Was macht Umbrella wirklich?

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Biotechnologie – in der Popkultur kennt man sie als albtraumhafte Technologie rücksichtsloser Großunternehmen mit Allmachtsgelüsten wie InGen aus Jurassic Park und wie Umbrella aus den Resident-Evil-Spielen und -Filmen. Im Dinofilm werden Urzeit-Ungeheuer zur Belustigung der Massen produziert, die ausbrechen und ihre Begutachter auffressen. Bei Resident Evil dient Biotechnologie zur Erschaffung von Zombies und monströsen Übermenschen. In der Computerspiele-Reihe Deus Ex spielt Biotechnologie derweil bei der transhumanistischen Weiterentwicklung des Menschen eine Hauptrolle. Abstürze inklusive.

Aber was tun Biotechnologieunternehmen eigentlich wirklich?

In Deutschland ist die Biotech-Branche unterentwickelt. Eine Milliarde Euro setzte sie im Jahre 2011 insgesamt um – 12 Milliarden Euro erwirtschaftete zum Vergleich das führende Biotech-Unternehmen der Vereinigten Staaten, Amgen, im selben Zeitraum alleine. Dabei fallen die Projekte der führenden deutschen Biotech-Unternehmen in eine weitaus harmlosere Kategorie als Zombies und Raptoren: Es geht zum Beispiel um die Heilung schwerer Krankheiten.

Das Unternehmen PhenoQuest entdeckte einen biologischen Angriffspunkt auf der Außenseite von Nervenzellen, der mit Depressionen in Verbindung steht. Es werkelt nun an einer Therapiemethode für Depressionen, an denen weltweit immerhin 150 Millionen Menschen leiden. Es geht darum, einen Antikörper an den besagten Angriffspunkt andocken zu lassen, welcher dort die psychische Krankheit unterbinden soll.

Das Berliner Biotech-Unternehmen Glycotope löste ein Problem mit der Unverträglichkeit von durch Bakterien und Tierzellen produzierte Proteine für den Menschen. Es veränderte menschliche Blutzellen so, dass sie auch in Biofermentern (sozusagen die Zaubertrankkessel der Biotechfirmen) überleben und dort menschentypische Eiweiße produzieren. Auf diese Weise sind die Krebsmittel Erbitux und Herbecin entstanden, die bereits am Menschen getestet werden.

Die Gelsenkirchener Firma Protectimmun ging dem Rätsel auf die Spur, warum Kinder, die auf Bauernhöfen aufgewachsen sind, später viel seltener an Allergien leiden als Großstadtkinder. Der Grund dafür besteht keineswegs darin, dass die Bauernkinder vom Hippygott für ihr naturgemäßes Leben belohnt wurden, sondern der Grund war ein Milchsäurebakterium namens Lactococcus Lactis. Dieses hat Protectimmun nun in Nasenspray eingearbeitet. Mit diesem Spray sollen Säuglinge konfrontiert und für den Rest ihres Lebens gegen Allergien immunisiert werden. Als Heuschnupfen-Patient wäre mir das Nasenspray gerade recht gekommen. Vielleicht wird es bei mir ja auch noch wirken.

Das Mainzer Unternehmen Ganymed hat sich dem Kampf gegen Krebstumore verschrieben. Es entwickelte zum Beispiel den Antikörper Claudiximab, das gerade am Menschen getestet wird. Der Antikörper unterdrückt das Tumorwachstum und sorgt dafür, dass sich die Krebszellen selbst zerstören. Vielleicht hätte das Mittel oder eine zukünftige Erfindung von Biotech-Forschern meine Tante väterlicherseits retten können, die bereits als junges Mädchen an einem Gehirntumor verstarb.

Doch die Biotechnologie hat nicht nur medizinische Anwendungen. Das Unternehmen Amsilk aus Martinsried bei München hat einen Weg gefunden, auf ökonomische Weise künstliche Spinnenfäden zu produzieren. Spinnenfäden sind dafür bekannt, hart wie Stahl und elastisch wie Gummi zugleich zu sein – deren Produktion war jedoch bislang viel zu teuer. Das Unternehmen baute das Gen für den Spinnenfaden der europäischen Gartenkreuzspinne in ein Bakterium ein und kann nun große Mengen künstliche Spinnenfäden im Biofermenter produzieren. Daraus lassen sich beispielsweise Materialien für schusssichere Westen und feuerfeste Kleidung anfertigen – und sogar Spinnenseiden-Beton für Gebäude in Erdbebenregionen.

