Selbstkontrolle für die Österreicher

Die Chicagoer Schule (u.a. Milton Friedman) war viel zu moderat, das war ihr Problem. Wer ähnliches denkt, sollte ich daran gewöhnen, seinen Mund in Deutschland nicht mehr aufzumachen, sobald über Wirtschaft geredet wird.

„Die Praxisgebühr hatte den gegenteiligen Effekt, den diese Freimarktler sich erwünscht hatten. Die Leute haben sich nicht gesagt: Na, dann gehe ich besser nur zum Arzt, wenn ich wirklich krank bin und nicht mehr, wenn ich jemandem zum Reden brauche. Sie haben sich gesagt: Wenn ich schon zehn Euro zahle, dann gehe ich gleich zu allen Ärzten und lasse alles machen, was geht.“

Gedanke in meinem Kopf: Na, dann hebt die Gebühr eben auf fünfzig Euro an und dann sehen wir mal, wie das aussieht mit dem Abschreckungseffekt! Ach, Moment, das denke ich ja gar nicht. Privatisiert die Gesundheitsfürsorge!

Aber halt! Inzwischen habe ich auf die unschönste Weise gelernt, dass es sich nicht anbietet, jemals für irgendeine marktwirtschaftlich sinnvolle Position zu argumentieren, solange man sich in Deutschland aufhält. Es ist besser, einfach vor sich hin zu grinsen, wenn man gefragt wird, und vor sich in zu grinsen, wenn man nicht gefragt wird.

„Die Deutschen werden immer ärmer, wir sind ärmer als vor 50 Jahren, und diese Banker bekommen die ganze Knete.“

Gedanke: Vor 50 Jahren konnte sich kaum jemand ein Auto leisten, gestern ist eine ehemalige Mitschülerin mit ihrem BMW-Cabrio an mir vorbeigefahren, das sie für das bestandene Abitur bekommen hatte.

Grins!

„Es ist kaum zu glauben, dass es irgendwo noch keine Mindestlöhne gibt!“

Gedanke: Mindestlöhne erhöhen die Arbeitslosigkeit, da Menschen, die für weniger Lohn dieselbe Arbeit machen würden, dies nicht länger dürfen und weil das Unternehmen so mehr Geld ausgeben müsste als ohne Mindestlöhne und also weniger Leute einstellen kann, weniger Gewinn macht, weniger schnell anwächst und – weniger Arbeitsplätze anbieten kann.

Grins!

„Das ist alles virtuelles Monopolyspiel mit unserem Geld, was die da an der Börse machen! Das Geld ist am Ende gar nichts mehr wert, alles nur Papier!“

Gedanke: Eben. Also führt den Goldstandard wieder ein.

Grins!

„Andi, du sagst ja nichts. Dabei war das wieder eine Gelegenheit für dich, die Reichen zu verteidigen. Hast du deine Meinung geändert?“

Gedanke: Klar habe ich meine Meinung geändert. Ich war vorher noch gar nicht darauf gekommen, dass man noch mehr privatisieren könnte, als ich es sowieso vorhatte, zum Beispiel die Meere, angefangen mit der Nordsee.

„Ja.“ Grins.

„Gut. Es hätte ja nicht mehr lange gedauert und du hättest uns Vorträge darüber gehalten, wie gut es doch wäre, Naturschutzgebiete und Regenwälder zu privatisieren. Ha, ha!“

Gedanke: Hey, großartige Idee! Warum bin ich darauf noch nie gekommen? Das würde sofort die Rohdung der Regenwälder beenden und ihre ökonomisch sinnvolle Wiederaufforstung in die Wege leiten, wie wir es in Deutschland mit unseren Wäldern machen. Und Naturschutzgebiete stehen nur rum und bringen niemandem etwas. Dort sollte man ein paar Eiswägen reinrollen und Souvenirshops, das macht die Sache gleich interessanter.

„Ha, ha!“ Grins.

So lebt es sich doch gleich viel harmonischer mit der sozialen Umwelt.

Übrigens gibts eine Menge Bücher von Friedrich August von Hayek gratis beim Mises-Institut zum Download:

http://mises.org/Literature/Author/126/Friedrich-A-Hayek

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Ökonomie.

