Die Macht des Geistes

Ich bin gerade erkältet und schlürfe wie ein Zombie durch die Gegend. Unweigerlich suchten mich dabei einige Gedanken heim; alleine, weil ich ja nicht den ganzen Tag God of War spielen kann (ein Videospiel; ich bin noch kein Warlord geworden. Da heißt es: Üben, üben, üben!). Es geht um die Rolle der Philosophie im realen Leben.

1. Was Philosophie wirklich ist: Ich finde es unglaublich traurig und besorgniserregend, welchen Ruf die Philosophie in Deutschland hat – und was die Leute darunter verstehen. Jedes Mal, wenn ich jemandem, der mich nicht kennt (oder sogar: der mich scheinbar kennt!), erzähle, dass ich mich für Philosophie interessierte, sprechen sie von Fragen wie „Hat das Universum elf Dimensionen?“, „Was ist der Sinn des Lebens?“, „Wir wissen nur, dass wir nichts wissen“, „Ich glaube ja, dass die Welt eine bloße Konstruktion unseres Geistes ist“ und all solche Dinge.

Solche Aussagen und Fragen halte ich für totalen Schwachsinn und reine Zeitverschwendung. Aber sie haben nichts mit dem zu tun, was ich „Philosophie“ nenne. „Philosophie“ bedeutet nicht weniger und nicht mehr, als dass man versucht 1. die Welt in ihren Grundlagen zu verstehen (Metaphysik), 2. klar und rational zu denken (Epistemologie), um 3. ein glückliches, gutes Leben führen zu können (Ethik, Politik, Ästhetik). Wer glaubt, es sei „Zeitverschwendung“, rationales Denken zu erlernen, ist mit Verlaub ein Idiot. Wer glaubt, rationales Denken sei in „der Praxis“, im Wirtschaftsleben, sowieso überflüssig, ist ein noch viel größerer Idiot.

Auch viele Unternehmer halten sich nicht mit solchen „abgehobenen Fragen“ auf, die ihnen im Fernsehen von Schwachköpfen als „Philosophie“ verkauft werden (und kein Wunder, aber sie irren sich über die Natur der Philosophie). Lieber „praktisch“ sein und Geld verdienen (als hätte ich irgendwas gegen das Geldverdienen als überzeugter Kapitalist! Die Frage nach dem besten Wirtschaftssystem ist allerdings zunächst eine philosophische Frage). Wer immer sich mit „sowas“ aufhält, könne nur ein Nichtsnutz sein.

Mit Verlaub: Alleine aufgrund solcher Leute, die Ideen für unwichtig hielten, konnte sich der Sozialismus durchsetzen. Jeder, der nur blöde dastand und sich das pseudo-moralische Palaver der Sozialisten anhörte, der sich sowieso nicht durchsetzen könnte, weil er nicht zur ökonomischen Realität passt (stimmt, aber das muss man erst einmal erkennen, verstehen – und für relevant halten), haben dem Albtraum keinen Widerstand geleistet. Das Böse selbst existiert nur darum, weil viele Menschen Ideen für unwichtig halten und somit nicht intellektuell gerüstet sind, das Irrationale zu bekämpfen – oder überhaupt wissen, was böse ist und wie man es erkennen kann: Eine epistemologische und eine ethische Frage. Zwei der fünf Teilbereiche der Philosophie.

2. Die alltäglichen Auswirkungen von Ideen. Man kann die Entscheidungen und das Verhalten der Menschen weitgehend auf ihre Lebensphilosophie zurückführen. Auch, wenn sie sich noch nie mit Philosophie bewusst befasst haben. Ich sehe die Auswirkungen von Ideen inzwischen überall. Wenn jemand sagt: „Ich denke, die von der SPD geplante Wiedereinführung der Vermögenssteuer ist eine gute Sache. Die Reichen sollten auch ihren Beitrag leisten“, dann tut sich vor mir die Geschichte der involvierten Ideen auf; ich sehe vor mir die Gründe für diese Meinung und ihre Implikationen. Ich weiß, wo die Probleme liegen. Und mir wird außerdem ein bisschen schlecht.

Man kann gewiss auch mit bloßer Wissenschaft erkennen, dass der Sozialismus Auswirkungen zeitigte, die man in der Regel als schlecht bewerten wird. Ein theoretischer reiner Wissenschaftler hätte aber keine bewussten Kriterien, mit denen er „gut“ oder „schlecht“ überhaupt definieren könnte. Er glaubt wahrscheinlich, wie der Rest der Gesellschaft, dass der Tod von 100 Millionen Menschen schlecht ist. Aber er kann es weder begründen, noch versteht er die Ursachen und die Alternativen auf einer tieferen Ebene.

