Tiddlywink

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es außer mich noch jemanden interessiert: Ich frage mich schon seit einer Weile, wie Richard Halleys Musik eigentlich klingen könnte. Das ist der verschwundene Musiker aus Atlas Shrugged. Angeblich soll sie besonders fröhlich sein.

Also habe ich mir Ayn Rands musikalische Präferenzen angesehen. Sie mochte zum Beispiel Chopins Schmetterlings-Übungsstück (Etüde):

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=VRIS5ABtQbM[/tube]

Ebenso mochte sie Rachmaninov:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=VXU7I_Yyi2Y[/tube]

Dann wäre da dieser Marsch von Prokofjew:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=yNqP-PO66c8[/tube]

Und dieses Stück von Francois Thomé:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=ZTrJ-Rb7rvk[/tube]

Treffender ist allerdings die Musik der Jahrhundertwende bis zu den 1920er Jahren. Sie drückt das optimistische, fröhliche Lebensgefühl am besten aus, das mit dem Objektivismus assoziiert ist:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=uOzO9O15gwI[/tube]

Hört euch das ruhig mal durch. Es ist einfach ungebrochen fröhliche, sorglose Musik. Natürlich sind immer noch viele dieser Songs Klassiker, aber im Kontext ist es wirklich erhellend, dass sie alle zur selben Zeit entstanden waren. Es muss ein ganz anderes Lebensgefühl gewesen sein als das heutige skeptische, erdrückende, übellaunige Lebensgefühl unserer Zeit.

All dies ist nicht wirklich Richard Halley, aber ich denke, man kann sich nun besser vorstellen, wohin die Reise geht.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Kultur, Kunst.

2 Kommentare zu “Tiddlywink

  1. Kawe sagt:

    Chopin, Rachmaninov und Prokofjew (Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, Namen vom kyrillischen ins lateinische Alphabet zu übertragen, ich fürchte, alle sind falsch!) sind sehr virtuos, auch um Thomé und die Popular Songs vorzutragen, bedarf es der Beherrschung des Instruments. Ich denke, dass es nicht in erster Linie die Fröhlichkeit der Musik war, die Ayn Rand schätzte (Rachmaninov hat auch sehr düstere Musik geschrieben, man höre seine Sinfonien, Klavierkonzerte (das dritte war im Film „Shine-der Weg ins Licht“ zu hören) oder die sinfonischen Dichtungen, zum Beispiel die „Toteninsel“, sondern das ernsthafte Bemühen, auf hohem Niveau etwas Erhabenes, Bleibendes zu schaffen.
    Im Westeuropa des zwanzigsten Jahrhunderts wendete man sich zumindest in der „E-Musik“ hingegen der Atonalität zu, solche Musik wird allerdings nur von wenigen Experten genossen und hat kaum Breitenwirkung. Zwar ist atonale Musik technisch sehr anspruchsvoll, der Hörgenuss bewegt sich für mich allerdings (auf bildende Kunst übertragen) auf der Ebene von Fettecke und Exkrementen in Gläsern. Die Umerziehung des Konzertpublikums will im Gegensatz zu Galerie- und Dokumentabesuchern auch nicht so recht gelingen. Das „zeitgenössische Werk“ wird im Konzertprogramm als unvermeidlich hingenommen, aber nicht gerade ersehnt. Als sich der polnische Komponist Gorecki dagegen in seiner dritten Sinfonie (sehr hörenswert) wieder der Tonalität zuwandte, feierte er einen beeindruckenden Erfolg!
    Hat sich Ayn Rand mal zu atonaler Musik geäußert?

    Noch eine Frage: Wie spricht man Ayn Rands Namen eigentlich korrekt aus, ich habe da immer ein Problem, wenn ich mündliche Propaganda betreibe…

    • derautor sagt:

      Den Vornamen „Ayn“ spricht man „deutsch“ aus, also wie „ein“. „Rand“ spricht man „Ränd“ aus.

      Im Romantic Manifesto äußert sich Rand über die Musik. Sie war der Meinung, dass man Musik noch nicht objektiv nach ästhetischen Kriterien beurteilen könne, aber sie offerierte trotzdem erste Ansätze dazu:

      „A composition may demand the active alertness needed to resolve complex mathematical relationships—or it may deaden the brain by means of monotonous simplicity. It may demand a process of building an integrated sum—or it may break up the process of integration into an arbitrary series of random bits—or it may obliterate the process by a jumble of sounds mathematically-physiologically impossible to integrate, and thus turn into noise.

