Der Puppen-Pastor

Der amerikanische Prediger Terry Jones wird von den Medien mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet. Er sei in der Lage, Muslime am anderen Ende der Welt mit einer bloßen Drohung, er könnte vielleicht den Koran verbrennen wollen, zu Vandalismus und Mord anzustiften – etwas, das sie normalerweise niemals tun würden. Also muss man dem großen Manipulator die Einreise verbieten.

Wäre ich ein charismatischer Höllenprediger würde mir dieser Ruf sehr gut gefallen. Das Schicksal der Welt läge in meinen Händen! Ich bräuchte nur „Islam!“ zu rufen und schon würde irgendwo eine Botschaft angezündet.

Der „Stern“ titelt:

Deutschland verbietet Hassprediger die Einreise

[….]

Dazu sagte Außenminister Guido Westerwelle: „Wir wollen keine Hassprediger in Deutschland haben.“

Muslimische Hassprediger gibts hier natürlich zuhauf – die problemlos einreisen dürfen und die mit offenen Armen empfangen werden, siehe ARD:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=65KJO7XpPLM[/tube]

(Anm: Ich habe keine Ahnung, wer der Uploader „Der Normalbürger ist“ – sieht nicht unbedingt vertrauenserweckend aus -, mir geht es ausschließlich um den ARD-Beitrag).

Seltsam ist dabei die Tatsache, dass ausgerechnet die öffentlichen Aussagen des evangelikalen Predigers Jones in Reaktion auf die Affäre weitaus vernünftiger klingen als die Journalisten, die aus ihm den Antichristen machen wollen. So erfährt man in der Welt:

Das von der Bundesregierung verhängte Einreiseverbot sei „der Anfang vom Ende der westlichen Gesellschaft“, sagte Jones der „Welt“. „Wir sollten eine klare Botschaft an die Muslime senden: Wir werden beleidigt, ihr werdet beleidigt“, so der Pastor. „Wir müssen lernen, damit zu leben.“ Den Film „Unschuld der Muslime“ habe er gesehen, sagte Jones, er kenne auch den Produzenten und habe schon oft mit ihm gesprochen. „Die Meinungsfreiheit ist der Kern unserer Gesellschaft“, sagte Jones weiter. „Es geht nicht darum, ob dieser bestimmte Film gezeigt wird. Es geht darum, wofür dieser Film steht.“

Man fragt sich zudem, warum niemand die Angriffe von radikal-muslimischen Mobs auf westliche Botschaften für beleidigender hält als irgendwelche Karikaturen oder Filmtrailer.

Im Hamburger Abendblatt liest man:

Hetz-Pastor Terry Jones sorgt wieder für Ausschreitungen

Er hat – so mag man meinen – wieder einmal sein Ziel erreicht: Der umstrittene US-amerikanische Pastor Terry Jones hat mit der Werbung für einen islamkritischen Film Teile der arabischen Welt gegen die Verinigten Staaten und den Westen aufgebracht.

„Mag man meinen“ schreiben sie, um sich rechtlich abzusichern. Man darf nicht direkt notieren, man glaube, Terry Jones hätte sich das Ziel gewählt, dass der Westen von Islamisten angegriffen wird. Es ist ja auch eine absurde Idee. Jones möchte aus seiner christlichen Sicht vor dem radikalen Islam warnen. Und radikale Muslime nahmen die Warnung als Ausrede für ihre Morde. Warum sollte Jones Muslime gegen den Westen aufbringen wollen? Ist doch gar nicht nötig.

Die ARD berichtet wie folgt über Jones:

 Terry Jones – Netzwerker unter Islam-Feinden

Da geht es um ein „loses Netzwerk“ von Islamkritikern in den USA. „Loses Netzwerk“ bedeutet im Grunde gar nichts. Wenn ich mir einige Filme von Joss Whedon (Buffy, The Avengers) ansehe und sie öffentlich empfehle, dann gehöre ich schon zum „losen Netzwerk“ Whedons. Was jedoch etwas bedeutet ist folgende Aussage des Filmregisseurs von Innocence of Muslims, Nakoula Basseley Nakoula, und die Reaktion der ARD-Korrespondentin:

Nakoula: „Mein Leben ist in großer Gefahr. Ich war früher bei den Marines. Jetzt ist das FBI hier und beschützt mich. Meine Töcher sind völlig verängstigt und weinen.“

ARD: „Dabei hatten sie bewusst gezündelt.“

Nehmen wir an, es ginge um ein loses Netzwerk an Vergewaltigungskritikern. Die „Hasspredigerin“, die 23-jährige Anna-Lisa, die selbst schon vergewaltigt wurde und sich darum dem „Netzwerk“ von Leuten anschloss, die glauben, Vergewaltigung sei falsch, dreht einen Trailer zu ihrem neuen Film gegen Vergewaltigung und veröffentlichte ihn auf YouTube. Diesen Film nehmen Vergewaltiger weltweit zum Anlass, Frauenhäuser abzubrennen und Frauen zu ermorden. Anna-Lisa erhält zahlreiche Morddrohungen. Ein Kopfgeld wird auf sie ausgesetzt.

Im ARD-Interview sagt Anna-Lisa:

„Mein Leben ist in großer Gefahr. Meine Töchter sind völlig verängstigt und weinen:“

ARD: „Dabei hatten sie bewusst gezündelt.“

Man legt sich eben nicht mit Menschen an, die wegen Nichtigkeiten gleich Botschafter ermorden – oder die wegen einem aufreizenden Rock gleich Frauen vergewaltigen. Oder mit wirklich irgendwem, der gewalttätig wird, sobald man seine bereits bestehende Gewalttätigkeit kritisiert. Wenn man es doch tut und „zündelt“, ist man selbst schuld, wenn man vergewaltigt wird oder wenn die Töchter völlig verängstigt sind und weinen.

