Eine große, schöne Zukunft

Nur um meinen banalen Filmgeschmack mit größerem Nachdruck öffentlich auszustellen möchte ich betonen, dass mir nicht nur hirnlose Machwerke wie die Resident-Evil-Filme viel Spaß bereiten, sondern ich bin auch ein Fan der Iron-Man-Filme. Der Star ist ein kapitalistischer Waffenproduzent, der in seiner Freizeit Terroristen bekämpft und der erfolgreich „den Weltfrieden privatisiert“ hat, wie Tony Stark es selbst ausdrückt. Besser geht es nicht mehr.

Diese Pro-amerikanischen, Pro-technologischen, Pro-Aufklärungs-Actionfilme fangen ebenso gekonnt das Lebensgefühl der 1960er ein (als die Comics entstanden). Für Iron Man 2 schrieb Robert Sherman von den Sherman-Brothers, die für viele der fröhlichen Disney-Musikstücke aus den früheren Filmen verantwortlich sind, einen neuen Disney’esquen Song, der in den Credits von Iron Man 2 auftaucht. Er heißt „Make Way for Tomorrow Today“ und ist ein Tribut für „There’s A Great Big Beautiful Tomorrow“, das man in der Disneyland-Attraktion „Carousel of Progress“ („Karussel des Fortschritts“) zu hören bekommt. Hier ist das Original:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=6IPE6DsNPzE[/tube]

Leider gibt es den neuen Song nicht auf YouTube, den müsste man sich kaufen.

Allerdings kann ich einen Auszug aus dem Songtext präsentieren. Der fängt auch meine eigene Technologiebegeisterung gut ein:

Daring new devices will help us to succeed
Better tools for living will meet our every need
Incredible inventions through new technology
Extending life’s dimensions for all humanity

Modern marvels rising around us
Bring progress in dazzling display
So keep your eyes on that shining horizon
Make way for tomorrow today

Übersetzt:

Wagemutige neue Geräte werden uns helfen, erfolgreich zu sein!

Bessere Werkzeuge fürs Leben werden all unsere Bedürfnisse erfüllen!

Unglaubliche Erfindungen durch neue Technologie

Erweitern die Lebenstiefe der ganzen Menschheit!

Moderne Wunder erheben sich überall um uns herum,

Bringen Fortschritt in prächtigem Gewand!

Also blickt weiterhin dem strahlenden Horizont entgegen!

Macht heute schon Platz für morgen!

Digitale Demenz?

Natürlich sieht Manfred Spitzer das ganz anders und wettert einmal mehr – er macht das schon seit Jahrzehnten – gegen Computerspiele und all diesen neumodischen Kram in seinem aktuellen Buch Digitale Demenz.

Klar – es gibt Menschen, die ein ungesundes Verhältnis zu ihrem Technikspielzeug haben. Am nervigsten finde ich jene, die immerzu, auch während eines Gesprächs, auf ihrem Handy rumtippen. Dafür kann die Technologie allerdings nichts, sondern das ist einfach ein Mangel an sozialem Verhalten.

Wegen des unschönen Anblickes jener Hardcore-Tipper wollte ich mir zunächst gar kein Smartphone zulegen, weil ich befürchtete, auch zu einem davon zu mutieren. Inzwischen habe ich mein Feature-vollgestopfes Ding verkauft und mir für die Hälfte des Geldes ein einfacheres zugelegt aus der ersten Generation der Windows-Phone-Handys, das trotz halber theoretischer Leistung flüssiger und stabiler läuft und mit allem zurechtkommt, was man darauf loslässt (das Omnia 7). Mein zugehöriges Prinzip lautet: Ich denke, man sollte sich nur Dinge zulegen, die man auch wirklich nutzt. Und selbst als Technologie-Nerd kann man mit diesem Prinzip enorm viel Geld sparen, bzw. muss nur sehr wenig ausgeben und kann trotzdem den Fortschritt genießen.

Das heißt nicht, dass man sich nur etwas kaufen sollte, die man absolut zum Leben braucht. Dann bräuchte man nur Wasser, Brot und vielleicht eine Wolldecke. Das ist Blödsinn. Diese technologischen Innovationen sind nicht ohne Grund da. Sie vereinfachen unser Leben erheblich. Was würden wir tun ohne Mikrowellenherde, Autos, elektrische Heizungen? Tablet-PCs, Smartphones und Convertibles sind nur der nächste Schritt in einer Entwicklung, die unser Leben wirklich verbessert und vereinfacht. Wie viel bequemer ist es doch, Termine zu planen, wenn man die Termine einfach eintippen kann und sie dann automatisch auf dem PC zu Hause landen?

Also ja: Es ist möglich, auf unreife Weise moderne Technologie zu nutzen. Aber grundsätzlich und prinzipiell sind technologische Fortschritte etwas, das wir willkommen heißen sollten. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich habe mit dem Release des Kindles noch einmal erheblich mehr gelesen als zuvor und nicht weniger. Man hat alle möglichen Bücher gleich dabei und kann sie nach Lust und Laune abrufen. Ebenso hat man auf Tablets nicht nur Zugriff auf aktuelle Zeitungen und Zeitschriften, sondern auf das gesamte Archiv. Da kann man bedenkenlos eine Ausgabe „wegwerfen“ ohne es zu bereuen. Dann lädt man sie eben noch einmal herunter.

Ja, wir sollten vernünftig mit neuen Technologien umgehen. Aber so ist es doch prinzipiell und mit allem. Womit sollten wir bitteschön unvernünftig umgehen? Was viele Leute also lernen müssten, ist nicht die Vermeidung moderner Technologie, sondern den Gebrauch ihres Verstandes.