      The listener becomes aware of this process in the form of a sense of efficacy, or of strain, or of boredom, or of frustration. His reaction is determined by his psycho-epistemological sense of life—i.e., by the level of cognitive functioning on which he feels at home.“

      „Music gives man’s consciousness the same experience as the other arts: a concretization of his sense of life. But the abstraction being concretized is primarily epistemological, rather than metaphysical; the abstraction is man’s consciousness, i.e., his method of cognitive functioning, which he experiences in the concrete form of hearing a specific piece of music. A man’s acceptance or rejection of that music depends on whether it calls upon or clashes with, confirms or contradicts, his mind’s way of working. The metaphysical aspect of the experience is the sense of a world which he is able to grasp, to which his mind’s working is appropriate.“
      http://aynrandlexicon.com/lexicon/music.html

      Essenziell dient gute Musik demnach einer epistemologischen Funktion: Sie bestätigt das das Funktionieren des menschlichen Bewusstseins. Musik sollte demnach rhythmisch und harmonisch sein, eine gewisse Komplexität erreichen und ein Musikstück sollte ein zusammenhängendes Ganzes ergeben. Musik erzeugt Gefühle, die wiederum mit dem eigenen Lebensgefühl (Metaphysik) harmonieren können oder nicht. Rand bevorzugte in der Tat fröhliche Musik (von den anderen Kriterien abgesehen), weil sie diese mit einem positiven, optimistischen Lebensgefühl assoziierte, mit einer gesunden Metaphysik.

      Rands Einschätzung konkreter klassischer Komponisten:

      „I can’t give you a full description, because I am not an expert on that…But I’ll tell you what I hear in their music as their philosophy of life. With Regards to Beethoven, his music has what I call a malevolent universe…It is the view that has been called Byronic…it is the belief that man must struggle even though he has no chance of winning, and that he must perish heroically…and that is what I hear in practically everything Beethoven has ever written.
      This is interesting in light of the recent web chatter on the matter (see my previous posts for more info), especially the „Julie“ anecdote as told by Ellen Stuttle, where „Julie“ sends Rand a selection of Beethoven. I, like others, wondered exactly what Rand had heard, and here, Rand is almost saying that she’s heard „everything he’s ever written.“ If I am reading this correctly, this suggests that Rand didn’t just listen to the Fifth, with its „fate knocking at the door“ motif, and she must certainly be familiar with the „Eroica“ and the „Ode to Joy.“

      Incidentally, Rand says of Wagner that he was „malevolently“ pretentious, all trimmings and motifs with „nothing to say“ (OUCH! Beethoven got off easy!). On Rachmaninov, she says his is a „tragic benevolence,“ where life is a struggle, but a struggle that CAN be won.“
      http://objectivish.blogspot.de/2009/01/objectively-speaking-rand-on-beethoven.html

      Obwohl Rand für ihre Beurteilung Beethovens gerne veralbert wurde, so war zumindest Beethoven einer ähnlichen Auffassung:

      „O ye men who accuse me of being malevolent, stubborn and misanthropical, how ye wrong me! Ye know not the secret cause. Ever since childhood my heart and mind were disposed toward feelings of gentleness and goodwill, and I was eager to accomplish great deeds; but consider this: for six years I have been hopelessly ill, aggravated and cheated by quacks in the hope of improvement but finally compelled to face a lasting malady … I was forced to isolate myself. I was misunderstood and rudely repulsed because I was as yet unable to say to people, „Speak louder, shout, for I am deaf“ … With joy I hasten to meet death. Despite my hard fate … I shall wish that it had come later; but I am content, for he shall free me of constant suffering. Come then, Death, and I shall face thee with courage.“ Heiglnstadt (sic) 6 October, 1802.http://objectivish.blogspot.de/2009/01/beethoven-malevolent-or-merry-maker.html

      Beethoven sagt über sich selbst, er sei eigentlich freundlich und habe einen guten Willen, doch habe ihn der Kampf gegen seine Hörprobleme und schließlich die Gehörlosigkeit zu einem sturen, trotzigen, bösartigen Kämpfer gegen einen Gegner geformt, von dem er wusste, dass er ihn nicht besiegen konnte. Natürlich sind einige von Beethovens Stücken nicht bösartig, sicher nicht die Ode an die Freude.

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