidiger des Westens suchen – er suche besser anderswo.

* Politisch inkorrekter Einschub *

Und diese Waschlappen waren mal für die Kreuzzüge verantwortlich!

* Politisch inkorrekter Einschub Ende *

3. Jacey Fortin (International Business Times) wundert sich über die Szene, in der eine alte Frau mit Seilen an Kamele gebunden und von ihnen zerissen wird. Sie nennt die „Witze“ im Film wie diesen „obskur“ und „dümmlich“. Andrew Brown vom Guardian versteht ebensowenig, worum es geht.

Die Szene ist kein obskurer Witz. Das ist eine Anspielung an die Geschichte von Umm Qirfa, eine feindliche Stammesfürstin, die Mohammed laut seinem ersten Biografen Ibn Ishaq an zwei Kamele binden und sie von ihnen zerreißen ließ. Der Grund dafür lautete, dass Qirfa nicht nur eine Feindin von Mohammed war (normalerweise tat er das nicht mit feindlichen Stammesfürsten), sondern weil sie eine Frau war und zugleich eine große Anführerin. Und das geht ja gar nicht.

4. Die Reaktionen der deutschen Presse. So gut wie alle. Und natürlich:

 „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Sicherheit“, erklärt Außenminister Guido Westerwelle am Freitag in Berlin. Dies habe ihm der deutsche Botschafter in Khartum versichert. Er verurteilt das Schmähvideo gegen den Propheten Mohammed aufs Schärfste, macht aber klar, dass das Video die Angriffe auf die Botschaft keinesfalls rechtfertigten.

Und hier, was mein Wunsch-Außenminister John Rambo gesagt hätte:

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Sicherheit“, erklärt Außenminister John Rambo am Freitag in Berlin. Dies habe ihm der deutsche Botschafter in Khartum versichert. Er verurteilt die Täter aufs Schärfste und macht klar, dass Deutschland für das Recht auf freie Rede einstehe, unabhängig von der Qualität und dem Inhalt dieser Rede. „Sollte jemand diese Filmtrailer als Anlass nehmen, um die Bürger meines Landes anzugreifen, so sage ich ihm das eine: Hör auf oder du hast einen Krieg, den du nie begreifen wirst! “

Die US-Regierung hingegen sieht es ähnlich wie Westerwelle:

In der libyschen Stadt Bengasi wurden bei dem Angriff eines Mobs der US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter getötet. In Kairo wurden bei neuen Ausschreitungen am Donnerstag mehr als 200 Menschen verletzt. In mehreren anderen arabischen Staaten rechnen die USA ebenfalls mit Angriffen. Die amerikanische Regierung verurteilt den Film, der die Proteste ausgelöst hat. „Für uns, für mich persönlich, ist dieses Video widerlich und verwerflich“, sagte Außenministerin Hillary Clinton.

Doch mein US-Außenminister Frank Castle ist anderer Auffassung:

„Für uns, für mich persönlich, sind diese Morde widerlich und verwerflich. An den Mörder von Chris Stevens habe ich die folgende Botschaft zu überbringen: Du bist ein Monster. Wir werden dich töten. Es ist nicht kompliziert. Manche Journalisten werden schreiben, ich sei verrückt geworden. Das bin ich nicht. Es ist nicht verrückt, wenn der Zustand dieser Welt einen dazu treibt, jeden umbringen zu wollen, der dafür verantwortlich ist. Es ist verrückt, wenn er dies nicht tut. Es gibt Zeiten, da möchte ich Gott in die Finger kriegen. Und ich denke, ich werde mit deinem Gott anfangen!“

Auf der anderen Seite wurde ich schon mehrmals darauf hingewiesen, dass ich unbedingt niemals als Diplomat tätig sein sollte.

Literatur

Mark Humphrys Links und Analysen zum Thema

Mein neues Buch Der Westen. Ein Nachruf, insb. Kapitel 5. Islam

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=feuerbringer-21&o=3&p=8&l=as1&asins=B0099N3362&ref=qf_sp_asin_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

16 Kommentare zu “Die Unschuld der Muslime?

  1. sba sagt:

    …aber Außenminister sind ja keine Diplomaten; sie sind die Sägen an den Nerven von Diplomaten.

