Rowlingmore

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemandem der neue, düstere, „erwachsene“ gesellschaftskritische Roman von J.K. Rowling namens Ein plötzlicher Todesfall total egal ist, er aber ihre witzigen, fantasievollen, einfallsreichen Schriften nicht missen möchte: sie arbeitet weiterhin an anderen neuen Texten, nämlich jenen auf pottermore.com

Das ist ein recht simples Flash-Browserspiel, das die Geschichte der Potterbücher nacherzählt, wobei man als Spieler ein wenig mitwirken kann, indem man Zaubertränke braut, Reaktionsspiele macht und vor allem Utensilien in den einzelnen Szenen sucht. Die Aufgaben sind einigermaßen hirnlos, aber die neuen Hintergrundtexte von Rowling, in denen man mehr über die Potter-Welt erfährt und über deren Entstehung, entschädigen für das unfertige und arg einfach gestrickte Spiel. Theoretisch könnte man darin auch Freunde suchen und Hauspunkte sammeln, um die anderen Häuser zu bezwingen – da dies aber nur sinnvoll möglich ist, indem man nervige Klickspiele ein paar tausend Mal durchspielt, muss das nicht wirklich sein. Einige Kids haben es trotzdem fertiggebraucht und ich erschaudere bei dem Gedanken, dass jemand dazu in der Lage sein sollte.

Die neuen Texte von Rowling sind glücklicherweise wieder so wie die ersten Potterbücher geschrieben, also fröhlich, humorvoll und locker. Nicht so bitter, hoffnungslos und düster wie die letzten Potterbücher und wie ihr neuer Krimi (hab ich noch nicht gelesen, aber die Beschreibungen genügen mir bereits).

Das Spiel wird von Sony entwickelt und befindet sich noch in der Beta-Phase. Irgendwie typisch für Sony: Ständig entwickelt der Unterhaltungs-Spezi etwas Neues wie Playstation Move, PS Vita, Remote Play, ihre Tablets S und Xperia S, nur um sogleich wieder das Interesse daran zu verlieren und all diese im Grunde hervorragenden Geräte und Programme nur gemächlich mit Inhalt auszustatten.

Es ist fast so, als würde Sony ihre Projekte einem wahnsinnig-genialen Erfinder überlassen, der immerzu mit etwas Neuem aufwarten muss und der sich nicht länger mit seinen Ideen von gestern aufhalten möchte. Es ist im Grunde verrückt. Dabei wäre es ganz einfach für Sony, ihre Playstation-Network-Shops auf ihren Geräten zu synchronisieren, sodass man einen Film oder ein Spiel für eines der Geräte kaufen und es dann auf allen nutzen könnte (insofern die Leistung ausreicht). Außerdem sollten sie wirklich mal, wie im iTunes-Shop, Filme in der Originalsprache anbieten. Es ist doch erstaunlich, wie unterentwickelt und überteuert die Online-Videotheken noch immer sind.

Egal. Wer auf Rowlings Humor und ihre witzigen Einfälle steht, sollte sich Pottermore jedenfalls mal ansehen. Ich bin aus irgendwelchen Gründen dort als „DragonErised1945“ unterwegs. Wenigstens heiße ich nicht „DragonErised1933“ oder gar „DragonErised88″…

Empfehlen kann ich übrigens auch die beiden Potter-Ableger Fantastic Beasts and Where to Find Them / Quidditch Through the Ages. Vor allem die Geschichte des „Goldenen Schnatzes“ ist herrlich abgedreht. Das war ursprünglich ein kleiner Vogel. Sein Gebrauch hat die Tierschutzverbände auf die Palme gebracht, also hat man den Vogel durch einen künstlichen Spielball ersetzt.

Literatur 

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4 Kommentare zu “Rowlingmore

  1. apoth sagt:

    naja, es ist nicht ganz so einfach, ein Spiel so zu entwickeln, dass es auf allen Geräten gleich läuft. Vor allem hat die Vita ganz andere Eingabegeräte als einfach nur ein Smartphone oder eine Playstation.
    Die wenigen Fälle in denen sowas tatsächlich gemacht wurde, zum Beispiel Shooter parallel für Konsole und PC zu entwickeln, lassen mich heute noch erschaudern, wenn zum Beispiel Bewegungsmöglichkeiten, wie um die Ecke lehnen oder hinlegen, mangels Knöpfen, wegfallen.
    Die meisten Spiele eignen sich auch nicht für die Situationen in denen man beide Geräte benutzt. Wenn ich daheim im Wohnzimmer an meiner Playstation3 sitze, kann ich sehr konzentriert auf den (großen) Monitor starren, den Surroundsound genießen und dazu einen Tee trinken. Wenn ich etwas an der mobilen Konsole spiele, will ich normalerweise Zeit totschlagen, bis der Bus kommt, zum Beispiel mit Tetris oder Angry Birds.
    Außerdem werden die meisten Spiele für eine Konsole nicht von den Herstellern selber entwickelt, sondern von freien Firmen. Aber für eine Konsole zu entwickeln die niemand kauft(warum ist Nebensache) wäre ein Verlustgeschäft.

    Sony überschätzt sich hier einfach. Der Markt ist allein mit Nintendos Gameboy und normalen Smartphones völlig gesättigt.
    Träger alter Riese.

    • derautor sagt:

      Vita und Playstation 3 haben beinahe identische Eingaben und eine ähnliche Leistung. Ebenso könnte man die „Mini“-Spiele und die PS-One-Klassiker an Smartphones anpassen. Vor allem die Filme könnte man auf allen Systemen laufen lassen.

      Ich sehe das anders mit den mobilen Spielen. Die meisten Smartphone-Spiele sind mir viel zu simpel. Lieber echte Spiele.

      • apoth sagt:

        Gegen Filme lässt sich da nichts sagen, aber was die Eingabegeräte und die Leistung von PS3 verglichen zu Vita betrifft, gibt es starke Unterschiede.
        die PS Vita mag zwar alle Steuerungselemente einer PS3 haben, aber das große Verkaufsargument der Vita, die beiden Touchscreens, fehlen der PS3. Wieso sollte man ein Spiel und eine Konsole kaufen, wenn das Spiel wichtige Elemente der Konsole gar nicht nutzt.
        Und vor allem unterscheiden sich die Prozessorleistung, Arbeitsspeichergrößen etc stark. Wenn diese Leistung angemessen ausgenutzt werden soll, braucht man wesentlich mehr Programmierer.
        Ein Spiel parallel für beide Plattformen zu entwickeln wäre ein zu großes finanzielles Risiko

        • derautor sagt:

          Es werden ja bereits Spiele entwickelt (wie Sly 4), bei denen man nur eine Version kaufen muss und man hat dasselbe Spiel auf beiden Systemen mit austauschbaren Spielständen (geht bei PS-One-Games ohnehin). Dieses Risiko gehen Entwickler ein.

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