NOFX: Self Entitled, Scissors: Over Your Dead Body

Ich kann zwar gerade nicht viel denken, aber Punk Rock kann ich hören. Und kürzlich sind zwei neue, großartige Punk-Alben herausgekommen. Eine von der inzwischen etablierten Band NOFX und eine von den Scissors, ein Geheimtipp.

1. NOFX: Self Entitled

Bei jeder Punk-Band denke ich mir immer: Ja, aber jetzt werden sie populär und handzahm. Jetzt machen sie auf einmal reine Popmusik. Im Falle von NOFX stimmt das jedenfalls nicht, die machen immer noch den selben Lärm mit sarkastischen Lyrics wie immer. Sie haben zwar eine linke Ausrichtung, aber oft genug bricht dann doch der anarchistische Punkdrang durch.

In „72 Hookers“ geht es darum, dass Dschihadisten ihr Leben hassen und uns in die Luft jagen, weil es ihnen an Sex mit heißen Mädels ermangelt. Darum sollen „1000 Prostituierte“ an die Dschihadisten geliefert werden, um das Problem zu lösen. Behämmert – aber witzig und schön respektlos:

Ship the girls gone wild to Afghanistan
They’ll gladly blow the Sheiks
These holy wars aren’t holy
It’s not the military complex
Terrorist or 16 year old kids
Who were promised Jihad sex

Auch das übrige Album besteht aus hedonistischem Schwachsinn. Im letzten Song, „Xmas Has Been X’ed“, geht es um das Ende von Weihnachten, weil Atheisten herausgefunden haben, dass es auf Mythen basiert:

t’s funny how some fables became historic
When the others clearly wrote them to be metaphoric
But people will believe anything if it’s written
Especially in stone or ancient scroll

December 25th has been blacklisted
Since Dawkins found out proof Jesus never existed
It was the last thing anyone ever expected
Xmas has been X’ed

Aber NOFX ist es egal und sie feiern „das letzte Weihnachten“ mit ihrer typischen zynisch-nihilistischen Sichtweise. Nun, Weihnachten wird kaum verschwinden, nur weil es auf Mythen beruht – schließlich gab es das auch als heidnisches Fest, die Wintersonnenwende, und ursprünglich waren es keine christlichen Mythen, sondern römische, beim Mithras-Kult. Ist den Leuten doch egal, auf welchem höheren Ding Weihnachten beruhen soll. Sie feiern es, weil es ihnen gefällt.

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=terrrott-21&o=3&p=8&l=as1&asins=B0097TH4A4&ref=qf_sp_asin_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

2. Scissors: Over Your Dead Body

Das letzte Scissors-Album – die Quasi-Nachfolgeband der Pop-Punk-Ikonen Teen Idols, „You Can Make It Dangerous“, ging in Punkto Gestaltung des Covers und Marketing in Richtung Popmusik und sie schafften es mit ihrem Song „Let’s Go“ auch ins Musikfernsehen.

Bei ihrem neuen Album „Over Your Dead Body“ bemerkt man davon nichts mehr. Stattdessen gibt es die typischen Songs der Band über ihren Hang zu Horrorfilmen und Thrillern und ansonsten gibts allerlei sarkastische Punksongs. Zum Beispiel der titelgebende „Over Your Dead Body“, in dem es um eine Frau geht, die ihren Ex-Freund ermordet und deren Leben nun viel besser ist als zuvor. „I love it every single day without you“.

Mit dabei ist auch ein Cover von Tina Turners „What’s Love Got to Do With It“, in dem bestritten wird, das die Anziehung der Geschlechter irgendwas mit Liebe zu tun hätte, stattdessen gehe es um animalische Gelüste.

Auch das ist alles so ziemlich das Gegenteil meiner Philosophie, aber bei der Bewertung von Kunst soll man ja keine Metaphysik einbeziehen. Und formell ist es großartige, mitreißende Musik, eine anschauliche Konkretisierung eines sarkastisch-nihilistisch–misanthropischen Weltbilds. Wie auch NOFX. Bei den Scissors hat inzwischen eine Dame das Mikro übernommen, nämlich die Sängerin der Teen Idols, Yvonne Szumski. Das Erstaunliche ist, dass sie wirklich singen kann. Das können Punk-Bands normalerweise nicht.

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=terrrott-21&o=3&p=8&l=as1&asins=B00949GR1E&ref=qf_sp_asin_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Kultur, Kunst.

5 Kommentare zu “NOFX: Self Entitled, Scissors: Over Your Dead Body

  1. Nergal sagt:

    Wenn du mehr mitreißende Musik mit einem „sarkastisch-nihilistisch–misanthropischen Weltbild“ suchst, solltest Du dich mal mit dem Black Metal auseinander setzen.

  2. Karl sagt:

    Danke für die Tipps. Ich war eigentlich noch nie ein großer Punk-Fan (na ja bis auf Tote Hosen und Ärzte). Aber die Texte hören sich interessant an.

  3. Rüdiger sagt:

    Der Kult zur Sonnenwende galt übrigens dem Mithras.

    Für den legendären König Midas, der alles, was er berührte, in Gold verwandelte, gab es meines Wissens keinen Kult.

    Sonnwendfeiern begingen auch schon „unsere barbarischen Vorfahren“: von ihnen kommt die Idee, die Räume mit Immergrün zu schmücken. Es gibt ja auch kein passenderes Symbol für den Sieg des Lichtes über die Finsternis als den winterlichen Umkehrpunkt im Sonnenlauf, ab dem ihre Deklination wieder zunimmt, die Tage wieder länger und wärmer werden usw. Die Sonne ist „Sol Invictus“ – sie ist nicht besiegt worden von der Finsternis, sondern ist wieder auferstanden aus dem Reich des Todes.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.