    Und jetzt bitte einen Salut für Mr. Stevens und seine Mitarbeiter.

  2. DeeTee sagt:

    Ich habe mich gestern abend sehr erschrocken, wie Nachrichtenmoderatoren im öffentlich rechtlichen Fernsehen immer wieder darauf hinwiesen, dass auch in Deutschland Gotteslästerung verboten ist.
    Es wurde auch der Eindruck vermittelt, dass Meinungsfreiheit bei Gotteslästerung endet. Kennt sich jemand da aus, ist das wirklich in Deutschland so?

    • sba sagt:

      StGB §166:

      (1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

      (2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.“

      Andreas hat mehrfach darauf hingewiesen, dass in der schlimmsten aller möglichen Auslegungen er dafür verantwortlich gemacht würde, wenn eine seiner religionskritischen Auslassungen irgendwen zum Amoklaufen animieren würde. Allerdings ist auch eine Auslegung denkbar, in der die Beschimpfung den öffentlichen Frieden dadurch stören kann, dass etwa in Verbindung mit ihr zu Gewalttaten aufgerufen wird. Dazu müsste man Kommentare (in der Jurisprudenz ist neben dem Gesetzestext die verbindliche Auslegung wichtig) und Urteile konsultieren.

      http://www.ekd.de/ezw/dateien/EZWINF8.pdf
      Der Vortrag von Prof. J. Beckmann stimmt im wesentlichen mit meiner Einschätzung überein: die schlimmste aller möglichen Auslegungen hat despotische Züge.

      • sba sagt:

        aber der Witz daran ist, wenn man sein eigenes Bekenntnis in der Weise beschimpft, geht man straffrei aus ^^

      • Ken sagt:

        Das Problem an diesem Paragraphen ist der Begriff „öffentlicher Friede“, der keinen objektiven Maßstab zulässt. Seine Auslegung ist dem Gutdünken der Richter überlassen, so dass für Willkür viel Spielraum bleibt. „Öffentlicher Friede“ ist im Grunde ein substanzloser Begriff, genauso wie „Gemeinwohl“ oder „öffentliches Interesse“. Die Gefahr dabei liegt darin, dass sich Kollektivisten seit jeher solcher aubstanzloser Begriffe bedient haben, um damit die Einschränkung individueller Rechte bis hin zur Herrschaft des Mobs zu rechtfertigen.

    • Sophian Philon sagt:

      Dieser Paragraph beschützt in der Konsequenz diejenigen, die am lautesten und brutalsten für ihre Privatmeinung einstehen, und kriminalisiert jeglich Kritik. Er ist schlichtweg Ausdruck von Despotismus.

      Ich habe die Befürchtung, dass dieser Paragraph irgendwann noch sehr, sehr viel Unheil anrichten wird.

      • sba sagt:

        hängt von den damit beschäftigten Richtern ab…es gibt eben auch eine andere mögliche Anwendung des §en. (zugegeben eine Schwäche des Textes)

    • DeeTee sagt:

      Also ist im Gesetz bereits alles vorhanden, was im Falle eines Erstarken einer beliebigen Religionsgemeinschaft (Islam, evangelikale Christen) nur noch zur vermehrten konsequenten Anwendung gebracht werden müsste.

      Das gefällt mir nicht.

      • Sophian Philon sagt:

        Genau das ist der Punkt. Und soweit ich weiß, wurde dieser Paragraph in der letzten Zeit öfter im Hinblick auf den Islam zur Anwendung gebracht…

    • Chris sagt:

      Ja, wir leben doch in einem Gottesstaat – so wahr mir Gott helfe!

