Resident Evil: Retribution

Zur Abwechslung eine Filmbesprechung. Das Islam-Thema macht den Leuten sichtbar Angst; selten wagt es jemand, meine heroischen Beiträge darüber zu verlinken.

Vielleicht besteht auch Unsicherheit, wie man die Texte ideologisch einzuordnen hat – und dies trotz meiner Philosophie-Abteilung und meinem 500-Seiten-Buch, in denen ich es mal kurz, mal ausführlich erkläre.

Ich weiß, es ist gruselig. Atheist, aber nicht links. Für eine objektive Moral, aber nicht konservativ. Gegen Islam, aber nicht rechts. Bin ich einfach verrückt? Aber warum dann diese komplexe Philosophie, die gar nicht verrückt klingt? Existiere ich überhaupt wirklich? Vielleicht bin ich ein Klon, dem von Umbrella eine paradoxe Identität einprogrammiert wurde.

Na gut, dann schreibe ich eben über etwas Harmloseres als über den Islam. Wie wäre es mit Zombies? Ich verspreche auch, unsere Simpletons, die nur „rechts“ und „links“ kennen, nicht mit allzu differenzierten Aussagen zu verwirren.

Es gibt allerdings ein paar Spoiler im folgenden Beitrag, also seid gewarnt… 

Ich muss mich zu meiner großen Schande als Fan der Resident-Evil-Filme outen; mit Ausnahme des dritten Teils, „Extinction“. Dieser orientiert sich an Wüsten-Endzeit-Filmen wie Mad Max und die kann ich nicht leiden. Das Konzept „Wenige Helden kämpfen in trostloser Gegend gegen eine Übermacht von Kreaturen mit zweifelhaften Sitten, die ihre Gehirne fressen wollen“ erinnert mich zu sehr an mein eigenes Leben.

Die beliebte Kritik an der Filmreihe, laut der sie eine absurde Story hätte, verglichen mit den genialen Spielen, finde ich abwegig. Nicht, weil die Story tatsächlich besonders herausragend wäre, sondern weil die Spiele (ich habe fast alle durchgezockt) ebenfalls eine alberne B-Movie-Story haben. Nur bei Code Veronica ist die Story etwas intelligenter und dramatischer. Der Anfang dieses Titels, in dem man sich in einer Art Konzentrationslager gegen Zombies verteidigen muss, ist atmosphärisch zudem außergewöhnlich gelungen.

Die Story der Filme ist seit dem dritten Teil kaum nachzuvollziehen. Das Problem besteht darin, dass die Zombies bereits die gesamte Welt überrannt und den Großteil der Menschheit ausgelöscht haben. So etwas geschieht in den Spielen nicht. Und es stellt die Autoren vor echte Schwierigkeiten. Wofür überhaupt noch kämpfen? Nun, für die wenigen Überlebenden – und für einige Kreuzungen aus Mutant und Mensch wie Alice, die Hauptfigur. Immerhin.

Aber die noch bessere Frage: Was möchte das bösartige Biotech-Unternehmen Umbrella jetzt eigentlich noch? Und was möchte es überhaupt? Offenbar war der geheime Verkauf von Biowaffen ein Ziel des Unternehmens – und nicht die Ausrottung der Menschheit, die sie jedoch offensichtlich zur Folge gehabt hätte und hatte. Es gibt also keine Kunden mehr, aber es gibt weiterhin ein riesiges Biotech-Unternehmen mit unzähligen Angestellten. Ihre Bezahlung bringt ihnen jetzt nichts mehr; immerhin sind sie in den Bauten von Umbrella vor den Zombies sicher. So könnte man sich jedenfalls herausreden (Tipp an den Drehbuchautor!).

In der Realität sind Biotech-Unternehmen übrigens nicht böse, sondern sie haben bereits das Leben von, ohne Übertreibung, Milliarden von Menschen gerettet, siehe alleine den Nobelpreisträger Norman Borlaug und Penn & Teller über Borlaugs Arbeit. Böse sind die grünen Extremisten, die der Forschungsarbeit von Biotech-Firmen im Weg stehen – und somit neuen Anbaumethoden von Getreide in unfruchtbaren Regionen und Heilmittel für Krankheiten. Ich werde bald einen umfassenderen Beitrag über deutsche Biotech-Unternehmen schreiben und kurz vorstellen, was die eigentlich machen (Hinweis: Keine Zombies).

Es wäre realistischer gewesen und hätte mir besser gefallen, wenn für die Zombie-Seuche eine böse Regierung verantwortlich wäre und kein böses Unternehmen – wobei ja in der Tat, wie man im aktuellen Film erfährt, die Zombies erschaffen wurden, um sie als Biowaffe an Regierungen zu verkaufen. Das erfreut meine kranke T-Party-Seele. Aber mal echt: Wer war historisch das größere Problem? Unternehmen wie Coca Cola und Microsoft oder Regierungen wie jene von Nazi-Deutschland oder Sowjetrussland? Es ist wirklich ein No-Brainer.