Es kommt immer häufiger vor, je mehr ich mich mit Philosophie befasse, dass ich in einem Gespräch schnell erkenne: Das ist der Grund, warum du das denkst und das sind die Auswirkungen deiner Meinungen für andere und für dein eigenes Leben. Beispiel: Du liebst deine Freundin, findest eine andere jedoch „heiß“ und willst sie daher betrügen. Nur einmal, sie wird das nicht merken, und so weiter. Ein Priester kann da nur sagen: „Du sollst nicht ehebrechen!“. Wies0? Steht in der Bibel. Na und? Ausblende!

Ich kann sagen: Es ist Selbstvertrauen, das eine romantische Liebe möglich macht. Liebe ist die Antwort auf die eigenen höchsten Werte in einer anderen Person. Darum fühle ich mich von irrationalen, oberflächlichen Frauen abgestoßen und zu rationalen, ethisch guten Frauen hingezogen. Ein Mensch mit Selbstbewusstsein ist nicht in der Lage, persönlich sexuelle Anziehung gegenüber einem Menschen zu empfinden, die nichts mit spirituellen Werten zu tun hat. („Persönlich“, also in der Realität. Das heißt nicht, dass man erotische Fantasien nicht „ansprechend“ finden könnte).

Am Anfang klang das für mich ziemlich schräg. Klar finde ich heiße Frauen attraktiv, was auch immer sie für eine Persönlichkeit haben. Dachte ich. Aber es hat sich gezeigt, dass dies schnell nicht mehr zutrifft, wenn man sie näher kennenlernt. Es ist eine pubertäre Illusion. Viele Menschen lernen das nie. Ohne mein Studium des Objektivismus wäre ich nie oder nur spät darauf gekommen. Wie so viele Männer. In unserer Kultur ist die bösartige, falsche Idee, es ginge uns Männern nur um Sex aufgrund unserer animalischen Gelüste, weit verbreitet. Nein, geht es nicht! Sex ist auch für uns ein Zeichen von Zuneigung und Vertrauen, eine Bestätigung, geliebt zu werden.

Frauen haben ihre eigenen verhängnisvollen Wahnideen. Die größte davon ist das, wofür sie von vielen Männern idiotischerweise geliebt werden: Ihr „soziales Verhalten“, also ihre altruistische Selbstaufopferung für andere, darunter zunächst für ihren Mann, auch wenn er ein Bastard ist. Es ist wirklich furchbar, dies in der Realität zu beobachten. Intelligente, schöne, wunderbare Frauen, die sich für rücksichtlose Idioten aufopfern, weil sie sich einreden, sie zu „lieben“. Die vorgeben, Interessen zu haben, die sie nicht haben, um einem Mann zu gefallen. Die ihm widerspruchslos beistehen, auch wenn er im Unrecht ist. Liebe heiße ja, niemals um Vergebung bitten zu müssen – eine der bösartigsten Aussagen aller Zeiten. Warum um alles in der Welt gilt es als Tugend, Eva Braun nachzuahmen?

Diese Frauen ruinieren ihr Leben mit schlechter Philosophie. In diesem Sinne bin ich ein überzeugter Feminist. Ich kann unterordnendes, widerspruchsfreies, übertrieben anpasserisches Verhalten von Frauen gegenüber Männern nicht ausstehen, ebenso wie ich Hausdrachen nicht ausstehen kann, ebenso wie ich die weibliche Taktik, dem Mann subtil eigennützige Ideen einzupflanzen, die ihm schaden (z.B. gib deine alten Freunde für mich auf, weil ich sie nicht leiden kann) nicht ausstehen kann. Das  ist böse und solche Frauen sind widerliche Bestien, die sich selbst keinen Gefallen tun.

Manchmal komme ich mir inzwischen vor, als hätte ich alles schon gesehen und alles schon erlebt, als wüsste ich genau, was als Nächstes passieren wird, als wäre ich 60 Jahre alt. So ist das, wenn man seine Lebenserfahrung mit Philosophie ergänzt und alles genau reflektiert, was man erlebt und was man beobachtet. Philosophie nutzlos? Dann wäre Denken nutzlos, der Verstand wäre nutzlos, die Erkenntnis der Realität wäre nutzlos, rationale, eigennützige Reaktionen auf die Realität wären nutzlos. Die Vermeidung von vorhersehbaren Fehlern wäre nutzlos. Ein glückliches Leben wäre nutzlos.

Literatur

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Ein Kommentar zu “Die Macht des Geistes

  1. Claus sagt:

    Selten so etwas gutes über Philosophie gelesen.

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