5 Kommentare zu “Selbstkontrolle für die Österreicher

  1. Das Prinzip „teile und herrsche“

    „Dem Gold verdanken wir die Arbeitsteilung und damit auch die Kulturgüter, denen wir uns erfreuen. Dem Gold aber verdanken wir auch wieder, dass von den geschaffenen Gütern der bei weitem größte Teil, und zwar das Beste, dem Schmarotzertum verfällt. Ist doch das Gold der Vater des Kapitalismus. Dank seinen körperlichen (Edelmetall) und seinen gesetzlichen Vorrechten (gesetzliches Zahlungsmittel) nimmt das Goldgeld eine Ausnahmestellung ein unter den Gütern, deren Austausch auf das Geld angewiesen ist. Das Goldgeld ist darum auch zum allgemeinen Sparmittel geworden, und der Sparer gibt es nicht wieder heraus, es sei denn, dass man ihm einen Zins verspricht. Früh oder spät verfällt aber alles Geld, das der Staat als Tauschmittel in Umlauf setzt, der Kasse irgendeines Sparers, sodass wiederum alles umlaufende Geld aus den Sparkassen kommt, also mit Zins belastet den Markt betritt, um seine Tätigkeit als Tauschmittel zu erfüllen. Diese Doppeltätigkeit des Geldes als Tauschmittel und als Sparmittel ist gegensätzlicher Natur und als Missbrauch des Tauschmittels zu betrachten. Dadurch, dass dem Güteraustausch nur verzinsliches Geld zur Verfügung steht, wird der Zins Vorbedingung der Warenerzeugung überhaupt.
    …So kam mit dem Gold und der Arbeitsteilung zugleich der große Friedensstörer, der Zins, auf die Welt. Die Arbeitsteilung an sich verlangt keinen Zins. Wer sollte da auch Zins zahlen und weshalb? Die Arbeitsteilung hätte also den Menschen allgemeinen Wohlstand bringen sollen, da sie ja kein Vorrecht einzelner, sondern allen Menschen zugänglich ist. Aber aus den Händen des Goldes empfing die Menschheit diese Götterkraft nur unter der Bedingung des Zinses, und damit auch der Trennung der Menschen in arm und reich. Als ob neidische Götter der Menschheit den Machtzuwachs nicht gegönnt, die Unabhängigkeitserklärung der Menschen vom göttlichen Gängelband gefürchtet und dem dadurch vorgebeugt hätten, dass sie nach dem Grundsatz „teile und herrsche“ den Zins als Spaltpilz in die Menschenfamilie eingepflanzt hätten!“

    Silvio Gesell („Ist der Bürger- und Völkerfrieden vereinbar mit der Goldwährung?“, 1916)

    In einer Volkswirtschaft sind die Waren das Angebot und das Geld bildet die Nachfrage. Der Gegenwert allen umlaufenden Geldes ist immer der Wert aller gegenläufig umlaufenden Waren, die aktuell dagegen getauscht werden, und nicht „beliehene Sachwerte“, eingelagerte Goldklötzchen oder sonst irgendetwas. Das heutige Papiergeld ist deshalb Zinsgeld (fehlerhaftes Geld mit parasitärer – der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden – Wertaufbewahrungsfunktion), weil es gänzlich unreflektiert dem Edelmetallgeld der Antike nachgeäfft wurde!

    Wirklich interessant ist die Antwort auf die Frage, warum eine halbwegs zivilisierte Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt, etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld bis heute nicht verstehen konnte:

    http://www.swupload.com//data/3-Verwandlungen.pdf

    • derautor sagt:

      Bitte keine Texte hier reinkopieren.

    • freeman sagt:

      Ganz schlau werde ich aus der ganzen „Zinskritik“ – ob nun Gsell oder seine Epigonen – nicht:

      Ich habe das Gefühl, daß es diese Leute einerseits irrsinnig ungerecht finden, Zinsen für die Überziehung ihre Kontos zahlen zu müssen.
      Andererseits war noch nie einer bereit, mir 1.000 EUR bis zum Jahre 2050 zinsenlos zu borgen.

      Die Trennung in Tausch- und Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes halte ich auch nur für bedingt sinnvoll: Jedes Gut hat prinzipiell beide Funktionen, es gibt Güter, bei denen letztere Funktion aufgrund der Beschaffenheit des Gutes eingeschränkt ist (mein ganzes Vermögen in Milch anzulegen, ist vielleicht keine so gute Idee).

      • derautor sagt:

        Ich halte die grundsätzliche Zinskritik auch für Unsinn. Und sie hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, wenn man bedenkt, wer historisch Zinsen verlangen durfte und dafür verfolgt wurde.

  2. „Ich habe das Gefühl,…“

    „Man darf nicht glauben, eine Idee könne durch den Beweis ihrer Richtigkeit selbst bei gebildeten Geistern Wirkungen erzielen. Man wird davon überzeugt, wenn man sieht, wie wenig Einfluß die klarste Beweisführung auf die Mehrzahl der Menschen hat. Der unumstößliche Beweis kann von einem geübten Zuhörer angenommen worden sein, aber das Unbewußte in ihm wird ihn schnell zu seinen ursprünglichen Anschauungen zurückführen. Sehen wir ihn nach einigen Tagen wieder, wird er aufs neue mit genau denselben Worten seine Einwände vorbringen. Er steht tatsächlich unter dem Einfluß früherer Anschauungen, die aus Gefühlen gewachsen sind; und nur sie wirken auf die Motive unserer Worte und Taten.“

    Gustave Le Bon (Psychologie der Massen)

    Die klarste Beweisführung, dass ein menschenwürdiges, freies Leben auf allerhöchstem technologischen Niveau und ohne Massenarmut, Umweltzerstörung und Krieg nicht nur möglich, sondern auch einfach zu verwirklichen ist, erbrachte der Sozialphilosoph Silvio Gesell mit seinem makroökonomischen Grundlagenwerk „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ im Jahr 1916. Ungezählte „berufsmäßige Besserwisser“, unter anderen John Maynard Keynes und Franz Oppenheimer, um nur die bekanntesten zu nennen, haben bis heute immer wieder versucht, Gesell ganz oder teilweise zu widerlegen, und sind dabei ausnahmslos gescheitert.

    Es wäre einfacher, die Allgemeine Relativitätstheorie zu widerlegen als die Natürliche Wirtschaftsordnung, denn mehr als die absolute Gerechtigkeit lässt sich nicht verwirklichen, schon gar nicht von „Besserwissern“, die nicht im Ansatz verstehen, was Gerechtigkeit bedeutet.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

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