Das sollte genügen für einen kurzen Einblick in die finsteren Machenschaften der Biotech-Branche: Sie ist gerade dabei, Krebs zu heilen, uns für immer gegen Allergien zu immunisieren, Depressionen zu lindern und Gebäude erdbebensicher zu machen. Davon abgesehen arbeitet sie beispielsweise an Getreide wie die Reissorte Goldener Reis, die eine stark erhöhte Menge an Provitamin A enthält und die somit dem Vitamin-A-Mangel, an dem unzählige Menschen in Asien leiden, ein Ende bereiten könnte. Es wird prognistiziert, dass der Goldene Reis pro Jahr 40 000 Menschenleben retten könnte. Insofern Umweltaktivisten es denn zulassen würden.

Vielleicht versteht man jetzt auch meine Abneigung gegenüber jenen Organisationen wie Greenpeace besser, die Propaganda gegen Gentechnologie und die Biotech-Branche allgemein in die Welt setzen. Die Umweltaktivisten halten nicht nur den Fortschritt grundlos auf und versperren uns somit den Weg zu einem besseren, angenehmeren, längeren und gesünderen Leben – sie verhindern auch die Heilung von schweren Krankheiten und gefährden das Leben von Millionen von Menschen, die vom Goldenen Reis und von ähnlichen Biotech-Produkten profitieren könnten. Die wohlhabenden, grünen Aktivisten aus der westlichen Mittelschicht – übrigens größtenteils weiblich, so viel zum freundlicheren Geschlecht – sind uninformierte, irrationale, selbstgerechte, faule, rücksichtslose Arschlöcher. Amen.

Literatur

Handelsblatt Nr. 24/2012, Die Gen-Jongleure

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=feuerbringer-21&o=3&p=8&l=as1&asins=B004X2I6ZM&ref=qf_sp_asin_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

Siehe auch meine T-Shirts im Bereich „Ökologismus“.

5 Kommentare zu “Was macht Umbrella wirklich?

  1. Karl sagt:

    Gott sei Dank ist der ganze Ökowahn ja stark auf Deutschland begrenzt. Bei den Amis nimmt das im Vergleich keiner richtig ernst.

  2. sba sagt:

    Also ein Antidepressivum, dass keine Abkoppelung des Bewusstseins von seinen Gefühlen auslöst (und damit genau genommen die Diagnose verschlimmert) wäre schon sehr wünschenswert.

    Ansonsten ins der Greenpeace-Link sehr interessant: Diese „guten Gründe“ sind allesamt widerlegbar.
    „Anders als bei Züchtungen werden im Gentechnik-Labor Artgrenzen ignoriert. Gene aus Bakterien und Viren werden in Pflanzen hineinmanipuliert… Das Erbgut ist jedoch komplex und weitgehend unerforscht. Einzelne Gene beeinflussen häufig mehrere Eigenschaften einer Pflanze. Bei gentechnischen Experimenten können weder der Ort, wo das Gen eingebaut wird, noch die Anzahl der eingebauten Kopien noch die Wechselwirkungen mit anderen Genen gezielt gesteuert werden. Unerwartete Nebenwirkungen kann daher niemand ausschließen.“
    Selbes gilt für eine Züchtung nach Phenotyp, bei der man nicht weiß, ob ein Gen dafür üverhaupt verantwortlich ist, noch, ob es dominant oder rezessiv ist, von allem, was neben den gewünschten Eigenschaften noch mithineingezüchtet wird, ganz abgesehen. Außerdem ignoriert das Argument die Funktion der Bakterien und Viren, die lediglich in zu applizierende DNA tragen, aber keinen eigenen Beitrag leisten. Die zufällige Einbringung an einer bestimmten Stelle (sofern die Stelle im Gen überhaupt relevant ist), erledigt sich durch große Zahlen von Zielzellen, bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit die gewünschte Konfiguration erreicht wird.

    „Gen-Pflanzen machen aber nicht nur langfristig die gentechnikfreie Landwirtschaft unmöglich, sie stellen auch eine Gefahr für das ökologische Gleichgewicht dar: In Pflanzen eingebautes Insektengift tötet nützliche Insekten, während Schädlinge unempfindliche gegen das Gift werden. … Wenn Gen-Pflanzen sich in die Natur ausbreiten, verdrängen sie damit natürliche Pflanzen und schädigen so die biologische Vielfalt.“
    Negativ 1: in die pflanzliche Wildnis gelangte Gene werden, sofern sie dort überhaupt aktiv werden, genauso weitermutieren, wie alle andren auch. Zu behaupten, dass durch ihre Einbringung die Zusamensetzung einer Population (negativ) verändert werde, ist strukturell das selbe, wie mir dasselbe vorzuwerfen, wenn ich aus Versehen auf eine Schnecke trete, da das Genom dieser Schnecke anschließend der Population entzogen ist.
    Negativ 2: Es gibt bereits „natürliche“ Pflanzen, die sich mit eigenen Stoffen gegen Fraßfeinde verteidigen. Sollen wir die jetzt ausrotten?
    Negativ 3: Wenn „Schädlinge“ sich anpassen können, warum dann nicht auch „Nützlinge“?