  3. Rüdiger sagt:

    Wenn die ägyptische Vetretung der Vereinigten Staaten als Reaktion auf die Morde und Verwüstungen mit Verständnis für die Täter reagiert, dann haben sie bereits die Rolle der Dhimmis angenommen, die ihnen laut Islam zusteht: Sie sollen die Dschizya zahlen (das „Schutzgeld“ an die Mafia, das sie nicht wirklich schützt), im übrigen die Schnauze halten und den Koran ehren, Muslime, denen sie begegnen, ehrfurchtsvoll grüssen, ihre eigenen Kirchen [7. Jhdt. für: Werte] verfallen lassen – und sind trotzdem an allem schuld, können jederzeit Opfer von Aggressionsschüben werden. Die Juden und auch die Christen des Nahen Ostens können ein Lied davon singen.

    Dass die Kirchen sich in dem Krieg, den der Islam nicht erst seit dem 11.9.2012, sondern seit 1400 Jahren gegen die nichtmuslimische Welt führt, auf die Seite der Angreifer stellen, ist wirklich tragisch. Die Kopten, die assyrischen Christen, überhaupt alle Glaubensgenossen in muslimischen Ländern fühlen sich von den Kirchen des Westens im Stich gelassen – alleingelassen mit dem Moslemterror, der uns in den Medien immer als „Auseinandersetzungen zwischen Kopen und Muslimen“ wird.

    Das wäre überhaupt noch eine Idee. Man könnte über den nächsten Überfall wie folgt berichten: „Bei Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen kam es gestern in Benghazi zu gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen mehrere Menschen zu Tode kamen.“

  4. Milfweed sagt:

    Auch in Schulen behaupten Lehrer, dass freie Rede seine Grenzen haben muss und Beleidigungen gehören nicht dazu. Schuld hat also der Filmmacher, man sollte Mohammed nicht verunglimpfen und Muslime schon gar nicht über einen Kamm scheren. Außerdem beinhaltet der Film Lügen über den „friedfertigen“ Mohammed und er war absoult nicht homosexuell. (mit einmal ist das was schlimmes ?)

    Das ist Alltag in den Schulen. Quelle: Ich war für einen IT Kurs in einer Schule an diesen Tagen und war auch im Unterricht. Ich habe innerlich gekocht

    • derautor sagt:

      Das sind solche Weicheier und Angsthasen. Wer mit dem Bösen Kompromisse eingeht, der macht es möglich.

    • Sophian Philon sagt:

      Kann ich leider auch bestätigen. Habe das mal in Bezug auf die Mohammed-Karikaturen gehört: Meinungsfreiheit habe ihre Grenzen, bla bla. Ist doch klar, was 14jährige Schüler davon mitnehmen!

  5. Bernd Buchner sagt:

    Komischerweise fragt keiner danach, wer oder was den „Antiislamischen Filmemacher“ provoziert haben könnte. Ich fühle mich ja schon allein durch die verfassungsfeindlichkeit der in Deutschland lebenden Islamfaschisten „provoziert“. Allerdings ohne dabei kriminell zu werden oder auch „nur“ Nazi-Parteien zu wählen. Das muß wohl an meiner „kulturellen Eigenart“ liegen.

  6. Paul Penta sagt:

    Religion im Ursprung war gedacht ein nicht aufgeklärtes Volk zu lenken. Unaufgeklärte und ungebildete Völker oder Menschen sind dafür immernoch empfänglich. Das Resultat ist, je unaufgekärter, ungebildeter und rückschrittlicher ein Volk oder ein Mensch ist, desto leichter ist er per Religion zu lenken. Das gilt für alle Religionen, nicht nur für Muslime, die dafür anscheinend besonders empfänglich sind. Über die Katholiken kann ich auch oft nur mit dem Kopf schütteln, aber sie ermorden zum Glück nicht jeden ausgemachten Zweifler ihrer Religion, oder „Ungläubige“. Radikale und gläubige Muslime sind in unserer westlichen Welt leider nicht zu integrieren. Wir werden wohl noch mit vielen Problemen rechnen müssen. Es würde mich auch nicht wundern, wenn es in unserer aufgeklärten Welt tatsächlich auch noch zu einem Glaubenskrieg wegen der Muslime kommen würde. Israel trägt seinen Beitrag dazu um das noch zu fördern. Religion ist Gift für das Volk. Schwört den Kirchen ab und findet Euren Gott und Frieden in Euch selbst.

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