Und damit wären wir zurück bei Resident Evil: Retribution. Ich bin noch recht ungehalten über die Tatsache, dass der Film Die drei Musketiere desselben britischen Regisseurs Paul William Scott Anderson so grottenschlecht geworden ist, dass ich ihn keine zehn Minuten aushalten konnte. Dafür hätte er seine Filmcrew nicht in meine Stadt schleppen müssen. Aber die RE-Filme sind immerhin eine Besänftigung.

Obskurerweise ist Wesker, dem Umbrella-Chef, im aktuellen Film endlich aufgefallen, dass die Ausrottung der Menschheit wohl doch keine so gute Sache ist. Sein Ziel war es, mit dem T-Virus zu verschmelzen und eine Art Übermensch zu werden; jedoch wäre das ohne andere Bewohner unseres kleinen Erdballes einigermaßen langweilig. Er hat sich also zum amerikanischen Präsidenten hoch gearbeitet und bekämpft nun Umbrella, das derweil von dem Computerprogramm Red Queen (aus Teil 1) kontrolliert wird. Die Red Queen diente ursprünglich dazu, einen Ausbruch des Virus mit allen Mitteln zu verhindern. Was sie jetzt will, ist vollkommen unklar.

Die Story erreicht also eine ganz neue Dimension von banane und trotzdem spannend, aber man muss es Anderson wirklich lassen, dass es ihn schon gar nicht mehr kümmert. Er lässt seiner Kreativität freien Raum und legt dabei großen Wert darauf, audiovisuell revolutionäre Action auf die Leinwand zu zaubern. Das ist ihm in der Tat gelungen. Einen so handwerklich perfekt durchgestylten Film habe ich seit Peter Jacksons King Kong nicht mehr gesehen. Und inzwischen hat die Reihe tatsächlich den „Look and Feel“ eines Computerspiels, was bei den Kennern heimelige Gefühle auslöst. Ich habe keine Ahnung, was es bei anderen Menschen auslöst.

Resident Evil: Retribution erinnerte mich an Underworld: Awakening. Es ist einfach ein riesiger Spaß, bei dem ich das seltene Vergnügen erfahre, mein Gehirn endlich mal abschalten zu können – ist auch sicherer so, dann werden die Zombies nicht darauf aufmerksam. Die Story der Underworld-Filme ist um einiges intelligenter und komplexer, aber was beide Welten vereint ist tolle Action und ein sehr geringer Bezug zum tagesaktuellen Geschehen. Es geht in diesen Filmen um Probleme, die man aktuell nirgends zu lösen hat – wie besiege ich Werwölfe, Vampire und Zombies? Im Grunde ist alles reduziert auf den Kampf zwischen Superhelden und Superschurken. Und was will man mehr?

Was „anspruchsvolle“ Filme angeht, wie man sie aus der Arthouse-Kollektion („Programmkino“) kennt, so sagen wir einmal, dass sie existieren. Es gibt natürlich viele verschiedene Filme in diesem Bereich und sie haben lediglich gemeinsam, dass sie uns zur lachhaft naiven Weltsicht unserer selbsternannten Elite bekehren möchte, wie einst die Roten Khmer.

Ergo: Lieber gleich blöde Filme, die gar nicht vorgeben, etwas anderes zu sein und die einfach Spaß machen, als blöde Filme, die so tun, als wären sie etwas anderes und die man am liebsten einem „Licker“ als Abendmahl darbieten möchte. Amen. Und nun: Viel Spaß mit Resident Evil: Retribution!

Siehe auch dieses witzige Interview mit dem Regisseur, Zitate:

„Unsere Tochter Ever hat am Set das erste Mal einen Zombie gesehen. Sie hat dann aber verstanden, dass alles nur künstlich und eine Scheinwelt ist. Und die Zombies wurden schnell zu ihren besten Freunden. Aber sie sieht natürlich die Filme nicht, weil sie zu hart sind. Milla hat manchmal Alpträume von Zombies, die mitunter so gut sind, dass ich sie aufschreibe.“

„Ich persönlich finde es schade, wenn sich Regierungen in die Arbeit von Eltern einmischen.“

Und wo ihr schon beim Geld ausgeben seid:

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Ein Kommentar zu “Resident Evil: Retribution

  1. sba sagt:

    …klingt so, als sei die moderne Kunst wirklich überall (ja, Film halte ich für eine Kunstform). Da ist man dann natürlich schon froh(do) wenn es wenigstens eine ästhetisch gute Umsetzung gibt.
    (andererseits kling red queen sehr nach Alice behind the mirrors…)

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