    „In Nordamerika, wo Gen-Pflanzen bereits großflächig angebaut werden, haben Unkräuter mittlerweile neue Abwehrkräfte entwickelt und überleben die Spritzmittel.“
    Das selbe Problem gibt es mit Antibiotika. Eine lösung könnte mehr Gentechnik sein, indem man Pflanzen so ausstattet, dass sie ihr „Territorium“ selbst gegen Unkräuter verteidigen und Pestizide nicht mehr nötig werden.

    Soja…lächerlich. Das Problem ließe sich ebenfalls gentechnisch lösen, wenn man Soja so hinbekäme, dass er weniger Wasser und Fläche benötigt.

    „Denn durch Patente auf Saatgut versuchen die Konzerne sich das Monopol über die landwirtschaftliche Produktion und Ernährung zu verschaffen. So können sie diktieren, wer was zu welchen Bedingungen und Preisen anbauen und verkaufen darf.“
    Abgesehen davon, dass niemand gezwungen wird, ihr Saatgut anzupflanzen. Nebenbei finde ich die Idee ganz interessant, dass eine Firma mit einem Saatpatent die daraus wachsenden Pflanzen auch selber anbaut und vertreibt. Franchise-Verhältnisse mit Landwirten wären denkbar, was beiden Seiten ein Plus an wirtschaftlicher Sicherheit gäbe.

    „… dass das Genehmigungsverfahren von Gen-Pflanzen nicht wirksam genug ist, um die Sicherheit von gentechnisch veränderten Organismen und Gen-Produkten zu gewährleisten. Dies belegt die aktuelle Kontroverse um den Mais MON 863. Dieser Gen-Mais der Firma Monsanto hatte bei Fütterungsversuchen an Ratten schwere Schäden verursacht.“
    Schreibt der selbe Verein, der sich gegen Tierversuche einsetzt und den berechtigten Einwand erhebt, dass „Tierversuche… nicht 100-prozentig auf den Menschen übertragbar“ sind (http://www.greenpeace.de/themen/chemie/presseerklaerungen/artikel/gefaehrliche_chemikalien_koennen_ersetzt_werden/)
    . Ich glaube, soetwas nennt man „double standart“.

    „Die Langzeitauswirkungen auf die menschliche Gesundheit bei der Ernährung mit genmanipulierten Nahrungsmitteln sind bisher nicht ausreichend erforscht.“
    Die Aussage „wir wissen nicht genug“ als Argument gegen weitere Forschung. Selbstwiderspruch.

    • CR sagt:

      Diese Studie zu Mon863 wurde schon von anderer Seite zerpflückt:
      http://www.unstatistik.de/

      http://boingboing.net/2012/09/21/of-gm-corn-and-rat-tumors-why.html

      Interessant ist ja, wenn man sich die Originalpublikation anschaut,dass die Ratten die 33% GMO Mais bekamen noch am wenigsten häufig vorzeitg starben (als die, die 0% 11% und 22% frassen) … Mein Fazit als Biologe nach Lesen der Studie war: alles völliger Zufall und kaum signifikant. Genausogut koennte man beweisen, dass Nutella Krebs verursacht.

      • sba sagt:

        heißt also, wenn überhaupt, dann hätte der Mon-Mais die Tumoranfälligkeit einer auf Tumoranfälligkeit gezüchteten Rattensorte verringert?

        Warum erreichen die Originaldaten eigentlich so selten die Nachrichten?

        Und warum hat GP sich nicht die Originaldaten besorgt, bevor sie die Erklärung abgaben? (Wobei die Formulierung ja sehr aufschlussreich ist: nicht „die Studie“ sondern die „kontroverse“ soll irgendwas belegen…)

        Es würde immer lustiger, wenn es nicht immer obszöner würde…oder andersrum

  3. DeeTee sagt:

    Amgen, Ortho-Biotech und Roche entwickeln auch Epo. Dieses Medikament kennt mancher eher als das Doping-Mittel der Tour-de-France, ist aber ein Segen für hunderttausende Dialysepatienten, welche vor dieser Erfindung alle paar Wochen auf Bluttransfusionen angewiesen waren, um zu überleben.
    Es wird aus gentechnisch veränderten Ovarialzellen von Meerschweinchen gewonnen. Und nein, die armen Nager müssen nicht leiden. Dank Gentechnik und Stammzellen wächst das alles im Reagenzglas. Nur ein weiteres Beispiel für den Nutzen – die meisten Patienten sind dennoch gegen Gentechnik, wissen allerdings auch nicht, wo ihre Pillen herkommen. Dass es ihnen so gut geht, erscheint ihnen selbstverständlich.

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