Zwei Buchtipps sind besser als einer

Ach, zu viele Bücher, zu wenig Zeit für Rezensionen. Aber hier sind zwei kurze Besprechungen von Büchern, die man sich einmal näher ansehen sollte…

1. Patrick Moore: Confessions of a Greenpeace Dropout

Patrick Moore war einer der Gründer von Greenpeace, bis er Lachse als Aquafarmer züchtete. Wichtiger als die Lachse war die antiwissenschaftliche, antimenschliche Neigung, die Greenpeace in den 1980ern entwickelte. Sie wandten sich ab von der Bekämpfung der Walfängerei, vom Robbenbabys beschützen und Protesten gegen Atombomben. Stattdessen wollen die Grünfriedler inzwischen natürliche Elemente wie Chlor verbieten und bekämpfen allerlei nützliche und lebensnotwendige Chemikalien, nur weil sie Chemikalien sind. Und natürlich Gentechnik, Atomenergie und Aquakultur.

Das Buch ist irgendwie gut und lesenswert und irgendwie nervig. Nervig ist Moores Selbstdarstellung als einzig vernünftiger Mensch in einer Horde von wissenschaftlich ungebildeten Trotteln. Leider bietet er als Alternative zur Greenpeace-Ideologie nur den Pragmatismus an, also die Null-Philosophie, die besagt, wir müssten Kompromisse schließen, dürften nicht dogmatisch sein, müssten irgendwie die Wissenschaft ernstnehmen; aber ohne jegliche Richtlinien oder Prinzipien dafür, was wir nun eigentlich tun sollen. Diese pragmatische Position sei die Sinnvollste für Umweltschützer, da sie so objektiv über Umweltthemen informieren könnten, ohne sich in politische Grabenkämpfe zu verstricken. Schön, nur stellt sich die Frage, warum sie überhaupt über Umweltthemen informieren wollen, wenn sie nicht wissen, wozu das alles.

Auf der Grundlage kommt man zu allerlei seltsamen Auffassungen. Zum Beispiel nennt Moore seine prinzipielle Abneigung der Walfängerei seine „einzig religiöse Position“, wobei er trotzdem einige Gründe nachreicht, vor allem das große Gehirn der Wale. Nicht wirklich sehr überzeugend. Ebenso wäre es interessant gewesen, zu erfahren, warum wir nun Robbenbabys schützen sollen, aber keine Mistkäfer, Giftschlangen und was die Sache angeht, erwachsene Robben. Leider wird deutlich, dass es einfach nur um das Mitleid mit den Robbenbabys geht.

Dabei ist es aus meiner Sicht wieder einmal klar, warum es so etwas überhaupt geben kann wie alljährliches Robbenbabys abmetzeln: Weil die Tiere niemandem gehören. Und somit gehören sie allen und genießen keinen Rechtsschutz, den sie anderweitig durch den Schutz der Eigentumsrechte ihrer Eigentümer indirekt genießen würden.

Moore erzählt auch von den waghalsigen Aktionen aus der Greenpeace-Anfangszeit und wie er seine Frau (beide damals Hippies) kennenlernte. Und man erfährt etwas über seine Vergangenheit als armer Holzfäller und später Forstwirtschaftler.

Moore schildert durchaus überzeugend, dass Greenpeace anfangs einige vernünftige Anliegen vertrat. Er spricht einige Fälle an, als Unternehmen die Meere mit giftigen Abwässern verseuchten und all solche Dinge.

Inzwischen zählt sich Moore zu den Atombefürwortern und argumentiert für nachhaltige Energiewirtschaft, die ohne Atomkraft nicht realisierbar sei. Er ist auch ein Fan von geothermaler Energie und Wasserkraftwerken und kein Freund von Solarenergie, weil sie sehr ineffizient ist. Während er CO2 für ein Klimagas hält, so bezweifelt er die negativen Folgen des Kohlendioxid-Ausstoßes und ebenso den Anteil, den das CO2 an der Erwärmung hat. Er weist auf vergangene Erdzeitalter hin, als es viel heißer war und das Leben trotzdem erblühte.

Gut: Die wissenschaftlich fundierten Informationen. Saubere Widerlegung von irrationalen Greenpeace-Anliegen. Fakten über effiziente und zugleich nachhaltige Energiequellen.