Das erinnert mich an meine Grundschulzeit, als ich selbst beliebtes Opfer von Schlägern war. Als ich auf meine Lehrerin hörte und die neueste Mobbing-Attacke gleich einem Betreuer meldete, sagte dieser, ich würde „petzen“ und drohte mir einen Verweis dafür an. Jones ist auch so ein Petzer und die ARD droht mit einem Verweis. Danach meldete ich die Vorfälle nicht mehr und ließ es über mich ergehen. Bis ich das Problem schließlich selbst in die Hände nahm. Und bei diesem Erfolgsrezept bin ich geblieben, auch was meine außenpolitischen Ansichten betrifft.

Kaum zu fassen, dass wir für diesen moralisch korrupten Sender namens ARD Gebühren zahlen müssen. Wir zahlen für den Strick, an dem man uns aufhängt. Dass die ARD ebenso über radikale muslimische Prediger in Deutschland berichtete, hat offenbar nichts mit moralischen Prinzipien zu tun. Es gab zu der Zeit gerade keine Krawalle gegen den Westen, da kann man schon mal kritischer werden. Verkauft sich gut. Und dem nächsten Islamkritiker stopfen wir wieder das Maul.

Obligatorische Werbung für mein neues Buch (dort erfährt man mehr über meine Haltung zum Islam):

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=feuerbringer-21&o=3&p=8&l=as1&asins=B0099N3362&ref=qf_sp_asin_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

5 Kommentare zu “Der Puppen-Pastor

  1. Karl sagt:

    Es gab ja nach dem Ende des kalten Krieges zwei große soziologische Theorien wie es mit der Welt weitergeht.

    Zum Einen die Theorie von Francis Fukuyama („The End of History“) nach dem sich die ganze Staaten der Welt in Richtung einer liberalen, marktwirtschaftlichen Demokratie bewegt und in der dann, aufgrund der Democratic Peace Theory, eine Art ewiger Frieden einkehrt.

    Zum Anderen die pessimistische Theorie von Huntington („The Clash of Civilization“) nach der die Hauptkonflikte Konflikte zwischen verschiedenen Kulturräumen sind.

    Ich denke als Objektivist wirst du wohl mehr zur Theorie von Fukuyama tendieren. Wahrscheinlich eher normativ als dann als Prognose.

    Ich selber bin mir nicht sicher ob mit einer Demokratisierung und Liberalisierung der islamischen Staaten sich der Islam „zivilisieren“ wird oder ob er als Faktor weiterbestehen wird.

    • derautor sagt:

      Ich denke, das hängt von dem ab, was die Leute haben wollen. Wären sie rational, würden sie überall liberale Republiken etablieren. Muslime halten diese mehrheitlich für unmoralisch, im Westen wissen die Leute nicht mehr, was besser ist und warum. Aufklärung ist ein endloser Kampf.

      • Karl sagt:

        Ja da stimme ich dir völlig zu. An sich ist es ein Rätsel warum sich die besseren Ansätze dann nicht durchsetzen. Betrachtet man die Evolution dann könnte man ja davon ausgehen dass eine gewisse Fähigkeit zur Rationalität vorhanden sein müsste.

        • foundnoreligion sagt:

          Vielleicht, und das ist nur meine Vermutung weil der Mensch kein reines Vernunftwesen ist, sondern auch ein empfindendes Wesen und je niedriger die Fähigkeit zum rationalen und kritischen Denken bei einem Menschen ist, desto stärker sind dann wohl seine Gefühlsschwankungen. Ich bin übrigens Vertreter der Auffassung, dass die Vernunft die Gefühle lenken sollte und das unsere Entscheidungen auf ihrer Basis gemacht werden sollten. Dazu werde ich in meiner Erkenntnistheorie in meinem eigenen Buch schreiben, das vermutlich erst im nächsten Jahr fertig wird, da ich nur eine Seite pro Tag schreiben werde und es so um die 500 Seiten haben wird.

  2. DeeTee sagt:

    Es ist diese Bigotterie, die mich aufregt. Das offenkundige Vertauschen von Ursache und Wirkung, Richtig und Falsch, Wichtig und Unwichtig.
    Wichtig ist die Freiheit unserer Gesellschaft, unwichtig ist die Empfindsamkeit beleidigter Islamisten.
    Richtig ist satirische Religionskritik jeder Art, Falsch ist Gewalt, Mord und Todschlag. Ursache ist auch nicht ein lustiges Filmchen, Ursachen sind Dogmen jeder Art und die daraus resultierende Verblendung und Unmündigkeit.
    Die einzige Reaktion auf all dies kann nur sein, die Islamisten wieder und wieder mit Religionskritik zu konfrontieren, bis sie sich daran gewöhnen, dass es in der westlichen Kultur keine Denkverbote gibt; alles andere wäre ein Schritt zurück Richtung Mittelalter.
    Die anderen Religionsgemeinschaften haben teilweise Verständnis für die Reaktionen des Mobs, würde ein Erstarken der Religion des Friedens auch zu einer Erweiterung ihrer Rechte führen (siehe Rufe nach einer strengeren Auslegung des Gotteslästerungsparagrafen); zumindest eine Zeit lang-dann würde der Islam auch sie dominieren.

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