Schlecht: Moores Selbstdarstellung, mangelnde Begründungen auch vieler früher Greenpeace-Aktionen, wenig tiefgehende Analyse, keine Begründung, warum wir überhaupt an nachhaltiger Energiewirtschaft interessiert sein sollten. Pragmatismus als Philosophie. Wenig strukturierter Aufbau.

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2. Stephen R.C. Hicks: Explaining Postmodernism

Stephen Hicks ist Philosophieprofessor am Rockford College in Illinois, USA. Er gehört zusammen mit David Kelley zu den führenden objektivistischen Philosophen unserer Zeit. Mit „Explaining Postmodernism“ bietet er eine kritische Philosophiegeschichte aus objektivistischer Sicht an; ähnlich Ayn Rands Einleitung zu For the New Intellectual. Er zeigt konkret auf, wie die postmoderne Philosophie, welche Aufklärung und Vernunft radikal ablehnt, entstanden ist.

Man entwickelt bei der Lektüre dieses Buches ein klares Verständnis der modernen Philosophiegeschichte – ganz im Gegensatz zu vielen anderen Einführungen, die ich zu diesem Thema gelesen habe – und lernt die wichtigsten Ideen von Denkern wie Kant, Hegel, Nietzsche kennen. Im Gegensatz zu anderen Philosophiegeschichtsbüchern lernt man nicht nur die Ideen kennen, sondern man lernt auch, sie richtig einzuordnen und sie zu verstehen.

Kurz gesagt ist „Explaining Postmodernism“ ein absolutes Must Read für jeden, der sich für 1. die Geschichte der modernen Philosophie, 2. die Aufklärung und die Gegenaufklärung und/oder 3. den Objektivismus interessiert. Man ist schlauer als zuvor, die Welt ist klarer nach Lektüre dieses Buches. Ich werde es garantiert noch einmal lesen, mir Notizen machen und es als Arbeitsgrundlage verwenden. Es ist obendrein auch noch spannend, verständlich und unterhaltsam. Ein geradezu perfektes Buch ohne erkennbare Schwächen. Wärmste Empfehlung!

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5 Kommentare zu “Zwei Buchtipps sind besser als einer

  1. Thomas B. sagt:

    Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass Hicks sein Buch als PDF auf seiner Homepage frei zum Download anbietet: http://www.stephenhicks.org/wp-content/uploads/2009/10/hicks-ep-full.pdf

    • derautor sagt:

      Das ist die erste Fassung. Ich weiß nicht, ich finde, man kann es sich ruhig kaufen. Bin da etwas vorsichtiger mit Empfehlungen von freien Büchern. Hicks wird von der Atlas Society unterstützt, sonst ginge das nicht ohne weiteres.

  2. Karl sagt:

    Das Buch von Stephen Hicks fand ich auch sehr gut. Seine Dreiteilung von Philosophie in Vormoderne, Moderne und Postmoderne, wobei sich die erstere und die letztere wieder ähneln, gefiel mir auch gut.

    Allerdings weiß ich nicht ob diese Phasen in unterschiedlichen Gesellschaftensbereichen immer gleichzeitig kommen. Das deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II war z. B. in der Wissenschaft in der Moderne angekommen aber vom gesellschaftlichen Leben in der Vormoderne. Wir sind heute in der Naturwissenschaft in der Moderne aber in der Gesellschaftswissenschaft in der Postmoderne.

    • derautor sagt:

      Prinzipiell richtig. Das 19. Jahrhundert war philosophisch katastrophal, das 20. auch, aber Lebensgefühl und ökonomische Freiheit waren im 19. groß. Eine übergreifende Entwicklung gibt es trotzdem, weg von Vernunft und Freiheit.

  3. Claus sagt:

    Danke für die Buchtipps, das Buch von Moore habe ich mir schonmal als Ebook bei amazon geholt. Hicks würde mich auch reizen aber das philosophische Englisch (ich denke das Buch gibt es nicht auf deutsch) ist doch etwas zu schwierig für mich. Obwohl ich fast jeden Tag englische Publikationen lese (allerdings nat.wiss.englisch) gibt es in solchen Büchern zuviele Fachausdrücke, die ich als Nicht-Philosoph kaum kenne. Deshalb war ich auch dankbar, dass Rands Atlas Shrugged als „Der Streik“ neu herauskam.

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